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Das Zündholz-Komplott

Zu seinen besten Zeiten kontrollierte Ivar Kreuger fast zwei Drittel des weltweiten Streichholzmarktes. Zu seinen schlechtesten jagte er sich eine Kugel ins Herz. Oder war es Mord?




Dies ist eine Geschichte über die Suche nach der Wahrheit. Schwer zu sagen, ob sie im Fall des Industriemagnaten Ivar Kreuger je gefunden wird. Gut möglich, dass dieser Text kein Korn Wahrheit enthält. Denn jeder, der über die Affäre spricht, hätte mindestens einen guten Grund zu lügen.

Am 11. März 1932 gegen 17 Uhr

betritt ein Mann ein Waffengeschäft im Pariser Zentrum. Er lässt sich verschiedene halbautomatische Waffen vorführen und entscheidet sich dann für eine 9-Millimeter Browning. Dazu kauft er vier Patronenschachteln mit je 25 Schuss. Er nennt laut seinen Namen - Ivar Kreuger - und wird samt Adresse ins Verkaufsbuch eingetragen. Für den kommenden Vormittag ist Kreuger verabredet. Er soll Geschäftspartnern und Mitarbeitern Auskunft geben über Unregelmäßigkeiten. Einige seiner Sicherheiten für große laufende Kredite werden angezweifelt. Als der Chef nicht zum Treffen kommt, eilt Kreugers engster Mitarbeiter, Krister Littorin, zu dessen Wohnung in der Avenue Victor Emmanuel III Nr. 5. Die Haushälterin teilt mit, Monsieur ruhe noch. Der Besucher findet ihn voll angekleidet, auf der linken Seite des Doppelbetts im Schlafzimmer liegend, mit einer Browning in seiner leichenstarren linken Hand. Als sich Littorin über ihn beugt, fällt die Waffe auf das Bett. In Kreugers Brust befindet sich direkt über dem Herzen ein kleines Loch. Die Todeszeit wird auf etwa elf Uhr am 12. März bestimmt. Am Tag darauf hat jede Zeitung Europas, die etwas auf sich hält, den Selbstmord Kreugers auf der Titelseite.

In den Nachrufen nimmt die Welt Abschied von einem der größten Wirtschaftsgenies seiner Zeit. Aus seiner kleinen Konstruktionsfirma Kreuger & Toll schmiedete Bauingenieur Ivar Kreuger (gesprochen wie Krüger), geboren 1880 in Kalmar, einen weltumspannenden Trust, der 260 Fabriken und 75000 Mitarbeiter umfasste. Zum Schluss gehörten dazu: fast zwei Drittel der weltweiten Streichholzproduktion, Goldminen, Erzberg- und Verhüttungswerke, große Teile der schwedischen Papierindustrie samt den dazugehörigen Wäldern, teure Immobilien in einigen europäischen Hauptstädten und die Telefonfirma Ericsson. Kreuger war auch Kreditgeber für viele Staaten, zwischen 1925 und 1930 vergab er Staatsanleihen an 17 Länder in einer Höhe von rund einer halben Milliarde Dollar. Im Gegenzug ließ er sich das Zündholzmonopol garantieren. In Deutschland galt es bis 1983 - wer erinnert sich noch an die Welthölzer?

Zwei Tage nach Kreugers Tod hält der Ökonom John Maynard Keynes in der BBC eine Rede: "Hier hatten wir einen Mann, der vielleicht die größte konstruktive Finanzbegabung unserer Zeit besaß." Doch schon wenige Wochen später meldet die Mutter-Firma Kreuger & Toll Konkurs an. Die Zeitungen überschlagen sich mit immer neuen Gräuelgeschichten über den Zündholzkönig: Kreuger habe im großen Stil Bilanzen gefälscht, der Konzern sei nur ein gigantisches Kartenhaus gewesen. Kreuger-Land ist abgebrannt. Es ist eine Zeit, in der die Selbstmordrate Schwedens dramatisch in die Höhe schnellt. Viele Menschen verlieren ihr Erspartes, das sie in die als bombensicher geltenden Kreuger-Aktien gesteckt hatten. Gleichzeitig kommen viele schockierende Details über sein ausschweifendes Privatleben ans Tageslicht. Keine Obsession war ihm fremd: ein Spieler, ein Frauenverheizer, ein Masochist. Kreuger entpuppt sich als krankhafter Verschwender, der mit Diamanten nur so um sich warf und in unglaublichem Luxus lebte. Reporter aus aller Welt treten an zu einer Enthüllungsolympiade, und die Rekorde fallen im Stundentakt. Innerhalb kürzester Zeit demontieren sie den Mythos Kreuger. Der König der Schwindler hat sich selbst gerichtet, so sehen es auch heute noch die meisten Schweden.

