Siege im Sitzen

Er ist Deutschlands bekanntester Selfmade-Möbeldesigner, Markenpionier, Unternehmer-Ikone, Fast-Pleitier, Retter einer zum Sterben verurteilten Traditionsfirma und Verlierer beim Wettlauf um die eigene. Vor allem aber ist Rolf Benz ein Beispiel dafür, wie man selbst aus Niederlagen noch gewinnen kann.




Er spricht langsam und schwer, und beim Erzählen legt er immer wieder die feingliedrigen Finger aneinander, die zu dem kräftigen Körper nicht recht zu passen scheinen. Er denkt viel nach. Er ist jetzt seit zwei Tagen 71 Jahre alt, vielleicht steckt ihm noch sein Geburtstag in den Knochen oder der Wein, den er bei solchen Anlässen gern trinkt. Manchmal verliert er den Faden, manchmal nimmt er ihn viel später wieder auf, manchmal aber haben die Fäden bei ihm einfach keinen Anrang und kein Ende.

So war das immer bei ihm im Leben. Im Rückblick erscheint das Leben von Rolf Benz wie ein verworrenes Knäuel aus Schlingen und Fasern, deren Anfang ins fernere Generationendickicht zurückreicht und deren Ende allenfalls hinterm Horizont zu erahnen ist. Zwischendrin gibt es allerdings zwei dicke rote Fäden, die alles miteinander verbinden: Der eine ist Benz' legendäre Intuition. Der andere ist der Ehrgeiz, etwas aus ihr zu machen. Rolf Benz steht für jene Selfmade-Karrieren der Nachkriegszeit, die im Wirtschaftswunderdeutschland direkt an die Spitze des deutschen Mittelstandes führten. Für jene Menschen, die aus Talent, Fleiß und ein paar weiteren Tugenden bundesweit bekannte Unternehmen schufen. Und die in jener Schlichtheit begannen, die man heute als "einfache Verhältnisse" umschreibt.

Rolf Benz wurde am 13. September 1933 als eines von acht Geschwistern in Nagold am Rande des Schwarzwalds geboren -eine karge Gegend, die Benz Zeit seines Lebens nie länger als für ein paar Tage verlassen sollte. Seine Eltern führten im Ort ein Aussteuergeschäft und versorgten ihn so automatisch mit dem, was er "meine Art des Marketingstudiums" nennt: "Wenn Stoffvertreter ins Geschäft meiner Eltern kamen, hat sich meine Mutter immer gefragt, ob der Stoff wohl der Frau Apotheker oder der Frau Metzger besser gefallen würde." Zum Geschäftsnachfolger aber wurde nicht er, sondern sein Bruder bestimmt, weil der die besseren Schulnoten hatte; Rolf hingegen schickten die Eltern erst in eine Polstererlehre, dann in die Polstermöbelwerkstatt seines Onkels Benjamin Gabelmann. Als der nach einem Autounfall starb und das Unternehmen führungslos hinterließ, war Rolf Benz gerade 19 Jahre alt. "Ich wollte immer weg", sagt er, " aber nun konnte ich es nicht mehr." Zusammen mit seinem 20-jährigen Cousin musste Benz die Polsterei durchbringen.

