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Was ist eigentlich Breitband?

Seit über einem Jahrzehnt wird der Information Superhighway versprochen. Stattdessen haben wir eine holprige Landstraße bekommen, das World Wide Web. Doch Breitband, der Stoff, aus dem die I-Ways sind, wird gerade verlegt.




Was wäre, wenn wir alle Versprechungen des Internet-Zeitalters ernst nehmen dürften? Etwa jene von Bill Gates, der versichert, es werde nicht mehr lange dauern, bis auch Hollywood-Fame und Musikvideos übers World Wide Web geliefert werden. Nicht nur Unterhaltung, auch Kommunikation wird sich ändern: eMails müssen nicht mehr länger nur Textbotschaften sein, nein, wir werden Uns online via Video mit Freunden im Ausland unterhalten können. Unternehmen Sparen teure Flüge und verhandeln in Video-Konferenzen. Auch für Spiele-Fans bricht dann eine neue Ära an, denn online lässt es sich gegen Gegner aus aller Welt kämpfen: egal, wo die Champions zu Hause sind, gespielt oder geschossen wird in Echtzeit. Alle brauchen dafür eins: Breitband.

Einige Varianten werden angeboten. Ganz simpel gesprochen: Überall, wo Leitungen in ein Haus reingehen, kann theoretisch auch das WWW eingeleitet werden. Bei Telefon ging das über Kupferkabel schon immer, doch Kabel-Fernsehen, Strom oder Satellit wurden ebenfalls fürs Internet aufgerüstet. Während früher auf diesen Wegen - vergleichbar mit Einbahnstraßen - nur Daten angeliefert wurden, lag die technische Herausforderung darin, diesen Leitungen nun einen Kanal in die umgekehrte Richtung aufzupfropfen. Auch die Telefonleitungen mussten für große Datenpakete erst fit gemacht werden. Breitband braucht bidirektionale Leitungen: nicht nur zum Downloaden - also Empfangen, sondern auch zum Uploaden, also Senden. Je leistungsfähiger solche Systeme sind, umso mehr Bandbreite, also Frequenzspektrum, haben sie. Die braucht man für Multimedia - oder eben Hollywood-Filme und Musikvideos.

Autobahnen schaffen die Möglichkeit, große Distanzen zu überwinden. Datenautobahnen bieten Ähnliches: Das Pendant für Daten im WWW sind die supranationalen Backbone-Leitungen. Auf diesen Datenhighways ist das Fahren kostspielig, wer drauf will, muss teure Maut bezahlen. Das ginge ja noch. Doch wer hat schon die Autobahn vor der Tür? Die Auffahrten, die "letzte Meile" der WWW-Verbindung, die in die Haushalte führt, ist das eigentliche Problem. Hier ist alles viel enger, dennoch müssen Multimedia-Schwertransporter da durch. In den vergangenen Jahren ist ein unüberschaubares Geflecht von Leitungen mit komplexen Besitzverhältnissen entstanden. Fast jeder Provider hat individuelle Lösungen. Es ist irgendwie wie auf wirklichen Autobahnen und Straßen: Es staut mal, aber im Großen und Ganzen fließt der Verkehr. Und die Surfer in der westlichen Welt wollen immer öfter mit großen Wagen - Datenpaketen - schnell fahren, surfen.

Breitband ist wie wirkliches Leben: Teure Autobahngebühren und Stau sind Norm Das treibt nach wie vor die ganze Informationstechnik und Telekommunikationsbranche an. Die Marktforscher von AC Nielsen haben herausgefunden, dass US-Internetnutzer mit Breitband-Zugang im Januar 2002 zum ersten Mal mehr Stunden online verbracht haben als Nutzer mit herkömmlichen Internet-Zugängen: Von den 2,3 Milliarden Online-Stunden gehen 51 Prozent auf das Konto von Highspeed-Surfern. Europa hinkt etwas hinterher, doch das Wachstumspotenzial zeichnet sich laut einer Studie von Frost &: Sullivan deutlich ab: Heute gibt es gut vier Millionen Breitbandanschlüsse in Europa, in sechs Jahren sollen es fast 30 Millionen sein. In Deutschland hat sich der Breitband-Anteil in nur einem Jahr auf zwölf Prozent verdreifacht.

