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Der Mensch als Kostenfaktor

Winfried Hamel über die Probleme der Rechnungslegung und die Lehren der New Economy


Alternativen zum Rausschmiss gibt es viele. Sind deutsche Unternehmen nicht kreativ genug?

Wir leben hier mit einer verdrehten Wahrnehmung. Personal tritt im Rechnungswesen nur als Kostenfaktor auf - und nie als Leistungsfaktor. Es gibt keine Position in der Gewinn- und Verlustrechung oder der Bilanz, wo das Know-how-Vermögen oder die Leistung der Mitarbeiter isoliert sichtbar sind. Auch Investitionen in das Personal werden sofort als Aufwand gerechnet, niemals als Leistung, die später abgeschrieben wird. Ich finde, das Human Capital sollte auch in der Bilanz eine größere Rolle spielen. Das ist bei unseren Rechnungslegungsvorschriften derzeit allerdings nicht möglich.

Brauchen wir zusätzliche gesetzliche Regelungen?

Im Gegenteil. Wir haben etliche Schutzgesetze, die verhindern, dass die Schutzbedürftigen einen Arbeitsplatz kriegen. Aktuelles Beispiel: das Recht auf Teilzeit. Dieses Gesetz ist ein Schuss in den Ofen. Jüngere Frauen werden jetzt verstärkt Probleme haben, in attraktiven Berufen unterzukommen, weil die Firmen fürchten müssen, dass sie irgendwann Mutter werden und den Teilzeitjob einklagen. Es gibt schon Gerichtsurteile, die zeigen, dass das für die Unternehmen wirklich ein Spiel mit dem Feuer ist.

Aber werden sich flexiblere Lösungen durchsetzen?

Ich meine, dass wir uns nicht langfristig vier Millionen Arbeitslose leisten können. Wir werden angesichts leerer Kassen zwingend kreativer sein müssen. Da können wir viel von den New-Economy-Unternehmen lernen, die sehr flexible Lohnstrukturen etabliert haben und hier Trendsetter sind - Krise hin oder her. Damit meine ich bewusst nicht die Aktienoptionen, sondern wirklich kreative Modelle. Generell spielen hier Gehalt und Sicherheit eine vergleichsweise geringere Rolle als die persönliche Entwicklung, Teamwork und Projektarbeit.

* Professor Dr. Winfried Hamel, Jahrgang 1943, lehrt an der Düsseldorfer Universität Unternehmensführung. Außerdem ist er Geschäftsführender Direktor des Instituts für Dienstleistungs-Management. Hamel ist Jury-Mitglied von Arbeit plus, einem Projekt der evangelischen Kirche in Kooperation mit dem Institut für Wirtschafts- und Sozialethik, bei dem Unternehmen für vorbildliche Beschäftigungspolitik ausgezeichnet werden.