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KONZENTRATION AUFS WESENTLICHE

Meditieren, kochen und studieren. Die Cida Universität in Johannesburg ist eine der ungewöhnlichsten Hochschulen der Welt. Hier wird mit wenig Geld und viel Fantasie Südafrikas Management-Nachwuchs ausgebildet.




Tebogo Mosothoane würde heute noch Toiletten putzen. Wie vor zwei Jahren, als der Abiturient mit Auszeichnung in Mathematik seine Hoffnung auf einen Studienplatz aufgab und bei der Reinigungsfirma Prestige anheuerte. Die fand für den smarten 20-Jährigen einen Job im Umkleidetrakt einer Platin-Mine. "Dort habe ich den Dreck weggewischt, den Kumpels, die nicht mal schreiben können, hinterlassen haben."

Um an einer südafrikanischen Universität studieren zu können, müsste Tebogo, dessen Vater davongelaufen war und die Mutter mit fünf Kindern mittellos zurückgelassen hatte, jährlich 10000 Rand, das sind rund 1200 Euro, Studiengebühren plus Kosten für Unterkunft und Verpflegung aufbringen - für den rastagelockten Rechenkünstler ein Ding der Unmöglichkeit.

Seine Mutter lebt in einem wellblechbedachten Zwei-Zimmer-Häuschen, in dem ein Tisch, ein Fernseher und drei Betten stehen. Als die Rektorin des Gymnasiums von Saulspoort von allen Eltern fünf Rand einsammeln wollte, um neue Stühle kaufen zu können, damit sich viele ihrer Schüler nicht weiter einen Sitz teilen mussten, bat Tebogos Mutter um Ratenzahlung: Die umgerechnet 60 Cent überstiegen ihre Möglichkeiten.

Jetzt steht Tebogo in Designer-Jeans und einem coolen Hemd in seinem alten Klassenzimmer, dessen zerbrochene Scheiben noch immer nicht repariert sind. Draußen bläst der Wind den Staub über das in der Savanne weit ausgestreckte Saulspoort, das nur eine halbe Autostunde von Südafrikas weltbekanntem Spielcasino-Eldorado " Sun City" entfernt liegt, von den dort sprudelnden Geldquellen jedoch nicht einmal benetzt wird. In Tebogos ehemaliger Schule kommen Computer oder gar Geräte für physikalische Experimente noch seltener vor als neugierige Bleichgesichter aus Europa.

Nachdem Tebogo seine Scheu vor der Selbstdarstellung überwunden hat, taut er im Verlauf seines halbstündigen Vertrags vor der Abiturientenklasse immer weiter auf. "Lasst euch nicht kleinkriegen", bläut er den verschüchtert dreinblickenden Reifeprüflingen schließlich im Brustton der Überzeugung ein: "Ihr seid nicht arm, sondern benachteiligt. Aber wenn ihr selbstbewusst seid und an euch glaubt, dann werdet ihr es schaffen. Und wenn ihr euer Abitur habt, aber kein Geld für die Universität, dann kommt zu Cida." Verhaltener Applaus.

Montagmorgen im Herzen von Johannesburg. Auf den Bürgersteigen der südafrikanischen Metropole haben Straßenhändler ihre chinesische Plastikware und Zwiebeln mit Tomaten ausgebreitet. Tausende von Minibussen donnern durch die Straßen, um die Pendler aus den schwarzen Townships in die Stadt zu bringen. Weiße Südafrikaner sieht man im Zentrum von Johannesburg so gut wie keine mehr: Es ist zu wild, zu bunt und viel zu gefährlich.

Oxford-Professoren pilgern nach Johannesburg - und staunen

Die meisten respektablen Unternehmen haben sich in die Vororte verzogen. Darunter auch die Investec Bank, vor deren einstiger Zentrale jetzt lange Banner hängen, auf denen neben einer südafrikanischen Flagge "Cida City Campus" steht. Drinnen wuseln auf acht Stockwerken 1600 junge - und mit wenigen Ausnahmen - schwarze Menschen durcheinander. Die Stockwerke sind offen und vom Innenhof aus einzusehen: kein Großraumbüro, ein Riesenraumhochhaus.

