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Was Marken nützt - Let me be your Poliboy

Den Markt für Reinigungsmittel beherrschen wenige Giganten. Und dann ist da noch dieser kleine norddeutsche Familienbetrieb mit seiner hübsch aufpolierten Wirtschaftswundermarke.




Im nie endenden Kampf der Hausfrau gegen den Staub sind nur Etappensiege möglich - und die gilt es zu feiern, bis der heimtückische Gegner den häuslichen Frieden von neuem stört. Deshalb freut sich eine 27-Jährige aus Haltern, Nordrhein-Westfalen, in einem ausführlichen Internet-Erfahrungsbericht sehr über ihre neue Wunderwaffe: das Staubmeister-Tuch von Poliboy. "Es hat total Spaß gemacht, denn es hatte einen Sinn zu putzen!!!" Auf die antistatischen feuchten Lappen, die den Feind bis zu fünf Tage in Schach halten sollen, ist auch Jörn Herrmann, einer der Geschäftsführer der Poliboy Brandt & Walther GmbH in Lilienthal bei Bremen, mächtig stolz: "eine echte Innovation", bei der man der Konkurrenz mal wieder um eine Nasenlänge voraus gewesen sei. Herrmann, 41, eloquent und sehr gut angezogen (seine Schuhe glänzen dank Poliboy-Lederpflege besonders schmuck), hat das Geschäft bei Unilever gelernt und es bei Bahlsen in Hannover bis zum Leiter des European Brand Management gebracht. Wenn einer wie er sich nicht nur kurzfristig in eine kleine Klitsche verirrt, sondern dort auch als Gesellschafter investiert hat, muss es sich wohl um eine besondere Firma handeln. Eine, die ihre Nischen gegen Großkonzerne wie Johnson & Johnson und Henkel seit Jahrzehnten verteidigt. Und mit ihrem größten Pfund clever wuchert: ihrem guten Namen.

Den verdankt sie einem Vertriebsmitarbeiter, dem 1951 beim Autofahren der entscheidende Geistesblitz kam. Er schlug vor, die damalige nach Chemie klingende Möbelpolitur-Marke Polirol in Poliboy umzubenennen. Das klang englisch, also modern, und passte ideal in die Wirtschaftswunderzeit, in der die Deutschen sich mühten, wieder Anschluss an die Zivilisation zu finden und Flecken aller Art verschwinden zu lassen.

Mit dem Poliboy war auch die Werbefigur geboren: der Hotelpage (Bellboy), bis heute das Markenzeichen. Die Brandt & Walter GmbH mauserte sich aus eigener Kraft vom regionalen zum nationalen Anbieter. Und der Poliboy - "Bin schon da!" -wurde dank heute sehr putzig wirkender Fernsehreklame bundesweit bekannt; in den sechziger und siebziger Jahren waren solche Spots auch für kleine Firmen noch bezahlbar.

Dass die Marke dann nicht wie viele andere verschwand oder von der Konkurrenz geschluckt wurde, liegt einerseits an einer äußerst konservativen Firmenpolitik: "Wir geben nur das Geld aus, das wir haben", so das Motto von Ulrich Brandt, Sohn von einem der Gründer und bis Ende Februar auch Geschäftsführer. Andererseits an einem guten Riecher für Innovationen und den Zeitgeist. Brandt, der 1965 ins Unternehmen eintrat, gründete ein eigenes Labor und setzte auf möglichst natürliche Rohstoffe und eine umweltfreundliche Produktion, als das noch nicht angesagt war. Heute ist Poliboy ein mehrfach ausgezeichneter Öko-Vorzeige-Betrieb.

Einfacher ist das Geschäft aber nicht geworden. Jörn Herrmann und seine Kollegen müssen sich ständig etwas Neues wie jüngst den kombinierten Fliesen- und Fugenreiniger einfallen lassen, um den Konzernen zu trotzen. Fernsehwerbung kann sich Poliboy schon lange nicht mehr leisten. Umso erfreuter ist man über eine neue Klientel, die die Marke kultig findet und Gratis-Reklame macht. Hape Kerkeling lobte Poliboy einfach mal so im Fernsehen. Dirk Bach outete sich in der "Amica" als Fan, "weil der Name so schön klingt und so gut zu mir passt". Und die Spaßband "Die Doofen" inspirierte er gar zu den schönen Zeilen: "Möbel Model you're so joy let me be your Poliboy."