Der Hanf-Dealer

Ein Salzburger kostet vom Lebenselexier der Usbeken, mixt daraus einen Drink und gerät in Drogenverdacht. Jetzt gibt´s seine Hanf-Milch ganz legal im Laden.




Als Christian "Frenki" Frenkenberger eines Tages der österreichischen Gendarmerie ins Netz ging, meinte ein junger Beamter vom Posten Hallwang in Salzburg, einen guten Fang gemacht zu haben. Schließlich trug der grasgrüne Audi A4, der da mit überhöhter Geschwindigkeit in die Radarfalle gebraust war, frech das Kennzeichen HANF 1. "Darf ich fragen, womit Sie Ihren Lebensunterhalt verdienen?", wollte der Polizist wissen. "Ich bin ein waschechter Hanf-Dealer", antwortete der 36-Jährige wahrheitsgemäß und genoss es, dem verblüfften Beamten eine kleine Lektion in Botanik zu erteilen.

Cannabis sativa heißt der Rohstoff für die Lebensmittel, die von der ATB &G Frenkenberger GmbH in Hallwang bei Salzburg hergestellt und verkauft werden. Das ist der lateinische Name für die alte Kulturpflanze Hanf. Das Nova-Institut für politische und ökologische Innovation in Hürth prophezeit ihr ein enormes wirtschaftliches Potenzial. Demnach soll der nachwachsende Rohstoff schon bald bei der Herstellung von bis zu 10 000 verschiedenen Produkten eingesetzt werden: von Ölen, Aromastoffen, Textilfasern und Lebensmitteln bis hin zu Verbundstoffen für Auto-Bauteile. Eine große Karriere, die dem Hanf allerdings schon in den achtziger Jahren prophezeit wurde - bisher blieb es jedoch beim ewigen Talent. Und bei einzelnen Erfolgsgeschichten, zum Beispiel in der Lebensmittelindustrie: Hanfbier oder Hanf-Müsliriegel verkaufen sich vor allem über ihr Image. Ein auf dem Label prangendes Hanfblatt kann einem Produkt einen Hauch halb legaler Verwegenheit verleihen - auch wenn es nichts mit Drogen zu tun hat.

Frenki zum Beispiel stellt mittlerweile seit sechs Jahren Hanf-Lebensmittel her, und sein Geschäft läuft gut. Dass seine Firma die örtliche Polizei eine Weile außerordentlich neugierig machte, nahm er gelassen. "Ein paar Jahre lang bin ich regelmäßig observiert worden - natürlich ohne Ergebnis." Denn das Öl, die Nudeln oder das Müsli aus seinem Warenlager enthalten Hanf, der mit einem THC-Anteil von weniger als 0,3 Prozent nicht zur Drogenfabrikation taugt. THC (Tetrahydro-Cannabiol) ist der Wirkstoff, auf den Kiffer abfahren. Und THC ist auch der Grund, warum der Anbau von Hanf jahrzehntelang verboten war und erst seit einem Beschluss der EU 1996 eingeschränkt wieder zugelassen ist. Heute dürren jene Hanfsorten, die als THC-arm gelten, auch zu Lebensmitteln weiterverarbeitet werden.

Frenki kam auf den Hanf nicht in Salzburger Kiffer-Kreisen, sondern in Usbekistan und Kasachstan, der ursprünglichen botanischen Heimat der Pflanze. Dort war Frenkenberger als Gebiets-Manager für den amerikanischen Kalte- und Klimatechnikkonzern York International tätig, nachdem er in Wien Agrarökonomie studiert hatte. " Als Ost-Manager kann man viel Geld verdienen", sagt er. "Das Problem ist nur, dass man 90 Prozent davon versaufen muss." Frenki aber wollte lieber einen klaren Kopf behalten. Darm speicherte er unter anderem das Rezept eines grauen Breis, der ihm regelmäßig von der usbekischen Landbevölkerung angeboten wurde. Zerstoßene Hanfsamen gelten dort als Lebenselixier und Allheilmittel. "Geschmeckt hat's besser, als es aussah", erinnert er sich. Immerhin so gut, dass er daraus ein Geschäft machte. Zurück in der Heimat verarbeitete er mit Unterstützung des Wiener Universitätsinstituts für Lebensmitteltechnologie Hanfsamen zu einer weißen Flüssigkeit, die sich weder optisch noch in ihrer Konsistenz von Kuhmilch unterscheidet.

Jeder, der Frenki besucht, muss die Hanfmilch kosten. "Bitte nehmen Sie einen Schluck!" Erster Eindruck: ein nussiger, leicht süßer Geschmack, süffige Konsistenz, ziemlich lecker. Und offenbar auch noch gesund. Neben mehreren ungesättigten Fettsäuren, Mineralstoffen und essenziellen Aminosäuren enthält die Milch die seltene Gamma-Linolensäure, die eine wichtige Rolle bei der Zellerneuerung spielt.

Anders als Kuhmilch, deren Milchzucker (Lactose) von immerhin fünf bis zehn Prozent aller Europäer nicht vertragen wird, ist die Hanfmilch völlig frei von Cholesterin und Laktose und damit auch für Allergiker geeignet. Und noch einen Vorteil hat die Milch aus Hanf: Weil die Pflanze Käfern und anderen Schädlingen nicht schmeckt, braucht man für ihren Anbau keinerlei Pestizide. "Die Hanfmilch ist damit das einzige alternative Frischmilchprodukt aus rein biologischem Anbau", sagt Frenkenberger. Er rechnet damit, noch in diesem Jahr 100 000 Liter abzusetzen.

Auch in Süddeutschland soll die bis zu drei Wochen haltbare Hanfmilch demnächst erhältlich sein. Der umtriebige Unternehmer Frenkenberger hat bei der Bio-Fachmesse in Nürnberg zwei Großhändler gewonnen. Und ganz nebenbei das Vorurteil widerlegt, Hanf mache schlaff.

ATB & G Frenkenberger GmbH, Petersbergstraße 6, 5300 Hallwang, Österreich, Telefon: 0043/662/662596, www.hanfmilch.at