Plötzlich, exakt um 8:30 Uhr, wird es mucksmäuschen still auf den Etagen. Die 1600 Youngster haben alle Platz genommen und atmen auf eine über Lautsprecher übertragene Aufforderung durch das rechte Nasenloch ein und durch das linke wieder aus. Mit geschlossenen Augen wiederholen sie dann lautlos ein ums andere Mal ihr Mantra - und tauchen für 25 Minuten in eine andere Welt ein. Jeden Morgen vor der ersten Vorlesung und nachmittags um drei Uhr wird im Cida City Campus meditiert.

"Vergessen Sie alles, was Sie über herkömmliche Universitäten wissen", wird Taddy Blecher später sagen. Das fällt nicht schwer, denn bei der Redegeschwindigkeit des charismatischen 36-Jährigen droht man sogar das Atmen zu vergessen: Fast wäre es dem enthusiastischen Hochschul-Gründer gelungen, sämtliche 280 Innovationen, die dem einmaligen Konzept der Hochschule für Betriebswirtschaft zu Grunde liegen, in einen halbstündigen Vortrag zu pressen.

Womit, um Himmels willen, hat er noch angefangen? Dass Cida die erste Universität der Welt ist, die nur armen Studenten offen steht? Dass sie nur ein Zwanzigstel dessen kostet, was Hochschulen in Entwicklungsländern pro Student verschlingen und sogar nur ein Hundertstel der Ausgaben einer Alma Mater in der Ersten Welt? Dass Cida ein Diplom in Business Administration anbietet, sich aber als "ganzheitliche" und " bewusstseinsfundierte" Bildungsinstitution versteht? Dass die Studenten ihre Hochschule selbst verwalten, selbst putzen, ja sogar in der Mensa das Gemüse selbst schneiden? Dass die südafrikanische Geschäftwelt von dem Projekt dermaßen begeistert ist, dass sie Cida mit Spenden regelrecht bombardiert? Dass Taddy Blecher manchmal nicht mehr weiß, wie er die aus Harvard, Stanford oder Oxford in Scharen angepilgerten Pädagogik-Professoren wieder loswerden soll?

Fangen wir am besten noch mal bei Tebogo Mosothoane an. Dessen Mathematik-Lehrer hatte im Radio vom Cida City Campus gehört und seinen Toiletten schrubbenden Lieblingsschüler informiert. Tebogo musste dann wie jeder Aspirant einen einmonatigen Aufnahmekurs besuchen, den im Schnitt nur jeder Zwanzigste besteht. Voraussetzung für eine Zulassung ist nämlich nicht nur, dass die Möchtegernstudenten zu arm für normale Universitäten sind, erläutert Taddy Blecher: Sie sollen auch "unabhängig denken" können., ihr " inneres Licht eingeschaltet haben", am Wirtschaftsmanagement interessiert sein und sich an der "Uniformung der südafrikanischen Gesellschaft" beteiligen wollen.

Cida hat sich nichts Geringeres vorgenommen, als die wirtschaftlichen Führungskräfte für ein transformiertes Land heranzuziehen. Wie dringend nötig das ist, weiß Lisa Kropman, Leiterin der Social-Investment-Abteilung der globalisierten südafrikanischen Investec Bank, aus eigener Erfahrung: Verzweifelt sucht ihr Unternehmen Finanzexperten, die nach dem Exodus der Weißen noch im Land geblieben sind. Gerade einmal 200 von 17000 in Südafrika praktizierenden Bilanzbuchhaltern sind schwarz, in anderen Berufssparten für Hochqualifizierte ist das Verhältnis nicht anders.

Kropmans Bank hat Cida nicht nur ihr ehemaliges, auf mehr als zehn Millionen Euro geschätztes Hauptverwaltungsgebäude zur Verfügung gestellt: Sie hält es auch mit jährlich 600 000 Euro in Schuss. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Geste der Wohltätigkeit: Die Investment-Banker wissen ganz genau, dass Südafrikas Wirtschaft keine Perspektive hat, wenn die schwarze Bevölkerungsmehrheit nicht in die Ökonomie des Landes integriert und ihre Jugend nicht entsprechend ausgebildet wird.

