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Der Fremde und seine Heimat

Der Bürgermeister der Kleinstadt Altlandsberg hat alles richtig gemacht. Er hat Vereine gegründet, weil die den Ort lebendig machen. Er hat den historischen Stadtkern familienfreundlich saniert. Und er hat die Stadt bundesweit bekannt gemacht. Mit dem ersten Elefantenrennen in Deutschland. Denn Ravindra Gujjula kommt aus Indien. ABER DAS IST SCHON LANGE HER.




Ravindra Gujjula lässt sich nicht so leicht den Spaß verderben. Weder von Brigitte Bardot noch von Nina Hagen. Mochten die auch fürchterlich über Tierquälerei schimpfen und Gujjulas Landsmann, den indischen Botschafter, anflehen, seine Schirmherrschaft über die unselige Veranstaltung niederzulegen, er führte dennoch die Elefantenparade an, mit der Deutschlands erster Elefantenrenntag seinen Auftakt nahm. "Das waren Zirkustiere", sagt Gujjula heute. "Die hatten ihre Freude daran." Und für ihn war es ein großer Erfolg: 45 000 Zuschauer kamen im Sommer 2000 auf die Pferderennbahn Dahlwitz-Hoppegarten östlich von Berlin, darunter der Maharadscha von Jodhpur mitsamt indischer Prinzessin und 528 akkreditierte Journalisten. Unter ihrem Beifall machte die Elefantendame Conny das Rennen.

"Wenn ich auf die Ankündigung geschrieben hätte: .Sechs Stunden indische Kultur' - was glauben Sie, wie viele Menschen gekommen wären?" Nein, Gujjula wollte mit seinem deutschindischen Volksfest - das Elefantenrennen war nur dessen Höhepunkt - ein deutliches Zeichen für Völkerverständigung setzen. Gegen Fremdenfeindlichkeit! Und für Altlandsberg! Altlandsberg? Ja, das ist ein kleines Städtchen gleich neben Dahlwitz-Hoppegarten, kaum fünf Kilometer vom östlichen Berliner Stadtrand entfernt. Ravindra Gujjula ist dort Bürgermeister, und zwar der einzige dunkelhäutige Deutschlands.

Altlandsberg kann gute Publicity vertragen. Zu DDR-Zeiten, als in Sichtweite die Plattenbauviertel von Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen in die Höhe schossen, verfiel das schmucke Städtchen mit seiner Stadtmauer und den von Störchen bewohnten Türmen. Nicht genug damit: Wer Hauptstadtverbot hatte, wurde hierhin geschickt. Marode Häuser und deprimierte Alkoholiker prägten das Stadtbild. Die Bevölkerungszahl war so niedrig, dass heute stets das Wort "Inzucht" fällt, kommt die Rede auf die alten DDR-Zeiten.

Von all dem ist jetzt nichts mehr zu sehen. Die meisten Bürgerhäuser sind hübsch saniert, kaum eine Wohnung steht leer. Selbst an einem tristen Februartag wie diesem gibt die Stadt einen Eindruck von der künftigen Idylle, die sie bieten wird, wenn die Umgehungsstraße fertig ist und keine Lastwagen mehr im Minutentakt über die historische Katzenkopfpiste brettern. Und erst das Rathaus! Groß, feudal und prächtig saniert erhebt es sich an der Hauptstraße. Es war mal ein wilhelminisches Amtsgericht, nun residiert hier Gujjula. Und die Stadtverwaltung. Der Gefängnistrakt hinten ist vermietet.

