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Peep-Show bei Prada

Rem Koolhaas inszeniert eine neue Einkaufswelt für Prada in New York. Epizentrum nennt er sein kommerzielles Gesamtkunstwerk, in dem bildschöne Verkäufer und viel Hightech den Kleiderkauf zum Ereignis machen sollen.




Was ist hier los?, denkt Cynthia, als sich die Schiebetür zur Umkleidekabine im brandneuen New Yorker Prada-Shop lautlos und von selbst schließt. Zwei Schalter springen ihr ins Auge, die sie prompt betätigt: Die Glasscheiben verdunkeln sich, die zehn wartenden Japaner vor der Kabine verschwinden. Cynthia zieht sich aus. Im Spiegel sieht sie sich plötzlich von hinten. Ich werde gefilmt, denkt sie, doch sie sieht keine Kamera. Dafür entdeckt sie einen Monitor, der die eben probierte Bluse am Körper eines Supermodels auf einem Mailänder Laufsteg zeigt. Daneben ist zu lesen, dass es das gute Stück auch in Hellrosa gibt. Schick wäre ein brauner Rock dazu, liest sie weiter.

Die Technik heißt Embedded System, der Star-Architekt Rem Koolhaas hat daraus eine aufregende Einkaufswelt gemacht. Er hat bei Prada alles drahtlos vernetzt und in Datenbanken abgespeichert: Die Kleider, die Videowände, die überall hängen, die Kunden und die Verkäufer bilden ein großes System. Koolhaas ist ein Apologet der westlichen Shopping-Kultur, der mit seinem Office for Metropolitan Architecture und der Design-Schmiede Ideo Kunst, Kommerz und Hightech verbindet.

Rund 40 Millionen Dollar hat die Ausstattung gekostet, die Technik ist unsichtbar und funktioniert so: Jedes Kleidungsstück enthält einen Radio-Frequency-Identification-Tag (RF-ID-Tag) -also eine Art Sender-Chip, dessen Signale von verschiedenen Medienstationen empfangen werden können, zum Beispiel vom Monitor in der Umkleidekabine. Dort wird Cynthias Bluse über Funk "erkannt", das System ruft passendes Filmmaterial aus der Media-Datenbank ab und sendet es. Andere Monitore sorgen für Atmosphäre; die Verkäufer können bestimmen, welche Filme gerade gespielt werden. Koolhaas' Team hat Videos für verschiedene Stimmungen produziert.

Die Umkleidekabinen sind das Highlight des Systems. Zwischen den Glaswänden ist eine LCD-Schicht eingezogen, per Knopfdruck lassen sich die Scheiben verfinstern. Wer drinnen probiert, kann aber auch per Knopfdruck Leuten, die draußen stehen, zeigen, wie der Prada-Fummel angezogen aussieht. Besonders trickreich ist der Magic Mirror. Im Spiegel ist ein Display eingelassen, auf das eine mikroskopisch kleine Kamera von hinten gefilmte Videos auf den Spiegel projiziert. Wer sich in der Kabine langsam bewegt, sieht sich in Echtzeit, wer sich schnell bewegt, zeitversetzt. "Der Spiegel ist ein Raum-Zeit-Erlebnis", sagt Markus Schaefer, einer der hauptverantwortlichen Architekten von Koolhaas. "Die meisten glauben, dass sie von vielen verschiedenen Seiten gefilmt werden, das stimmt nicht, wir haben mit einem Kunstgriff nur die Zeit elastisch gemacht." Wenn Cynthia die Bluse kauft, bekommt sie eine persönliche Kundenkarte, ebenfalls mit RF-ID-Funktion. Dort wird auch gespeichert, was sie nur probiert hat. Über die Website mit persönlichem Zugangscode kann sie jederzeit wie in einem Katalog bestellen. www.prada.com ist ebenso wie der Hightech-Shop selbst als reines Kundenbindungsinstrument konzipiert. Nicht global, sondern lokal ist Pradas Devise. Die gefilmten Peep-Shows aus den Kabinen werden übrigens in keiner Datenbank gespeichert. Viele New Yorkerinnen würde wohl selbst das nicht stören - Koolhaas' Epizentrum ist zurzeit die Sensation in Big Apple.

Information: Rem Koolhaas, Office for Metropolitan Architecture, Heer Bokelweg 149, NL-3032 AD Rotterdam, Telefon: +31/1024/38200, eMail: pr@oma.nl