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Populäre Irrtümer

Goldreserven Die Goldreserven Deutschlands lagern bei der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main, da gehören sie auch hin.




Die Fakten: Der Großteil des deutschen Goldschatzes befindet sich nicht in Frankfurt, wo nur geschätzte zwei Prozent der heimischen Goldreserven lagern. Er befindet sich noch nicht einmal in Deutschland. Die meisten Reserven liegen im Keller der Federal Reserve Bank of New York (Fed). Ein Unikum: Keine andere bedeutende Industrienation lagert Gold in so großem Umfang im Ausland.

Die Fed in Manhattan - nicht etwa Fort Knox - beherbergt den größten Goldschatz der Welt: 550000 Barren im Wert von 90 Milliarden Dollar. Deutschland hält mit einem Drittel daran den mit Abstand größten Anteil.

Genauer gesagt: Das nimmt man an. Denn exakte Angaben über den deutschen Goldschatz in Manhattan gibt es nicht. Wie viel genau wo gebunkert wird, verrät kein Bankier und kein Politiker. Die gesamten Goldreserven Deutschlands sind gegenwärtig rund 36,5 Milliarden Euro wert. Die Bundesbank bestätigt nur, dass der größte Teil im Ausland untergebracht ist, und zwar nicht nur bei den Amerikanern, sondern auch bei der Bank of England in London und bei der Banque de France in Paris.

EU-Agrar-Subventionen Die EU-Landwirte sind Subventions-Weltmeister. Niemand kassiert so viel wie sie.

Die Fakten: Die Agrarausgaben der Europäischen Union (EU) betragen rund 48 Milliarden Euro. Das ist annähernd die Hälfte des EU-Haushalts - eine unbestritten hohe Summe. Der Gradmesser für den internationalen Vergleich ist jedoch der Anteil der Unterstützungen am durchschnittlichen Gesamteinkommen der Bauern. Der macht in der EU 37 Prozent aus. In Europa gibt es außerhalb der Union sehr viel größere Nutznießer von Subventionen. Allen voran: die Schweizer Bauern. Deren Einkommen sind zu 74 Prozent subventioniert, die der Norweger zu 72 Prozent und die der Isländer zu 70 Prozent. Kräftig kassieren auch die südkoreanischen Landwirte (60 Prozent) und die Japaner (58 Prozent). Die USA, die wie die Europäer für ihre hohen Agrarsubventionen gescholten werden, subventionieren nur 18 Prozent der Einkommen ihrer Bauern.

Erfindung der Glühbirne Thomas Alva Edison hat die Glühbirne erfunden.

Die Fakten: Edison meldete 1879 die Glühbirne als Patent an, doch erfunden hatte sie der Hannoveraner Heinrich Göbel, und zwar bereits 1854. Sie hatte eine Brenndauer von 400 Stunden. Allerdings konnte sich damals das elektrische Licht noch nicht am Markt durchsetzen, weil Voraussetzungen wie Generatoren und Stromnetze noch nicht existierten.

1893 kam es zum Rechtsstreit mit dem Geschäftsmann Edison, der die Erfindung der Glühbirne für sich reklamierte - das amerikanische Gericht erkannte jedoch Göbel offiziell als Erfinder an. Edisons Verdienst ist gleichwohl die technische Weiterentwicklung der Glühbirne und vor allem die Konstruktion der notwendigen Infrastruktur: Anschlüsse, Schalter und Sicherungen. Er hatte das Potenzial des elektrischen Lichts erkannt und sorgte für dessen Marktreife.

Fließbandarbeit Der Autohersteller Henry Ford hat die Fließbandarbeit erfunden.

Die Fakten: Die Erfindung der Fließbandarbeit veränderte Wirtschaft und Gesellschaft so grundlegend, dass Sozialwissenschaftler die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts auch als Phase des Fordismus bezeichnen - doch Henry Ford hat das Fließband nicht erfunden. Er führte das neue Arbeitsprinzip zwar 1913 im großen Stil in seinen Fabriken ein und erzielte damit in der Folge frappierende Effizienzgewinne.

Als erster amerikanischer Autohersteller setzte Olds Motor Works 1902 zum ersten Mal das Fließband ein. Und bereits im 19. Jahrhundert wurden Fließbänder in anderen Branchen verwendet.

Exportweltmeisterschaft Deutschland ist wieder wer: Exportweltmeister.