Die Notsituation hatte aber auch ihr Gutes, denn nun konnte der junge Polsterer erstmals einige seiner außergewöhnlichen Talente unter Beweis stellen. Das eine war seine Fähigkeit, Arbeit so zu organisieren, dass sie sich lohnt: "Ich war immer überzeugt, dass man den Mitarbeitern Vorgaben machen muss", sagt er in der gemütlichen Sprache seiner Heimat, die die Silben weich macht und aneinander hängt wie Angorasocken auf einer Wäscheleine. "Man muss wissen, was die Leute leisten können, und ihnen dann ihr Soll vorgeben." Und das tat der junge Boss. Ein Benz-Produkt dieser Zeit war die so genannte "Schweigecouch", die ihren Namen der Tatsache verdankt, dass bei ihrer atemlosen Herstellung einfach keine Zeit zum Reden blieb. Fairerweise muss gesagt werden, dass Benz mit gutem Beispiel voranging. Es habe ihm damals überhaupt nichts ausgemacht, 18 Stunden am Tag und sechs Tage in der Woche zu arbeiten, erinnert er: "Ich wusste doch: Jetzt, nach der Kriegsphase, passiert endlich wieder etwas. Es gibt wieder Chancen. Jetzt müsse' mer dranbleibe'." Das zweite Talent, jenes, dem Benz letztendlich seinen Aufstieg verdankt, war sein untrüglicher Instinkt für Formen, Farben, Proportionen. Jene hoch gepolsterten Ungetüme beispielsweise, die sein Cousin für traditionelle deutsche Schlaf- und Wohnzimmer baute, waren ihm viel zu klobig. Also wischte der junge Firmenchef eines Tages in der Werkstatt des Gestellbauers - eine beliebte Benz-Anekdote - den Staub zur Seite und zeichnete mit grobem Zimmermannsbleistift leichte, klare, filigrane Betten, Sofas und Sessel auf den Schreinereifußboden. Was der junge Benz da skizzierte, roch verführerisch nach Aufbruch, Beweglichkeit, Eleganz und Leichtigkeit. Es entsprach aufs Trefflichste dem Lebensgefühl im erwachenden Wirtschaftswunderdeutschland. Es war die Geburt des Erfolgsdesigners Rolf Benz.

"Woher weiß einer, den der Vater mit 15 Jahren von der Schule nahm, was sich internationalisierte Großstadtmenschen vorstellen, wenn sie ein Sitzmöbel kaufen?", rätselte ein Reporter der Zeitschrift "Impulse" noch viele Jahre später. Eine Inspirationsquelle war sicher der Bauhaus-Schüler und Stuttgarter Designprofessor Herbert Hirche, der damals gemeinsam mit der Zimmerei Holzäpfel eine Art schwäbischer Moderne aufzog. Eine andere, bessere Erklärung lautet: Rolf Benz konnte es einfach. Er war ein Naturtalent.

Wer Großes will, muss notfalls damit leben, einsam zu sein. Für Rolf Benz eröffnete das neue Perspektiven "Benz hat ein angeborenes, absolutes Gespür für Möbel und Märkte", lobt Leo Lübke, Geschäftsführer der westfälischen Möbelmarke Cor, seinen schwäbischen Konkurrenten. "So was kann man nicht lernen. Und weil er selbst ein Vollbluthandwerker ist, weiß er auch, wie eine gute Naht aussehen, wie sich gutes Leder anfühlen muss. Das könnte ein x-beliebiger Manager, der gestern noch bei einem Autozulieferer tätig war, niemals leisten." Mit Rolf Benz' Talent und Unterstützung wuchs die Firma Gabelmann schnell bis auf 80 Mitarbeiter - und damit an ihre spirituellen Grenzen. Denn die Gabelmanns zählten wie die Benz' zu einem strenggläubigen Zweig der Mennoniten; ein weiteres Wachstum schien ihnen aus religiösen Gründen unschicklich, und das war nicht der einzige Grund, warum Rolf Benz in seiner religiösen Heimat zusehends aneckte. "Ich konnte nicht in dieser Enge leben und gleichzeitig moderne Möbel bauen", sagt er. Gemeinsam mit seiner Frau Hilde gründete Benz seine eigene Firma BMP (Benz Möbel Programme), verließ die Glaubensgemeinschaft und war fortan auf sich allein gestellt. Das war eine einsame, aber auch sehr anspornende Situation. "Wir konnten nur noch voran. Denn der Weg zurück in den Schoß der Familie war uns verbaut." Rolf Benz war jetzt 31 Jahre alt und hatte bereits alles beisammen, was für seinen späteren Erfolg bestimmend sein sollte: Formgefühl und Marktgespür, Erfahrung im Führen eines Betriebes und ehe genaue Vorstellung von dem, was er machen wollte. Selbst dass er seit seinem Kirchenaustritt eine Art Außenseiter war, kam ihm jetzt zugute. "Ich war nie Teil von irgendetwas, ich stand immer etwas abseits. Und von dieser Abseitsposition aus konnte ich gut beobachten, was um mich herum geschah." Der Jungunternehmer beobachtete beispielsweise, dass in Deutschland das Fernsehen immer populärer wurde. Im klassischen deutschen Vierergruppen-Wohnzimmer - Sofa, Sessel, Sessel, Couchtisch - fanden die voluminösen Fernsehkisten jedoch keinen rechten Platz. Also entwarf Benz ein Fernsehmöbel in Form einer Über-Eck-Couchgarnitur, auf der sich die Familie zum TV-Abend lümmeln konnte. Andere Idee, ähnlicher Verkaufsschlager: Das Erfolgsprinzip der Anbauküchen übersetzte Benz kurzerhand in Möbelbausteine, die Addiform und Pluraform hießen und weggingen wie Käsespieße auf einer Sechziger-Jahre-Party. Später baute er Möbel, die nicht nur leicht aussahen, sondern sich auch leicht mitnehmen ließen und daher Impak hießen.

