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Bube, Dame, König, Aus

Las Vegas ist die bekannteste Fata Morgana der Welt. Menschen aus aller Welt kommen dorthin, angezogen vom Glitzer, getrieben von der Hoffnung, mit einem Dollar eine Million zu machen. – Black Jack, Roulette und Videopoker sollen das Glück bringen. Für viele löst sich die Illusion nach kurzer Zeit auf. Doch manche kämpfen mit ihr lebenslänglich.




"But, sweet Jesus, I am tired! I'm scared. I'm crazy. This culture has beaten me down. What the fuck am I doing here?" Aus "Fear and Loathing in Las Vegas" von Hunter S. Thompson Bube. Dame. König. As. Fehlt die Zehn. Hold. Hold. Hold. Hold. Draw. Mein Gott, wo sind die Kinder? Eine Sieben. Noch mal. Draw. Zwei Buben. Ein As. Könnte ein Full House werden. Irgendwo in Kanada, das war die letzte Nachricht. Hold. Draw. Wieder nichts. Flimmernde Spielkarten auf dem Bildschirm. Sie werden größer und größer. Einfach verschwunden, verschleppt vom Vater ohne Goodbye. Der rechte Zeigefinger hämmert auf die Tasten. Draw. Hold. Draw. Bloß nicht nach Hause. Der neue Freund, der schreit: Fette Kuh! Keine Ruhe nachts, immer Stimmen. Mama, wo ist mein Lieblingssweater? Pik. Karo. Kreuz. Draw. Hold. Draw. Mama, mein Knie blutet. Weiter. Spielen. Drücken. Dumme Nuss! Nicht hinhören. Blödes Miststück! Ich muss da raus. Dreimal Herz. Hold. Hold. Hold. Hier bin ich sicher, hier sieht mich keiner. Keine schwielige Hand, die mich schlägt. Ein Automat, ein Bildschirm, bunte tanzende Bilder auf Knopfdruck. Alles ist sinnlos.

Linda B. sagt, sie habe nichts mehr gefühlt. Nicht mehr gegessen, sei tagelang nicht zur Toilette gegangen. Nur noch sitzen, spielen, Videopoker, ein sanftes Plopp, wenn die Spielkarten erscheinen, das Klicken der Tasten. Den Klangteppich ringsum, das Bimmeln, das Stimmengewirr, hat sie nicht mehr wahrgenommen. Menschen? Die rauchgeschwängerte Halle? "Ich wusste nicht, wer ich war oder wo ich war", sagt Linda. Waren da andere Menschen? Sie vergaß sogar, dass sie am nächsten Tag wieder in den Supermarkt gehen und an der Kasse sitzen musste. Danach wieder ins Casino. Griff zum Portmonee. Scheckbuch. Kreditkarte. Unentwegt, halb in Panik, halb in Trance. "Es ging nicht um Geld", meint Linda, "ich wollte nur nicht zu schnell verlieren. Ich musste in Aktion bleiben. Nicht über mich nachdenken, das war alles, was ich wollte." Nach 18 Monaten hatte sie sich ruiniert.

"Ich wäre lieber ein Heroinabhängiger als ein Spielsüchtiger", sagt der Psychologe Rob Hunter. Er kennt Lindas Leiden. Ihre Geschichte ähnelt der jener 4000 Patienten, die er bei Problem Gambling Consultants in Las Vegas seit 1986 therapeutisch betreut hat. Immer handelte es sich um Menschen, die unglücklich, depressiv waren, immer haben sie sich deshalb in die Spielhöllen der Stadt geflüchtet, immer ging es mit ihnen schnell zu Ende. "Sie werden Zombies", meint Hunter, " und sie haben kaum eine Chance auf Heilung." Die Erfolgsquote von Hunters Team ist verschwindend gering. "Wenn sie kommen, ist es längst zu spät." Auch weil Spieler im Alltag zu lange funktionieren, die Gesellschaft sie nicht rechtzeitig aussortiert wie Drogensüchtige. "Spielkarten und Automaten hinterlassen keine sichtbaren Spuren, keinen körperlichen Zerfall." 25 Prozent von Hunters Patienten haben Selbstmordversuche hinter sich. "Wie viele aus Verzweiflung in den Suizid gingen, kann man nur schätzen." Die Hotelpaläste sind die groteske Fassade für die Hoffnung auf Glück.

