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Der große arabische Traum

Dubais Wirtschaft boomt. Glück Suchende und Investoren aus aller Welt strömen in die Metropole am Persischen Golf. Das Erfolgsrezept des Emirats: eine Mischung aus freundlicher Wirtschaftspolitik und einer Balance von westlichen und orientalischen Einflüssen.




"Das hier ist die Freiheitsstatue der arabischen Welt!", sagt Junior enthusiastisch. Man muss den Kopf in den Nacken legen, um sie ganz zu sehen: Schlicht und elegant ragen die Emirates Towers in den strahlend blauen Himmel, aus Glas und Stahl, 350 Meter hoch. Höher als jedes andere Gebäude in der Region. "Diese Türme stehen dafür, dass Erfolg auch bei uns möglich ist." Der 27-jährige Ägypter, der eigentlich Mohammed Ali heißt, gerät ins Schwärmen. Er trägt die Haare zurückgegelt, ein gestreiftes Hemd, das Handy immer griffbereit.

Junior lebt seit zwei Jahren in Dubai und arbeitet in der Marketingabteilung von Wrigley's, er ist zuständig für schwierige Märkte. Aber jetzt hat er frei und sitzt auf einem Mauervorsprung unter den Türmen. Und schwärmt: "Hier sind die großen Namen der internationalen Wirtschaff versammelt, auch erfolgreiche arabische Unternehmen. Das Hotel bietet arabische Gastlichkeit vom Feinsten, und in der Shopping Mall findet man alles, was man braucht: Gucci, Yves Saint Laurent und Starbucks. Aber ha!, in unserem Starbucks darf man rauchen. Die Leute hier haben etwas kapiert: Man kann den Arabern nicht verbieten zu rauchen, wenn sie Kaffee trinken. In den Emirates Towers gibt es eine optimale Mischung aus westlichen und arabischen Einflüssen." Der junge Mann hat einen Abschluss in Politik und Wirtschaft an der London School of Economics and Political Science gemacht. Seinen wirklichen Namen, Mohammed Ali, benutzt er nur selten, der sei zu eindeutig arabisch. Er belaste ihn wie der Schatten von Osama Bin Laden, der ihm immer folge, wenn er im Westen unterwegs sei. "Es ist im Moment nicht lustig, als Araber in den USA oder Europa zu wohnen." Was ihm an Dubai gefalle, sei das Gefühl, am Erfolg der Stadt teilhaben zu können. "Dubai wird wie ein Wirtschaffsunternehmen geführt. Die Regierenden wollen ihr Land nach vorn bringen." Dubai boomt. Innerhalb von drei Jahrzehnten ist aus einem verschlafenen Nest eine wuchernde Metropole geworden. Um fast 17 Prozent ist das Bruttosozialprodukt im vergangenen Jahr gewachsen. Der Reichtum des Emirats, das neben der Stadt Dubai einige tausend Quadratkilometer Wüste umfasst, entspringt dem Öl. Aber Dubais Vorkommen sind begrenzt, und es war den Herrschern der Stadt, der Familie Al Maktum früh klar, dass sie sich nach einer Alternative umschauen müssen. So entwickelten sie die Idee, Dubai wieder zu dem zu machen, was es einst war: einer Drehscheibe des Handels zwischen Europa, Asien und der arabischen Welt. Während die Herrscher der Nachbarländer ihr Geld zum großen Teil im Westen anlegten, investierte die Emirfamilie in die Infrastruktur und Vermarktung Dubais als Wirtschaftsstandort und lukrative Geldanlage.

Scheich Mohammed Al Maktum, der Bruder des Regenten und Kronprinz des Emirats, hat diese Entwicklung maßgeblich gefördert. Als "weiser Führer mit Visionen" wird er in Prospekten bezeichnet, in denen die Stadt mit dem Slogan "Hier vereint sich das Beste aus Ost und West" beworben wird. Tatsächlich orientiert sich etwa das Wirtschaftsrecht an Europa, ist aber auch von den jungen Märkten in Asien inspiriert: Wie Singapur und Malaysia hat Dubai zahlreiche Freihandelszonen eingerichtet. Viele der Straf- und Familiengesetze gehen hingegen auf islamisches Recht zurück - eine investitionsfreundliche Wirtschaftspolitik trifft hier also auf einen islamischen Balanceakt zwischen Modernisierung und Tradition.

