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Wie macht man Selbstständige?

Gründungslehrstühle gibt es viele – doch Unternehmergeist ist nur begrenzt vermittelbar.




1998 entstand der erste deutsche Gründungslehrstuhl an der privaten European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel. Das war ein guter Zeitpunkt, denn das Thema hatte gerade Konjunktur. Seither sind mehr als 40 Lehrstühle hinzugekommen. Die Entwicklung am Neuen Markt hat die Gründereuphorie allerdings gedämpft. Grund genug zu fragen, wie heute die Stimmung an den Universitäten ist.

Wie attraktiv ist die Aussicht auf eine Unternehmer-Laufbahn für ehrgeizige Studenten? Dazu befragte die EBS im März die Teilnehmer eines Einführungskurses ins Gründungsmanagement. Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme, die keinen Anspruch auf Repräsentativität erhebt und doch ein Stimmungsbild des unternehmerischen Nachwuchses zeichnet. Lässt sich, nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre, das Unternehmer-Sein lernen und also auch lehren? Ausbildung oder Haltung? Die Antwort der Experten: ein entschiedenes Jein.

Die Antwort der Studenten: Studenten mit Gründungswunsch hoffen in erster Linie auf berufliche Selbstverwirklichung: eigene Ideen durchsetzen; die Arbeit machen, die man will; für sich, nicht für andere arbeiten, das sind die dominierenden Motive. Dagegen spielt das Erreichen eines höheren Einkommens nur eine untergeordnete Rolle. Auch das öffentliche Ansehen des Unternehmers ist von geringer Bedeutung. Anders sieht es aus beim Gedanken zu scheitern: Die Furcht vor Reputationsverlust ist eine Hemmschwelle. Was nicht heißt, dass die Studenten sich nichts zutrauen - Angst vor Stress und Leistungsdruck rangiert im Mittelfeld. Äußere, vor allem ökonomische Zwänge wie zu geringes Startkapital sorgen dagegen für große Besorgnis.

Die Antworten der Experten: Stephan Golla, Stiftungslehrstuhl für Gründungsmanagement und Entrepreneurship der EBS, Oestrich-Winkel "Die große Euphorie ist erst mal vorbei. Heute macht eben niemand mehr in fünf Minuten ein Unternehmen auf. Aber das zeigt letzten Endes doch nur, dass man sich mit dem Thema jetzt wieder fundierter auseinander setzt. Das grundsätzliche Interesse ist immer noch da. Nur die Dimensionen verändern sich, und zwar zum Vorteil des Gründungsgeschehens. Viele unserer Absolventen gehen in den Dienstleistungsbereich. Das sind dann Mini-Unternehmen mit zwei bis fünf Mann. Die sind klein, aber organisch gesund. Der Erfolg unserer Lehre kann nur langfristig gemessen werden. Für die Selbstständigenquote an der EBS ist das mikrosoziale Umfeld der Studenten nicht unerheblich. Viele kommen selbst aus Unternehmerfamilien. Da liegt der Wille, etwas Eigenes zu machen, schon in der Wiege." Michael Rottmann, Start-Initiative Universität St. Gallen " Gerade die jüngeren Studenten sind in der momentanen Situation verunsichert. Erst liefen alle in Richtung IT, jetzt sind die Hörsäle beim Risikomanagement voll. Das ist ein gewisses Herdenverhalten. Nach dem Internet-Crash hängen eben viele ihr Fähnchen in den Wind. Trotz allem hat die Herausforderung, die eine Unternehmensgründung für die eigene berufliche Verwirklichung darstellt, ihren Reiz für die Studierenden nicht verloren. Das haben wir in einer Umfrage unter den Start-Teilnehmern im vergangenen Jahr festgestellt." (Info: www.startglobal.org) Gerd Walger, Inhaber des Dr. Werner Jackstädt-Stiftungslehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre der Universität Witten/Herdecke "Einen Rückgang des Interesses an der Selbstständigkeit kann ich nicht bestätigen. Vielmehr gewinnt das Thema auch in den Unternehmen an Bedeutung. Denn Unternehmen brauchen selbstständige Manager, die es weiterentwickeln können. Anders gesagt: Selbstständigkeit ist nicht nur der Weg zum eigenen Unternehmen, man kann auch als Angestellter selbstständig sein. Heute werden junge Menschen darin geschult, sich an Rahmenbedingungen zu orientieren. Selbstständig sein heißt aber, eigene Ideen zu entwickeln und sie voranzutreiben. Hier geht es also um einen Wandel des persönlichen Selbstverständnisses. Erich Gutenberg, der Begründer der Betriebswirtschaftslehre, hat gesagt, dass man Unternehmer nicht ausbilden kann. In Anerkennung dieser Unmöglichkeit zielt meine Ausbildung auf die Entwicklung der unternehmerischen Persönlichkeit. Zur Selbstständigkeit auszubilden ist heute die Aufgabe der Universität.