Im Erdgeschoss hat Gujjula seine Praxis. Denn Bürgermeister ist er im Ehrenamt, sein Geld verdient er als Facharzt für Innere Medizin. "Schön, dass Sie gekommen sind", sagt der deutsche Arzt aus Indien. Wie verschlug es ihn in die ostdeutsche Provinz? " Das ist immer die erste Frage", sagt er lachend. "1973 kam ich in die DDR, um Medizin zu studieren." Das tat er erst in Greifswald, dann in Berlin. "Von dort wollte ich nie weg." Doch seine Freundin fand nach dem Landwirtschaftsstudium eine Stelle bei der LPG in Altlandsberg. Da man ihnen eine neue Wohnung mit Zentralheizung - "Das war der Hit damals!" - anbot, zog auch Gujjula Anfang der Achtziger in die Mark Brandenburg. "Der Busfahrer fragte, wo ich hin wolle", erinnert er sich, " und fuhr mich vor die Haustür." Im Kreiskrankenhaus fand er schnell Freunde: "Ich war der erste Dunkelhäutige hier. Jeder wollte etwas über Indien erfahren." Er fühlte sich gleich heimisch und wurde Arzt bei der LPG.

Gujjula bekam 80 Prozent der Stimmen - nach der Wende Was sich seit der Wende in der Stadt getan hat, ist ohne sein Zutun undenkbar. Während andere brandenburgische Gemeinden Schwierigkeiten haben, Kandidaten zu finden, die sich als Bürgermeister für ihre Stadt engagieren, hat Altlandsberg einen erwischt, der nie genug hat. Blättert man die Jahrgänge des von Gujjula initiierten Stadtmagazins durch, wird man ihn auf vielen Fotos entdecken: Vom Übergeben eines Blumenstraußes zum Geburtstag bis zum ersten Spatenstich - er absolviert das ganze kommunale Pflichtprogramm.

Woher kommt der Elan? Ravindra Gujjula erzählt seine Lebensgeschichte. Schon die Eltern waren sehr politisch: Der Vater stand der größten Landarbeitergewerkschaft Indiens vor, die Mutter dem Frauenverband. Das prägte. Als Jugendlicher erlebte er ein paar Tage den indischen Knast: Demos gegen den Vietnamkrieg und überteuert verkaufte Babynahrung brachten ihn dorthin, erzählt er. "Ich habe damals gelernt: Man muss kämpfen! Nur reden reicht nicht, wenn man etwas verändern will." 1988 schlug ihn der FD G B als Kandidat für den Kreistag vor. Der Kreiswahlausschuss-Vorsitzende nahm seine Unterlagen nicht an: "Wie viele Ausländer wohnen in Altlandsberg?" Gujjula antwortete: "Nur ich." "Wessen Interessen wollen Sie dann vertreten?" Gujjula beschwerte sich - eine Woche später war er arbeitslos.

1990 gab es die ersten freien Kommunalwahlen. Von 45 Kandidaten erreichte er das zweitbeste Ergebnis, er wurde Ausschuss-Vorsitzender für Bildung und Kultur. "Und das bei meinem Akzent", lacht er. "Aber ich war eben als Arzt anerkannt." 1993 wählte man ihn zum Bürgermeister - und wiederholte das 1998 und 2003. Mit Wahlergebnissen von um die 80 Prozent Zustimmung. " Seitdem hat sich mein Leben total verändert." Seine florierende Praxis hat er immer noch. Manchmal sagt ein Patient: "Ich wähle Sie nicht! Ich möchte Sie als Arzt behalten." Der Zeitaufwand für das Ehrenamt ist immens. Ein Fernsehteam fragte seine Tochter, wie sie das findet. "Wie soll ich das finden?", sagte sie. "Wenn er nach Hause kommt und ich will ihn etwas fragen, liegt er schon auf dem Sofa und schnarcht." "Wer einmal etwas politisch gemacht hat, der kann nicht mehr ruhig sitzen", sagt Gujjula und fixiert sein Gegenüber mit dunklen Augen eindringlich. "Wenn man Erfolg hat, kann man nicht mehr damit aufhören." Er strahlt. Er ist ein Besessener - kein Zweifel.