Dubai gilt heute vielen als das New York der arabischen Welt und für internationale Firmen als Tor zum arabischen Markt. Junge, gut ausgebildete Menschen aus der gesamten Region kommen hierher, weil sie hier etwas finden, das in Beirut, Kairo und Casablanca fehlt: Perspektiven, Karrierechancen und ein gutes Leben - ohne Religionswächter. Die Lebensfreude ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Hinzu kommt, dass es relativ leicht ist, motivierte Mitarbeiter anzuheuern - Dubai hat einerseits den Ruf als Partystadt der Region und ist andererseits dank seiner ausgedehnten Strände ein Paradies für Familien mit kleinen Kindern.

Keine Bürokratie, keine Steuern, kein Zoll. Und die Banken arbeiten islamisch korrekt Es ist Freitagmittag, und Walied und seine Freunde lungern an der Strandpromenade herum, in der Nähe des Burj Al Arab, dem teuersten Hotel der Welt. Walied trägt eine zerschlissene Anzughose, seine Füße stecken in Badelatschen. Er tippt sich mit dem Finger an die Stirn auf die Frage, ob er das Luxushotel schon einmal von innen gesehen habe: "Natürlich nicht!" Er und die anderen stammen aus Ägypten, wie Junior. Allerdings kommen sie vom Land und haben keine Ausbildung. Eine Agentur hat sie an eine Zementfabrik vermittelt. Sie hoffen darauf, bald als vergleichsweise reiche Männer in ihre Heimat zurückzukehren. Im Moment sieht es jedoch schlecht aus: Ihr Chef will den Lohn nicht zahlen, und bald läuft ihr Visum ab.

Tausende Billigarbeiter schuften auf der größten Baustelle der Welt. Insgesamt 20 000 Hotelzimmer sollen in den kommenden fünf Jahren gebaut werden, da wird eine Menge Zement gebraucht und viele Menschen wie Walied. Allerdings ist auch sein Schicksal kein Einzelfall: Fast täglich berichten lokale Zeitungen über Arbeiter, die um ihren Lohn betrogen wurden. Der Strom der Arbeit Suchenden reißt trotzdem nicht ab - Dubai bedeutet für sie die Erfüllung ihres Traums von Reichtum und Glück.

Ähnlich sieht es Jennifer Neumann. "Für mich gibt es derzeit keinen besseren Ort auf der Welt, um Geschäfte zu machen", sagt die 44-jährige CEO des IT-Unternehmens Canto, während sie an einem künstlichen See entlangschlendert, der zwischen den Glas-und-Stahl-Bürogebäuden der Dubai Internet City liegt. Die Berliner Geschäftsfrau, die vor zwei Jahren hier eine Niederlassung ihrer Firma gegründet hat, ist begeistert. "Das Beste ist, dass es hier so wenig Bürokratie gibt. Wir haben zehn Tage benötigt, um unsere Firma zu gründen, und konnten sofort anfangen zu arbeiten. So schnell geht das an kaum einem anderen Ort." Jennifer Neumann koordiniert nun von hier aus ihre weltweiten Geschäfte und hat auch den Versand ihres Produkts, einem Archivierungssystem für Bilder, nach Dubai verlegt.

Die Dubai Internet City ist eine Freizone für IT-Unternehmen. Neben dem Tourismus, der inzwischen knapp 30 Prozent des Bruttosozialprodukts ausmacht, ist das Geschäft mit den Freizonen der vielversprechendste Wachstumsmarkt. Ob Gesundheits-, Medien- oder Finanz-City: Für fast jede Branche gibt es Zonen, in denen Firmen eine für sie optimale Infrastruktur finden sowie Steuer- und Zollfreiheit haben. Die Freizonen gehören der Herrscherfamilie, und die Verwaltung der Zonen kümmert sich um alle Formalitäten: von der Aufenthaltsgenehmigung bis zur Zulassung für den Firmenjeep.