70 Jahre später schüttelt Lars-Jonas Angström, Stockholmer Geschäftsmann im Ruhestand, mit leiser Verbitterung den Kopf. Seit gut 30 Jahren ist der 72-Jährige auf den Spuren Kreugers, hat sich durch hunderte Regalmeter Archivmaterial gefressen und zwei Bücher über den Fall geschrieben. Es stimme nicht ein Wort von dem, was damals geschrieben wurde. Angström sitzt zu Hause in seinem kleinen Haus im Stockholmer Vorort Ahlsten, kramt in Aktenmappen nach dem, was er für die Wahrheit hält, guckt streng und sagt:

"Es war Mord."

"Das könnte ich vor jedem Gericht der Welt beweisen!" Leider gibt es keinen Prozess. Er argumentiert mit Fakten, die er in den Übersetzungen der damaligen französischen Polizeiermittlungen gefunden hat und die nun im Stockholmer Stadtarchiv lagern. Die Originale sind in Paris verschwunden. In den schwedischen Abschriften wimmelt es nur so von Merkwürdigkeiten. Schon die Tatsache, dass Kreuger sich ins Herz geschossen hatte, ließ den Hobbydetektiv Angström stutzig werden: "So gehen nur zwei von hundert Selbstmördern vor. Üblicherweise schießen sie sich in den Kopf." Und: "In Schweden sind bislang überhaupt nur zwei Fälle bekannt, in denen die Pistole nicht vom starken Rückschlag aus der Hand geschleudert wurde." Zwei seltsame Zufälle. Das bestätigte ihm auch Vincent Lange, Ermittler im Mordfall des ehemaligen schwedischen Ministerpräsidenten Sven Olof Palme. Angström: " Der geht ebenfalls von Mord aus."

Dann war da noch die Sache mit den Patronen. Es wurden 97 Schuss Munition für die Browning gefunden. Diese Sorte halbautomatischer Pistolen saugt mit dem Schuss eine neue Patrone aus dem Magazin in den Lauf. Doch der Lauf der gefundenen Waffe war leer, nur im Magazin fand sich eine Patrone. "Wer hat sie da rausgeholt? Kreuger?" Die Waffe wurde erst in der linken Hand des Opfers gefunden und fiel dann herunter. Kreuger war Rechtshänder. An der linken Hand fehlte ihm die Spitze des Zeigefingers, der Rest war steif. "Kreuger konnte die Pistole nicht mit Druck vom Handballen auf die Rückseite des Griffs entsichern, wie man es bei der Browning macht, und gleichzeitig abziehen", wundert sich Angström. Seine Liste ist noch länger. Der Einschuss war zu klein für ein 9-Millimeter-Geschoss. Die Kugel selbst war nach Angaben des französischen Gerichtsmediziners weder am Rücken ausgetreten noch dort zu spüren. Außerdem fanden sich an der Innenseite der Kleidung nicht die üblichen Schmauch- und Gewebespuren, die auftreten, wenn die Pistole für einen Moment beim Nachladen wie ein Staubsauger funktioniert.

Angström blättert im Buch "Kriminalteknik 2", das er von einem Kommissar der Stockholmer Mordkommission geschenkt bekam. Und erzählt seine Version. Ein Mann, der sich Ivar Kreuger nannte, aber nicht Kreuger war, kaufte Waffe und Patronen; "Kreuger war zum Zeitpunkt des Kaufs in einer Sitzung." Dieser Mann dringt am nächsten Vormittag in die Wohnung ein, sticht Kreuger mit einer langen, schmalen Klinge ins Herz. Dann schießt er mit einer Platzpatrone auf die Wunde, um die äußerlichen Schmauchspuren anzubringen. Zu diesem Zeitpunkt gegen elf Uhr ist das Haus leer, er muss keine Zuhörer fürchten.