Doch nun will er los, seine Stadt zeigen. Sie schrumpft nicht, wie das die meisten Städte im Osten tun. Im Gegenteil: Sie hat in den vergangenen Jahren ihre Bevölkerungszahl fast verdoppelt, von 4700 auf 8600 Einwohner. Natürlich: Sie liegt mitten im Berliner Speckgürtel. Auch wenn Theodor Fontane es aus unerfindlichen Gründen nicht nach Altlandsberg schaffte - und der ließ doch wirklich kein noch so kleines märkisches Kaff aus -, hat der Flecken alles zu bieten, was das Herz meist kinderreicher Großstadtfamilien höher schlagen lässt: Wiesen, Wald und Seen, und doch braucht man keine drei Minuten bis zum Autobahnring und nur eine halbe Stunde bis Berlin-Alexanderplatz. Sogar Arbeitsplätze gibt es hier.

Der Bürgermeister könnte sein Geld auch als Fremdenführer verdienen Mit Gujjulas schwarzem Mercedes-Benz geht es Richtung Autobahn, wo das große Logistikzentrum liegt. Von da aus beliefert der Großhändler Metro 400 Supermärkte zwischen Riesengebirge und Ostsee. 1000 Menschen arbeiten dort, nicht alle aus Altlandsberg, aber immerhin: In Altlandsberg gibt es mehr Arbeitsplätze als Menschen im erwerbsfähigen Alter.

Daneben wälzt sich die Trasse der Umgehungsstraße durch die Landschaft. "Im September wird sie eröffnet", sagt Gujjula. "13 Jahre haben wir darauf gewartet." Und Tag für Tag bis zu 14 000 Fahrzeuge ertragen. Weiter geht es im großen Bogen um die Stadt. Gujjula zeigt Baubetriebe, die maßgeblich am Eigenheim-Boom im Berliner Umland beteiligt sind, und die Wesendahler Apfelplantagen (der größte Investor kommt aus Südtirol). Selbst auf die Ansiedlung zweier Recyclinghöfe ist Gujjula stolz: "Okay, sie machen Dreck und Staub. Aber sie geben auch einer Reihe Schwervermittelbarer Arbeit." 16 Prozent beträgt die Arbeitslosenquote in Altlandsberg. Das ist nicht schlecht für die neuen Länder. Bloß ein paar Kilometer weiter, Richtung Polen, sind es 20 bis 30 Prozent.

Weiter geht's, am Reiterhof vorbei. Leute aus dem Westen haben ihn hergerichtet. Dicke Gänse stehen auf dem Komposthaufen und gucken neugierig herüber. Ravindra Gujjula könnte sein Geld auch als Fremdenführer verdienen. Er erzählt von den Geheimgängen in der Stadtkirche, vom Mittelalterspektakel im verwunschenen Schlosspark und von dem alten Gutshaus, das gerade zu einem Haus der Vereine umgebaut wird. "Das habe ich in unserer Partnerstadt Stadtlohn im Westen gelernt: Gründe so viele Vereine wie möglich!" Den Heimatverein gibt es, den Gewerbe-Förder-Verein, ja, sogar einen Lions Club - von all den Feuerwehr- und Sportvereinen ganz zu schweigen. Sie geben der Stadt erst das Leben, hier finden Zuzügler Anschluss.

Irgendwann endlich parkt Gujjula seinen Wagen auf dem Marktplatz. Die Straße zu überqueren erfordert Todesmut. "Genau hier haben wir einmal eine Sitzblockade gemacht", zeigt er. Wie spät ist es? Bald 16 Uhr. Er muss gleich weg. Aber auf ein Bier hat er noch Zeit. "Freitagnachmittag. Da darf ich das." Er zeigt zuvor aber noch auf die sanierten Häuser. Nach der Wende habe nicht viel gefehlt, und man hätte alles abreißen müssen. "Sobald aber die Eigentumsverhältnisse für ein Haus geklärt waren", erzählt er, " ging alles ganz schnell." Die Stadt ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft "Städte mit historischen Stadtkernen", das Land finanziert Brandenburg 80 Prozent der Sanierungskosten. "Dafür dürfen wir über die Vergabe der Hälfte der Wohnungen eines Hauses bestimmen." Der Mietpreis dieser Wohnungen ist für zehn Jahre gebunden. Niemand wird verdrängt.