Möbel als Marke, gutes Design, atemberaubende Kampagnen - und immer im Mittelpunkt: Rolf Benz All das entwarf Benz in den ersten Jahren noch selbst, später mit Unterstützung freier Designer, die er in kurzen, knappen Worten briefte. "Ich stelle mir ein Sofa vor wie eine elegante Dame in einem langen schwarzen Abendkleid mit hoch geschnittenem Schlitz", erklärte er einmal der Designerin Anita Schmidt. Und genau so atemberaubend sah das Sitzmöbel dann auch aus.

Benz ärgerte sich damals allerdings häufig, weil ihm gefragte Designer immer wieder eine Abfuhr erteilten. "Viele der Besten gingen zu Walter Knoll. Der galt damals als Vorbild, auch für mich." Der 1865 gegründete Traditionsbetrieb aus dem benachbarten Herrenberg hatte unter anderen die Zeppeline mit Aluminiumgestühl und die legendäre Stuttgarter Weißenhofsiedlung mit Möbeln ausgestattet. Über einen Abkömmling, der nach New York ausgewandert war, dort die Knoll International gegründet und mit Stahlrohrmöbeln von Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe und Mart Stam den Bürostil von Corporate America geprägt hatte, erlangte der Name Knoll sogar Weltruhm. Rolf Benz hingegen war nach eigener Einschätzung "immer noch ein Nobody". Aber das sollte sich bald ändern.

Denn nicht nur beim Design von Möbeln, auch bei der Vermarktung machte der Autodidakt einige entscheidende Dinge ganz anders als andere. Kein anderes Unternehmen in der deutschen Möbelindustrie definierte sich so über seinen Chef wie Rolf Benz. Nicht nur die Firma trug seinen Namen, auch der gesamte Markenauftritt lief über ihn. Und mit diesem Namen und atmosphärischen Wohninszenierungen sprach Benz immer mehr Frauen und Männer an, die sich neu und modern einrichten wollten. "Benz hatte damals eine tolle Kampagne", erinnert sich Leo Lübke. "Ein Motiv zeigte eine Frau, die mit wehenden Haaren vor einem weithin offenen Haus irgendwo an einer griechischen Küste stand - und mittendrin ein schneeweißes Sofa von Rolf Benz. Das hat sich damals natürlich jeder zugelegt, der etwas auf sich hielt." Schon früh erkannte Benz, dass er seine Möbel als Marke etablieren musste, wenn er sich nicht in den Preiskämpfen des Massenmarktes zerreiben lassen wollte. Anstelle schlichter Einzelmöbel setzte er zudem auf die Produktion und die Vermarktung verführerischer Wohnwelten. Dieser im Prinzip goldrichtige Gedanke führte in den siebziger Jahren zu einer folgenschweren Fehlentscheidung: "Ich wollt' Firma und Marke zugleich aufbauen, und das ging g'schwind zu schnell." Mit der Übernahme eines Schrankwandherstellers und einer Holzgestell-Fertigung übernahm er sich, gleichzeitig verschlief er das wachsende Faible der Deutschen für Ledermöbel. Dieses einzige Mal versagte der Instinkt des Mannes, der sonst Trends immer mit seismografischer Genauigkeit vorgeahnt hatte. Und so schlitterte die Rolf Benz GmbH binnen Monaten von ihrem erfolgreichsten Geschäftsjahr in eine existenzbedrohende Krise, die nur durch einen Verkauf der Anteilsmehrheit an die Paderborner Welle-Gruppe aufgehalten werden konnte.

