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"WENN MAN'S KANN, IST'S KEINE KUNST"

Braucht man Bildungsabschlüsse, um in Deutschland zu Wissen, Wohlstand oder Macht zu kommen? Oder sind Zeugnisse nur lästige Hürden auf dem Weg zur Spitze? Der Versuch einer Antwort anhand von fünf Meistern ihres Faches.




Was deutsch und echt wüsst' keiner mehr.
lebt's nicht in deutscher Meister Ehr.
Drum sag' ich Euch:
Ehrt Eure deutschen Meister.
dann bannt Ihr gute Geister!
Richard Wagner, "Die Meistersinger von Nürnberg" Der Lehrmeister

"Das Abitur ist noch immer das Tor zu den Eliten in Deutschland." Ernst Peter Fischer sagt das ohne Bedauern. Er selbst gehört zur Elite: Fischer lehrt an der Universität Konstanz Wissenschaftsgeschichte. Ein umfangreiches Studium qualifiziert ihn hierzu: Mathematik und Physik in Köln, Biologie in den USA. Aus der Schar der deutschen Professoren aber ragt er heraus durch seine zahlreichen Bücher, mit denen er versucht, den Gesetzen der Natur zu ihrem Recht im Wissenskanon zu verhelfen. Titel wie " Die andere Bildung - Was man von den Naturwissenschaften wissen sollte" stehen für Fischers Mission, Biologie, Physik und Chemie als "Abenteuer des Suchens" weit über die Grenzen der Disziplinen attraktiv zu machen.

Fischer wurde 1947 geboren und hätte das Alter eines Achtundsechzigers. Doch er neigt zu Standpunkten, die untypisch sind für große Teile seiner Generation; zum Beispiel seine Ansicht zur sozialliberalen Bildungsreform in den siebziger Jahren: "Als im Rahmen eines seltsamen Demokratieverständnisses die Zugangsbedingungen zur Uni erleichtert wurden, hat sich das alte Gymnasium ohne Gegenwehr einfach ergeben. Im Grunde genommen war damit das Elitäre am Abitur weg." Dass Zeugnisse für die nächste Stufe der Ausbildung eine Hürde sein können, an der oft die Engagierten, nicht aber die Streber scheitern, mag Fischer nicht bestätigen, im Gegenteil: "Eine strenge Selektion muss auch durch Zeugnisse, Prüfungen und Zulassungsbeschränkungen sein." Er selbst habe Abiturzeugnis oder Diplom "als schöne Belohnung" für seine Neugier und Leidenschaft gegenüber den Wissenschaften verstanden.

Das Zeugnis ist für Fischer ein Ritterschlag, der den Menschen dauerhaft in den Aggregatszustand des Erhabenen versetzt. Elitenbildung ist demnach nur durch strengste Selektion bis zur Promotion gewährleistet: "Der Doktortitel war ja einmal dem akademischen Adel vorbehalten, das war die Idee, dass es das, was es in der Gesellschaft gibt - höher stehende Menschen - auch in der Wissenschaft geben sollte." Diese bildeten dann im Idealfall die "Verantwortungselite", welche, laut Fischer, die "klugen Entscheidungen" im Staate zu fällen in der Lage ist.

"Wir sind in einer Situation, in der wissenschaftlich-technische Entwicklungen eine immer größere Bedeutung haben", doziert er, "das erfordert eine kompetente Orientierung, die kann das Parlament nicht mehr leisten." Es wäre deshalb ganz gut, wenn es in Ministerien und in Parlamentsausschüssen "die Elite gäbe, die wir brauchen, damit Entscheidungen verantwortlich gefällt werden. Das muss vielleicht auf klassisch aristokratische Weise geschehen, indem man die Besten zusammenbringt". Von demokratischen Entscheidungsfindungsprozessen redet er nicht.

Der Parteimeister

In einem hat Fischer Recht: Große Teile der Aufsteiger haben heute mit Bildung nicht viel im Sinn. Man kann Bestseller-Autor werden, ohne etwas von Literatur zu verstehen, man kann Popstar werden, ohne eine Ahnung von der Musikgeschichte zu haben, und man kann Politiker werden, ohne einen Satz von Sokrates oder Mao Tse-tung gelesen zu haben.