So, nun aber hinab in das Backsteingewölbe der Pizzeria. Gujjula bestellt ein Hefeweizen. Bevor er Fragen beantwortet, ist es ihm wichtig, eines loszuwerden: " Alles, was ich Ihnen gezeigt habe, konnte nur mit Hilfe vieler Menschen zu Stande gebracht werden." Man glorifiziere ihn manchmal ein bisschen, sagt er, und so, wie er dabei lächelt, weiß er sehr wohl: Daran ist er nicht ganz unschuldig. Gerade sorgte ein Zeitungsartikel im Berliner "Tagesspiegel" für Verstimmung: Es war nur die Rede von ihm und der neuen Umgehungsstraße - als sei die ganz allein sein Werk.

"Ich bekam sogar Anrufe: Bist du nicht mehr Bürgermeister?", sagt Manfred Andruleit etwas bitter. "Das kann natürlich nicht sein." Andruleit? Bürgermeister? ,Ja, das ist selbst für uns kompliziert", sagt Andruleit, der im Rathaus genau über Gujjulas Praxis residiert. Seit einem Jahr gibt es tatsächlich zwei Bürgermeister in Altlandsberg. Mit der Gemeindegebietsreform, die im Berliner Speckgürtel die sich immer mehr verflechtenden Gemeinden zu " leistungsstarken Einheiten" zusammenfasste, fusionierte Gujjulas Stadt mit fünf umliegenden Gemeinden. Das neue Gebilde trägt weiterhin den Namen Altlandsberg, erhielt aber im vergangenen Jahr einen hauptamtlichen Bürgermeister: den langjährigen Verwaltungschef der Region, Amtsdirektor Manfred Andruleit. Ravindra Gujjula ist damit nur noch Ortsbürgermeister des Altlandsberg-Stadtteils Altlandsberg. Missverständnisse sind programmiert.

Insbesondere, wenn sich alle auf Gujjula stürzen, weil der nun mal, wie Andruleit sagt, ein "Exot" ist. Eigentlich haben sie kaum Probleme miteinander. Vor fünf Jahren trat man sogar gemeinsam in die SPD ein und gab gerade zusammen den Startschuss zum Berliner Sechstagerennen. Die Fotos zeigen: So grundverschieden sie sind, so gut ergänzen sie sich - der silberhaarige 61-jährige Diplom-Wirtschaftler und Finanzfachmann mit seiner geradezu staatsmännischen Gelassenheit und Gujjula, 49, mit seiner Impulsivität und der Neigung zum Populismus. Der eine grundsolide, der andere visionär. Und beide tun sie alles für ihre Stadt.

Die Deutschen lieben den Inder, weil der so deutsch ist Es ist sicher kein Geheimnis, dass Andruleit für vieles verantwortlich ist, was Altlandsberg im ansonsten oft deprimierenden Osten als eine positive Ausnahme erscheinen lässt: Die Schulden der Stadt sind überschaubar, der Haushalt ist ausgeglichen. Man hat eine sehr schlanke Verwaltung - und das, obwohl die Aufgaben, die aus ungeklärten Eigentumsfragen, Stadtsanierung und Zuwanderung resultieren, enorm sind. Vermutlich ist es gut, dass Altlandsberg keine öffentliche Verkehrsanbindung an Berlin hat. In Gemeinden mit S-Bahnanschluss hat sich die Bevölkerung verdreifacht. "Wir haben hier ein gesundes Wachstum", sagt Andruleit. "Außerdem waren wir bescheiden." Nur ein kleines Gewerbegebiet wurde erschlossen, dafür alles komplett verkauft. Andere Städte hingegen besitzen nun "beleuchtete Scharweiden" nebst einem imposanten Schuldenberg.