Der Mörder drückt dem Toten die Pistole in die Hand und entnimmt die zweite Platzpatrone aus dem Lauf. Auf einem Stapel Akten eine schriftliche Mitteilung an Littorin, die sich ausgezeichnet als Abschiedsbrief eignet: " Dear Krister, I have made such a mess of things, that I believe this to be the most satisfactory solution for everyone concerned." Dann verschwindet der Mörder.

Zu einem richtigen Mord gehört ein Motiv. Lars-Jonas Angström präsentiert eine breite Auswahl. Stalin hatte eins und ist immer ein guter Tipp. Kreuger hatte mit Russland wegen Krediten verhandelt, Stalin wollte aber unter keinen Umständen ein Zündholzmonopol zulassen. Die beiden überwarfen sich. Außerdem stabilisierte Kreuger mit seinen Krediten die brenzlige innenpolitische Situation in Frankreich (1927,75 Millionen Dollar) und Deutschland (1930,125 Millionen Dollar), was Stalin gar nicht in den Kram passte, denn der setzte große Hoffnungen in die Proletarier dieser Länder - einen ausreichend großen Leidensdruck vorausgesetzt. Dann war da noch das amerikanische Bankhaus J. P. Morgan, dem Kreuger kräftig in die Suppe spuckte. Schließlich bastelte er an einem weltweiten Stahl-Trust, ein Feld, das die Morgans besetzt hielten. Außerdem hatten sie Geld an Staaten verliehen, bevor Kreuger ihnen mit günstigeren Konditionen für die Schuldner das Geschärt verdarb. Und in Schweden bekamen die mächtigen Wallenbergs Angst, von Kreuger auf den zweiten Platz verwiesen zu werden. Jeder der Genannten hatte laut Angström Grund, sich über das Verschwinden Kreugers von der internationalen Wirtschaftsbühne zu freuen.

"Meine Theorie erklärt alle Merkwürdigkeiten der Ermittlungen. Wer Kreuger nun genau umgebracht hat, ist nicht von Bedeutung. Es war ein Auftragskiller, interessant sind die Leute, die hinter ihm standen." Warum Angström sich in der Rolle des Hercule Poirot gefällt, kann er selbst nicht genau sagen. Der Fall Kreuger hat ihn einfach magisch angezogen. Schon sein Vater zweifelte: "Der Fisch stinkt!" Außerdem gibt es da so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Angströms etwas Besonderes in ihrem Leben machen müssen. Der Urgroßvater war Astrophysiker, nach ihm wurde die Einheit zur Messung von Lichtwellenlängen benannt. Der Vater war Flugpionier in Frankreich und baute das erste schwedische Zivil-Flugzeug. Sohn Lars ist der bekannteste Politiker bei den schwedischen Grünen, ein gerürchteter Rhetoriker. Lars-Jonas selbst hat bisher vor allem als findiger Geschäftsmann Geld gemacht und unter anderem eine neue Art von Flugleitsystem entwickelt, das in den USA zum Standard geworden ist. Aber Geld ist eben nicht alles. Und gibt es etwas Langweiligeres als von Zinsen zu leben?

Wäre damals am Tag vor Kreugers Einäscherung eine Obduktion durchgeführt worden, dann müsste Angström nicht ein Puzzle lösen, ohne das Bild zu kennen. Dann gäbe es Gewissheit auch für Eva Dyrssen. Die 92-jährige Dame, noch sehr rüstig, blickt aus dem Fenster ihrer kleinen Wohnung in Stockholms besserem Viertel Norrholm und denkt zurück. Sie erinnert sich kristallklar an den Tag, als Gerichtsmediziner Erik Karlmark gerade von einem ersten Blick auf die Leiche kam und sich vor die Familie stellte, mit dabei auch Ivars Nichte Eva. Er sagte: "Das ist kein Selbstmord. Es ist ein geschickt arrangierter Mord!" Dieser Satz rumort seither in ihrem Kopf: Es ist Mord. Doch die Obduktion wurde noch am selben Tag vom Stockholmer Regierungspräsidenten untersagt - obwohl nicht nur die Familie sie forderte, sondern sie auch von der Polizei in Paris und Stockholm empfohlen worden war. So blieb es offiziell beim Suizid.