Reinhard Bütikofer ist ein lebendes Indiz dafür, dass in der Politik Bildungstitel offenbar nicht allein über den Vorstoß zur Elite entscheiden - und weiß sich damit in guter Gesellschaft des beliebtesten deutschen Politikers, seines Parteifreundes Joschka Fischer, der weder Gesellenbrief noch Abitur vorweisen kann, aber als großer Vordenker der europäischen Außenpolitik gilt.

Dabei hat Bütikofer formell viel und lang studiert: Philosophie, Geschichte, Sinologie, mit Unterbrechungen von 1971 bis 1980. In Wirklichkeit aber hatte er sich im damals unruhigen Heidelberg bereits der Politik verschrieben - und sich zunehmend von der Wissenschaft entfremdet. Er wohnte und arbeitete in einem selbstverwalteten Kollegienhaus, das in jener Zeit das lokale Zentrum der Studentenbewegung war. Und agierte als Abgesandter der unteren Verwaltungsbehörde der Weltrevolution: als Mitglied der Kommunistischen Hochschulgruppe. Im Stadtbild war Bütikofer nicht zu übersehen: Er führte Demonstrationen gegen Bafög-Kürzungen oder den US-Imperialismus an und verkaufte die "Kommunistische Volkszeitung" vor der Mensa ("Kaufen, lesen, weitergeben!").

Mit dem Niedergang der roten Sekten löste sich Bütikofer von diesem Umfeld und tauchte - nach einem viel versprechenden Intermezzo im Alternativjournalismus - in die bürgerliche Politik ein. Bei den Grünen absolvierte er mit großem Fleiß den Aufstieg vom einfachen, aber vorlauten Mitglied über den etatkundigen Stadtrat zum Landtagsabgeordneten mit finanzpolitischer Begabung bis zum Bundesgeschäftsführer und - seit dem vergangenen Jahr - zum Chef der Regierungspartei. Die Grundlage dieser Karriere sei jene kämpferische Zeit an der Universität, sagt Bütikofer heute.

Damals habe er sich in einem eher undogmatisch denkenden und spontan agierenden linksradikalen Umfeld, Geduld und "ein gewisses politisches Handwerkszeug angeeignet". Die Anleitung zum Beharren fand er bei Mao: "Wer es mit einer Übermacht zu tun hat, muss einen langen Atem haben." Das Handwerkszeug beschreibt er mit Begriffen aus der Lerntheorie: " Analysefähigkeit, die Fähigkeit zur Perspektivübernahme, dann die Fähigkeit, den Kompromiss zur Waffe zu machen und Isolation zu durchbrechen".

Besonders die Perspektivübernahme, was nichts anderes bedeutet, als die Welt mit den Augen des anderen zu betrachten, um ihm dann Zugeständnisse abzuringen. Bütikofer erinnert sich an die späten Siebziger, als es ihm gemeinsam mit anderen gelungen sei, selbst politisch rechts stehende Professoren vom Bund Freiheit der Wissenschaft zur Solidarisierung mit Mathematikstudenten zu gewinnen, die wegen Protesten gegen " Studienverschärfungen" Strafverfahren und Relegationen ausgesetzt waren. Wenn es damals ein Diplom für das selbsttätige Erforschen, Erlernen und Einüben von politischem Verhalten gegeben hätte, die Universität Heidelberg hätte es Reinhard Bütikofer verleihen müssen.

Dennoch sieht er sich nicht als Leitbild für eine politische Karriere. ,Joschka Fischer und ich sind eher untypische Köpfe in der Partei", sagt er. Ihr Vorstoß in die Elite sei "charakteristisch für einen bestimmten Teil der Achtundsechziger und Einundsiebziger", aber untypisch für das grüne Milieu. Ein Blick auf den Bildungsstand der Bundestagsfraktion bestätigt dies. Weshalb, laut Parteichef Bütikofer, die nachdrängende Politikergeneration besser brav zu Ende studieren sollte.

Die Meisterin der Regenbogenkrieger

Gibt es keine Institutionen mehr, wo nur Leidenschaft zählt? Vielleicht die Umweltbewegung?