Hunters Büro liegt am Alta Drive, nördlich des Las Vegas Boulevard, direkt neben einem brachial zwischen die Häuser zementierten Highway. Von hier aus kann man das Szenario auf dem Strip nur erahnen. Besser so. Im gleißenden Tageslicht wirken die Fassaden der Märchenpaläste wie monströse, absurde Attrappen. Pulks von Menschen, die sich schwitzend über den heißen Asphalt schleppen, in die klimatisierten Shopping Malls der Casinos flüchten und schon um acht Uhr morgens vor einer Margarita sitzen. Die Losung zum Frühstück lautet: Happy Hour, zwei Drinks für den Preis von einem. Die "New York Times" hat den Strip einmal " eine echte Fälschung auf der höchsten, lautesten und unauthentischsten Ebene von Einbildung und Erfindung" genannt. Er ist Fassade für die wahre Verlockung der Stadt: Glücksspiel, die Verheißung, dass ein Vierteldollar zur Million wird. Pete Earley, der das Buch "Super Casino" geschrieben hat, sagt: "Im Bauch des Kunstwerks rumort es, da ist Verzweiflung, Herzschmerz und Ruin." Jemand muss die ganze Chose schließlich bezahlen.

"Ich habe diese Stadt immer verteidigt", sagt Hunters Assistent Bo Bernhard, ein Soziologe, dessen Urururgroßvater in das letzte Refugium des Wilden Westens geriet, nachdem er aus Texas ausgewiesen wurde. "Las Vegas war für mich immer Inbegriff von Abenteuer, Freiheit, Selbstverwirklichung - bis ich bei Dr. Hunter landete. Erst da begriff ich, welches Krebsgeschwür hier wuchert." Es ist eines, das sich über ganz Amerika ausgebreitet hat. Hale Humphrey schreibt in seinem Buch "This Must be Hell - A Look at Pathologicial Gambling": "Unsere Gesellschaft hat Kreativität durch passiven Zeitvertreib ersetzt, nichts hat mehr mit inneren Fähigkeiten und Werten zu tun." Humphreys Schlussfolgerung: " Der Spieler ist ein Resultat der Abkupplung von uns selbst. Bedeutung wird ersetzt von Bedeutungslosigkeit, wir erwarten nur noch schnelle Befriedigung, Aufregung und Reize." Die Casinoindustrie ist im letzten Jahrzehnt eine von Amerikas rentabelsten Wachstumsbranchen geworden. Inzwischen verzichten nur noch drei Bundesstaaten auf Spielhöllen, die mit Dumpingpreisen für Anreise und Unterkunft um Kundschaft werben und fast ausnahmslos in strukturschwachen Gebieten stehen. Wie in Atlantic City, New Jersey, einer Mischung aus Gigantismus und Slum am Meer, oder Tunica im Bundesstaat Mississippi, das drittgrößte Spielerziel. Tunica County war einst der ärmste Landkreis der USA. Hunter: "Selbst South Carolina ist voller Bretterbuden mit Automaten. Die verheerenden psychischen Konsequenzen werden übersehen." 120000 Spielsüchtige, so Bernhard, leben in Las Vegas; fünf Prozent aller Amerikaner sind Problemfälle oder krankhafte Spieler, insgesamt 15 Millionen Menschen. Dennoch gibt etwa Nevada keinen Cent aus für therapeutische Einrichtungen, insgesamt sind es in Amerika pro Einwohner 20-mal weniger als in Kanada. " Was die Akzeptanz der Krankheit angeht", sagt Hunter, "sind wir in etwa dort, wo Alkoholismus vor 35 Jahren war - sie wird als Charakterschwäche ausgelegt." Linda hat sich schnell verabschiedet nach der zufälligen Begegnung in Hunters Büro. Sie fühle sich nicht wohl. Ja, man könne sie anrufen. Natürlich, sie würde noch mehr erzählen. Das Phänomen der Spielsucht kann der Psychologe aus eigener Erfahrung beschreiben: Der große blonde Mann ist Kettenraucher. Die Abhängigkeit, so Hunter, entstehe im Gehirn, der Reiz, den Gewinnen oder Verlieren auslöst, wirke ähnlich wie Nikotin, Morphium oder Heroin als Neurotransmitter im Zellgewebe und verändere die Gemütslage. "Er erzeugt keine Veränderung der Situation des Menschen", so Hunter, "er schafft Ablenkung. Je mehr, je schneller, desto intensiver." Und von nichts werden rasantere Reize ausgesendet als von Spielautomaten. 99 Prozent aller pathologischen Spieler sind dem Videopoker verfallen, 60 Prozent der Einnahmen in Casinos, neun Milliarden Dollar jährlich allein in Las Vegas, werden mit diesen Apparaten erzielt. " Wenn Spielen eine Droge ist, dann ist Videopoker Crack", sagt Bernhard. Der Tod unter der Schädeldecke.