Rolf Benz war nun Chef in einem Unternehmen, das zwar seinen Namen trug, ihm aber nicht mehr gehörte. Dieser Schock sei für die gesamte Familie ein "ganz tief greifendes Ereignis gewesen", sagt Markus Benz, der älteste Sohn. "So etwas speichert sich für immer im Gedächtnis ab." Damals, 1980, entschieden sich alle vier Benz-Kinder für eine eigenständige Karriere außerhalb der Firma; Markus Benz beispielsweise studierte Jura. , Jeder erfolgreiche Vater ist für seine Kinder eine Belastung", sagt der 43-jährige Benz-Sohn. "Das ist einfach so. Damit kann man nur umgehen, indem man einen Acker besetzt, den der Vater nicht besetzen kann. In meinem Fall war das die Juristerei." Der Vater versuchte derweil sein Lebenswerk mithilfe von Fremdkapital zu retten. Das gelang ihm denn auch in erstaunlich kurzer Zeit, überhaupt wurden die achtziger Jahre zu dem Jahrzehnt der Marke Rolf Benz, was nicht zuletzt dem (nunmehr angestellten) Geschäftsführer zu verdanken war. Doch der verfolgte zeitlebens die Philosophie, Dinge entweder "ganz oder gar nicht zu machen". Was Rolf Benz jetzt aber tat, war irgendetwas in der Mitte. Und damit für den Selfmade-Unternehmer eindeutig nicht das Richtige.

Ein alter Traum geht in Erfüllung. Und der Sohn macht ihn wahr In dieser Zeit geschah etwas, bei dem man endlos streiten könnte, ob es Zufall, Schicksal oder Fügung war: Im Rotary-Club traf Benz 1993 auf einen Erben der legendären Firma Walter Knoll. Das Unternehmen war mittlerweile in schwere Probleme geraten, hatte sich im Sortiment verzettelt und in der Produktion verrannt. Vom traditionsreichsten deutschen Polstermöbler war kaum mehr übrig als ein großer Name und eine große Sanierungsaufgabe. Knoll suchte einen Retter. Und der wurde Rolf Benz.

Es war die Erfüllung eines alten Traumes (der große Name; die Chance, wieder eine eigene Firma zu besitzen) und gleichzeitig die Antithese zur Erfolgsgeschichte der Firma Rolf Benz. Bei Walter Knoll gab es bereits eine etablierte Marke, die nicht erst aufgebaut, sondern kräftig aufpoliert werden musste. Auf die Füße gestellt werden mussten hingegen Sortiment, Vertrieb und Fertigung - und darin machte dem alten Hasen Benz so schnell niemand etwas vor. Allerdings konnte er da selbst wenig machen, denn er war immer noch Geschäftsführer bei Rolf Benz. So wurde der große alte Mann des Polstermöbeldesigns bei Walter Knoll lediglich Aufsichtsrat; zum Geschäftsführer von Knoll wurde Markus Benz bestimmt, der in der Juristerei genügend eigene Meriten gesammelt hatte, um in der Branche des Vaters sein Glück zu versuchen.