Die mächtigste Öko-Organisation ist Greenpeace. Hier zu Lande beschäftigen die Regenbogenkrieger 180 Mitarbeiter und verfügen jährlich über knapp 40 Millionen Euro. Brigitte Behrens ist die Chefin des deutschen Zweiges. Sie ist die graue Eminenz der Organisation, anders als ihr prominenter Vorgänger Thilo Bode tritt sie kaum in der Öffentlichkeit auf. "Wir von Greenpeace haben immer gesagt, dass wir nicht mit einer Person im Vordergrund stehen wollen. Wir sind vielmehr viele Gesichter." Das personalisierte Politikgeschehen finde sie geradezu "irreführend".

Immerhin bekennt sie, dass sie Macht ausübt. Zum einen nach innen, "dadurch, dass ich den Rahmen vorgebe, in dem hier gearbeitet wird. Genauso wie eine Geschäftsführerin einer ganz normalen Firma". Aber auch nach außen: "Bei jeder Kampagne, mit der wir in die Öffentlichkeit gehen, muss ich mir überlegen: Entspricht das dem Auftrag, so wie wir ihn verstehen, ist das gesellschaftlich relevant, gut fundiert, verständlich für eine breite Öffentlichkeit?" Was qualifiziert sie für diese Position? " Durchhaltevermögen, um die langfristigen Ziele nicht aus dem Auge zu verlieren." Der Regenwald wird schließlich nicht an einem Tag gerettet. "Und viel Optimismus." Denn alle Horrormeldungen über den Zustand der Umwelt landen bei Greenpeace, "da besteht die Gefahr des Verzweifelns".

Langer Atem und Zuversicht sind keine Studienfächer. Brigitte Behrens hat Soziologie studiert. Sie habe im Studium gelernt, "soziale Sachverhalte und gesellschaftliche Entwicklungen zu analysieren". Braucht man dafür ein Examen? Ja, sagt sie, "man lernt mit dem Examen auch, schwierige Phasen durchzustehen".

Von ihren Führungskräften, den so genannten Campaignern, fordert Behrens ebenfalls einen Studienabschluss. Vor allem, weil Greenpeace dadurch Kompetenz signalisiert: "Ein Meeresbiologe mit abgeschlossenem Studium und Promotion ist natürlich in einer fachlichen Debatte gewichtiger als jemand ohne diese Qualifikationen." Die Debatte im Umweltbereich sei sehr anspruchsvoll geworden. "Wenn man mit Staatssekretären oder Fachreferenten aus dem Umweltministerium diskutieren muss, sollte das auf gleicher Augenhöhe geschehen können", sagt die Chefin.

Die 52-Jährige selbst hat noch andere Eignungen vorzuweisen: einen mäandernden Lebenslauf. So war sie in jüngeren Jahren nicht nur in der Anti-Atomkraft-, sondern auch in der Frauenbewegung aktiv. In Hamburg gründete sie die erste Frauenkneipe, wo Männer bis heute draußen bleiben müssen. Sie interessierte sich früh für bildende Kunst, studierte nach dem Abitur aber zuerst acht Semester Medizin. Nach dem Soziologiestudium arbeitete sie beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen und war, bevor sie 1986 von Greenpeace als Assistentin der Geschäftsleitung eingestellt wurde, selbstständige Fotografin.

Soziale Kompetenz nennt sie das Ergebnis all dieser Intermezzi, auch eine notwendige Qualifikation. Denn: "Es gibt etwas sehr Spezielles bei Greenpeace", sagt sie vorsichtig, "das ist die direkte Auseinandersetzung mit sehr kämpferischen Leuten." Man könnte auch sagen: Das querulatorische Potenzial unter den Greenpeace-Leuten ist groß. Sie stellen ihre Führung gern in Frage - sicherlich auch ein Ergebnis des hohen Bildungsstandes der Mitarbeiter.

Der Meistermaler

Dem Wiener Dichter Johann Nestroy verdanken wir die Einsicht: "Kunst ist, wenn man's nicht kann - denn wenn man's kann, ist's keine Kunst." Eine Absage an die akademische Meisterschaft: Für die Kunst brauche es Genie, also Begabung. Das Genie schaffe Neues, während das Talent nach vorhandenen Mustern und Methoden arbeite. Wo anders als in der bildenden Kunst wäre also Raum für die sich selbst erfindende Kreativität, die ohne höheren Segen auskommt?

