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Was ist eigentlich - PRIVATE EQUITY?

Als Firmenjäger, Raubritter und arbeitsplatzfressende Heuschrecken werden sie im Wahlkampfgetöse auf schwarze Listen gesetzt. Doch nie waren Beteiligungsfirmen und Finanzinvestoren so wichtig wie heute.




Private Equity - da weiß gleich jeder, worum es geht: Finanzinvestoren kaufen Betriebe billig auf, schlachten sie aus und vernichten dabei möglichst viele Arbeitsplätze, um die Einzelteile möglichst schnell verscherbeln zu können. Klingt einleuchtend. Nur: Die Legende vom "Quick-and-dirty"-Job hat wenig mit der Realität zu tun. Kein vernünftiges Private-Equity-Haus würde sich darauf einlassen.

Private-Equity-Fonds sammeln zunächst Geld von institutionellen Anlegern, also Versicherungen, Pensionsfonds und Banken, sowie privaten Investoren ein, um sich mit diesen Mitteln direkt als Eigenkapitalgeber in nicht börsennotierten Unternehmen zu engagieren. Damit werden die Fonds voll haftende Anteilseigner beziehungsweise Mitgesellschafter, wodurch sie Mitsprache-Rechte erhalten und so Einfluss auf das Management des Unternehmens ausüben können. Die Folge: Die meisten Firmen werden einer rigorosen betriebswirtschaftlichen Fitnesskur unterzogen. Dazu gehört in der Regel auch, dass die Kapitalgeber strategisches Know-how und Branchen-Kompetenz einbringen. Ziel ist es, die Unternehmen nach vier bis acht Jahren mit Gewinnen, die ein Vielfaches des ursprünglich getätigten Kapitaleinsatzes betragen, an die Börse zu bringen oder an ein anderes Unternehmen zu verkaufen. Immer häufiger werden die Beteiligungen auch an andere Private-Equity-Fonds verkauft.

Im Gegensatz zu. klassischen Aktienfonds, die ihre Portfolios permanent umschichten, oder den berüchtigten Hedge-Fonds, die von schnelllebigen Börsenbewegungen leben, haben Private-Equity-Unternehmen also einen relativ langen und verlässlichen Anlagehorizont. Von schnell rein und noch schneller raus kann keine Rede sein. Und Leichenfledderei? "An Sanierungsfällen haben Beteiligungsunternehmen naturgemäß keinerlei Interesse, weil sie sich derartige Ausfallrisiken schlichtweg nicht leisten können", sagt Detlef Mackewicz, Partner bei Avida Advisers. Schließlich ist die Private-Equity -Branche einem exorbitanten Rendite- und Leistungsdruck ausgesetzt. Zwischen 20 und 40 Prozent Rendite erwarten die Fondsinvestoren - pro Jahr, wohlgemerkt. Wer diese Werte nicht annähernd erreicht, wird bei der nächsten Fondsauflage von Investoren - etwa Pensionsfonds - kein Geld mehr bekommen.

Die Private-Equity-Fonds sind also auf gesunde, leistungsfähige Betriebe angewiesen - man nimmt nicht alles. "Private Equity ist kein Massengeschäft, sondern nur für wenige ausgesuchte Firmen geeignet", erklärt Holger Frommann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Für Mackewicz ist der Private-Equity-Sektor sogar "in erster Linie eine Eliteförderung von Unternehmen, in der nur die besten etwas zu suchen haben". Auf jeden Fall ist die Beteiligungsfinanzierung, wie man das vor wenigen Jahren noch im Rahmen der Basel-II-Debatte dachte, kein Instrument, auf das der deutsche Mittelstand flächendeckend zurückgreifen könnte.

Die meisten Unternehmen werden auch in Zukunft in hohem Maße auf Fremd-kapital, also Kredite, angewiesen bleiben - wenn sie denn welches bekommen. Denn durch die neuen Eigenkapital-Richtlinien im Bankensektor, besser bekannt als Basel II, wird die Kreditaufnahme für kleinere und mittlere Unternehmen deutlich erschwert. Und da die meisten Geschäftsbanken bereits auf einem Berg fauler Firmenkredite sitzen, haben sie keine große Lust, sich in diesem Bereich weiter zu engagieren. "Platziert sich allerdings ein großer Finanzinvestor - mit Eigenkapital - in ein Unternehmen, gilt dies als Gütesiegel für seine Kreditwürdigkeit", sagt Klaus Schmidt, ein auf Private-Equity-Themen spezialisierter Unternehmensberater. Das erleichtert die Fremdkapitalbeschaffung und ist für viele Firmen daher auch ein Hauptmotiv, überhaupt mit Beteiligungsunternehmen zusammenzuarbeiten. In der Regel erfolgt dabei die Gesamtfinanzierung ungefähr zu einem Drittel durch den Finanzinvestor und zu zwei Dritteln durch die Bank. Fließen also 100 Millionen Euro zu, stammen lediglich 30 Millionen vom Private-Equity-Partner und immerhin 70 Millionen Euro von der Bank: "Auf einen größeren Anteil lässt sich der Finanzpartner erfahrungsgemäß nicht ein, weil er sein Portfolio aus Gründen der Risikoverteilung breit streuen muss", sagt Klaus Schmidt.

