Der Frauenversteher

Den Gipfel hat eine Marke erreicht, wenn sie zum Fetisch geworden ist. So wie die sündhaft teuren Schuhe von Manolo Blahník. Ein Mann, der weiß, was Frauen wünschen.




• Grundsätzlich tun sich Männer eher schwer mit dem Verständnis der weiblichen Seelenlage. Manolo Blahník ist eine Ausnahme. Und die Damen wissen das zu schätzen. Als er in Düsseldorf bei der Eröffnung einer Ausstellung mit seinen Entwürfen erscheint, drängen sie sich um ihn, und jede einzelne strahlt, als sei ihr der Heiland persönlich erschienen. Blahník, ein wie aus dem Ei gepellter und gemäßigt exaltierter Gentleman, gibt sich bescheiden: „Ich würde sterben, wenn jemand mich Celebrity nennen würde.“ Dabei ist er spätestens seit der Fernsehserie „Sex and the City“ und der Manolo-Manie der Hauptdarstellerin der berühmteste Schuhmacher der Welt.

Schuld daran ist wie so oft im Leben eine Prägung im zarten Alter. Manolo Blahník, 1942 auf der kanarischen Insel La Palma geboren, lernt von seiner modebewussten Mutter, wie die spanischen Espandrilles gemacht werden – und seine Liebe zum Schuh entflammt. Bevor er sie schließlich auslebt, studiert er noch dies und das, entdeckt seine künstlerische Begabung und geht Anfang der siebziger Jahre nach London. Blahník will Bühnenbildner werden. Auf Anraten seiner Freundin Paloma Picasso zeigt er seine Entwürfe Diana Vreeland, der legendären Chefredakteurin der amerikanischen Modezeitschrift »Vogue«. Ihr fallen die exzentrischen Schuhe in den Zeichnungen auf, und sie gibt Blahník den Tipp, sich darauf zu konzentrieren.

Der Rat der Stil-Ikone ist ihm Befehl. Blahníks erste, für einen britischen Designer entworfene Kollektion entpuppt sich allerdings als Flop: Die Plateausohlen verformen sich. Die Stilettos, auf die er sich fortan verlegt, halten und verschaffen ihm den Durchbruch. Unter anderem stöckelt Bianca Jagger darauf ins legendäre New Yorker „Studio 54“. In Blahníks Läden, den ersten eröffnet er 1973 gemeinsam mit seiner Schwester in London, den zweiten 1979 in Manhattan, geht die Prominenz bald ein und aus. Unter anderem auch der bekennende Fußfetischist Andy Warhol, der seine Karriere als Werbezeichner für eine Schuhfirma begann.

Die Schönen und Reichen fliegen auf Blahníks filigrane und perfekt gearbeitete Kreationen: Der „Godfather of Sole“ (Model Naomi Campbell) legt an jedes Exemplar selbst Hand an und verbringt vier Monate im Jahr in der norditalienischen Fabrik, wo seine Schuhe gefertigt werden. Eine gewisse Leidensfähigkeit setzen sie bei den Trägerinnen trotzdem und nicht nur wegen des Preises (ab 400 Euro) voraus – ein Modell trägt den bezeichnenden Namen „Tortura“.

Wer schön sein will, muss leiden, das ist auch die Botschaft von „Sex and the City“, mit der die „Manolos“ endgültig zum Synonym für schicke Treter geworden sind. Der Namensgeber könnte seine Marke nun an eine Modekette verkaufen und noch sehr viel reicher werden, als er es ohnehin schon ist. Will er aber nicht, weil er's einerseits mit Zahlen nicht so hat: „Meine Schwester macht den ganzen kaufmännischen Teil. Kalkulationen, Buchhaltung, also alles, was langweilig ist. Die Arme.“ Und weil er andererseits immer nur das eine will: Schuhe machen. Dass diese Leidenschaft ihn bis ins Museum gebracht hat, darüber freut sich der Designer, der so charmant lächeln kann wie Tony Curtis in seinen besten Tagen. Nur der ganze Rummel, das lässt er beim Abschied von seinen Jüngerinnen durchblicken, sei ihm gelegentlich zu viel.

So kann's einem gehen, der zu sehr auf die Frauen hört. ---