Tami C. war eine von Hunderttausenden, die nach Las Vegas kamen, um vom Boom der Stadt zu profitieren. Ausgelöst wurde er 1989 vom Casino-Tycoon Steve Wynn, der mit dem "Mirage" die vorläufig letzte Wandlung des Strip initiierte, der von jeher danach trachtet, sich immer wieder neu zu errinden. Was erst Geldwaschanlage der Mafia war, dann Schaubühne amerikanischen Entertainments von Frank Sinatra bis Mike Tyson, wurde zur vielschichtigen Urlaubsdestination für Familie, Kind und Kegel. Wynns Fantasie gebar weiße Tiger, eruptierende Vulkane, Dschungel in der Hotellobby. Eine Königsidee, von allen kopiert, veredelt mit Shopping Malls und Edelrestaurants. So ist die von Wüste umgebene Stadt zur schnellst wachsenden des Landes geworden mit inzwischen 1,4 Millionen Einwohnern. Jedes der 125 000 Hotelzimmer gibt fünf Familien ein Auskommen, bei Jahresgehältern bis zu 80000 Dollar selbst für angelernte Bedienstete. Jährlich ziehen 70000 Menschen nach Las Vegas, bringen 15 000 schulpflichtige Kinder mit und die Hoffnung auf bescheidenen Wohlstand. "Die Häuser sind billig", sagt Tami, "die Löhne sind hoch. Wo sonst können Menschen wie wir schneller mehr erreichen?" Sie verdiente als Karten-Dealerin 90 000 Dollar per anno, das Trinkgeld von mindestens 100 Dollar täglich nicht mitgerechnet.

Ein italienisches Restaurant in Henderson, einem unaufhaltsam in die Wüste mäandernden Stadtteil. Draußen Baustellen zwischen Brachland, entlang der Straßenkreuzungen die Insignien der amerikanischen Konsumkultur. 7-Eleven. Shell. Blockbuster. McDonald's. Es ist elf Uhr morgens. Tami trinkt Rotwein. "Wir hatten ein schönes Haus, Swimmingpool, aber Las Vegas hat unser Leben zerstört." Ihr Mann Michael und sie arbeiteten im selben Casino, er vormittags, sie hatte die "Friedhofsschicht" von zwei bis acht Uhr. Die beiden sahen sich kaum, ihre drei Kinder meist nur ein Elternteil, die Freizeit des Paares spielte sich in Casinos ab. "Sonst gibt es hier nichts, selbst wenn man ins Kino will, muss man an Spieltischen und Automaten vorbei." Auf die Frage, warum sie ihre verschlafene Heimatstadt in Kalifornien hinter sich ließ, antwortet Tami lapidar: "Geld." Irgendwann fing sie an zu spielen, erst ein paar Stunden, kleine Summen. Sie sagt, sie mochte die Abwechslung, dachte, der nächste Dollar könne ihr Leben verändern. Sie wusste, es geht - einmal machte ein Mann beim Blackjack an ihrem Tisch in vier Stunden 1,6 Millionen Dollar. "In Wahrheit" , weiß sie nun, "hatte ich andere Sorgen." Die Ratenzahlungen für das Haus, der Job, die Kinder - ihr war alles zu viel. Sie spielte länger, verlor mehr, die Streits mit Michael wurden heftiger. "Sonst hatten wir nur noch stummes Nebeneinander." Bis zu 2000 Dollar täglich verschwanden in den Automaten. "Wie soll ich es erklären? Ich fühle mich schuldig, ich schäme mich." Nächster Geldschein in den Schlitz. Als ihre zweijährige Tochter Rylee mit einer Asthma-Attacke ins Krankenhaus eingeliefert wurde, war die Familie bankrott. Haus weg, Autos gepfändet, die Altersversorgung für beide hatte Tami heimlich aufgelöst: "Ich fühlte mich als Rabenmutter, schlechteste Ehefrau, schlechtester Mensch der Welt." 70 Prozent aller Einwohner Nevadas leben in Las Vegas. Die Peripherie der Stadt ist gesäumt von Wohnanlagen für Senioren, die aussehen wie aus Schablonen gestanzt. Das trockene Klima ist gut gegen Arthritis und andere Altersleiden. Hinzu kommt die verlockende Aussicht, bei null Prozent Einkommens- und niedrigen Grundsteuern den Lebensstandard in die Höhe zu schrauben. Zwei von drei Senioren über 55 nennen in Las Vegas Langeweile und Einsamkeit ihre größten Probleme und Glücksspiel als Hobby Nummer eins.