Der Nachteil für die Unternehmen: Sie müssen die Zinsen für die zusätzlich aufgenommenen Schulden aus dem Cashflow bedienen. Geht das Geschäft eine Weile schlecht, kann das zur existenziellen Bedrohung werden. Genau das führt zum Hauptkritikpunkt an der Private-Equity-Finanzierung: die hohe Schuldenaufnahme - und damit die hohe Zinsbelastung.

Ein Grund mehr, dass nur solide Unternehmen in den Fokus der Private-Equity-Fonds geraten: Von den 45 Milliarden Euro, die deutsche Kapitalbeteiligungsgesellschaften verwalten, konnte im Jahr 2004 der Großteil - nämlich 25 Milliarden Euro - nicht in geeignete Unternehmen investiert werden. Lediglich für 20 Milliarden Euro wurden Anlagemöglichkeiten gefunden. Dieser eklatante Kapitalüberhang stärkt die Position der potenziellen Investments, die sich zunehmend selbstbewusst zeigen. In eigenen Bieterverfahren - "Brautschauen", wie es in der Branche heißt - suchen sich die umworbenen Unternehmen mögliche Finanzpartner aus.

Dass in Deutschland in Sachen Private-Equity-Investitionen ein Nachholbedarf besteht, verdeutlicht der Vergleich mit anderen europäischen Industrienationen. Während das Anlagevolumen im Jahr 2004 hier zu Lande gerade einmal 0,17 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausmachte, waren es in Großbritannien immerhin 0,85 und in Frankreich noch 0,27 Prozent. Die etwa 20 Milliarden in Deutschland investierten Euro verteilen sich dabei auf mehr als 5500 kleine und mittelständische Unternehmen mit insgesamt 638 000 Mitarbeitern und einem kumulierten Jahresumsatz von mehr als 114 Milliarden Euro, Tendenz steigend.

Das Schwierigste an Private Equity ist der Kulturschock Die großen Player, die überwiegend seit Mitte Neunziger in Deutschland agieren, wie Apax, Kohlberg Kravis Roberts (KKR), Permira, Blackstone, Carlyle oder Texas Pacific kommen fast ausnahmslos aus dem angelsächsischen Raum. Deutsche Gesellschaffen spielen allenfalls bei Mittelständlern eine ernst zu nehmende Rolle. Dafür sind deutsche Unternehmen bei internationalen Gesellschaften derzeit sehr beliebt, weil sie als unterbewertet gelten und meist über hohe Qualitätsstandards und Innovationskraft verfügen.

Die Bundesrepublik ist wie einige andere, europäische Länder aber noch aus einem weiteren Grund für Anleger interessant: Stagnierende oder schrumpfende Volkswirtschaften üben einen hohen Druck auf Unternehmen aus, die sich in schwierigen Märkten behaupten und verändern müssen. Die dazu nötigen Restrukturierungen bieten ein lukratives Betätigungsfeld für Private-Equity-Gesellschaften, ganz besonders wegen des momentanen Umbaus und der groß angelegten Entflechtung der Deutschland AG. Da gibt es eine Menge zu tun, etwa wenn Banken sich von ihren Industriebeteiligungen trennen. Oder Konzerne sich von Tochterunternehmen verabschieden. Ein weiteres großes Betätigungsfeld für Private Equity sind Unternehmen, die einen Nachfolger an der Spitze suchen. Davon sind zehntausende deutsche Mittelständler betroffen.

Ein schlechtes Zeugnis kann man Private Equity in Deutschland nicht ausstellen: Einer der spektakulärsten Einstiege von US-Beteilungsgesellschaften war etwa die Übernahme des sauerländischen Automobilzulieferers Honsel durch die Carlyle Group im Jahre 1999. Mithilfe des neuen Investors wurden mehr als 220 Millionen Euro in neue Projekte investiert, das Unternehmen fit für den globalen Wettbewerb gemacht und mehr als 600 neue Arbeitsplätze geschaffen. "Dafür liebt uns der Betriebsrat von Honsel heute noch", heißt es dazu bei Carlyle. Ein Beispiel von vielen.

Natürlich gibt es vereinzelt auch Flops bei Private-Equity-Story s - wie die Pleite von Fairchild Dornier oder das traurige Beispiel der Bundesdruckerei, die für zwei Milliarden Euro erworben und nach einem kurzen Intermezzo für einen symbolischen Euro verkauft wurde.

Das eigentliche Problem aber ist der Kulturschock, den das Zusammentreffen von knorzigen mittelständischen Unternehmern und neunmalklugen Yuppies von den Private-Equity-Fonds auslöst: "Die kommen leider oft nicht zusammen", bedauert Detlef Mackewicz. Eine britische Anlagegesellschaft hat jetzt sogar einen Knigge für derartige Begegnungen zum hausinternen Gebrauch herausgegeben. Darin heißt es unter anderem: " Schicken Sie keinen 25-jährigen Harvard-Absolventen mit Missionsneigung zu einem 60-jährigen Mittelständler, der das Unternehmen in dritter Generation führt." Man kann ja noch dazulernen.