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Am Strand der guten Hoffnung

Die Zeppelin University am Bodensee ist eine private Hochschule. Sie ist eine Innovation. Und will es bleiben.




Was ist Freiheit, und was sind ihre Bedingungen? Über die Antwort auf diese Frage haben sich Philosophen jahrhundertelang den Kopf zerbrochen. Im echten Leben sind Staaten, Gesellschaften und ungezählte persönliche Beziehungen an ihrer Beantwortung gescheitert. Die Frage nach der Freiheit und ihrer Bedingungen ist eine nach dem Miteinander, deren Antwort oft im Gegeneinander endet und deshalb einen unmittelbaren Realitätsbezug hat.

Nicht nur das Miteinander, sondern auch den Bezug des Gelernten zur Realität sollen die Studenten der Zeppelin University während ihrer Ausbildung an der Hochschule in Friedrichshafen lernen. Freiheit, wie man mit ihr umgeht und was man daraus macht, gehört implizit zum Lehr- und Lernstoff der Universität am Bodensee. Und heute, an diesem Tag im November im Seminarraum 3 im ersten Stock des Campus-Gebäudes, könnte die gut durchdachte Antwort auf die Frage nach der Freiheit (im Aufgabenbogen hat der Uni-Präsident höchstpersönlich den Satz "Denken Sie vor dem Schreiben" hinter die Frage gestellt) den 14 Studenten, die sich um das Wiedmann-Stipendium beworben haben, zumindest einen finanziellen Spielraum ermöglichen. Drei Stipendien zu jeweils 22 200 Euro sind ausgelobt - das entspricht der Höhe der Studiengebühren, die die Universität für die dreijährige Ausbildung bis zum Bachelor-Abschluss veranschlagt.

Die Zeppelin University (ZU) ist eine der wohl ehrgeizigsten Neugründungen auf dem deutschen Bildungsmarkt. Im Wintersemester 2003 nahm die private Hochschule ihren Betrieb auf. Mittlerweile studieren rund 120 Studenten in den Fachrichtungen Corporate Management & Economics und Communication & Cultural Management. Ab Herbst 2005 soll noch eine dritte dazukommen: Public Management & Governance. Die Ausschreibungen für die dazugehörigen Lehrstühle laufen gerade an. 22 Professoren und ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter sollen hier einmal lehren und forschen. Im Moment beschäftigt die Hochschule acht Professoren und 16 wissenschaftliche Mitarbeiter.

Nichts weniger will die Hochschule erreichen, als Entscheider auszubilden, die durch " Multi-Disziplinarität" das "Unwahrscheinliche wahrscheinlich machen". Das klingt, vorsichtig ausgedrückt, anspruchsvoll. Aber dann ist da Stephan Jansen, der Präsident der ZU, der unglaublich eloquent ist und dem man einfach zuhören muss, weil er so ehrlich begeistert ist, wenn er über seine Hochschule spricht. Auf einmal ergibt das, was er da erzählt, sehr viel Sinn. Das Konzept, das sich der 33-jährige Präsident für seine Hochschule ausgedacht hat und nun umsetzt, ist im Grunde bodenständig. Vor allem aber zeigt es, was herauskommen kann, wenn einer sich nimmt, was in der Bildungslandschaft hier zu Lande selten scheint: die Freiheit, neu zu denken.