Zusammen mit seinem Co-Vorstand Michael Blank, einem hellwachen, jovialen Manager, traf der neue Knoll-Boss ein paar goldrichtige Entscheidungen: Er minderte die Produktionstiefe, modernisierte das Marketing, verjüngte das angestaubte Sortiment. Verpflichtete die damals noch unbekannten Avantgarde-Designer EOOS - heute weltweit anerkannte Helden ihres Fachs. Überzeugte den britischen Stararchitekten Norman Foster von seiner ziemlich selbstbewussten Idee, den renovierten Reichstag mit Mobiliar von Walter Knoll auszustatten - und zwar einem Mobiliar, das Foster zuvor noch für Knoll entwerfen sollte (die Foster-Entwürfe zählen heute zu den Erfolgsmodellen im Knoll-Portfolio). Wo immer Sessel und Sofas von Knoll stehen, riechen sie auf unauffällige Weise nach Professionalität, Liquidität, Seriosität. Ihr distinguiertes Odeur verströmen sie heute unter anderem in einem guten Dutzend Berliner Botschaften, dem Bundesrat, in den VIP-Lounges einiger Bundesligastadien, im Center of Excellence der Marke Maybach und einer ganzen Reihe weiterer erstklassiger Business-Adressen weltweit. Die Marke Walter Knoll glänzt wieder.

"Markus' Vorteil war, dass ich immer noch in das Unternehmen Rolf Benz eingebunden war", stellt Benz senior fest. "Ich konnte ihm so gar nicht den Oberaufseher machen." Heute beschäftigt Walter Knoll wieder 160 Mitarbeiter, liefert in alle Industrienationen, wächst jedes Jahr zweistellig und verfügt über ein Portfolio ausgesprochen schöner, edler Objektmöbel.

Benz junior: "Eine der größten Vaterleistungen war, dass er nicht gezuckt hat, als es hier hart auf hart stand. Und: Er hat uns immer die Sicherheit gegeben, dass es klappt." Gut sein zu lassen, was gut ist, das ist keine leichte Aufgabe. Rolf Benz hat sie jetzt gelöst Es klappte so gut, dass Benz senior zwischenzeitlich sogar versuchte, sein altes Unternehmen und seinen Namen (den laut einer Studie von Gruner + Jahr jeder dritte Deutsche kennt) zurückzukaufen. Als die Welle-Gruppe 1998 überraschend den Verkauf ihrer Mehrheit an Rolf Benz ankündigte, startete der Gründer gemeinsam mit der Deutschen Bank und der Deutschen Beteiligungs AG einen letzten Versuch, Rolf Benz zurückzuerobern. Benz wollte es noch einmal wissen; er wollte kein Feigling sein, wie er sagt.

"Das Einverständnis vom Markus hatte ich nicht" , meint Benz nachdenklich, "aber es hätte bestimmt gut funktioniert." Markus Benz: "Mein Kind war Knoll. Und da muss man sehen, dass man dafür ausreichend sorgen kann." Markus Benz winkte also ab, und Welle verkaufte die Firma zu Benz' Enttäuschung an die Möbelgruppe Hülsta. Kurz davor verabschiedete sich Rolf Benz aus dem Unternehmen, das seinen Namen trägt. Seitdem haben die Firma und der Mann genauso wenig miteinander zu tun wie der Modedesigner Wolfgang Joop und die entsprechende Marke. Und obwohl die neue Fabrikationshalle der Firma Walter Knoll nur 300 Meter vom Stammsitz der Firma Rolf Benz entfernt liegt, ist der Firmengründer vor ein paar Monaten nicht einmal zum großen 40-jährigen Firmenjubiläum hinübergegangen. "Ich hätte dort auch etwas sagen und mich bei meinen Mitarbeitern bedanken wollen. Aber das wollten die Gesellschafter nicht. Sie wollten mich in die erste Reihe setzen, wo ich mir eine Lobhudelei hätte anhören müssen." Es ist offensichtlich, dass ihn die Sache nach wie vor wurmt. Doch so konsequent, wie Rolf Benz zeitlebens seinen Aufstieg betrieb, betreibt er jetzt seinen Abschied vom eigenen Unternehmen. Entscheidend sei, dass die Unternehmerdynastie Benz weiterlebe, sagt er. Und das sei nunmehr gesichert.

"Wissen Sie", sagt Benz, fasst den Reporter am Oberarm und nimmt ihn beiseite, "in meinem Alter muss man auch mal gut sein lassen. Das ist eine hohe Kunst. Und ich kann es jetzt."