So kann's gehen.

Ob großer Wurf oder kleine Verbesserung: Entscheidend ist, dass man’s anpackt. Vier Anregungen.




Die Farbe, die für bessere Luft sorgt Schreibtischlampe an und dann kräftig durchatmen: Seit April dieses Jahres gibt es eine Farbe, die für ein angenehmes Raumklima sorgt, sobald geringste Lichtmengen auf sie treffen. Die Strahlen veranlassen ein Pigment, Gerüche und Schadstoffe aus der Luft zu filtern - übrig bleiben die harmlosen Stoffe Wasser und Kohlendioxid. Was sich anhört wie Zauberei, ist angewandte Chemie für den Hausgebrauch und unter dem Namen Sto Climasan Color bei der Sto AG aus Stühlingen in Baden-Württemberg erhältlich.

Bei der Entwicklung der Farbe hat das Unternehmen mit Horst Kisch, Professor am Institut für Anorganische Chemie der Universität Erlangen-Nürnberg, zusammgearbeitet. Er forscht schon seit 25 Jahren an Pigmenten, die keine UV-Strahlen, also Sonnenlicht, benötigen, um organische Stoffe umzuwandeln. Im Jahr 2003 war es schließlich so weit: Kisch entwickelte das Pigment VLC (Visible Light Catalyst), das in der Lage ist, bereits diffuses Licht in Innenräumen für diesen Umwandlungsprozess zu nutzen. VLC verhält sich wie ein Katalysator: Es ermöglicht oder beschleunigt chemische Reaktionen, ohne dabei selbst verbraucht zu werden.

Um VLC in die Farbe zu mischen, musste dem Katalysator - der weder Freund noch Feind kennt - erst einmal beigebracht werden, dass er nicht ihre Bestandteile zersetzt. Aber auch dieses Problem wurde schließlich gelöst.

Die Sto AG, die die Farbe zum Preis ab zehn Euro pro Liter vornehmlich ab Werk vertreibt, sieht vor allem dort Bedarf, wo viele Menschen aufeinander treffen: in Arztpraxen zum Beispiel, Krankenhäusern, Hotels oder Restaurants. Bratenfettgeruch oder Schweiß sei relativ schnell beseitigt, bei Tabakqualm dauere es etwas länger. Die Wirkung hängt von der Lichtintensität ab: je mehr, desto besser.

Die Zigarette, die nicht qualmt Rauchen, ohne zu rauchen - dank Nicstic könnte ein alter Traum wahr werden. Der Stick sieht aus wie eine Zigarette und soll schmecken wie eine Zigarette. Nur nicht qualmen. Und wo kein Rauch entsteht, werden Mitmenschen nicht belästigt und viele Rauchverbote überflüssig. "Sie inhalieren im Prinzip nur warme Luft, die mit Aromen und Nikotin gesättigt ist", sagt Joachim Will, Sprecher der Schweizer Nicstic AG.

Möglich macht dies eine Heizspirale, die in eine Art Zigarettenhülse eingearbeitet ist. Diese Spirale muss vor dem Gebrauch etwa 20 Sekunden an einem Aufladegerät in Westentaschen-Format erwärmt werden. Zwischen Spirale und Filter wird das Depot mit Nikotin und Aromastoffen eingesetzt. Nun kann die Luft durch die erwärmte Hülse in das Depot dringen und von dort via Filter eingesogen werden.

Zwei bis drei Minuten dauert der Rauchvorgang. Danach muss laut Hersteller lediglich das Depot ausgewechselt werden, der Rest des Sticks kann bis zu 500-mal benutzt werden. In langen Testreihen habe man am Aroma gefeilt. Herausgekommen sei ein eher leichter Tabakgeschmack.

Die Ladestation (mit Stick) soll einmalig 50 Euro kosten, der Preis für 20 Nikotindepots wird in Deutschland voraussichtlich bei 3,50 Euro liegen. "Wir werden in Deutschland immer etwas unter den Zigarettenpreisen bleiben", sagt Will.

Die Idee kam einem Bekannten von Joachim Will, der als Kettenraucher einen elfstündigen Nichtraucherflug nach Hongkong leidvoll überstanden hatte. "Die Alternativen in solchen Situationen sind Nikotinpflaster oder -kaugummis. Oder ich mache nichts und leide still vor mich hin", sagt Will. Er erkannte in dem Mangel eine Chance: "Wir wollen den nikotinabhängigen Raucher in bestimmten Situationen entlasten." Gespräche mit Fluglinien seien bereits geführt worden.

Im Februar 2006 soll die Ersatz-Zigarette auf den Markt kommen. In Ländern wie Slowenien und der Schweiz liegt bereits die Genehmigung zur Einführung vor, in Deutschland stehe man mit den Behörden in Verhandlung.

Und wie sieht es mit moralischen Bedenken bei der Produktion eines Nikotin-Produktes aus? Will: "Wir haben kein schlechtes Gewissen, weil wir nicht an Nichtraucher verkaufen wollen - wir machen also nicht süchtig." Der Hebel, der die Wende schafft Ideen brauchen Zeit, um zu reifen. Manche erstaunlich viel Zeit. Bei Esselte Leitz vergingen 20 Jahre, in denen den Stuttgarter Konstrukteuren des legendären Leitz-Ordners eines nicht aus dem Kopf gehen wollte: das Hebelproblem. Jene Mechanik im Inneren des Ordners, die die zwei Stahlbügel zum Abheften auseinander spreizt und wieder schließt.