Dass dies möglich ist, verdanken Jansen, seine Kollegen und die Studenten einem, der seine Möglichkeiten ebenfalls konsequent ausschöpft: Ernst Susanek, Geschäftsführer des Maschinenbauers Zeppelin GmbH und Chef von rund 4000 Mitarbeitern weltweit. Susanek beobachtet nicht nur in der eigenen Branche seit Jahren, "wie der Standort Deutschland immer mehr in ein bedenkliches Mittelmaß abrutscht". Das ärgert ihn persönlich. Vor allem, weil er es für unnötig hält. Wie kann es dazu kommen, fragt er sich, dass ausgerechnet die Bildung in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland vernachlässigt wird? Mit dieser Frage steht er nicht allein. Aber Susanek ist im Gegensatz zu vielen keiner, der bloß am Stammtisch vor sich hin brabbelt: "Man kann nicht einfach zuschauen und nach dem Staat rufen, man muss auch selbst seinen Beitrag leisten." Ein potenzieller Universitäts-Präsident, der erst nicht will und sich dann mit Begeisterung in die Sache stürzt So kam er auf die Idee, dass die Zeppeliner, die sich im Rahmen einer Stiftung schon immer sozial engagiert haben, ihr Engagement auf den Bildungssektor ausdehnen sollten. Was ihm vorschwebte, war eine internationale Hochschule, die junge Leute nicht bloß zu Experten auf einem kleinen Gebiet, sondern zu echten Generalisten ausbildet. " Wir brauchen Menschen, die Komplexität begreifen und managen können, die unterschiedliche Kenntnisse und Fähigkeiten miteinander verbinden können", ist er überzeugt. Nur allzu oft hat er beobachtet, dass Fachleute viel zu eng an ihrer Disziplin kleben und so komplexe Lösungen zu spät oder gar nicht erkennen.

Zehn Kandidaten hatte er sich ausgeguckt für die Leitung einer solchen Institution. Einer davon war Stephan Jansen, Gründer und Leiter des Institute for Mergers & Acquisitions an der Privaten Universität Witten/Herdecke. Nur: Der wollte erst nicht so recht. Zu jung habe er sich gefühlt für einen solchen Job, sagt Jansen. Und, wohl wichtiger noch: Er hatte keine Lust auf die ihm nur allzu bekannten finanziellen Schwierigkeiten privater Hochschulen und den sich daraus ergebenden Querelen.

Aber Susanek ließ nicht locker und präsentierte ihm wenig später ein "erstaunlich solides" (Jansen) Finanzierungskonzept. Und das sieht so aus: Rund ein Drittel der Kosten sollen durch Studiengebühren finanziert werden, noch mal gut ein Drittel durch Forschungs- und Beratungsprojekte. Der Rest durch Sponsoren und die Trägergesellschaft, die zu 70 Prozent von der Zeppelin GmbH, zu 20 Prozent von dem Schwesterunternehmen ZF Friedrichshafen AG und zu 10 Prozent von dem Familienunternehmer Siegfried Weishaupt getragen wird.

Chef der Trägergesellschaft ist Susanek. Jansen berichtet direkt an ihn und hat damit einen einzigen Ansprechpartner. Das Finanzierungskonzept und das Engagement seien "im Grunde zeitlich unbefristet angelegt", sagt Susanek. Denn: "Wir sind erst am Anfang, und es wird wahrscheinlich noch einige Jahre dauern, bis die Zeppelin Universtity auch international da steht, wo wir sie gern hätten." Mit "einige Jahre" meint er ungefähr zehn, und am liebsten wäre es ihm natürlich, wenn die Hochschule vom Bodensee eines Tages mit den renommierten Bildungsstätten in Europa oder Übersee mithalten könnte. Bis es so weit ist, haben Jansen und sein Team noch alle Hände voll zu tun. Entscheidend für den Erfolg der Hochschule wird sein, ob es ihr gelingt, genügend gute Professoren anzuziehen. Aber gute Leute gehen dahin, wo andere gute Leute bereits sind, das gilt vor allem in der eher statusbewussten Wissenschaftsclique. Bisher scheint Jansen auf dem richtigen Weg.