Die Fakten: Auch für das Jahr 2004 verleiht sich Deutschland wieder selbst den Titel des Exportweltmeisters, denn der absolute Warenwert der Ausfuhren übertrifft wie im Vorjahr den der US-Exporte. So viel zur Theorie. Praktisch gilt aber, dass als einzig sinnvolle Vergleichsgröße nur der Exportwert pro Kopf gelten kann. In dieser Hinsicht landet Deutschland unter den OECD-Staaten nur im guten Mittelfeld. 2003 betrug der Warenwert deutscher Exporte 9000 Dollar pro Einwohner. Die OECD-Spitzenpositionen halten Belgien (24500 Dollar) und Irland (Dollar). Gleichwohl nehmen sich die Werte Japans (3700 Dollar) und der USA (2500 Dollar) noch bescheidener aus als im absoluten Vergleich.

Krankenversicherung Die meisten Amerikaner sind nicht krankenversichert.

Die Fakten: Rund 84 Prozent aller Einwohner der USA sind krankenversichert. Viele Unternehmen bieten eine automatische betriebliche Absicherung. Sozialhilfeempfänger hingegen sind über das Medicaid-Programm versichert, Rentner über die staatliche Versicherung Medicare. In Deutschland ist die Quote mit 98,8 Prozent zwar hoch, aber immer mehr Bürger leben hier zu Lande ohne Schutz: 1995 meldeten sich 105 000 Deutsche bei keiner Versicherung, 2003 waren es schon 188 000.

Niederschlag In Hamburg regnet es mehr, und es ist kälter als in München.

Die Fakten: Das Gegenteil ist der Fall: Die Jahreswerte für Niederschlag sind in München (804 mm) deutlich höher als in Hamburg (770 mm), auch ist es im Schnitt in München kälter (7,8 Grad) als im Norden (8,6 Grad). Allerdings ist der Regen in Hamburg gleichmäßig über das Jahr verteilt, während München von dem extremeren Kontinentalklima geprägt ist. Das bedeutet, dass es im Süden nicht nur mehr Niederschlag gibt, sondern auch mehr Sonnentage (1700 Stunden Sonnenschein gegenüber 1560 in Hamburg).

Schokoladen-Weihnachtsmänner Alle Jahre wieder müssen die Kaufhäuser überschüssige Weihnachtsware nach den Feiertagen - unter hohen Verlusten - zu reduzierten Preisen verkaufen. Und die übrig bleibenden Weihnachtsmänner werden eingeschmolzen und feiern als Osterhasen Wiederauferstehung.

Die Fakten: Vor allem für die großen Kaufhausketten ist der Kundenansturm auf reduzierte Weihnachtsware ein lohnendes Geschäft. Sie halten absichtlich einen größeren Vorrat zurück - und machen mit den vermeintlichen Schnäppchen immer noch Gewinn. Der wichtigste Zweck des Weihnachtsschlussverkaufs: Kunden in die Läden locken. Ein zweites Leben ist den Schoko-Weihnachtsmännern nicht vergönnt - bis zum Osterfest sind alle verputzt.

Ressourcen Wasser wird immer knapper. Wir müssen Wasser sparen.

Die Fakten: Für Deutschland ist das eine gewagte Behauptung. Die Umweltwissenschaftler Hans-Jürgen Leist und Georgios Magoulas von der Universität Hannover haben in einer umfassenden Studie vor drei Jahren das Gegenteil bewiesen: Wassersparen ist in Deutschland sinnlos, sogar schädlich. Im Durchschnitt verbraucht ein Bundesbürger nämlich nur noch 195 Kubikmeter Wasser pro Jahr, während der globale Durchschnittsverbrauch bei 646 Kubikmetern pro Person liegt. Ein weiterer Rückgang des Verbrauchs würde, so die Forscher, dazu führen, dass die hygienischen und qualitativen Gütestandards der Trinkwassenversorgung beeinträchtigt werden.

Das liegt daran, dass Deutschland extrem wasserreich und Wasser "ein Lebensmittel und wie jedes Lebensmittel mit einem Verfallsdatum versehen" ist, wie Leist und Magoulas schreiben. Wo so hohe Grundwasserreserven bestehen, die nicht verbraucht werden, kommt es zu einer zunehmenden Verkeimung.

In Städten wie Kiel, wo in den vergangenen Jahren der Trinkwasserverbrauch um bis zu 20 Prozent zurückging, müssen die Wasserwerke mittlerweile sogar ." Notspülungen" vornehmen, um gesundheitliche Gefahren für die Bevölkerung zu vermeiden. Auf diese Weise werden jährlich allein in Kiel zwei Millionen Kubikmeter Wasser "verschwendet". Wer sich und der Umwelt etwas Gutes tun will, spült also durch.