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Das geht - Eisfrösche

Dinge in Waren zu verwandeln ist die hohe unternehmerische Kunst. Sie funktioniert sogar mit gefrorenem Wasser.




Am Anfang lachten alle über die Idee. "Für gefrorenes Wasser gibt doch niemand Geld aus. Erst recht nicht für ein Produkt, das jeder selbst herstellen kann." Doch Reinhard und Carsten Schweitzer blieben hartnäckig. Vater und Sohn hatten sich in den Kopf gesetzt, Deutschlands größte Produzenten für Getränke-Eiswürfel und zerstoßenes Eis zu werden. Ein Geschäft, das in den USA schon lange florierte, aber hier zu Lande bedeutungslos war.

Heute, anderthalb Jahre nach Gründung der Crio Ice GmbH & Co. KG, verstummen die Zweifler. Die Nachfrage nach Icefrocks, so heißt die Marke, ist zuletzt so stark gestiegen, dass die Eismaschine der Schweizers sie kaum bewältigen kann. Die 7,5 Tonnen Eiswürfel und zerstoßenes Eis, die sie täglich produziert, wird mittlerweile in rund 800 Tankstellen und Getränkemärkten deutschlandweit verkauft. Für beide Seiten ein einträgliches Geschäft: Der Zwei-Kilo-Beutel kostet drei Euro, ein Drittel behält der Händler.

Ferdi Schmidt ist einer von ihnen. Seine Aral-Tankstelle in Köln führt seit einem Jahr das Eis aus Birkenfeld. Sein Mitarbeiter Andreas Graichen sagt: "Es lief direkt gut an. Auf dem Weg zum Grillabend kommen die Leute bei uns vorbei und nehmen einen Beutel Eiswürfel für ihre Getränke mit. Für Partys kaufen sie sogar manchmal gleich zehn Beutel und füllen damit ihre Badewanne und Caipirinha-Gläser." Für Ende 2006 rechnet die Familie Schweitzer mit einer Verdreifachung der Vertriebspartner und mindestens einer Verzehnfachung der Nachfrage. In spätestens drei bis vier Jahren wollen sie einen Umsatz von zehn Millionen Euro erwirtschaften. Ob das klappt, ist auch eine Frage der Logistik - und weiterer Investitionen. Denn damit das Eis von der Produktion bis zum Endkunden nicht auftaut - was auch aus hygienischen Gründen bedenklich wäre -, braucht es Spezialfahrzeuge und Kühllager.

Ihr Wissen über Kälte und Logistik stammt aus der medizinischen Kältetechnik. 20 Jahre lang führte Schweitzer senior, 58, in Birkenfeld eines der innovativsten und erfolgreichsten Unternehmen der Branche, in das er Sohn Carsten, 32, parallel zu dessen Betriebswirtschaftsstudium stets voll integrierte. Trotz des Erfolges verkauften sie die Crio Medizintechnik im Sommer 2004 an den Konkurrenten Linde. "Die Sicherung des Erreichten" sei ein Grund gewesen, sagt der Senior. Ein anderer Langeweile: In den vergangenen Jahren sei er sich mehr als Verwalter denn als Unternehmer vorgekommen.

Schon vor dem Verkauf waren Vater und Sohn auf der Suche nach einer neuen Geschäftsidee. Reisen in die USA und nach Spanien machten sie schließlich auf das Produkt Getränkeeis aufmerksam. Es sei wie mit Solarien, sagen sie: "Am Anfang hat in Deutschland auch niemand daran geglaubt, dass man mit künstlicher Sonne Geld verdienen kann." 2002 beschlossen Vater und Sohn als gleichberechtigte Partner mit Eis Geld zu machen.

In den folgenden Monaten flogen die Schweitzers durch die ganze Welt, um sich zusätzliches Wissen anzueignen. Zurück in Birkenfeld errichteten sie unweit der Crio Medizintechnik eine kleine Halle, in der eine Eismaschine und ein Kühllager Platz fanden.

Insgesamt sind die beiden mit ihrem Erfolg ganz zufrieden. Aber sie wären keine Vollblutunternehmer, wenn ihnen das reichte. Noch für diesen Sommer planen sie Investitionen in siebenstelliger Höhe. Ihr Ziel: die "modernste Eisproduktionstechnik Europas".

Stolz zeigt Carsten Schweitzer den Plan der neuen Fertigungsanlage, die bis zum Sommer stehen soll. Geplant ist ein tägliches Volumen von 70 Tonnen Getränkeeis, das mittels eines neu entwickelten Verfahrens höchsten hygienischen Standards genügen und völlig klebefrei sein soll. "Frostatunnel" heißt der Kälteschlauch, in dem die Würfel mit tiefkalten Temperaturen beblasen werden, um die Entstehung eines Wasserfilms auf den Oberflächen und damit das Zusammenkleben der Würfel zu vermeiden. Das Verfahren wollen sich Vater und Sohn patentieren lassen und Icefrocks zu einem Qualitätssiegel ausbauen.

Und wenn es kommt, wie sie es sich erhoffen, wollen sie in Deutschland schon bald weitere Produktionsstandorte eröffnen. Auch eine Expansion ins Ausland halten sie für denkbar. Vorerst allerdings brauchen sie für den unmittelbaren Umsatzsprung vor allem eines: einen sehr heißen Sommer. Crio Ice GmbH, Heimigstraße 1, 75217 Birkenfeld, Telefon 0 72 31/2 80 89 10, www.icefrocks.com