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Der Unternehmer

Ein Mann kauft einen Flughafen in der ostdeutschen Provinz. Er investiert, alle sind guter Hoffnung. Dann versagt man ihm die Betriebserlaubnis für große Maschinen. Was tut er? Er versucht Geld zu verdienen mit dem, was er hat: Platz.




Neuhardenberg ist ein großes Dorf. Rund 3000 Menschen leben hier, aber an einem normalen Wochentag sieht man nur wenige von ihnen. Auch sonst ähnelt Neuhardenberg anderen Orten in Ostdeutschland: Es gibt Supermärkte mit zu großen Parkplätzen, Kopfsteinpflasterstraßen, die noch für Pferdewagen gebaut wurden, einen Bäcker, der auch Fleisch verkauft, und Arbeitslosigkeit. Doch Neuhardenberg hat zwei Dinge, die andere Dörfer nicht haben: ein Schloss und einen Flughafen. Das Schloss mit seiner großen Parkanlage ist sehr schön. Und der Flughafen mit einer knapp 2,5 Kilometer langen Landebahn sehr gut ausgestattet. Zwei Gründe, warum es Neuhardenberg besser gehen sollte als anderen Dörfern. Könnte man meinen.

Der Flughafen gehört Dieter Vornhagen, beziehungsweise seiner Firma, der Airport Berlin-Neuhardenberg GmbH. Vornhagen ist ein kleiner, freundlicher Mann Anfang 50, der mit dem ganzen Körper lacht - man kann sich aber auch vorstellen, dass er mal böse werden kann. Von Dienstag bis Freitag bezieht er sein Büro in einem zweistöckigen Waschbetonklotz auf dem Flughafengelände, am langen Wochenende ist er zu Hause in Dortmund. Vornhagen ist ein Pendler zwischen den Welten, der sich in der Rolle des unternehmerischen Grenzgängers gefällt. "Antizyklisch war schon immer meins", sagt er und grinst. "Wenn ein Kaufmann im Tal anfängt, kann er nicht tiefer sinken." Sein Tal hat ihn einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet, obwohl es am Anfang so aussah, als ginge es nur bergauf. Die Idee, in Neuhardenberg einen zivilen Flughafen aufzubauen, hat alle begeistert, denn Fliegen hat hier eine lange Tradition - wenn auch eine eher düstere: Wernher von Braun experimentierte hier mit einem Raketenantrieb, während des Krieges flogen die Nazis von Neuhardenberg Einsätze Richtung Osten. Zu DDR-Zeiten war in dem inzwischen in Marxwalde umgetauften Ort das Jagdfliegergeschwader 8 der NVA stationiert sowie das Regierungsgeschwader. Die Flieger-Elite der DDR wurde hier ausgebildet und auch der Kosmonaut Sigmund Jähn, bevor er in den Weltraum flog. Seit der Wende erlebte der Flugplatz aber nur noch einmal viel Betrieb: Während des Oderhochwassers war Neuhardenberg der Zielflughafen für die so genannten Sandsackflieger.

Im Jahr 2002 kaufte Vornhagen das Gelände. Ohne Kredite und Fördermittel, darauf ist er stolz. Das Geld kam aus Immobilienverkäufen seiner anderen Firma, der Grundwert Brandenburg GmbH, der immer noch rund 1000 Wohnungen in den neuen Bundesländern gehören. Wie kommt man darauf, in der märkischen Provinz zu investieren? "Als ich gesehen habe, dass der Deutsche Sparkassen- und Giroverband 120 Millionen in die Instandsetzung des Schlosses steckt, habe ich gedacht: Die haben hier was vor." Der Verband renovierte das Schloss behutsam, wie es heißt, und übertrug die Leitung an eine Stiftung, die aus Neuhardenberg ein internationales Tagungs- und Kongresszentrum machen will. Inzwischen gibt es im Schloss regelmäßig Hochkultur, und im Sommer trifft der Kanzler dort seine Minister.