Der Hebel sprang zwar stets ordnungsgemäß hoch und blieb dann auch wie gewünscht kurz vor dem ersten geöffneten Stahlbügel stehen. Doch im Alltagsgebrauch war gerade das lästig. Laut dem Unternehmen verbringen zwei Drittel der deutschen Büroangestellten täglich mindestens eine halbe Stunde mit der Ablage. Aus Kundenbefragungen wusste Thomas Schneider, Leiter der Produktentwicklung, dass der Hebel dabei off im Weg steht. Etwa wenn ein Kunde aus einem Ordner während einer Präsentation Folien nacheinander herausnehmen und wieder einlegen wollte: Das Einsortieren der Folie auf der linken Seite des Ordners war bei geöffneten Bügel nicht möglich.

Der Hebel musste also irgendwie nach dem Öffnen aus dem Arbeitsfeld verschwinden. Das Problem wurde konkret dann im November 2003 angegangen: Damals machte sich Schneider zusammen mit seinem Kollegen Kurt Leute daran, eine Mechanik zu entwickeln, mit der dieser Hebel einmal komplett um 180 Grad umgelegt werden konnte. Per Laser fertigten sie aus Kunststoff ein Modell. "Noch vor zehn Jahren wäre das nicht möglich gewesen", so Schneider. Doch das war nur ein Grund, weshalb die Zeichen für die Entwickler günstig standen: Die Fertigung im Werk sollte ohnehin umgestellt werden.

Es galt, so viele Teile der alten Mechanik wie möglich in das neue System zu übernehmen, um die Umrüstungskosten niedrig zu halten, denn: " Aktenordner sind nicht gerade der heißeste Wachstumsmarkt" (Schneider). Zudem herrsche wegen der zahlreichen Billiganbieter ein starker Wettbewerb, in dem es nicht nur um Cent-, sondern um Zehntelcent-Einsparungen gehe.

Allein deshalb wurden Investitionen in eine neue Hebeltechnik für die jährlich 40 Millionen Leitz-Ordner besonders skeptisch geprüft. Gleichzeitig aber wollte sich das Unternehmen von der Konkurrenz absetzen. In der 180-Grad-Technik sah man eine Chance, einen Qualitätsvorsprung zu erreichen. Seit Anfang September sind die ersten Ordner der neuen Generation auf dem Markt, künftig sollen alle Leitz-Ordner mit der patentierten Mechanik ausgestattet werden, ohne den Preis anzuheben.

Der Hebel springt nun zunächst in die gewohnte Stellung und kann dann bei Bedarf weiter umgelegt werden. So lassen sich die Bügel, gerade für dicke Papierstapel, um bis zu 50 Prozent weiter öffnen als bislang, was laut Esselte Leitz bei der Ablage bis zu 20 Prozent Zeit spart.

Das warme Wasser, das die Mücke löst Ärgern Sie sich über Ihre vereiste Windschutzscheibe? Dann geht es Ihnen so wie einigen Einwohnern von Farmington Hills, nahe Detroit in den USA, wo es sehr kalt werden kann. Eine kleine Gruppe junger Entrepreneure machte sich dort daran, für Abhilfe zu sorgen. Sie gründete eine Firma namens Microheat und stellte ein Gerät vor, das sie Hotshot nannte. Dabei handelt es sich um ein kleines Heizelement, das unter der Motorhaube zwischen Spritzwasserbehälter und Scheibenspritzdüse installiert wird und das Wasser auf 65 Grad vorwärmt, bevor es gegen die Windschutzscheibe spritzt.

Die Idee, die dahinter steckte, ist simpel: Angewärmtes Wasser enteist und reinigt besser. Im Winter befreit die Erfindung Scheiben wirkungsvoll von Eis, Matsch und Streusalzrändern. Und im Sommer lassen sich durch das warme Wasser Staub und Insekten viel leichter aus dem Sichtfeld des Autofahrers entfernen. Mit dem Durchblick kam der Durchbruch. 2003 ging der Hotshot in Serie.

Microheat hatte jedoch kein ausgeprägtes Vertriebsnetz. Deshalb unterschrieben die Entwickler im August 2004 einen Vertrag mit dem Autozulieferer Webasto im bayerischen Stockdorf. Der hat sich auf Standheizungen spezialisiert und fand, dass eine Heizung für Wischwasser wunderbar in seine Produktpalette passte. Auf einer Messe im September vergangenen Jahres stellte Webasto dem deutschen Publikum die Heizspirale und damit den Kern des Gerätes vor.

"Eigentlich ist es relativ gefährlich, heißes Wasser auf eine gefrorene Scheibe zu schütten", sagt Susanne Reich aus der Webasto-Marktforschung. Das Risiko, dass die Scheibe unter Spannung plötzlich Risse bekomme, sei recht hoch. Microheat sei es jedoch mit dem Hotshot gelungen, Temperatur und Wassermenge so aufeinander abzustimmen, dass die Scheibe heil bleibt.

Abhängig von der Umgebungstemperatur dauert das Aufwärmen des Wischwassers laut Hersteller zwischen 30 und 45 Sekunden. Der Fahrer kann zwischen zwei Betriebsarten entscheiden. Im Standby-Modus wird das Wasser aufgewärmt und kann jederzeit verspritzt werden. Im Automatik-Modus wird das Wasser vor Beginn der Fahrt besonders schnell aufgeheizt und anschließend automatisch in sechs bis acht Sprühvorgängen unmittelbar hintereinander auf der Scheibe verteilt.

Gutes muss nicht kompliziert sein.