Die Kreugers erholten sich nur schwer von der Tragödie: "Diese große Schande lastete auf uns allen. Gute Bekannte wechselten plötzlich die Straßenseite, wenn sie uns entgegenkamen. Meine Eltern blieben nur noch zu Hause, saßen da und weinten." Eva Dyrssen hingegen hatte ihr ganzes Leben noch vor sich und genügend Energie, etwas daraus zu machen. Ihre eigenen Freunde waren jung und loyal. Sie war später in ihrem Beruf sehr erfolgreich und gilt heute noch als weltweit führende Spezialistin für historische Kronleuchter. Ihr zweiter Mann gehörte der schwedischen Delegation im Internationalen Olympischen Komitee an, mit ihm reiste sie um die ganze Welt. Eva blickt zufrieden zurück auf ihr Leben, das nach dem Skandal neu begann. Aber die Vergangenheit kehrt zurück, täglich ein bisschen mehr.

Das Interesse an Kreuger-Informationen aus erster Hand hat sich deutlich gesteigert, sagt sie: "Jede Woche meldet sich jemand und will wissen, wie es damals wirklich war." Die Erinnerungen wühlen Eva Dyrssen auf. Sie sucht nach einem handgeschriebenen Zettel mit Notizen und findet ihn auch nach einigem Hin und Her. Sie liest vor, unter anderem: "Zum Zeitpunkt des Konkurses war Kreuger & Toll ein gesundes Unternehmen." Sie glaubt, dass der Bankrott mutwillig herbeigeführt wurde, dass alles ein abgekartetes Spiel war, dass die bösen Geschichten über ihren Onkel alle erlogen waren. Eva denkt dabei nicht nur an die eigenen Verluste: "Der Crash hat Hunderttausende in Armut und Agonie getrieben." Schwer zu sagen, wie lange sie leben muss, bis sie ihr erklärtes Ziel erreicht hat, den guten Ruf der Kreugers wiederherzustellen. Ihre Zeit wird langsam knapp, jede Woche muss sie sich von alten Freunden und Bekannten verabschieden. Erst gestern war sie wieder auf dem Stockholmer Nordfriedhof, erzählt sie. Sie hat die letzte Ruhestätte ihres Onkels besucht und frische Blumen vorbeigebracht. Es sagt einiges über das Trauma der Kreugers aus, dass es bis vor zwei Jahren auf dem rund 30 Quadratmeter großen Familiengrab nur kurz geschorenen Rasen gab und keinen Grabstein. Man hatte Angst vor Schändungen.

Nicht jeden, der heute über Kreuger nachdenkt, interessiert die Mordfrage.

"Sagen wir einfach, er ist gestorben."

"Das steht ja wenigstens fest", sagt Sven Olof Arlebäck, Unternehmensberater im Ruhestand. Der 71-Jährige hat in mehr als 30 Unternehmen Südschwedens im Aufsichtsrat gesessen, nun ist sein bevorzugtes Sitzmöbel, der schwarze Ledersessel, in seinem privaten Büro. Arlebäck wohnt im Malmöer Villen-Vorort Limhamn. Seit er Rentner ist, will Arlebäck nur noch Spaß haben. Tatsächlich könnte man den Mann mit der knolligen Nase und den buschigen Augenbrauen problemlos auf Clown schminken.

Spaß haben, das heißt für ihn: über Ivar Kreuger forschen. Schon als Student der Betriebswirtschaft schrieb er einen Text, den Ivars Bruder Thorsten las. Der ermutigte ihn, am Ball zu bleiben. Ein halbes Jahrhundert später legt Arlebäck ein ganzes Buch vor: "Der Kreuger-Crash: Ein Werk der Großbanken?" Arlebäck nennt sein Buch ganz unbescheiden "die erste professionelle Analyse der Geschehnisse, die auf den Tod Kreugers folgten", Er ackerte sich im Reichsarchiv durch Geschäftsunterlagen der Kreuger-Firmen und las Notizen und Memoiren der damals Beteiligten. Er ist sich nun sicher, dass Kreuger & Toll zu Unrecht in Konkurs ging: "Zum ersten Mal konnten die großen Kreditgeber Kreugers einen Blick auf den tatsächlichen Zustand seines Konzerns werfen. Er war konsolidiert, von momentanen Liquiditätsschwierigkeiten abgesehen. Dann plünderten sie ihn."