Schon kurz nach dem Kauf des Flughafengeländes, im August 2002, meldete Ryanair Interesse an. Vornhagen betont, dass die Iren auf ihn zugekommen seien, nicht umgekehrt. "Die haben uns aus 60 möglichen Standorten ausgesucht, um Neuhardenberg zu ihrem Drehkreuz Ost zu machen." Verträge über 25 Jahre Laufzeit wurden in Aussicht gestellt. Es gab eine Zusage für ein Bankdarlehen über fünf Millionen Euro für den Bau von Empfangshalle, Parkplätzen und Instrumentenlandesystem. Ryanair garantierte eine Million Passagiere pro Jahr. Im Gegenzug legte sich Vornhagen fest, keine Fördermittel in Anspruch zu nehmen. " Die wollen zu uns, weil hier keine öffentlichen Gelder drinstecken und sie mit uns frei über alles verhandeln können." Das ist eine andere Ausgangslage als in Schönefeld, wo die landeseigene Betreibergesellschaft der Berliner Flughäfen dem Konkurrenten Easyjet ein schönes Nest gebaut hat, mit einem eigenen Abfertigungsgebäude für 1,8 Millionen. Subventioniert und querfinanziert wird das durch den Flughafen Tegel, wo die teuren Airlines zu Hause sind, die ordentlich Gebühren zahlen.

Vornhagen rechnet vor: Schönefeld hat 4600 Angestellte, jeder bekommt 2500 Euro im Monat, das macht knapp 140 Millionen Personalkosten pro Jahr. Optimistisch geschätzt, fliegen vier Millionen Passagiere im Jahr von Schönefeld, pro Passagier bekommt der Flughafenbetreiber laut Gebührenverordnung zehn Euro. Das macht 40 Millionen Einnahmen gegenüber 140 Millionen Kosten. Dieter Vornhagen schaut zufrieden seinen Besucher an. "Sehen Sie, das geht nicht auf!" Und trotzdem wird jeder Job, der in Schönefeld entsteht, als großer Erfolg verkündet. "Deshalb hat auch die Privatisierung nicht hingehauen. Weil Hochtief und die Immobilienholding IVG gemerkt haben, dass sich das nicht lohnt." Jetzt trage der Staat das Risiko, und Hochtief und IVG seien plötzlich wieder dafür, dass gebaut wird.

Die Berlin-Brandenburger Politik und ihr Großprojekt, der Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI). Schon als wir beim ersten telefonischen Vorgespräch auf dieses Thema kommen, wird Vornhagen laut: " Bananenrepublik!" Und: "So was ist nur in Berlin möglich!" Hier in seinem Büro redet er sich wieder in Rage: "Schon eine Milliarde ausgegeben, und nix steht. Aber die Politiker müssen jetzt, die können nicht mehr raus aus der Nummer." Es geht ihm, dem Geschäftsmann, merklich gegen den Strich, wie träge, unwirtschaftlich und ineffizient das Großprojekt vor sich hin stolpert. Dabei könnte es ihm egal sein, was in Berlin passiert, wenn sie ihn nur machen ließen. Aber sie lassen ihn nicht. Und das macht ihn wütend. " Verfahrenskonkurrenz" nennt das Ulrich Junghanns, 'Wirtschaftsminister von Brandenburg. "Da müssen wir alle lachen. Wir sind doch keine Konkurrenz für Schönefeld - Schönefeld ist Konkurrenz für uns." Das Land Berlin-Brandenburg und der Bund als Eigentümer der Berliner Flughäfen verbieten den Wettbewerb, das steht für Vornhagen fest. Die Gemeinsame Landesplanung (GL) beruft sich auf die noch von den Regierungen Stolpe und Diepgen beschlossenen Ziele, die im Großraum Berlin nur einen internationalen Flughafen vorsehen, und untersagt ihm deshalb den Ausbau seines Flughafens. Der Sprecher des Ministeriums für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, Lothar Wiegand, gibt zwar zu, dass die GL auch die Aufgabe hat, strukturschwache Regionen zu fördern. In diesem Fall habe aber "eine gründliche Abwägung ergeben, dass die Ziele der Landesplanung das höhere Gut sind". Obwohl "die Volksseele auf dem Trip ist, dass der Flughafen in Neuhardenberg doch eine gute Sache wäre".

Dieter Vornhagen sagt, sein Unternehmen verliere durch die Absage jährlich ungefähr fünf Millionen Euro, aber diese nüchterne Zahl würde dem Ganzen nicht gerecht. Er sieht die Entscheidung als eine Absage an die Region und generell an die privatwirtschaftliche Initiative. " Eine Regierung darf doch keinen privat geführten Flughafen verbieten, nur weil sie Konkurrenz fürchtet. Das ist so, als würde eine Stadt, die ein öffentliches Schwimmbad baut, alle privaten Swimmingpools in der Gegend verbieten, aus Angst, dass die Leute woanders baden gehen könnten." Herr Wiegand von der GL kontert: "Dass Herr Vornhagen das so sieht, ist seine Sache. Die Entscheidung gegen Neuhardenberg hatte nichts mit Konkurrenz zu tun. Das wäre ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht." Genau das ist es für Dieter Vornhagen, und er ist sich sicher, dass die Politik damit nicht durchkommt. Er hat beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Frankfurt/Oder gegen den Bescheid geklagt und Beschwerde vor der EU-Wettbewerbskommission eingelegt. Beim OVG hat er ein Eilverfahren beantragt. Anfang Juni, nach einem halben Jahr, ist es endlich so weit. Vornhagen macht sich Hoffnung, nicht zuletzt, weil sich die Politik vor Gericht in Sachen BBI schon das eine oder andere blaue Auge geholt hat.