Dem Maler Wolfgang Petrick wird solche Schöpferkraft zugesprochen. Er gehört zwar nicht zu den rührenden Pinseln Deutschlands wie seine Malerfreunde Immendorf, Lüpertz oder Baselitz, doch das nur, weil er sich dem Markt nicht mit Spektakeln und Neurosen andient (Markus Lüpertz hat einmal erkannt: "Kunst ist die einzige Möglichkeit, wahnsinnig zu werden, ohne seine bürgerlichen Rechte zu verlieren"). Doch nach dem Urteil des österreichischen Kunsthistorikers Werner Hofmann ist Petrick "ohne Zweifel einer der bedeutendsten Künstler seiner Generation".

Er besitzt ein geräumiges Atelier am Berliner Lützowplatz und eines im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Dort entstehen großformatige Farbschlachten, furiose Darstellungen verletzter menschlicher Gestalten beispielsweise. Ein altes illustriertes Handbuch der Gerichtsmedizin diente ihm lange Zeit als Vorlage. " Kritischer Realismus" oder "Heftige Malerei" waren in den vergangenen 40 Jahren Klassifizierungen für Petricks Werk.

Überrascht es, dass der Mann, der so viel Gewalt in seine Bilder steckt, ein ordentlicher und recht sanfter Professor der Berliner Universität der Künste ist? Und dass er seine Kunst dort als Student verfeinert hat? Nicht, wenn man weiß, dass fast all die jüngeren und nicht mehr so jungen Wilden an Kunsthochschulen studiert haben. Selbst Künstler, die sich in der Pose der nicht Domestizierbaren gefallen und, wie der Graffiti-Maler Keith Haring, auf Street-Credibility achten, sind Absolventen einer Kunstakademie. Ein paar Ausnahmen gibt es: den Briten Francis Bacon, der als Innenarchitekt begann, oder den US-Amerikaner Jean Michel Basquiat, der wirklich von der Straße kam.

Wolfgang Petrick, Jahrgang 1939, kam nicht von der Straße, sondern aus der DDR. In der Schule war er zuständig für die Wandzeitung. "Mit elf habe ich darauf ein Bild gemalt, das hieß "Brennende US-Panzer im Koreakrieg', dafür bin ich belobigt worden. Ich hatte offenbar eine Begabung, die auffiel." Für bildende Kunst ist das Auffallen wichtig und die Sehnsucht, etwas zu schaffen. "Ich dachte immer, ich habe so eine imaginäre Sprache in mir, die Sehnsucht nach einer universellen Sprache."

Später, in Westberlin, wollte er diese Sprache mit anderen erproben, also ging er an die Kunsthochschule. Er schloss die Akademie ab und wurde Meisterschüler bei Werner Volkert. "Der war als Künstler eher uninteressant", befindet Petrick heute, "aber der Status eröffnete mir Zugang zu den ,tribes', die sich an der Hochschule bildeten" - Gruppen von Studenten, die miteinander diskutierten und kooperierten. Diese Zusammenarbeit mündete in der Eröffnung der legendären Selbsthilfegalerie "Großgörschen 35" in Berlin-Schöneberg. Ein "Genieschuppen", wie später ein Kritiker befand, dessen Gründer bald durch Einladungen auf die Documenta in Kassel künstlerisch geadelt wurden.

Heute versucht Petrick die Studenten in seiner Klasse dazu anzuhalten, das Studium ebenfalls zu beenden. " Der Absolventen-Status eröffnet die Möglichkeit, Meisterschüler zu werden und Netzwerke aufzubauen." Er erinnert daran, dass eine ganze Reihe jüngerer deutscher Künstler mit dem Hinweis, sie hätten bei Joseph Beuys studiert, ihre Karriere begannen ("Der hat ja immer alle genommen"). Der Kunst der Autodidakten aber hängt wieder der Geruch des Dilettantischen an, für ernsthafte Künstler ist sie höchstens Inspirationsquelle.

Karl Valentin hat übrigens den Merkspruch von Nestroy modifiziert: "Wenn man's kann, ist's keine Kunst - und wenn man's nicht kann, erst recht nicht."

