Partner von
Partner von

2+2=?

Zu den vielen Mysterien der Managementlehre gehört die Erfolgsgeschichte des Teams. 2+2=5 lautet die knappe Zusammenfassung der Behauptung, dass gemeinsam alles besser, schneller, innovativer geht. Und irgendwie wollten wir es alle gern glauben, obwohl die reale Teamerfahrung, etwa an der Universität, dagegen spricht: Teilten sich vier Studenten eine Hausarbeit, hatten in der Regel drei ein sonniges Semester.




In den Unternehmen lief es kaum besser. Deshalb ist das Team, management-theoretisch, schon wieder out (S. 36). Was aber soll das heißen? Machen wir jetzt alles wieder allein? Und fällt mit dem Team auch die nächste Stufe: die Zusammenarbeit auf Unternehmensebene, gern Netzwerk genannt?

Natürlich nicht. Es wird nur Zeit, sich von der schönen Vorstellung zu lösen, gemeinsam ginge alles leicht. Tatsächlich heißt "zusammen" harte Arbeit. Wo immer Gemeinschaften funktionieren, verbirgt sich im Untergrund ein festes Fundament aus Regeln und zum Teil unbequemen Anforderungen. Selbst Popbands funktionieren nur, wenn zur Kreativität so etwas wie Gruppendisziplin kommt (S. 44).

Eigentlich logisch - und erstaunlich, dass das in der Team-Euphorie der vergangenen Jahre so oft vergessen wurde -, obwohl es an Belegen und Vorbildern nicht fehlt. General Electric zum Beispiel, Vorzeige-Multi und ein Beweis dafür, dass auch in großen Einheiten etwas zusammengehen kann, lebt einen eindrucksvollen Spagat zwischen Offenheit und Disziplin (S. 46). Und genau das ist auch das Geheimnis von Mondragón, dem drittgrößten Konzern Spaniens, der gleichzeitig eine Genossenschaft ist (S. 58).

Zusammen ist eben nicht weich, warm und kuschelig. Zusammen ist vor allem eine Komplexitätsstufe mehr. Und zusammen ist oft auch der Prüfstein für Professionalität: Nur wenn jeder einzelne Partner passt, das zeigen Systempartnerschaften in der Automobilindustrie genauso wie erfolgreiche Franchise-Konzepte (S. 72 und S. 76), nur dann ist der Verbund mehr als die Summe seiner Teile.

In der Management-Theorie ist nach dem Zusammenbruch des Teamkonzepts erst einmal mit einem Backlash zu rechnen: nie wieder Zusammenarbeit! In der Praxis empfiehlt sich die Rückbesinnung auf den gesunden Menschenverstand: Haben wir, die wir in Familien aufgewachsen sind oder gar längere Beziehungen bewältigen, tatsächlich je geglaubt, dass es im Team leichter und grundsätzlich effektiver geht?

Und wir wissen dennoch: Auch 2+2=4 kann genug sein.