"Sie sehen es an dem OVG-Urteil zum Flughafen Berlin-Tempelhof: Eine Regierung kann nicht einfach einen Flughafen schließen, um die eigenen Interessen zu schützen." Am 23. September 2004 hatte das OVG Berlin zwei Luftfahrt- und Serviceunternehmen von Tempelhof Recht gegeben, die gegen die Stilllegung des Flughafens durch die Luftfahrtbehörde geklagt hatten. Außerdem hat das OVG Frankfurt/Oder am 10. Februar diesen Jahres den Landesentwicklungsplan Flughafenstandortentwicklung (LEP FS) für nichtig erklärte, weil er "gegen Anforderungen höherrangigen Rechts" verstoße. Das macht Vornhagen Mut, denn das ist der Landesentwicklungsplan, auf den sich die GL in ihrer Absage berufen hat. Im Juni wird vor demselben Richter verhandelt.

Ob Ryanair ihm noch so lange die Stange hält, ist nicht sicher. Gerade hat das Unternehmen bei Boeing 140 neue Flugzeuge bestellt - die müssen irgendwo hin. "Ewig warten die nicht auf uns", sagt Vornhagen. " Dann gehen sie halt nach Mecklenburg-Vorpommern oder gleich nach Polen." Man kann auf einem Flughafen viel machen. Autofahren zum Beispiel. Oder Bienen züchten "Wir könnten binnen drei Monaten den Flugbetrieb aufnehmen", sagt Vornhagen. Dank seiner Geschichte gebe es in Neuhardenberg genug Fachkräfte. "Hoch spezialisierte Luftfahrttechniker haben hier jahrelang auf ABM-Stellen Hecken geschnitten. Wir könnten vom ersten Tag an 550 Angestellte beschäftigen, Vollzeit. Und 110 Azubi." Diese Zahlen sind die besten Argumente für einen Flughafen in einer Gegend, in der 30 Prozent der Leute keine Arbeit haben. Momentan halten 57 Mitarbeiter den Betrieb aufrecht, immerhin eintausend Flugbewegungen verzeichnet Neuhardenberg im Monat. Hauptsächlich Cessnas, kleine Privatflugzeuge. Die Privatflieger kommen auch mal vorbei, nur um im Bistro einen Kaffee zu trinken.

Hier könnte diese Geschichte enden, über einen Nebenschauplatz des Berliner-Flughafen-Hickhacks, mit einem von der Politik ausgebremsten Flughafenbetreiber. Aber Dieter Vornhagen ist in der Hauptsache Unternehmer - ihm ist es egal, ob er sein Geld mit Flugbewegungen oder Gummistiefeln verdient, wie er sagt. Deshalb gibt es einen zweiten Teil der Geschichte, der davon handelt, was man auf einem Flugplatz außer fliegen noch alles machen kann. Zum Beispiel Auto fahren. Einen Teil der Startbahn hat Vornhagen an die Brandenburger Polizei vermietet, die darauf ein Fahrsicherheitstraining abhält. Während der Ausbildung wohnen die Fahrschüler in ehemaligen Kasernengebäuden direkt nebenan, die ebenfalls Vornhagen gehören. Die langen, geraden Asphaltbahnen des Flugplatzes sind auch interessant für Autokonzerne. "VW und so" kommen gern hierher, um neue Modelle vorzustellen, erzählt er, weil die Journalisten die Autos richtig ausfahren können. Außerdem gibt es eine Kart-Bahn auf dem Gelände - das Schild, das sie im Ortskern Neuhardenberg ankündigt, ist größer als jenes, das den Weg zum Flugplatz weist.

