Kleine Bühnen, große Gefühle

Sie nennen sich Los Gigantes. Denn sie lieben die Ironie. Aber auch die Musik. Eine Geschichte über zwei Musiker, die keine Stars sind. Und trotzdem immer weitermachen.




Das Duo Los Gigantes hat bislang nur einen ernsthaften Versuch unternommen, mit Popmusik schnelles Geld zu verdienen. Im Winter 2002/2003 spielten Stefan Hiss und Ralf Groher im Studio eines Freundes die Trashfloor-Version eines mexikanischen Hits aus den späten sechziger Jahren ein. Das Original ist ein groovender Cumbia-Song, den die Stuttgarter mit einem satten Beat unterlegt hatten. Der Refrain von "La Secretaria" lautet übersetzt: "Mein Herr, Sie haben eine schöne Sekretärin, so eine schöne Sekretärin hätte ich auch gern." Die erste Strophe: "In der Woche arbeitet sie ohne Pause, und am Wochenende geht sie in den Club schwimmen." Und dann von vorn - inhaltlich liegt das Stück also auf Augenhöhe mit den üblichen Sommerhits.

Für den Ausflug ins Kommerzielle legten sich Los Gigantes noch ein neues Pseudonym zu: Los Inspectores de las Armas del Amor. Und für das Cover hatten die Inspektoren der Waffen der Liebe, an denen fast zwei Jahrzehnte Leben mit und für Musik nicht spurlos vorübergegangen sind, ebenfalls eine marktfähige Idee: Sie druckten ihre Bilder auf enge T-Shirts, die sie wohlgeformten jungen Frauen überzogen, denn: "Sex verkauft sich auch indirekt." Mit diesem Paket ging es zum Termin bei einem multinationalen Musikkonzern mit Deutschlandsitz in Berlin.

Der Mann, der Los Inspectores de las Armas del Amor empfing, war Ende 30, umgänglich, übergewichtig, trug Carhartt-Klamotten, eine große Brille und machte sich mit einer ungemein witzigen Begrüßung beliebt: " Hallo, ihr Giganten. Lasst mich raten: Ihr macht normalerweise ganz große Kleinkunst?" Der Angestellte aus dem Bereich A & R, Artist & Repertoire, die für den Einkauf neuer Bands und Songs zuständig ist, war sich schon nach wenig mehr als der Hälfte von "La Secretaria" sicher: "Finde ich klasse! Wenn die Vengaboys das Ding machen, wird das eine klare Nummer eins!" Eine Einschränkung folgte ein paar Beats später: "... aber habt ihr euch eigentlich mal überlegt, wie ihr das Ding präsentieren wollt?" Das hatten sie. Mit großen Panamahüten im Hintergrund und "gerne mit Milli-Vanilli-Lösung", also Playback-Tänzern vorn. Der Plattenfirmenangestellte dachte kurz über eine Comedy-Nummer nach: "Habt ihr das auch drauf? Mit fetten Sombreros, Ukulele und durchgedrehtem spanischem Akzent?" Das hatten sie nicht, aber das war auch nicht nötig, denn dann fiel dem A & R ein, dass das Plattenlabel seinen Sommerhit schon eingekauft hatte: "Zwei Mädels von Mallorca. Die schicken wir durch die Clubs." Die Stuttgarter wollten zusammenpacken, als doch noch eine "Offer" vom Weltkonzern kam. "Zweieinhalbtausend können wir für eine Bandübernahme bieten." Allerdings müsste der Song dafür noch etwas einfacher und schneller sein. Was ein Bandübernahmevertrag in so einem Fall bedeutet, war Hiss und Groher nicht ganz klar. Heute wissen sie: Alle Rechte abtreten. Wie sie den Song noch einfacher hätten strukturieren können, ist ihnen nach wie vor ein Rätsel. Die Verabschiedung war branchenüblich: "Wir bleiben in Kontakt." Los Gigantes und das Label blieben nicht in Kontakt. Hiss und Groher versichern, dass sie "heute froh darüber sind". Den Satz scheinen sie ernst zu meinen, auch wenn es im Gespräch gelegentlich schwer zu sagen ist, auf welcher Ironie-Ebene sich die Giganten gerade befinden. Ironisierte Ironie signalisiert jedenfalls Ernst. Zumindest meistens. Groher, 35, trägt lange Haare, lange Koteletten und bestickte schwarze Cowboy-Hemden. Er ist der Offenere von beiden, redet sanft und viel und mag neben automatisierter Ironie auch reflektierten Pathos. "Ziel ist und bleibt, mit der Musik, die ich liebe, genug Geld zu verdienen, um davon halbwegs anständig leben zu können." Diesen Satz meint er unstrittig ernst. Sehr ernst.