Gegenwärtig setzen nur sechs Prozent der südafrikanischen Abiturienten ihre Ausbildung mit einem Studium fort - in den USA sind es 80 Prozent. Seit seiner Regierungsübernahme 1994 versucht der Afrikanische Nationalkongress (ANC) die Pigmentierung in den Management-Etagen den gesellschaftlichen Verhältnissen anzupassen, indem er jene Firmen mit öffentlichen Aufträgen belohnt, die schwarze Manager beschäftigen. Doch solche Maßnahmen vergrößern nicht etwa die Zahl der schwarzen Betriebswirtschaftler, sie machen sie nur teurer.

Cida beweist: Akademische Bildung muss nicht teuer sein

Von den herkömmlichen Hochschulen ist offensichtlich keine Hilfe zu erwarten. Im Techniken der Johannesburger Witwatersrand-Universität schließen gerade einmal zehn Prozent der Immatrikulierten ihr Studium ab: Die große Mehrheit wirft - meist wegen Geldmangels - das Handtuch. "Wenn sich ein Universitäts-Professor zu Semesterbeginn unter seinen Erstsemestern umsieht, kann er sicher sein, dass nur jeder Zehnte übrig bleibt", sagt Cida-Dozentin Jacky Lord. "Das ist nicht witzig. Und unter ökonomischen Gesichtspunkten sogar eine Katastrophe."

Für Lisa Kropman ist Cidas einmaliger Verdienst, " mit dem Paradigma aufgeräumt zu haben, dass eine Hochschulausbildung teuer sein muss". Wie alle Cida-Studenten musste Tebogo im ersten Jahr 350 Rand (42 Euro) Immatrikulationsgebühr bezahlen (seine Großmutter kam dafür auf), vom zweiten bis zum abschließenden vierten Jahr zahlen die Studenten monatlich knapp über zehn Euro.

Dass die Kosten so gering sind, ist einer Vielzahl von Innovationen zu verdanken. So wird jede Stufe lediglich von einem Dozenten unterrichtet - auch wenn ihr bis zu 600 Studenten angehören. Die Vorlesung wird mit Fernsehschirmen über die gesamte Etage übertragen: Jede Viertelstunde unterbricht der Dozent seinen Vortrag, damit die "Fascilitators" genannten Cida-Lehrkräfte seine Ausführungen in kleinen Gruppen vertiefen können. Die meisten der Dozenten sind nicht einmal bezahlt: Es handelt sich um Praktiker - etwa aus Beratungsfirmen wie PricewaterhouseCoopers oder KPMG -, die von ihren Unternehmen als Beitrag zur Umgestaltung der südafrikanischen Wirtschaft auf den Campus entsandt werden. Das lohnt sich das für die Beratungsfirmen allemal: Sie sammeln wichtige Punkte für ihr Sozialprestige, können nebenher nach Nachwuchs Ausschau halten und ihren Angestellten eine willkommene Abwechslung als Lehrkräfte bieten.

Für viele Studenten sind allerdings selbst zehn Euro im Monat unerschwinglich. Ihnen versucht Cida Teilzeit- oder Semesterferienjobs zu vermitteln: Tebogo etwa arbeitet spätnachmittags im Call-Center eines Versicherungsunternehmens. Andere Studenten werden von Unternehmen gesponsert, die sich auf diese Weise ein Zugriffsrecht auf die raren schwarzen Universitäts-Abgänger sichern; wieder andere kommen in den Genuss von Krediten, die bei Bezug des ersten Gehalts oder vom ersten Gewinn des eigenen Unternehmens zurückzuzahlen sind.

Das Ziel: Wissen vermitteln und Selbstbewusstsein stärken

"Unser größtes Problem sind die Unterkünfte", sagt Taddy Blecher. Anfangs habe mancher Cida-Student auf dem Gehsteig oder unter einer Brücke geschlafen, Glücklichere kamen bei Verwandten oder Freunden unter. Tebogo kann sich von seinem kleinen Gehalt ein Zimmer in einem ehemaligen Wohnheim für Minenarbeiter leisten, das er mit einem Kommilitonen teilt. Auf zehn Quadratmetern stehen zwei Stahlbetten und ein Mini-Tischchen, an dem Tebogo abends lernt. An der Wand hängen neben Fotos deutscher Hochglanzlimousinen (Tebogo ist ein Bewunderer von "German engineering"), drei Kleiderbügel mit zwei Hemden und einer Hose: Requisiten aus Cidas "Kleider-Bibliothek", die eigens eingerichtet wurde, um den Studenten ein geschäftsmäßiges und würdevolles Aussehen zu verschaffen.