Der erste Kollege, den er für die neue Hochschule gewinnen konnte, ist sein ehemaliger Doktorvater aus Witten/Herdecke. Im Sommer bezog der Ökonom Birger Priddat sein geräumiges Büro mit Blick auf den Bodensee. Priddat folgte seinem Doktoranden, weil er "fest an die Erfolgsaussichten der neuen Hochschule" glaubt. Aber im Besonderen, weil ihn, wie er sagt, der " interdisziplinäre Ansatz" der ZU fasziniert, der konsequent umgesetzt werde. Im Idealfall, wünscht er sich, wird die neue Universität eines Tages so etwas sein wie das Kernstück eines globalen Think Tank, dem es gelingt, aus der Kombination der unterschiedlichen Fächer eine ganz neue Disziplin zu erfinden.

Der 54-jährige Priddat lenkte die Aufmerksamkeit eines anderen renommierten Wissenschaftlers auf die ZU. Auf einer Fachveranstaltung erzählte Priddat dem Soziologen Nico Stehr von der neuen Bildungsstätte. Stehr, der für sich in Anspruch nehmen kann, den Begriff Wissensgesellschaft: geprägt zu haben, lehrte unter anderem an der University of Alberta in Kanada. Priddat muss sehr überzeugend gewesen sein. Jedenfalls meldete sich Stehr bald nach dem Treffen bei Stephan Jansen, bewarb sich bei der ZU und erhielt einen Ruf. Mit 63 Jahren ist er jetzt ihr ältester Professor, Und nach heutigem Stand der Dinge würde der Inhaber des Karl-Mannheim-Lehrstuhls für Kulturwissenschaften seinen Vertrag mit der ZU auch über die Altersgrenze von 65 hinweg verlängern: "Das wäre noch eine weitere, echte Pionierleistung der ZU im deutschen Hochschulsystem." Es mache ihm viel Freude, mit den Kollegen aus Wirtschaft und Kommunikation zusammenzuarbeiten. Auch er ist nämlich davon überzeugt, dass der Interdisziplinarität die Zukunft gehört. Außerdem mache ihm nach so vielen Jahren der Forschung die Lehre wieder enormen Spaß. Dazu "mit Studenten, die ich mir selbst ausgesucht habe". Wobei - und das betont er ausdrücklich - er von der Forschung nicht lassen will, das war eine seiner Grundbedingungen für den Wechsel aus Kanada an den Bodensee. Er will auch von hier aus weiterhin international unterwegs sein und gute wissenschaftliche Mitarbeiter ausbilden und fördern. Nicht ohne Genugtuung erzählt er, dass sich auf die Ausschreibung in der "Zeit" jeweils mehr als 80 Bewerber auf die beiden Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter an seinem neuen Lehrstuhl gemeldet hätten - darunter etliche "Spitzenleute".

Bedenken, dass sich die Forschung im beschaulichen Friedrichshafen am Strand des Bodensees schwierig gestalten könnte, lässt Stehr nicht gelten. Erstens habe er sein Netzwerk nach wie vor, und via Internet könne man schließlich von überall in der Welt an den neuesten Entwicklungen teilhaben. Im Übrigen habe er festgestellt, dass räumliche Nähe der Wissenschaft nicht immer diene. "Eine wirklich gute Kooperation klappt auch über tausende Kilometer entfernt", sagt er. Zudem biete die ZU etwas, was hier zu Lande eher selten sei: ein Umfeld, das sich über die Erfolge der anderen freue, weil sie auch auf sie abstrahlten.

Jansen ist dieser Ehrgeiz nur recht. Denn auch ihm ist klar, dass seine Hochschule das angestrebte Renommee nur erlangen kann, wenn sie - anders als viele Privatuniversitäten - gute Ergebnisse in der Forschung vorweisen kann. "Wir wollen keine Business School sein, in der vor allem Fallstudien gepaukt werden", sagt der Hochschulpräsident, der selbst gerade an drei Fachbüchern schreibt. Die ZU soll eine echte Uni sein. Bei aller Freiheit vom Herkömmlichen - zur Wissenschafts-Community wollen sie auch am Bodensee gehören.