Los Gigantes machen eine sehr eigene Musik: Seine Lieder singt das Duo zweistimmig, die Texte sind deutsch, englisch und spanisch. Sie handeln von Königinnen der Schmerzen, Amor und Corazón und Landstreicher-Paradiesen, in denen der Alkohol von den Felsen tropft und man den Mistkerl hängt, der die Arbeit erfunden hat. Mit ihren Stimmen, Akkordeon und Trompete wechselt das Duo zwischen Polka, Tango, Country, Walzer, Bolero und mexikanischen Klassikern. Auf der Bühne verschmilzt alles zu einer emotionalen Welt-Volksmusik, die große Plattenfirmen nicht vertreiben und Radiosender nicht spielen. Doch die Geschichte von Los Gigantes ist eigentlich zwei Geschichten: von zwei Bauchladenunternehmern, die sich ihren Lebensunterhalt im musikalischen Mittelfeld zusammenstückeln.

Eine Konzerttour ist Fließbandarbeit - aber die Zeit auf der Bühne macht alle Mühen vergessen Stefan Hiss gelt seine dunklen Haare nach hinten. Er hat einen fein getrimmten Mini-Schnauzer südamerikanischer Anmutung, trägt lange Koteletten und bestickte schwarze Cowboy-Hemden. Der 39-Jährige liebt Ironie, redet wenig und verzichtet auf Pathos. Er liest viel und zahlt seine Sozialbeiträge an die Künstlersozialkasse. Seit fast 20 Jahren steht Hiss für Geld auf kleinen Bühnen und verkauft mit kräftiger Stimme und schnellem Akkordeon große Gefühle. Zurzeit macht er das rund 150-mal im Jahr. Zu den Konzerttouren gehören viele Stunden Autobahn, viele Übernachtungen in günstigen Hotels und gelegentlich Veranstalter, die unter vertraglich vereinbarter Verpflegung eine Dose Mais, eine Dose Bohnen und Mikrowellenhähnchen verstehen.

Nach dem Essen spielt Hiss immer die gleichen Lieder, die seine "kleine, aber doch vorhandene Fangemeinde" in ganz Deutschland hören möchte. "Irgendwie hat das auch was von Fließbandarbeit", sagt Hiss. Anreise, Soundcheck, schnelles Essen, spielen, Bier, Hotel, Weiterreise. Und am nächsten Tag von vorn. " Nur hat der Fließbandarbeiter nicht die zweieinhalb Stunden auf der Bühne, für die der Musiker alles in Kauf nimmt." Er sieht sein Musikerleben realistisch: "Eigentlich haben wir einen coolen Job. Wir müssen uns nicht dumm und dämlich arbeiten, und es ist doch so: Entweder hat man viel Geld oder viel Zeit. Wir haben eben Zeit." Stefan Hiss hat einen Sohn im Teenageralter, der ebenfalls Musiker werden will. Der Vater sieht es ungern, wenn der Sohn lieber Gitarre spielt, als Schularbeiten zu machen.

Rund 40 eigene Lieder hat Stefan Hiss veröffentlich, die meisten für sein erfolgreichstes musikalisches Produkt, die Band Hiss. Mit ihr tritt er seit 1995 auf, rund hundertmal pro Jahr. Die Organisation übernimmt ein Stuttgarter Agent. Auf der Kleinkunstbühne in Ostdeutschland bleiben manchmal nur 150 Euro pro Musiker hängen, bei der Eröffnung eines Modehauses streicht die Band dagegen auch mal ein paar tausend Euro ein. "In der Mischkalkulation geht das auf", sagt der Sänger. Eigentlich waren die vergangenen zehn Bandjahre eine einzige Mischkalkulation. Und Hiss hat ziemlich viele Aufs und Abs mitgenommen.