Außer der bloßen Wissensvermittlung geht es dem Hochschul-Gründer Blecher nämlich auch darum, den Studenten zur Selbstachtung zu verhelfen. Die Apartheidsherrschaft habe das Selbstbewusstsein schwarzer Südafrikaner bewusst und systematisch zerstört: " Kaum einer weiß, was es bedeutet, dass jemand an ihn glaubt."

Cida-Studenten werden deshalb ermuntert, einen Traum aus der Asservatenkammer nicht zugelassener Hoffnungen zu kramen, bei dessen Verwirklichung die Universität hilft: Tebogo will eine Radiostation aufbauen (und hat dafür bereits einen Teil der Ausstattung von einem Privatsender bekommen), ein Kommilitone nahm jüngst am Londoner Marathon teil, es gibt Chöre, Schachclubs, das erste südafrikanische Orchester mit ausschließlich afrikanischen Instrumenten und einen Kletterclub, dessen Mitglieder sich von Johannesburger Hochhäusern abseilen.

"Nicht anklopfen, einfach reinkommen", befiehlt ein Schild an Taddy Blechers Tür. Hinter einem riesigen, von zwei Computerschirmen begrenzten Schreibtisch ist fast nur der kohlrabenschwarze Haarschopf des schmächtigen Hochschuldirektors auszumachen - unter der Tischplatte baumeln bestrumpfte Füße. Alle paar Sekunden kommt ein Student oder eine Mitarbeiterin ins Zimmer: Der eine will für etwas Bargeld Taddys Auto putzen, die andere braucht eine Statistik für eine Präsentation. Blecher zückt den Geldbeutel, rasselt die gewünschten Zahlen herunter und sagt jedem namentlich Auf Wiedersehen. Er kenne mindestens 500 Studenten mit Namen, behauptet er, und man glaubt es ihm.

Diese Uni zu sponsern gehört in der Geschäftswelt zum guten Ton

"Ich liebe, was ich tue", schwärmt er in einer Minute, in der er einmal nicht nach dem ersten Halbsatz unterbrochen wird. "Jede Nacht, wenn ich einschlafe, ist das wie die letzte Szene in einem großartigen Film." Dass sein Leben einmal eine derartige Wendung nehmen würde, hätte sich der Versicherungsschriftführer nicht träumen lassen: 1995 war er drauf und dran, Südafrika zu verlassen, um - wie fünf seiner sieben Geschwister - dem Ruf des großen Geldes in die Vereinigten Staaten zu folgen. Zwei Wochen vor dem Umzugstermin habe ihn jedoch eine Stimme aus dem Inneren gerufen: "Warum rennst du davon? Kannst du in diesem Land nicht viel wichtigere Dinge tun?"

Er konnte. Blecher schloss sich der Community & Individual Development Association (Cida) an, die Entwicklungsarbeit in den schwarzen Townships leistete. Es war das erste Mal, dass der Spross aus einer gutbürgerlichen jüdischen Familie überhaupt den Weg in die Schwarzensiedlungen fand. Er tat es, um die notorisch kümmerlichen Schulleistungen der Township-Jugend genauer unter die Lupe zu nehmen. Als Anhänger der Transzendentalen Meditation stellte der Hochdruck-Energetiker bald fest, dass sich die schulischen Leistungen der vernachlässigten Jugendlichen durch Meditation um "20 bis 40 Prozent" steigern ließen. Eine pädagogische Praxis, die zuweilen zu Missverständnissen führte: Er habe ihn nicht eingeladen, um den Schülern das Nichtstun beizubringen, fauchte ihn ein schwarzer Schuldirektor einmal an.

Noch heute gehören die täglichen Meditationen zu den umstrittensten der 280 Cida-Eigentümlichkeiten. Böse Zungen werfen Blecher vor, die Hochschule allein zur Verbreitung der Transzendentalen Meditationslehre gegründet zu haben; mancher Student, der sich nicht auf Geheiß nach innen wenden wollte, hat Cida bereits den Rücken gekehrt. Für Blecher ist Meditieren allerdings kein Dogma, sondern, so sagt er, Mittel zum Zweck: " Es gibt nur eine Cida-Philosophie, und die heißt: Alles ist erlaubt, was funktioniert." Dass es funktioniert, steht für ihn außer Frage: Alkohol- und Drogen-Probleme, mit denen andere Bildungseinrichtungen ständig zu kämpfen hätten, gebe es auf dem City Campus nicht.