"Wir streiten schon", sagt Gujjula. Um das neue Feuerwehrhaus beispielsweise. "Der hauptamtliche Bürgermeister sagt: ,Nein, das ist nicht drin. Das schaffen wir nicht.' Ich aber sage: ,Das müssen wir schaffen!' Und spreche dann mit den Feuerwehrleuten." Er lächelt vor sich hin. Er weiß, das Feuerwehrhaus wird gebaut. "Ravindra schiebt die Dinge an. Er ist ein Initiator, der die Leute begeistern kann", sagt Hartmut Niedrich, Professor für Medizinische Chemie im Ruhestand und Vorsitzender des Heimatvereins, der gewissermaßen das kollektive Gedächtnis der Stadt repräsentiert. "Aber Ravindra fehlt manchmal die Ausdauer. Andere müssen das dann zu Ende bringen. Deshalb ist er nicht unumstritten, aber immer geschätzt," Die Details, das Juristische, die praktische Umsetzung, das machen andere Leute, vor allem Andruleit. Andererseits hat Gujjula nur ein Ehrenamt. Wie sollte er die Dinge auch noch zu Ende rühren? Ist das nicht die Sache der Bürger Altlandsbergs?

Und woher kommt sein Erfolg? Ausgerechnet in einer Region, die nicht als besonders fremdenfreundlich bekannt ist, feiert er Wahlergebnisse, die an alte DDR-Zeiten erinnern - und das für die SPD. Vielleicht liegt es daran, dass er gerade nicht das ist, als das er gern hingestellt wird, ein Exot. Ravindra Gujjula ist eher außerordentlich deutsch. Nicht wegen seines Schnurrbarts, des Mercedes' und Weizenbiers. Aber dieses preußisch-protestantisch anmutende Arbeitsethos, dieses Ständig-auf-Achse-Sein, Alles-selbst-bewegen-wollen. Und die Liebe zum Vereinswesen. Was sagte Professor Niedrich? "Das Knüpfen von Lobbygeflechten, das kann Ravindra." Um es kurz zu machen: Ravindra Gujjula schuftet. Und das schätzt man an ihm. Aber ist das wirklich typisch deutsch? Oder vielleicht eher typisch indisch?

Auch jetzt, wie er da sitzt und erzählt und erzählt. Sein Bier, auf das er sich doch gefreut hat, bleibt unberührt. Er hat eine enorme Präsenz, ist durchaus liebenswürdig, liebt aber eine drastische Ausdrucksweise und nennt die Dinge beim Namen. Wie er die neue Struktur mit den zwei Bürgermeistern findet? "Wenn Sie es genau wissen wollen: saudoof!" Zurzeit wartet Ravindra Gujjula gespannt auf die Entscheidung der SPD Anfang März: Er ist als Landtagskandidat im Gespräch - schließlich fuhr er von 600 Kreistagskandidaten das beste Ergebnis ein. Exotenbonus? "Es heißt immer: Deutschlands einziger dunkelhäutiger Bürgermeister. Das mag stimmen", sagt er. "Aber natürlich will ich nicht an meiner Hautfarbe gemessen werden, sondern an meinen Taten. Und ich denke, ich habe viel erreicht!" Klar weiß er um das Kapital, das seine Herkunft birgt. Er beherrscht die Ökonomie der Aufmerksamkeit: " Wenn man in mir den Exoten sehen will, bitte schön, dann nutze ich das eben konsequent aus." Auch als Vorsitzender des Vereins "Brandenburg gegen Rechts" und in seinem Engagement für die doppelte Staatsbürgerschaft. Oder um eine vietnamesische Familie vor der Abschiebung zu bewahren. Zum Schluss solidarisierte sich die halbe Stadt, Kirche inklusive. Und er selbst: Erlebt er fremdenfeindliche Ressentiments? "Eigentlich nicht", er schüttelt den Kopf. Auch wenn er nachts zu einem Patienten muss, macht er sich keine Gedanken. Sicher, zu Führers Geburtstag wird er wieder einen ganzen Stapel Drohbriefe bekommen. Und seine Kinder lässt er nicht allein S-Bahn fahren. Es ist nun mal so. Da kann Ravindra Gujjula noch so ein guter Stadtpatriot sein. Doch er lächelt schon wieder: Ihn kennt man. Und passieren kann überall etwas. Bange machen gilt nicht. Nun muss er aber los. Er steht auf und nimmt einen großen Schluck Bier - den ersten.