Nach der Gründung der Band im Frühjahr 1995 ging es schnell bergauf. Deutsche Popmusiker sangen damals noch oft englisch, aber Stefan Hiss meinte: "Deutsche Volksmusik kann auch Popmusik sein." Im Großraum Stuttgart kam das gut an. Bald wurden die Zuschauerzahlen dreistellig - und der damalige Süddeutsche Rundfunk (SDR) aufmerksam. 1996 wurde die Musik im öffentlich-rechtlichen Radio noch von Musikredakteuren ausgewählt und nicht, wie heute, von Computern, deren Musikmix auf Marketingdaten beruht. Ein Musikredakteur, der die Band live gesehen hatte, spielte Hiss, in den Wunschsendungen fiel der Name häufiger, zu einer Konzertreihe des Senders kamen dreimal hintereinander 700 Fans. Die zu EMI gehörende Stuttgarter Plattenfirma Intercord, bei der damals auch Pur und Fool's Garden waren, nahm Hiss unter Vertrag. Die erste Platte " Herz und Verrat" hat sich bis heute rund 25 000-mal verkauft.

Bald kamen die ersten Fernsehauftritte, zunächst im Südwest Fernsehen, dann bei Deutsche Welle TV, im Frühstücksfernsehen, diversen Vorabendsendungen und im ZDF-Fernsehgarten. In der ZDF-Hitparade brachte es Hiss 1998 mit "Tanz" auf Platz drei. Aber: "Im Endeffekt haben die Auftritte in diesen Schwachsinnssendungen nichts gebracht", sagt Stefan Hiss. Tiefpunkt der Fernsehkarriere war ein Auftritt bei der "Generalprobe für Silvester" des MDR: "Am Ende der Sendung kamen drei Minuten Playback mit uns, die zweimal von Sketchen unterbrochen wurden." Eine Einladung zum "Musikantenstadl" wird unter den Bandmitgliedern als "größtes anzunehmendes Unglück" gehandelt. Bislang ging der Kelch an ihnen vorüber. Stefan Hiss gibt zu: "Wahrscheinlich würden wir die Einladung annehmen." Ende der Neunziger fusionierte der SDR mit dem Südwestfunk zum Südwestrundfunk, und die Firma Intercord wurde von der Londoner Konzernmutter EMI von Stuttgart nach Berlin versetzt. Für die Band Hiss keine gute Nachrichten. Die neuen Chefs von SWR 3 in Baden-Baden stellten den Computer auf Formatradio um, und der A &R von Intercord, der sich als Fan der Band verstanden hatte, ward im Zuge der Krise der Plattenindustrie nie mehr gesehen. Die EMI nahm eine vertraglich vereinbarte Option auf eine dritte CD nicht wahr. Für Hiss bedeutete das: "Wir hatten keine 80 000 Mark Vorschuss für das Studio zur Verfügung, mussten aber auch nicht mehr zum Promo-Auftritt zu Karstadt-Duisburg, um dort morgens um elf 30 Passanten zu belästigen." Im vergangenen Jahr hat die Gruppe ihre vierte CD herausgebracht. Seit Platte Nummer drei ist die Kalkulation neu: Zwar hat sich keine Platte so gut verkauft wie die erste im Vertrieb der EMI. Dafür verdient die Formation jetzt mehr als sieben Euro pro CD statt früher 1,17 Euro. Der Mercedes-Benz Sprinter, mit dem die Band zweimal pro Woche quer durch Deutschland zu ihren Auftritten fährt, wird 2009 in den Besitz der Musiker übergehen. " Also dann, wenn man einen neuen braucht", sagt Hiss grinsend.