Dieter Vornhagen hat viel Platz. Sieben Millionen Quadratmeter Fläche umfasst das Gelände, davon 210 000 Quadratmeter Gebäude und eine große unterirdische Bunkeranlage. Eine Menge Wald ist dabei, und es hat sich bereits eine Firma angesiedelt, um dort eine Forstwirtschaft zu betreiben. Die Weihnachtsbäume liefen im vergangenen Jahr schon recht gut.

Vornhagen schlägt eine Besichtigungstour vor. Wir kommen an einem großen Hangar vorbei, der im Sommer für Theateraufführungen genutzt wird, "mit diesem wichtigen Schauspieler. Na, wie heißt der gleich? Wuttke! Kennen Sie den?" Dann passieren wir das Bistro. Ein Schild weist darauf hin, dass hier für zivile Fahrzeuge Ende ist. "Fahren Sie ruhig weiter", sagt er und winkt der Frau zu, die das Bistro betreibt. Auf der Startbahn kurven die Fahrschüler der Brandenburger Polizei um eng stehende rote Hütchen. Der Tower auf einem Grashügel ähnelt einem Bademeister-Ausguck. Überhaupt ist es schwer vorstellbar, dass hier bald Fluggäste abgefertigt werden könnten. Vornhagen wischt die Bedenken beiseite. "Auf den Tower wird eine Kuppel mit Technik draufgesetzt. Und die Passagiere werden mit einem Shuttle-Bus direkt vom Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte zum Rollfeld gefahren." So einfach ist das. Man glaubt ihm sofort, dass der heute boomende Flughafen Hahn im Hunsrück am Anfang nicht anders aussah.

Wenn Dieter Vornhagen von den Parallelnutzungen des Flugplatzes erzählt, wie er sie nennt, ist es schwierig zu unterscheiden, was konkret passiert und was noch in Planung ist. Man hat den Eindruck, er kommt selbst etwas durcheinander - das alles kann ihm nicht schnell genug gehen. Klar wird dabei aber, dass er nicht in Duldungsstarre verfallen ist, sondern versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Vornhagen sieht das ganz pragmatisch: "Das ist eine typische Profit-Sharing-Situation: Für die Aktivitäten und Unternehmen, die sich hier ansiedeln, sind die Umstände ideal, und ich kriege meine Flächen vermietet." Das Interesse an seinem Gelände kommt aus unterschiedlichen Richtungen. Da sind zum Beispiel die Leute mit der Solarkraftanlage: Laut Gesetz darf man Solarkraftanlagen nur auf Bauwerken installieren - und der Flughafen gilt in seiner Gänze als Bauwerk. Das ganze Gelände, alles. "Die dürfen ihre Solarzellen hier flächendeckend aufbauen, das macht uns interessant." Vornhagen lächelt, so etwas gefallt ihm. Ein Angebot liegt vor, es wird aber noch verhandelt. Geplant ist auch ein Biomassekraftwerk, immerhin mit einem Investitionsvolumen von rund 25 Millionen Euro. Vornhagen schwärmt: "Wir haben hier ideale Voraussetzungen für so ein Kraftwerk. Und mit Berlin einen Absatzmarkt direkt vor der Haustür." Die Biomasse soll von den Bauern und Forstwirten aus der Gegend kommen, "damit lohnt sich Waldbesitz in der Region wieder". Außerdem kann er sich vorstellen, die entstehende Abwärme des Kraftwerks zu nutzen, um Früchte zu trocknen. Auch für Trockenobst sei Berlin ein Markt.

Die Einnahmen aus dem Verkauf des Öko-Stroms will er investieren, zum Beispiel in den Ausbau des ehemaligen "Ledigen-Wohnheims" zum " Airport-Hotel". Davon würden wiederum regionale Betriebe profitieren und der Tourismus insgesamt belebt. Vornhagen hat eine Vorliebe für lokale Synergien. Er klingt wie ein Entwicklungshelfer, wenn er beschwört, dass eine Region wie Neuhardenberg sich nur selbst helfen kann, indem alle an einem Strang ziehen und Unternehmer wie er ihr "aktives, wirtschaftliches Tun der pessimistischen Stimmung entgegensetzen".

Während oben noch große Infrastrukturmaßnahmen geplant werden, tun sich unterirdisch bereits erstaunliche Dinge: Zwei kleine Firmen haben sich in die Bunkeranlagen eingemietet. Die eine züchtet auf 500 Quadratmetern Würmer zur Kompostierung, die andere hitzeresistente Hummeln und Bienen, die zur Befruchtung von Obstplantagen in Nordafrika eingesetzt werden sollen. Exotischer sind nur die arabischen Ingenieure, die hier auf märkischem Sand mit Methoden der Dachbegrünung experimentieren. "Das ist da unten offenbar ein großes Ding", sagt Vornhagen schulterzuckend.