Arlebäcks Buch hat keine hohe Auflage, dafür ist die Materie zu trocken. Doch die rund 2000 verkauften Exemplare richten sich ohnehin an Fachleute. "Die Meinung des breiten Publikums über Kreuger kann man nicht mehr ändern. Ich will damit Wirtschaftswissenschaftler erreichen." Das ist ihm gelungen. Der Stockholmer Wirtschaftswissenschaftler Hakan Lindgren, der in den achtziger Jahren selbst über Kreuger forschte, hält Arlebäck für einen " vertrauenswürdigen Kerl". Arlebäck ist wahrscheinlich der Erste, der völlig unabhängig arbeitete. Bis dato wurde ein großer Teil der Forschungen durch den Wallenberg-Clan finanziert. " Und der hat sich über seine Stockholms Enskilda Bank (SEB) einen großen Teil der Kreuger-Firmen eingesteckt."

Wenige Tage nach Kreugers Tod trat eine Königliche Kommission an, um die Lage von Kreuger & Toll zu beurteilen. Darin saßen Vertreter der drei größten Kreditgeber. Sofort drangen die unglaublichsten Details über Missmanagement und Fälschungen nach außen, die meisten davon selbst Fälschungen, sagt Arlebäck. " Die Bankvertreter, allen voran die Wallenbergs, drückten die Bewertungen weit nach unten. Kreugers Mutterkonzem ging Pleite, die Banken übernahmen die intakten Firmen zu Preisen, die sie selbst diktierten." Die Banken hätten nicht eine Krone ihrer Sicherheiten verloren, im Gegenteil, sagt auch Hakan Lindgren: "Die ehemaligen Kreuger-Firmen zählen heute zu den Säulen der schwedischen Exportindustrie."

Gut, dass Arlebäck die Arbeit mit den Großbanken erledigt hat - hier muss Lars-Jonas Angström nicht mehr wühlen. Vielleicht bringt ihm das ein bisschen freie Zeit auf seinem kleinen Gutshof in Nordschweden. Er erholt sich dort gern beim Holzhacken vom Detektivspiel, dabei kommen ihm immer die besten Ideen. Vor kurzem hatte er dort zwischen zwei zerlegten Festmetern den Einfall, im schwedischen Fernmeldemuseum nach alten Telegrammen zu suchen. Ein Volltreffer. Dort schlummern 1500 Stück, die die Aktienverkäufe jener Zeit nachzeichnen -jungfräuliches Aktenmaterial. Manche Telegramme sind nur als Sendeprotokolle archiviert, Angström muss sie von Morsezeichen in Buchstaben übersetzen. Die meisten Telegramme liegen in damals oft verwendeten Codes vor, so dauert die Übertragung pro Telegramm gut zwei Stunden - von wegen Freizeit! Da wird wieder viel Schmutz ans Tageslicht kommen. Eines verrät der Hobbydetektiv schon jetzt: "Es gab kurz vor und nach dem Tod große Börsenbewegungen gegen Kreuger, ein Teil davon ganz klar illegal. Kreugers Gegner hätten bei ihren Baisse-Spekulationen viel verloren, und er kannte sie genau. Manche wären im Gefängnis gelandet. Ist das nicht Grund genug, ihn umzubringen?" Aber das ist eine andere Geschichte, sie soll in Angströms drittem Kreuger-Buch ausführlich behandelt werden.

Die Suche nach Wahrheit, sie endet nie. Da tröstet, was 1932 der Berliner Reporter Manfred Georg schrieb: " Von Ivar Kreuger steht bisher eigentlich nur eines fest - dass er leidenschaftlich Maiglöckchen liebte ..."