In der Dubai Finance City soll im kommenden Herbst die erste Börse am Golf entstehen, an der ausländische Wertpapiere gehandelt werden. Neben den klassischen Finanzdienstleistern wird besonders der islamische Markt umworben. Gut ein Drittel der Banken in der Golfregion arbeitet bereits nach islamischen Kriterien und hält sich an das Zinsverbot des Korans. Will etwa ein Kunde Geld leihen, um sich ein Auto zu kaufen, tritt die Bank als Zwischenkäufer auf und verkauft es dann - zu einem etwas höheren Preis versteht sich - an den Kunden weiter, wobei Ratenzahlung vereinbart werden kann. Das Gütesiegel "islamisch korrekt" verleihen Religionsgelehrte. Auch westliche Geldhäuser haben inzwischen einen Teil ihrer Transaktionen auf zinsfrei umgestellt und bieten Fonds an, die im Einklang mit der Religion wirtschaften: kein Alkohol, kein Schweinefleisch, keine Warfen. Das Geschäft mit den gläubigen Kunden gilt als lukrativ.

Die Internet City und die nahe gelegene Freizone für Medien locken mit einem anderen in der Region raren Gut: weitgehender Meinungsfreiheit. Neben arabischen Satellitensendern haben auch CNN, Reuters und AP ihre Büros in der Dubai Media City, und solange sie nicht direkt die Regierung der Emirate kritisieren, können sie berichten, was sie wollen. In der Internet City sorgt ein spezieller Einwahlpunkt für einen zensurfreien Zugang zum weltweiten Netz - selbst auf Seiten, die sonst von der staatlichen Telefongesellschaft geblockt sind.

Theoretisch gibt es für Geschäfte keine Grenzen, aber: "Es gibt unausgesprochene Benimm-Codes", sagt Jennifer Neumann. "Es würde niemand von hier aus eine Porno-Website betreiben. Die Menschen verhalten sich unauffällig und dürfen dafür so leben, wie sie wollen." Es gebe Geschichten über Menschen, die gegen diese Regeln verstoßen haben, und wie der Emir mit ihnen umgegangen ist. Ob sie stimmen, ist nicht so wichtig - jeder kennt sie, und so sorgen sie dafür, dass niemand aus der Reihe tanzt.

Das ist selbstverständlich weit vom offiziellen Bild des Emirats entfernt: Dubai steht für einen Traum. Und Raja Trad, CEO der Werbeagentur Leo Burnett für den Mittleren Osten und Nordafrika, ist einer der Verkäufer dieses Traums. Er formuliert viele der Sätze und wählt die Bilder aus, mit denen sich die Stadt präsentiert. Ein unendliches türkisblaues Meer, eine saftige grüne Wiese mit weißen Villen darauf, Kinder spielen am Pool, blonde Kinder. "Wir gestalten die Zukunft. Heute" steht groß darunter. Solche Werbetafeln für Neubaugebiete am Rande der Stadt stehen an den Hochstraßen Dubais. Auch im Ausland investiert man kräftig in die Imagepflege. "Ich sehe Dubai als Marke", sagt Raja Trad, "und es ist uns gelungen, die gut zu platzieren." Das Gesicht des etwa 50-jährigen Libanesen spiegelt sich in der Glasplatte seines Schreibtischs, ordentlich legt Raja Trad seine Hände neben die Papiere. "Dubais Erfolg liegt in Projekten, von denen man hört, sich an die Stirn tippt und denkt, das wird doch nie etwas. Aber die Marke Dubai steht dafür, dass es dann klappt. Da war zum Beispiel das Burj Al. Arab, das teuerste Hotel der Welt. Eine tolle Idee, man sprach darüber in der ganzen Welt, aber was ist das Burj im Vergleich zu den neuen Projekten?" Sein Zeigefinger malt Kreise auf die Tischplatte: die Palmen-Inseln.

Doch selbst die künstlichen Villenparadiese vor der Küste sind bereits von einem weiteren Megaprojekt getoppt: Anfang Februar hat Scheich Mohammed das Dubai-Waterfront-Projekt vorgestellt. Auf einem Gebiet, das größer ist als Manhattan, soll eine Landschaft aus künstlichen Inseln, Uferpromenaden und kleinen Kanälen entstehen. Das Herzstück soll die "Stadt der Araber" werden, in deren Mitte der Burj Dubai aufragen soll, das dann höchste Gebäude der Welt. Gebaut werden soll das Projekt von der staatseigenen Entwicklungsgesellschaft Al Nakheel, die auch später Mehrheitseigentümerin bleiben wird. 49 Prozent der Anteile stehen jedoch zum Verkauf: in Form von Aktien, Grundstücken und Beteiligungen an Joint Ventures.