Das war auch für Jetta Frost, Professorin am ZF-Lehrstuhl für Unternehmensführung, ein wichtiges Argument. Die 36-Jährige hat, bevor sie auf die andere Seite des Bodensees kam, eine rasante Karriere an der Universität in Zürich gemacht und ist bestens vernetzt in der Welt der Wirtschaftswissenschaften. "So etwas setzt man natürlich nicht leichtfertig aufs Spiel", sagt sie. Insofern habe das Engagement der Professoren Priddat und Stehr schon eine Signalwirkung für sie gehabt. Trotzdem habe sie sich an ihrem Lehrstuhl in Zürich noch mal rückversichert - die Reaktion auf ihren Ruf waren "allesamt positiv".

Nun sitzt sie hier am Bodensee und unterhält sich ganz in Ruhe mit ihren Studenten über deren Projekte. Die Studenten seien sehr engagiert und "sehr gut vorbereitet auf die Lehrveranstaltungen". Weil es nur kleine Gruppen von ungefähr 15 Leuten seien, die sie pro Veranstaltung unterrichtet, kämen lebharte Diskussionen in Gang. "Aber die Studenten fordern auch." Im Gegensatz zu den normalen Universitäten sitzen in ihren Seminaren nicht nur angehende Wirtschaftswissenschaftler, sondern auch Studenten, die sich vor allem mit Kommunikations- und Kulturwissenschaften beschäftigen. Das sei "die besondere Herausforderung". Eine, der sie sich gern stellt. Zumal sie an der ZU die Möglichkeit hat, ihren Schützlingen die Dinge zu vermitteln, die sie auch für ihre Forschung für wichtig hält.

Im Moment arbeitet Jetta Frost gerade an einem " großen Forschungsprojekt für ein Dax-Unternehmen". So viel Zeit muss bei all der Lehre drin sein, denn auch sie weiß, dass die Kollegen an den staatlichen Hochschulen sehr genau verfolgen, ob die Professoren der ZU es neben der Aufbauarbeit noch schaffen, in den einschlägigen Journalen ihre Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. Im Übrigen will sie ein Vorbild sein für ihre Studenten. Denn bei aller Interdisziplinarität, die an der ZU gelehrt wird: "Interdisziplinarität bedingt, dass man seine Disziplinen beherrscht." Sonst bleibe das Ganze nur eine Worthülse.

Professoren, die gut bezahlt werden, genügend Zeit haben für Forschung und eine begeisterte Expertin im Ministerium Andere Universitäten könnten Leute wie Priddat, Stehr und Frost ebenfalls gut brauchen. Nicht zuletzt deshalb ist es gar nicht so einfach, die richtigen Kandidaten an den Bodensee zu locken. Auch das Beamtenrecht erleichtert die Sache nicht gerade. Denn ein Professor einer öffentlichen Hochschule erwirbt Pensionsansprüche - und die sind so manchem Akademiker dann doch lieber als neue Möglichkeiten. Aber vermutlich wären diese Kandidaten ohnehin nicht die richtigen für die ZU. Denn was Jansen und Kollegen wollen, sind unternehmerisch denkende Professoren. Für die gibt es "leistungsbezogene Vergütungen mit großzügigen Nebenverdienstklauseln" (Jansen). Wer will, kann an der ZU also weit mehr verdienen als mit einer Professur an einer öffentlichen Hochschule. Zumal die Möglichkeit besteht, über eine eigens gegründete Beteiligungsgesellschaft auch an Unternehmen beteiligt zu sein. Die, die bereits am Bodensee sind, scheint aber vor allem die Aussicht gelockt zu haben, ihre Energie in Forschungsprojekte stecken zu können statt in mühselige Gremienarbeit wie sonst üblich. So laufen bereits zwei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützte Projekte und eine Kooperation mit der Fraunhofer Gesellschaft an der ZU.