Las Vegas leidet unter Lehrermangel, zu wenigen Kindergärten, Unterversorgung in fast allen sozialen Bereichen. Der Bundesstaat Nevada ist in den USA führend bei Selbstmorden, Tod durch Schusswaffen, Alkoholikern, Schwangerschaften unter Teenagern und Jugendlichen ohne Schulabschluss. Pater Andre vom Shrine of The Most Holy Redeemer, gelegen zwischen dem Tropicana Casino und dem schimmernden Luxuspalast Mandalay Bay mit künstlichem Strand und Wellengenerator, erzählt: "Die Menschen, denen ich die Beichte abnehme, sind zutiefst orientierungslos." Zu den Gottesdiensten am Wochenende kommen im Schnitt 4000 Gläubige; die Diözese Las Vegas verzeichnet seit Jahren den größten Zuwachs in den USA. "Dies ist eine kulturell verödete Gesellschaft", sagt Bernhard, "die negative Gefühle verdrängt statt zu verarbeiten." Wenn die Menschen bei ihm zum Vorgespräch erschienen, antworteten sie auf die Frage, wie es ihnen ginge, stereotyp: " Gut." Bernhard: "Die Wahrheit ist: Es geht ihnen beschissen." Sie haben gelogen, gestohlen, ihre Partner gedemütigt. Alles für das Spiel.

Mittwochnachmittag. Therapiestunde bei Problem Gambling Consultants. 17 Menschen aller Altersstufen, aller sozialen Schichten sitzen im Kreis. Ein Bauarbeiter mit tätowierten Armen neben einer Bankmanagerin, eine junge Hausfrau und Mutter neben einer verlebten, mittellosen Schwarzen, ein Soldat der U.S. Army neben einem alten Mann in zerschlissenen Segeltuchschuhen. Hunter: " Diese Krankheit ist klassenlos, sie ist nicht diskriminierend und lässt auch deshalb lange nicht zu, die Dimension des Biests in sich zu erkennen." Die Gruppe sitzt verschüchtert, sie wirken ratlos und selbstmitleidig, die Schwarze fragt leidend: "Warum liebt mich keiner?" Hunter: "Bullshit! Ihr seid so bejammernswert, dass ich mich wundere, wie ihr euch heute Morgen überhaupt anziehen konntet." Abstinenz, sagt er, sei verändertes Handeln, Heilung hingegen Abstinenz plus verändertes Denken. Linda? Nicht da. Mehrere Nachrichten auf ihrem Anrufbeantworter bleiben unbeantwortet.