Dass dies alles nichts mit Fliegen zu tun hat, stört ihn nicht -es dient dem Ganzen. Immerhin entsteht auch das größte deutsche Forschungs- und Versuchszentrum für Luftschifftechnologie, mit 15 beteiligten Universitäten. Die Delcon (Deutsche Luftfahrt Consult), zu deren Chefs ein ehemaliger Geschäftsführer der einstigen Cargolifter AG zählt, möchte die Leichter- als-Luft-Technologie in Neuhardenberg bündeln und Prototypen in der Größe der legendären " Hindenburg" bauen.

Mehr oder weniger luftfahrtaffin ist auch die Hovercraft Teststrecke, die Vornhagen für den Deutschen Hovercraft Verein baut. Er finanziert und baut, der Verein pachtet langfristig. Im September soll die Hovercraft Europameisterschaft in Neuhardenberg stattfinden. Außerdem vermietet er seine knapp 40 MIG-Hangars an Besitzer von Privatflugzeugen aus Berlin. Diese " MIG-Garagen" sind durch Grasbewuchs getarnte Mini-Hangars, in denen die NVA ihre Kampfflugzeuge parkte. In einigen stehen sogar noch alte Flugzeuge. "Wir machen ein Museum daraus. Ab Montag arbeiten hier zehn Mann, um das wieder herzurichten", sagt Vornhagen im Vorbeifahren, und man hat ein bisschen den Eindruck, als wäre ihm diese Idee gerade erst gekommen.

Am Rande seines Reichs verläuft die Bundesstraße 167, an der das zukünftige Airport-Hotel liegt. Schräg gegenüber ist eine Haltebucht, wo auf einem großen Schild der Bau eines Truck-Stopps allgekündigt wird. Auch eine Idee von ihm: Er rechnet durch die Lkw-Maut mit erhöhtem Brummi-Verkehr auf dieser Strecke, und seine Haltebucht ist die einzige weit und breit, die für Lkws groß genug ist. Noch betreibt hier ein Mann, der seinen Namen nicht gedruckt sehen möchte, eine fahrbare Suppenküche. Er serviert Linsensuppe mit Wurst aus Einwegschüsseln. Zwei Stehtische gibt es, einer ist besetzt. Ja, er kenne den Herrn Vornhagen, schließlich zahle er Pacht an ihn, damit er seine Gulaschkanone hier aufstellen darf. Der Mann hat freundliche Augen und ist vorsichtig mit dem, was er sagt. "Der Vornhagen hat eine Menge Energie", ringt er sich ab. "Aber ob er das mit dem Flughafen schafft..." Er kneift die Lippen zusammen und schaut sich kopfschüttelnd um. " Hier ist ja sonst nichts." Diese pessimistische Einstellung kennt Mario Eska, der PDS-Bürgermeister der Gemeinde Neuhardenberg, nur zu gut. Zum Beispiel vom wirtschaftspolitischen Stammtisch, wo sich die örtlichen Selbstständigen regelmäßig über die schlechte wirtschaftliche Lage und die miesen Aussichten beklagen, diese aber gottergeben hinnehmen. "Der Herr Vornhagen hat da einen ganz anderen Elan", sagt Eska, Mitbegründer der Bürgerinitiative Pro-Flughafen-Neuhardenberg, eine der wenigen Bürgerinitiativen, die sich für einen Flughafen engagieren. "Der lässt sich nicht so schnell einkriegen, sondern versucht was aus der Situation zu machen." Ein bisschen "unkonventionell" findet Eska Vornhagen allerdings schon, weil er sich als Unternehmer traue, zu den Dingen so deutlich Position zu beziehen. "Fast wie ein kleiner Politiker." Tatsächlich fühlt man sich an die Beschwörungsformeln mancher Politiker erinnert, wenn Vornhagen mahnt, " dass es vor allem keinen Stillstand geben darf" und "dass sich die Unternehmer jetzt zusammenschließen müssen, um diese Zeiten gemeinsam zu überwinden". Dass es klappt, daran hat er keinen Zweifel. Er macht eine Handbewegung zum Fenster Richtung Polen und sagt: "Was wir hier haben, ist ein schlafendes Juwel. Ryanair ist für mich inzwischen nur noch der Brandbeschleuniger. Wenn die nicht kommen, dauert es eben etwas länger."