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Hand aufs Herz: Als Sie, lieber Michael Sommer, Ihren Mitkollegen Frank Bsirske auspokern ließen, dass die Werktätigen im Öffentlichen Dienst deutlich mehr Kohle kriegen als die Angehörigen anderer, weniger gegen Arbeitslosigkeit abgehärteter Klassen, und das Ganze im Gegenzug mit einem Arbeitstag pro Jahr und öffentlich Bediensteten mehr erkauft wird, waren wir zunächst leicht sauer, dann nachdenklich, schließlich interessiert und sind jetzt euphorisch.




Sie sind, Herr Sommer, nicht nur ein großer Gewerkschafter und Politologe.

Sie sind richtig klug.

Dass Ihnen dabei die üblichen Verdächtigen - Unternehmer, Selbstständige, Arbeitslose und andere nicht resozialisierbare Randgruppen - viel Unrecht antaten und gleichsam die wunderbare Wirkung Ihrer kühnen Idee - mehr Scheine für mehr "Arbeit" - missverstehen wollten, sollte Sie nicht kränken.

Wir haben verstanden.

Dabei half uns die wenige Tage nach dem glorreichen Tarifabschluss vom 9. Januar nachgereichte Idee, dass "Besserverdienende künftig weniger arbeiten sollen", die Sie vernünftigerweise exklusiv der "Bild"-Zeitung anvertraut haben, dem natürlichen Zentralorgan der Besserverdienenden.

Nicht, dass wir uns gleich und unmittelbar direkt davon angesprochen gefühlt hätten, aber wir denken mit und stellten fest, dass es im Grunde nur eine Frage der Zeit ist, bis man zu den Besserverdienenden gehört. Man muss nur ein wenig abwarten, bis die meisten anderen Kollegen von der Stütze leben, und schon ist man Besserverdienender und steht damit im Fokus ihrer brillanten neuen Initiative: Besserverdienende, teilt eure Arbeit mit anderen.

Unsereins hat dann mehr Freizeit.

Vier Tage pro Woche genügen. Damit ließen sich 250 000 bis 300000 Arbeitsplätze schaffen, also in etwa die Zuwachsrate an Arbeitslosen im vergangenen Jahr. So viel Chancen lägen darin. Zum Beispiel das Nachfolgeproblem beim Mittelständler, praktisch dadurch gelöst, dass der Alte von Montag bis Donnerstag arbeitet und der Nachfolger von Freitag an die Wochenendschicht übernimmt (außer Samstag und Sonntag natürlich, also nur die gewerkschaftlich vorgesehene Wochenendschicht, also Freitag bis drei, okay?).

So, das hätten wir, und außerdem auch eine Lösung für all jene, die seit kurzem nicht mehr erwerbstätig sein können, wie Hans-Olaf Henkel zum Beispiel. Der wäre doch was für die DGB-Zentrale in Berlin. Der Mann sieht noch ziemlich gut und könnte Sie - wäre Mittwochnachmittag recht - ablösen, damit Sie mehr mit Ihrem Hund Paul spazieren gehen können, "der sich immer so freut".

Niemand kann Ihnen, lieber Herr Vorsitzender, dabei vorwerfen, dass Sie beim Entwurf der Idee nicht die richtige Augenhöhe gehabt hätten: Nach der längst überfälligen Gehaltserhöhungsrunde für DGB-Funktionäre im vergangenen Jahr (plus 60 Prozent) wissen Sie ja, wie es sich anfühlt, wenn es den Spitzensteuersatz hagelt. Das kann einem den ganzen Arbeitstag versauen, und da ist es nur gut, wenn man davon wenigstens einen weniger hat.

Sicher: Auf Sie und die Ihren sollte man das Teilprinzip nur in Maßen anwenden. Würde man die Nebenjobs und Funktionen aller DGB-Spitzenfunktionäre in ein Teilarbeitssystem einbeziehen, dann käme pro Job und Woche nur mehr ein halber Tag raus, und den auch noch zu teilen, nein, also, das fänden wir gar nicht so gut. Denn da bliebe vielleicht zu wenig Zeit für Sie, um mit brandneuen Ideen die arg gebeutelte Republik wieder in Fahrt zu bringen. Hans-Olaf könnten Sie ja trotzdem mal reinlassen.

Wie, Herr Vorsitzender, isst man einen Elefanten? Stück für Stück. Und Sie kennen ja die wahre Pointe: Mit Deutschland kann man das genauso machen.

Mahlzeit.