Auch sein Los-Gigantes-Partner Ralf Groher hat eine weitere Band, Die Kronzeugen, aber die hat es im Gegensatz zu Hiss bislang nicht geschafft, größere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie spielt, unter ähnlichen Bedingungen wie Hiss, in der Landesliga: Walzer, Tango, Bolero, Country und Chansons, die Texte sind deutsch. Wie bei Hiss stiegen anfangs auch bei den Kronzeugen schnell die Zuhörerzahlen. SWR-Redakteure hörten eine Live-CD und luden Groher ins Fernsehen ein. Der Regisseur von "Menschenskinder" versprach: "Wir basteln euch ein Ambiente, das zu euch passt." Später stand die Band neben einem Gummibaum vor einer orange-bläulich schimmernden Stellwand, die an eine große Duschkabine erinnerte.

So blieben Die Kronzeugen bis heute eine lokale schwäbische Band mit Fans, die bis Baden mitreisen. Auch in Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg gibt es kleine Fangemeinden, Groher kann lange und authentisch von vielen großen Momenten auf der Bühne erzählen. Aber für einen Plattenvertrag hat es nie gereicht. "Wenn man es böse formulieren will, haben wir zehn Jahre lang am Markt vorbei produziert", sagt er. Immerhin gibt es ein Pärchen, das seit dem ersten Konzert Silvester 1995 in einem Studentenhaus jedes der 150 Konzerte der Kronzeugen gesehen hat. Es gibt für ihn genug Gründe weiterzumachen. Die "kleine, aber doch vorhandene Fangemeinde" dürfte der wichtigste sein. Aber wohl auch die Hoffnung, dass es im Musik-Business tatsächlich immer wieder Überraschungserfolge gibt.

Ralf Groher wollte schon immer Musiker werden, sein erster Wunsch war Schlagzeuger. Doch Vater Groher entschied: "Ein Schlagzeug ist zu groß, zu laut und zu teuer." Die Grohers wohnten in Lauterstein-Nenningen, einem Dorf mit rund 1600 Einwohnern im Landkreis Göppingen, in dem der Musikverein Nenningen e.V. zu Hause ist. In dessem Blasorchester spielte Ralf neun Jahre das zweite oder dritte Flügelhorn. Mehrere Versuche, den Verein zu verlassen, scheiterten "am erbitterten Widerstand der Eltern und des Orchester-Chefs". Parallel bastelte Groher an seiner Karriere in Bands mit Namen wie Cash for Chaos ("Hardcore, den keiner hören wollte") und The Piazza e Bartolo Group (" Artrock, den wirklich gar keiner hören wollte").

Am schönsten ist es in Mexiko, da ist die Musik wichtiger, und die Gefühle sind größer Zum Geldverdienen jobbte der Schüler bei dem winzigen Hardcore-Fanartikel-Versand Nuclear Blast in Donzdorf. In dem 14 Quadratmeter großen Jugendzimmer des Gründers Markus Staiger nahm Groher als einziger freier Mitarbeiter telefonisch und per BTX Bestellungen an und erledigte den Versand. Nach der mittleren Reife hätte er bei Nuclear Blast voll einsteigen können, aber nach endlosen Diskussionen mit seinen Eltern fügte sich Ralf vorerst seinem bürgerlichen Schicksal und begann eine kaufmännische Lehre beim Donzdorfer Autohaus Lutz. Er kündigte einen Monat nach seiner Kaufmannsgehilfenprüfung Fachrichtung Automobil. Und Nuclear Blast Records ist heute eines der führenden unabhängigen Hardcore-Plattenlabels der Welt mit Ablegern in Los Angeles und Sao Paulo. Gründer Staiger hat 70 Mitarbeiter und geht regelmäßig mit Grohers Mutter zum Yoga.

Bei Groher und den Kronzeugen lief es nicht so gut. Die Gruppe nahm auch ihre zweite CD auf eigene Kosten auf, immerhin im Studio von Edo Zanki, der in den siebziger Jahren mal ein Star war. Zanki fand die Musik der jungen Kollegen "so steil", dass er mit ihnen auf Österreich-Tournee ging und sein Stück "Die Tänzerin", früher von Ulla Meinecke gesungen, von Groher und seiner Band zu einem tanzbaren Bossa Nova umbauen ließ. Die Hoffnung, dass die Band mit Unterstützung von Zanki den nationalen Durchbruch schafft, war groß. Zankis Frau und Managerin bot an, für die Kronzeugen die Augen offen zu halten, aber das einzige Angebot, das jemals über sie kam, war ein Auftritt bei "Wetten, dass ... ?" als Playback-Begleitband für die US-Frauen-Country-Band Dixie Chicks. "Wir hatten leider keine Zeit", sagt Groher. Sein Tonfall verrät nicht, ob er den Satz ironisch meint.