Sie tun sich nicht leicht mit der Wahrheit. Alle haben gelogen, gestohlen, ihre Partner gedemütigt, ihre Familien desavouiert. Ein ungedeckter Scheck jagte den nächsten, Kredithaie drohten, den Angehörigen könne etwas zustoßen. Liz hatte ihrem Enkel ein Spielzeug ohne Batterien geschenkt, um Heiligabend einen Grund zu haben, das Haus zu verlassen: "500 Dollar später kam ich zurück - ohne Batterien." Der Bauarbeiter verlor innerhalb einer Woche seinen Job, sein Auto, seine Wohnung und hatte einen Motorradunfall. "Als bei meiner Mutter Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert wurde" , sagt er, "fühlte ich nichts, ich war eiskalt, ich war ein Monster geworden." Die Kinder der Hausfrau flehten: "Mama, wir wollen, dass du gehst." Nun also Therapie als letzte Hoffnung? Hunter: "Wenn sie die nächsten hundert Dollar haben, kommt die Versuchung zurück." Erzähle nie einem Spieler, so Hunter, wie viel Geld er verspielt hat, "er würde dir immer sagen, wie viel er beim nächsten Mal gewinnen kann". Bernhard: "Die Droge beinhaltet die Chimäre eines Auswegs, das ist der teuflische Aspekt." Ein letzter Termin. Howie kommt aus Albuquerque, New Mexico, um seine Tochter zu besuchen, die im Caesars Palace als Serviererin arbeitet. Auf dem Weg vom Flughafen zum Strip, wo wir zu Mittag essen wollen, sagt er: "Ein gutes Restaurant? Hm, ich kenne eigentlich nur gute Plätze zum Spielen." Howie hat 18 Jahre in Las Vegas gelebt. Er kam, um professioneller Gambler zu werden, nachdem die illegalen Buchmacher in Los Angeles ihn nicht mehr akzeptierten - er setzte zu viel, gewann zu oft. " Ich dachte, hier werde ich Millionär." Dann verließ ihn das Glück, seine Frau benutzte zerschnittene Küchenhandtücher als Monatsbinden. Howie verweigerte ihr sogar Geld für die Reparatur des Boilers im Badezimmer: "Ich dachte, ich muss das Geld bunkern für eine Pechsträhne." Howies Mutter opferte ihre Altersversorgung, nachdem er ihr versprach aufzuhören. "Am nächsten Tag machte ich weiter." Howie hat hinter den Spieltischen mehrerer Casinos gearbeitet und nach Feierabend gezockt. Er ist ein kleiner, unscheinbarer älterer Herr, der immer unter Minderwertigkeitskomplexen litt. "Geld gewinnen ließ mich groß und wichtig erscheinen." Er erzählt von den 1900 Dollar, die er einmal aus 50 Cents machte in einer Woche, von den 67 Stunden, die er ein anderes Mal ununterbrochen am Pokertisch saß. Und von seiner ersten Sitzung bei Gamblers Anonymus, zu der nur drei Leute erschienen und Howie die Leitung übernahm. Das war vor 17 Jahren, als "ich noch glaubte, keiner außer mir kann so krank sein. Ich machte Hypnose, sie wirkte vier Tage, ich ging zum Psychiater, er erklärte mir, warum ich spiele, aber er konnte mich nicht stoppen." Nur Willenskraft, sagt Howie, habe ihn gerettet. "Ich dachte, ich liebe das Glücksspiel, in Wirklichkeit liebte ich die Misere." Hunter kennt außer Howie nur drei Spieler, die den Ausstieg schafften.

Wir schlendern durch Caesars Palace. Blackjack. Bingo. Rien ne va plus am Roulette. Ritschratsch an den Automaten. Hold. Draw. Der Stuck an der Decke ist aus Spritzguss. Die Angestellten wissen nicht, wo die Statue von Julius Cäsar zu finden ist, im Restaurant des Starkochs Wolfgang Puck wird Pizza mit Lachs und Kaviar serviert. Die Luft ist mit Sauerstoff angereichert, damit die Kundschaft nicht müde wird, nirgends eine Uhr, versteckte Videokameras überall. Howie muss weg. Die Mitbewohnerin seiner Tochter liegt nach einem Selbstmordversuch im Krankenhaus. Howie: " Schlaftabletten, Alkohol, Videopoker - ich habe es kommen sehen." Aus der Parkgarage noch mal hinauf auf den Strip. Es ist abends kurz nach neun. Farbenfrohes loderndes Neon-Inferno. Stau auf dem sechsspurigen Boulevard, die Gehsteige und Fußgängerbrücken sind überfüllt. Aus dem riesigen Wasserbassin vor dem Bellagio Resort & Casino schießen gigantische Fontänen. Es ist schrecklich kitschig, es ist furchtbar schön.