Auch Südafrikas Geschäftswelt sieht in Cida offensichtlich keine Sektenschmiede. "Die Meditationsidee ist brillant", schwärmt Südafrikas Wirtschaftskammer- und DaimlerChrysler-Chef Christoph Köpke, der "noch nie zuvor so offene südafrikanische Jugendliche wie bei Cida" gesehen hat. Inzwischen gehört es am Kap der Guten Hoffnung bereits zum guten Ton, als Sponsor der Privat-Universität in Erscheinung zu treten. Ein Verlag lieferte für umgerechnet zehn Millionen Euro Bücher, ein Computerhersteller stellte kostenlos mehrere hundert Rechner auf, und eine Bank finanzierte Autos für die universitätseigene Fahrschule (Innovation Nr. 279).

Auch deutsche Unternehmen lassen sich nicht lumpen: SAP Public Services lässt Cida - als einzige Institution in Afrika - seine Software kostenlos nutzen. T-Systems und die Deutsche Entwicklungsgesellschaft (DEG) haben unter Cidas Dach eine Akademie für Informationstechnologie finanziert, und DaimlerChrysler stellte Kleinbusse zur Verfügung, mit denen die Studenten morgens von ihren Schlafplätzen zum Campus fahren können.

Taddy Blecher selbst ist mittlerweile zum internationalen Star aufgestiegen. Das Davoser Weltwirtschaftsforum verlieh der "südafrikanischen Version des Magiers Harry Potter" (eine Journalistin) im vergangenen Jahr den "Global Leader for Tomorrow"-Preis. Der Commonwealth zeichnete Cida als "Zentrum für Exzellenz in der höheren Bildung" aus, und in Südafrika wurde der Cida-Campus im vergangenen Jahr zur "innovativsten Organisation" des Landes gekürt. Taddy Blecher frühstückt schon mal mit Bill Clinton, darf seine Hochschule bei der Jahrestagung des Weltwährungsfonds in Washington vorstellen und empfängt Supermodel Iman oder Finanzstar Suze Orman, die auch gleich eine Million Rand als Mitbringsel hinterlässt.

Längst hat Blechers meditativ trainierter Geist die Grenzen der Johannesburger Innenstadt weit unter sich gelassen. "Unser Ziel ist es, in allen größeren Städten Südafrikas präsent zu sein", erklärt der Bildungszauberer. Und weil auch das noch nicht genügt, träumt Blecher bereits von über das gesamte Afrika verteilte Cida-City-Universitäten. "Unser Konzept ist ein Modell, das in allen Entwicklungsländern verwirklicht werden kann."

Tebogo wird es bei der rasenden Geschwindigkeit seiner Universität ein wenig mulmig. "Die Gesetze der Physik lehren uns, dass alles, was exponentiell steigt, auch exponentiell fallen wird", gibt er zu bedenken. Umso wichtiger ist Taddy Blecher, dass sein institutionalisierter Traum die Bodenhaftung behält. Innovation Nummer 280 ist deshalb das so genannte Extra-Net: die Verpflichtung für alle Cida-Studenten, in den Semesterferien in ihren Heimatort zurückzukehren und dort - in Schulen oder Gemeindeversammlungen - über Geld-Management, Mikro-Geschäftsgründungen oder auch Aids-Vorsorge zu reden. "Einem afrikanischen Sprichwort zufolge braucht es ein Dorf, um ein Kind zu erziehen", sagt Blecher augenzwinkernd: "Unser Motto ist es, dass ein Kind ein ganzes Dorf erziehen kann." Jahr für Jahr würden über Extra-Net 4,5 Millionen Menschen erreicht.

"Wissen Sie", flüstert Tebogos ehemaliger Mathematiklehrer, während sein Musterschüler der Abiturklasse in Saulspoort von seinem Cida-Studium erzählt: "Wenn ich als Lehrer jeden Tag vor meiner Klasse stehe, fällt es mir schwer, sie noch zu motivieren." Deshalb sei er so froh, wenn Tebogo ab und zu vorbeischaue, um den Schülern von seinem Aufstieg aus den Toiletten auf den Campus zu erzählen: "Dann weiß auch ich wieder, dass es Sinn hat, was ich hier tue."

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