Die, die auf Sicherheit Wert legen, mag überzeugen, dass die ZU eine der wenigen Privathochschulen im Land ist, die über eine staatliche Akkreditierung verfügen. Hinzu kommt, dass die Trägergesellschaft eine Bürgschaft gegenüber dem Land für etwaige Verluste übernommen hat. Finanziell also ist das Engagement ziemlich gut abgesichert.

Und Tamara Zartmann, Mitarbeiterin des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, bescheinigt der ZU, dass es sich bei ihr "um ein echtes Vorzeigeprojekt" handle. Selten, sagt sie, habe sie es mit einer derart professionell, schnell und akribisch arbeitenden Truppe zu tun gehabt. Zartmann muss es wissen, denn schließlich hat sie nicht nur die ZU während des staatlichen Anerkennungsverfahrens betreut.

All das kommt am Ende den Studenten zugute. Viele von ihnen haben sich zuvor an einer staatlichen Hochschulausbildung versucht. Inas Nureldin zum Beispiel studierte Wirtschaftsinformatik an der Universität Hohenheim und in Stuttgart, bevor er zur ZU wechselte. Keine einzige Frage sei ihm in Hohenheim gestellt worden. Das, gibt er zu, habe seinen Eifer gebremst. Jedenfalls konnte er für sich kaum einen Lernerfolg verbuchen, weder fachlich noch persönlich, wie er sagt.

In Kairo, wo er an einem Hilfsprojekt mitarbeitet, traf er dann zufällig Stephan Jansen. Neugierig geworden, bewarb er sich für das Wintersemester an der ZU. Das Auswahlverfahren war hart, sagt er. Vor allem interessierten sich die Juroren für den Lebenslauf und die Ideen der Bewerber zu Problemstellungen aus der Praxis. Nur 43 von 612 Kandidaten schafften es, die Jury zu überzeugen.

Nureldin schätzt - wie offenbar alle hier - den interdisziplinären Ansatz. Und auch, dass viele Seminare, wie etwa die von Nico Stehr, in Englisch und anhand von Originaltexten abgehalten werden. Noch nie, sagt er, habe er sich so gut vorbereiten müssen - und wollen. Denn schließlich täten das alle anderen auch.

Seine Mitstudentin Miriam Fritz erzählt, dass sie mehr oder weniger ihre gesamte Zeit auf dem Campus oder mit Kommilitonen verbringt. Mit fachlicher Arbeit, wohlgemerkt - das war in Mannheim, wo sie zuvor Betriebswirtschaftslehre studierte, nicht der Fall. In Friedrichshafen mögen die Berge und der Strand am See noch so locken, die Ausbildung, zu der übrigens auch zwei Fremdsprachen gehören, mache ihr im Moment viel mehr Spaß.

Beweis dafür sind die so genannten Student Studies. Der Mittwoch steht den ZUlern zur freien Verfügung. Doch statt sich einfach mal auszuruhen, nutzt das Gros der Studenten den Tag für eigene Projekte. Nureldin initiiert gerade einen Power-Reading-Kurs, damit er und seine Kollegen den Lesestoff besser schaffen können. Bezahlt wird die Initiative von der Hochschule. " Wenn sich mindestens zehn Studenten für einen Kurs zusammenfinden, übernehmen wir die Kosten", sagt Jansen.

Manches allerdings kostet kein Geld und bringt trotzdem allen etwas. Student Yves Bangert, der vor seinem Studium des Communication & Cultural Managements (CCM) an der ZU bereits als Event-Spezialist sein Geld verdient hat, denkt über neue Konzepte für studentisches Wohnen nach. So lernen die Studenten nach eigener Einschätzung nicht nur von ihren Professoren und den wissenschaftlichen Mitarbeitern, sondern auch von ihren Kommilitonen.