Im Sommer sind in Dubai 47 Grad - prima Klima für ein Shopping Festival Die "Stadt der Araber" soll das Finanz- und Geschäftszentrum und der Stolz der Region werden. Die Planer haben es ganz besonders auf finanzkräftige Geldgeber vom Arabischen Golf abgesehen. Viele von ihnen fühlen sich inzwischen im Westen nicht mehr wohl und suchen nach neuen Anlagemöglichkeiten. Und besonders gern investieren sie in Immobilien, denn die gelten als sicher und stehen im Einklang mit der Religion. Wenn es dann auch noch für eine gute Sache ist, für den Beweis etwa, dass ein neues Manhattan am Golf möglich ist: umso besser.

Für die Entwicklung der Bauvorhaben ist Al Nakheel zuständig, verwaltet und betrieben werden die Großinvestitionen von der ebenfalls staatseigenen Dubai Holding. Die hat kürzlich noch einen internationalen Ableger bekommen: die Beteiligungsgesellschaft Dubai International Capital, die Geld nicht nur im eigenen Land anlegt. Ende Januar erwarb sie Anteile an DaimlerChrysler - für eine Milliarde Dollar. Ob eine künstliche Inselgruppe, der höchste Wolkenkratzer oder die große Investition: Hauptsache, die Welt staunt. Der Traum von Dubai ist auch ein Traum von Anerkennung.

Alles läuft prima, und der Werber Raja Trad erzählt, wie er mal an Scheich Mohammed gezweifelt hat, aber bekehrt wurde. "Vor einigen Jahren hatte er die Idee, ein Shopping Festival im August zu lancieren. Da dachte ich, jetzt geht er zu weit. Im Sommer sind hier 47 Grad, und die Luftfeuchtigkeit ist wie eine Wand. Ich verreise den ganzen Sommer wie alle. Ich brauchte aber während des Festivals ein Hotelzimmer und musste feststellen, dass die ganze Stadt ausgebucht war. Unser Erfolg lockt immer mehr Menschen an, und bis 2010 wird sich die Bevölkerung verdoppeln." Wird es also immer so weitergehen? Ebtisam Al Kitbi wird zappelig, wenn sie nur daran denkt. Sie tippt mit der Sandalenspitze aufs Gaspedal, der Motor ihres BMW heult kurz auf, aber schneller voran geht es deshalb nicht, denn sie steht im Stau. Eigentlich ist fast immer Stau in Dubai: Berufsverkehr, Shopping-Verkehr, Wochenendstrandverkehr, Wüstenausflugsrückkehrerverkehr. 30 Jahre wirtschaftlicher Fortschritt seien schön und gut, sagt Ehtisam Al Kitbi, aber: "Jetzt ist die Zeit reif, das Land auch politisch zu modernisieren." Die 35-Jährige ist etwas Besonderes: Sie ist keine Ausländerin. Von den 1,2 Millionen Einwohnern Dubais sind nur gut zehn Prozent Staatsbürger. Ebtisam Al Kitbi sieht darin eine Gefahr, nicht nur, weil die Einheimischen zwischen Shopping Malls, Formel-1-Rennstrecken und Nachtclubs nach den Resten ihrer Kultur suchen. Ihr geht es vielmehr um Politik: Die Mehrheit der Stadtbewohner, Glück Suchende aus aller Welt, käme nicht auf die Idee, nach Mitsprache zu verlangen, und so ist es für die Regenten einfach, zu tun, was sie wollen. Aber bisher ist der Ruf nach einer Demokratisierung auch unter den Einheimischen verhalten, und das ärgert Ebtisam Al Kitbi: "Der Ölreichtum macht uns mundtot. Der Staat versorgt uns mit Jobs und Krediten, die man nicht zurückzahlen muss, und dafür stellen wir keine Fragen." Langsam schiebt sich das Auto über die Hochstraße.

