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Volltreffer für die Südkurve

Nizeshot macht Sport-Trikots, mit denen man nicht aussieht wie ein Vollidiot.




Josh Schmidt, 37, Werbetexter, und Mart Stanzl, 39, Designer, leben im Schwarzwaldstädtchen Nagold und reißen Arbeitstage ab, bei denen Gewerkschaftern schwarz vor Augen werden würde. Das macht ihnen auch noch Spaß und hat, so erzählt Mart Stanzl, seine Ursache darin, "dass es eine Menge Dinge gibt, die wir selber gern hätten, die aber niemand herstellt. Also haben wir uns darangemacht, selber Lieblingsstücke zu produzieren." Wenn man nicht alles selber macht...

Vor zwei Jahren gründeten die Stuttgarter Sandkastenfreunde ihr Unternehmen Nizeshot - zu Deutsch Volltreffer. Das ist nicht mal übertrieben, denn die beiden sind mit Leuten im Geschäft, von denen sie früher nicht mal geträumt haben. Das ist eine Folge beständigen, spielerischen Sich-Fragens.

Warum, fragten sich die Nizeshots beispielsweise, gibt es zwar Millionen Fußballfans in Deutschland, aber ausschließlich Fan-Klamotten für Leute, denen es offenbar nichts ausmacht, als wollmützenschalverkleidete Volltrottel herumzulaufen? "Das durchschnittliche Bundesliga-Fan-Trikot", stellt Stanzl fest, " sieht aus wie ein Schlafanzug-Oberteil, ist zwei Nummern zu groß und irgendwo in Fernost aus fiesem Kunststoff genäht, weil der sich am billigsten bedrucken lässt."

Die Club-Outfits dagegen, die Mart und Josh entwerfen, sind ganz anders. Eng geschnitten wie die coolen Hemden der italienischen Nationalmannschaft. Gefertigt aus Heavy Single Jersey, dem Trikotstoff der fünfziger und sechziger Jahre. Verziert durch aufwändig gestickte (und nicht etwa aufgedruckte) Logos. Wer eines dieser großartigen Retro-Trikots in Händen hält, muss automatisch an Gerd Müller oder Günter Netzer denken, als er noch beweglich und im Nebenberuf Disco-Besitzer war. Und dann möchte man es anziehen.

Zunächst kamen aus dem Schwarzwald Outfits für erfundene Vereine wie den imaginären Obervolta-Erstligisten "Fowadi Kifaru" (Suaheli für: "Attacke, Nashörner!") oder die schottischen "Bolts Place Wonderers", später echte für den echten VfB Stuttgart und den ebenfalls realen 1860 München - zwei Vereine, die die Nizeshot-Retrodesigns heute über ihre Fan-Shops vertreiben. "Die haben kapiert", sagt Schmidt, "dass sie mit ungewöhnlichen Trikots ein ganz anderes Potenzial erschließen können." Neuerdings treten auch die Trip-Hopper De-Phazz in Nizeshot-Klamotten auf ("Wir mögen deren Musik, also haben wir sie einfach angerufen und ihnen ein paar Vorschläge gemacht"), in Zukunft soll Nizeshot weitere Künstler des Heidelberger Phazzadelic-Labels individuell einkleiden. Eine Menge Klamotten. Aber es gibt ein paar Regeln. Zum Beispiel jene, nicht über den trägen Handel, sondern über Submärkte wie Fan-Shops, kleine Kult-Stores oder das Netz zu verkaufen. Oder jene, nicht billig in Fernost fertigen zu lassen, sondern in einer Chemnitzer Näherei, die früher NVA-Clubs und die DDR-Nationalmannschaft ausstattete und daher "immer noch weiß, wie eine Kappnaht geht", so Stanzl begeistert.

Und: keine Marktforschung. Stattdessen setzen Stanzl und Schmidt ausschließlich auf das eigene Gespür, getreu der Überzeugung: Was uns gefällt, gefallt sicher auch ein paar anderen. Und bisher lagen sie damit immer richtig.

Dabei geht es nie um das ganz große Ding und eine Menge Geld. Nizeshot deckt seine Kosten - mehr aber auch nicht. Es geht um das Spinnen beweglicher Netzwerke, die Ideen für einige Zeit tragen, die Spaß machen - und, sobald sie ausgedient haben, auch wieder aufgelöst werden können. Es geht um jene guten Dinge, die nur aus Leidenschaft entstehen.

Doch wenn man lediglich das tut, was einem Spaß macht, gibt es naturgemäß ein paar Dinge, die liegen bleiben, weil sie eben keinen Spaß machen: das Kleingedruckte beispielsweise, also Verträge oder Lizenzabkommen - die Schattenseite des Ideengeschäfts. Deshalb kann es passieren, dass die Jungs aus dem Schwarzwald bei einem Fußball-Bundesligaclub im Norden rüde abgefertigt werden - und sie später die Vereinsbosse in ihren Musterklamotten herumlaufen sehen. Ein anderer Bundesliga-Manager, mit dem sie sich bereits sicher im Geschäft glaubten ("Der war total begeistert von unseren Entwürfen"), taucht nach Erhalt der aufwändig gefertigten Musterkollektion plötzlich ab, ist für die Designer wochenlang nicht mehr zu erreichen, brand eins lässt er über seine Sekretärin ausrichten, er habe mit Nizeshot lediglich "einige Gespräche geführt und eine eventuelle Zusammenarbeit in Erwägung gezogen". Mehr nicht.

"Ja mei", sagt Josh, "wir beide sind nun mal Weicheier. Ehrlich. Wir haben keine Lust auf die harte Tour, die beherrschen wir auch gar nicht. Wir suchen nach Leuten, mit denen die "Vibes" stimmen. Von denen gibt's eine ganze Reihe, aber auf der Suche nach ihnen kriegen wir eben ab und zu ein paar auf die Fresse. Das ist Nizeshot: eins auf die Fresse kriegen und weitermachen. Anders geht's ja gar net." Auch wenn es manchmal keinen Spaß macht.

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siehe auch:
Was wurde aus ... Nizeshot?
(vom 6.12.2007)