Den größten Boom verzeichnet die DSL-Technologie (Digital Subscriber Line, auch als T-DSL bekannt), die auf den Kupferkabeln der alten Telefonleitungen aufsetzt: 1,8 Millionen Anschlüsse gibt es in Deutschland bereits. Zum großen Teil handelt es sich um ADSL-Technologie mit einer Datenübertragungsrate von 768 Kbit/s im Download und 128 Kbit/s im Upload. Wer gleich viele Daten empfangen wie senden will - bei Videokonferenzen beispielsweise - ist mit SDSL-Breitband (Symmetrie Digital Subscriber Line) besser beraten. Hier geht es mit der gleichen Geschwindigkeit in beide Richtungen - was übrigens nicht mehr kostet.

Breitband aus der Steckdose, dem All, und durch Licht - nicht alles hat Sinn Die Deutsche Telekom hält den Löwenanteil, alternative DSL-Anbieter wie QSC oder Arcor versuchen mit guter Breitbandqualität und attraktiven Angeboten Kunden zu gewinnen. Die Nutzer zahlen eine Grundgebühr und können in einem Rat-Rate-Modell uneingeschränkt Datenvolumen schaufeln. Für User, die alles aus dem Netz saugen, ist das gut, für Provider allerdings riskant: Der Transfer über die Datenautobahnen ist teuer. Von günstigen Fiat Rates bis zu Pleiten ist es deshalb nicht sehr weit.

Rund 90 Prozent aller Standorte können mit DSL-Technologie erschlossen werden. In großen Städten ist der internetfähige TV-Kabelanschluss mit einer theoretischen Datenübertragung zwischen 500 Kbit/s bis zwei Mbit/s die zweitattraktivste Variante. Der Vorteil: Die "letzte Meile" entfällt. Der Nachteil: Kabel ist im Gegensatz zu DSL ein "Shared medium": 100 bis 500 Haushalte teilen sich hier einen Anschluss, und wenn jeder surft, verringert das die Datenübertragungsrate drastisch.

Ein Internet-Anschluss über Satelliten wie Astra oder Eutelsat ist ebenfalls eine Variante, allerdings teuer und nur dann zu empfehlen, wenn es sonst keine andere Möglichkeit gibt. Überdies gibt es Probleme beim Upstream. Bleibt noch das WWW übers Stromnetz: Powerline Communication (PLC) heißt diese Technologie und wird von Energieversorgern wie RWE EnBW oder der Mannheimer MW zurzeit zur Marktreife geführt. Mit zwei Mbit Tempo klingt Internet aus der Steckdose viel versprechend, doch gibt es vor allem Probleme mit Modems und Abstrahlung die bis jetzt nicht gelöst wurden. Experten bezweifeln, dass sich PLC tatsächlich durchsetzen wird.

Eine Breitband-Technologie, die wirkliche Multimedia-Zukunftsmusik spielen könnte, wäre Fiber-to-the-Home (FTTH) eine Technologie, die Glasfaserkabel direkt in die Haushalte verlegt. Das ist gut und teuer. Schon Anfang der neunziger Jahre experimentierte AT&T damit Orlando/Florida, doch mehr als eine schnelle Labor-Lösung kam dabei nicht heraus. Im kalifornischen Palo Alto, wo eben 70 Haushalte zu Testzwecken vernetzt wurden, kostet ein Glasfaserkabelanschluss 9000 Dollar. Die privilegierten User können mit vier Mbit/s surfen, eine Kapazität, die zurzeit noch niemand braucht. Doch die heute noch teure Technik könnte, wie viele ursprünglich hochpreisige Innovationen in der Branche, bald schon bezahlbar werden. In den Labors laufen Experimente mit Laserdioden und Fototransistoren auf Hochtouren: Nichts transportiert Daten schneller als Licht-Glasfaserkabel.

Obwohl seit über einem Jahrzehnt vom Information Highway die Rede ist: Breitband-Internet hat gerade erst begonne und vielleicht braucht es deshalb die Euphorie eines Bill Gates. Spielekonsolen mit Online-Anbindung, Settop-Boxen für digitales Fernsehen oder Internet-Audiogeräte werden gerade erst massenhaft auf den Markt gebracht: Alle großen Hardware-Hersteller arbeiten in eine gemeinsame Richtung. Dazu kommt digitales Fernsehen, das ebenfalls gewaltige Bandbreiten verschlingt. Es könnte also tatsächlich sein, dass Bill Gates - mit Zeitverzögerung - diesmal Recht behält.