Finanziell trägt seine Band nur wenig zu Ralf Grohers Lebensunterhalt bei. 2001, dem ewigen Knapsen mit dem Musikersalär leid, hat er eine Bar in Stuttgart übernommen. Seitdem ist sein Leben eine Mischkalkulation. Und er glaubt, deswegen ein Glaubwürdigkeitsproblem zu haben: "Du wirst in Deutschland als Musiker nicht ernst genommen, wenn du dein Geld nicht ausschließlich mit Musik verdienst." Das Duo Hiss und Groher gibt es seit knapp vier Jahren. Die beiden hatten auf einem Festival nacheinander gespielt und hinterher die gemeinsame Liebe zur lateinamerikanischen Musik entdeckt. Das erste Programm war schnell zusammengezimmert, die ersten Auftritte rasch arrangiert, die Zuschauerzahlen stiegen. Es folgte die erste Platte im Eigenverlag, die sich bei Konzerten und per Empfehlung "recht gut" verkaufte und die inzwischen einen richtigen Vertrieb hat. Es gab viele kleine Siege auf kleinen Bühnen, aber die größten feiert Los Gigantes nicht in Stuttgart, sondern in Mexiko. Über private Kontakte fanden die Musiker eine Agentin, die in diesem Jahr zum zweiten Mal eine Mexiko-Tour für sie organisierte. Überraschenderweise werden sie dort besser bezahlt als in der wohlhabenden Heimat. Mal gibt es 500 Dollar, mal 1000 Dollar pro Auftritt, dazu Benzingeld, Autobahngebühr, Hotel und zwischendurch ein paar faule Tage am Strand. Bezahlter Urlaub ist Teil der Mischkalkulation.

"Ein Zuviel an Gefühl gibt es hier nicht", sagt Groher nach einem Auftritt im Kulturverein der Provinzhauptstadt Morelia. Das tut ihm sichtbar gut. Mit ironischen Ansagen können die Mexikaner im Unterschied zum deutschen Kleinkunstpublikum wenig anfangen. Dafür wundem sie sich, dass aus dem Land des Volkswagen so viel "pasión" kommt, singen alle mexikanischen Lieder mit, verlangen am Ende des Konzerts endlos Zugaben, "Otra! Otra!", und kaufen nach der vierten Zugabe die CD, obwohl sie 15 Dollar kostet, was in Mexiko drei- bis viermal so viel Geld ist wie in Deutschland. Als Gegenleistung bestehen sie auf Autogrammen, umringen die beiden und wollen sie anfassen wie kleine Mädchen Robbie Williams.

Die Radiomoderatorin von Aguascalientes verspricht, Los Gigantes in Zukunft regelmäßig zu spielen, und lässt sich nicht davon abbringen, dass "mexikanisches Blut in den Adern der beiden fließen muss". Im lokalen Fernsehstudio von Uruapan beschließt der Moderator von Kanal 7 im dunkelblauen Jackett mit aufgesticktem Senderlogo, die Sendezeit für die Gäste aus Alemania ein zweites Mal um fünf Minuten zu verlängern, " weil die Musik so schön ist", wie er sagt. Und weil die beiden zu den vier bereits gespielten Lieder noch zwei zusätzlich spielen sollen und der Moderator dann noch einmal fragen kann, wie es kommt, dass Menschen aus so einem kalten Land so warme Gefühle auf die Bühne bringen. Mexiko ist für Los Gigantes eine Bestätigung, das Richtige zu tun. Sie werden wiederkommen, so bald wie möglich. Und sie werden wieder für halbwegs anständiges Geld die Musik spielen, die sie lieben. Mehr wollen sie nicht.