Der Maestro der Frauenblätter

Auch Nikolas Marten schien einmal Künstler werden zu wollen. Er malte Acrylbilder von jugendlicher Unbekümmertheit, doch in stilistischer Strenge. Ein Hamburger Café, in dem die Jeunesse dorée der Stadt verkehrte, ermöglichte ihm eine Ausstellung. Es blieb die einzige. Denn obwohl Marten später einen Studienplatz an der Kunstakademie in Barcelona bekam, reüssierte er in einem anderen Gewerbe, das er mit noch mehr Enthusiasmus verfolgte - dem Journalismus.

Heute ist Marten Spitzenmanager im Axel Springer Verlag, Herausgeber und Leiter aller Frauentitel des Hauses. Zu dieser Position kam er Anfang 2002 im Alter von nur 37 Jahren. Das mag keine verwegene Berufung sein in einem Verlag, in dem ein Kai Diekmann mit 36 zum Chefredakteur von "Bild" und "Bild am Sonntag" und ein Mathias Döpfner gar mit 38 zum Vorstandsvorsitzenden des gesamten Unternehmens berufen wird. Doch anders als Doktor Döpfner hat Marten keinen akademischen Hintergrund; und anders als Kohl-Intimus Diekmann hat er sich nicht vom Volontär zum Chefredakteur hochgedient.

"Meine einzige journalistische Ausbildung war ein einwöchiges Schülerpraktikum in der Hamburger Lokalredaktion der "Tageszeitung"", beteuert Marten. Nach dem Abitur schrieb er Texte für das Blatt, die durch ihren originellen Stil auch außerhalb der linken Stammleserschaft wahrgenommen wurden. Mit beängstigender Energie und wehendem Blondschopf stürzte er sich schon damals auf jedes Thema, das Aufregung versprach.

Der Sprung ins große Journalismusgeschäft kam, als er 26 war, da lockte ihn der Verleger Dirk Manthey (Verlagsgruppe Milchstraße) in das Gründungsteam der Zeitschrift "Max". Und gab ihm ohne Zögern den Job des stellvertretenden Chefredakteurs. "Das war dort so viel selbstbestimmtes Lernen im höchst lebendigen Printmarktgeschehen, dass ich Dirk Manthey dafür immer dankbar sein werde", schwärmt Marten noch heute. Drei Jahre später wurde er Chefredakteur des deutschen "Playboy", 1998 Chefredakteur von "Amica".

Seinen frühen Erfolg erklärt er auch mit dem Zeitvorteil. Er habe noch mit 33, als er bereits seine dritte Chefredaktionsposition innehatte, Praktikanten und Volontäre eingestellt, die älter gewesen seien als er selbst. Ohnehin sei er bis heute nicht einmal nach seinem Abiturzeugnis gefragt worden. "Ich hätte - theoretisch - sogar ohne Hauptschulabschluss so weit kommen können." Und wie kommt man so weit? " Mehr Erfolge als Misserfolge produzieren; die Arbeitsintensität bei Aufstiegen nicht verringern und stets starke Menschen um sich haben, die einen kritisieren können", so Martens Erfolgsrezept. Und er fügt hinzu: "So zynisch es klingt, wenn man im Alter von 29 als Chefredakteur das erste Mal jemandem, der beinahe doppelt so alt ist wie man selbst, kündigen muss, dann weiß man danach einfach, ob man dauerhaft in der Lage ist, Führungsverantwortung zu übernehmen."

Ohne Meisterschein kein Schwein?

Patchwork-Biografien wie die von Marten und Bütikofer können eine besondere Qualifikation sein - und akademische Titel reine Imponierfähnchen. Dennoch scheint in diesem Land die Überzeugung tief verwurzelt zu sein, dass nur derjenige an die Spitze von Staat, Gesellschaft oder Unternehmen gelangen darf, der seinen Berechtigungsschein erworben hat.

"Verachtet mir die Meister nicht und ehrt mir ihre Kunst!", belehrt Hans Sachs in Wagners " Meistersingern" den Ritter Walther von Stolzing, der ohne Meistertitel selig werden will. Denn da ist deutsche Tradition in Gefahr!