Ebtisam Al Kitbi ist Junior-Professorin für Politikwissenschaften an der staatlichen Universität, außerdem hat sie einen Posten im Gulf Research Center. Das Center wird von einem Geschäftsmann finanziert, der auf ausgeglichene Bilanzen schaut, letztlich aber ein anderes Ziel hat: Er will Reformen. "In den vergangenen 30 Jahren wurde viel in die Bildung investiert", erklärt Ebtisam Al Kitbi. "Und die jungen Menschen, die jetzt aus den Universitäten kommen, wollen nicht nur reich werden, sondern auch mitreden. Ich beispielsweise bin Sozialistin." Endlich tut sich eine Lücke auf, Ebtisam Al Kitbi gibt Gas. Das Wort "Sozialistin" hängt schwer in der Klimaanlagen-Luft des Autos. Eine Sozialistin in einem BMW, mit Mantel und Kopftuch, beides tiefschwarz. "Die schwarze Kleidung hat wenig mit Religion zu tun. Wir tragen sie, weil das hier so üblich ist. Außerdem wird man mit mehr Respekt behandelt, wenn man sich auf diese Art als Einheimische zu erkennen gibt. In der Hinsicht ist das hier eine krasse Klassengesellschaft." Dubai ist die Stadt des Geldes, doch zur Imagepflege gehört die Förderung der Religion - man hofft auf die Anerkennung der muslimischen Brüder, von gläubigen Investoren ganz zu schweigen. Also findet alljährlich ein Wettbewerb im Koran-Zitieren statt, und da Scheich Mohammed davon überzeugt ist, dass es der Seele hilft, die Heilige Schrift auswendig zu lernen, hat er außerdem ein Programm für Straftäter gegründet: Wer den gesamten Koran rezitieren kann, bekommt bis zu 15 Jahre Gefängnis erlassen.

Mit fundamentalistischen Terror-Organisationen will man dagegen selbstverständlich nichts zu tun haben, obwohl Dubai als beliebter Zwischenstopp für Al-Qaida-Kämpfer gilt und auch für die Finanziers des Terrors lange eine gute Adresse war. Zumindest damit soll nun aber Schluss sein, denn die Regierung hat die Geldwäschegesetze auf UN-Standard gebracht und Hawala-Geschäfte verboten: Dieses papierlose, komplett auf Vertrauen basierende System des Geldtransfers existiert im Nahen Osten seit dem frühen Mittelalter und wurde in den vergangenen Jahren verstärkt von Terror-Organisationen genutzt.

Viele halten Dubai für die sicherste Metropole der Welt, und Abdulkhaleq Abdulla weiß auch den Grund dafür: "Unsere Regierung ist weise, sie hält sich von der Politik fern." Der Politik-Professor, der eine Talkshow im Satellitenfernsehen moderiert, meint, weil sich die Regierung auf die Wirtschaftsförderung konzentriere und sich von den Untiefen der arabischen und internationalen Politik fern halte, ziehe sie nicht den Zorn der Radikalen auf sich. Natürlich gebe es unter den Jugendlichen in Dubai Anhänger von Bin Laden. "Doch der Radikalismus ist hier viel weniger stark als etwa in Saudi-Arabien. Der Grund dafür liegt in unserem Erfolg. Den Jugendlichen geht es gut. Sie haben Jobs und Perspektiven und sind stolz auf ihr Land." "Ja, ja, Dubai ist großartig", sagt Dana Suyyagh. Sie setzt sich neben Junior auf die Treppe unter den Türmen. "Solange du jung bist, gut ausgebildet und bereit, viel zu arbeiten, bekommst du hier alles", erklärt die Jordanierin und schüttelt die blond gesträhnten Haare nach hinten. Dana Suyyagh ist Journalistin und hält sich mit 32 Jahren für das Paradies der Jugend schon fast für zu alt: "Bis ungefähr 35 ist alles okay, da darfst du mitmachen, na ja, und dann gibt es noch Schönheitschirurgen, da kannst du die Illusion ein wenig verlängern und bekommst vielleicht noch einen Fünf-Jahres-Vertrag. Aber irgendwann ist Schluss." Sie wirft ihre Zigarettenkippe auf die Straße und schaut sich sofort schuldbewusst um: Eine der Regeln des weisen Führers besagt, dass man öffentliche Flächen nicht verschmutzen darf. Sie sagt: "Es wird irgendwann ganz schön sein, mal wieder an einem realen Ort zu leben!"