Damit all das funktioniert, haben sich die ZUler unter anderem das Tandem-Coaching einfallen lassen. Jeder Student darf sich je einen Coach aus dem wissenschaftlichen Kader der ZU als Betreuer suchen und einen aus der Praxis. Mit ihnen kann der Student besprechen, was ihm auf dem Herzen liegt. Das können neben Ausbildungsfragen durchaus auch einmal persönliche Dinge sein, wie Tim Göbel, Assistent von Stephan Jansen und selbst Coach, erzählt.

Bislang, so urteilt Anna Betzlbacher, im dritten Semester CCM und Studentin der ersten Stunde, klappe das sehr gut. Die Herausforderung sei allerdings, die intensive Betreuung aufrechtzuerhalten, wenn die Universität wie geplant wachse. Göbel setzt dabei auf die neuen Kollegen in der Professorenschaft und deren Mitarbeiter, die noch kommen werden. Insgesamt sollen, wenn die Master-Studiengänge ausgebaut sind, 22 Lehrstühle eingerichtet sein. Die interne Obergrenze liegt bei 800 Studenten.

Der rührige Jansen reist derweil durch die Welt, um Partnerschaften mit anderen Universitäten zu organisieren. Zwölf sind es bis jetzt, darunter viele in den USA, aber auch die Tongji Universität in Schanghai und die Linguistische Universität in Nishnij Nowgorod in Russland. Im Ausland sei man überaus interessiert an der neuen Form des Lernens aus Deutschland, zu der auch die internationale Praxis zählt: Die Studenten sollen Praktika bei einer Firma machen - aber nicht nur daheim, sondern auch bei deren Auslandstöchtern. Geplant ist, dass die Praktika auf drei unterschiedlichen Kontinenten stattfinden sollen.

Der internationale Austausch ist also fester Bestandteil des Konzeptes. Und er ist nach Meinung von Barbara Drexler, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Birger Priddat, auch notwendig. Denn es sei schon sehr verführerisch, was vor Ort passiere, und da sei die Gefahr nicht zu unterschätzen, dass die ZU nach einer Weile eine gefährliche Selbstbezogenheit entwickle.

Eine Ausbildung, nicht nur für höhere Töchter und Söhne. Und eine Sparkasse, die bei der Finanzierung hilft Klar, dass eine solche Ausbildung nicht zum Nulltarif zu haben ist. Klar war dem Team um Jansen, der während seines Studiums Bafög bezog, aber auch, dass sie nicht nur den wohlhabenderen Studenten zugute kommen soll. Deshalb handelten sie mit der Sparkasse Bodensee ein wohl einmaliges Finanzierungskonzept aus: Jeder Student, der die Zulassung für die ZU erhält, bekommt bei nur vier Prozent Zinsen seine Studiengebühren finanziert, pro Semester 3700 Euro, insgesamt 22200 Euro.

Als einzige Sicherheit reicht Hansjörg Metzger, dem zuständigen Betreuer der Sparkasse, die Aufnahmebestätigung der ZU. Das ist im deutschen Kreditgewerbe eine kleine Sensation. Metzger erzählt, dass er ab und an Anrufe besorgter Eltern bekommt, die nachfragen, ob das wohl mit rechten Dingen zugehe. Er kann sie beruhigen, der Deal ist zwischen Vorstand und Universitätsleitung abgesprochen. Zurückgezahlt werden muss das Geld erst nach dem Studium.

Alles gut also? Es sieht so aus, bis jetzt ist vieles prima gelaufen. Und Stephan Jansen ist niemand, der sich mit einem Achtungserfolg zufrieden geben würde. " Wir sind angetreten mit einem neuen Konzept - was aber nicht heißt, dass wir daran nichts mehr verändern wollen", sagt er. "Wenn es etwas zu verbessern gibt, werden wir das tun, wir sind eine lernende Universität." Die Studenten, die Professoren, die Mitarbeiter und Susanek, alle stehen hinter ihm - die Möglichkeiten dazu hätte er also. Aber vor allem hat er die Freiheit im Kopf.