Partner von
Partner von

Steh mir bei!

Sterne, Software, Seelenklempner: Auf wessen Einflüsterungen hören Manager? Ein Streifzug durch vier Abteilungen des Kaufhauses für Entscheidungshilfen.




----- Die Fugger wussten, wie man eine strategische Personalentscheidung einfädelt. Der gerissenste Manager aus der mittelalterlichen Augsburger Kaufmannsdynastie, Jakob der Reiche, beherrschte das Spiel sogar auf europäischer Ebene: Als 1519 das Heilige Römische Reich Deutscher Nation führungslos war, wollte Jakob Fugger bei der anstehenden Kaiserwahl gern den Habsburger Karl I gewinnen sehen - immerhin stand die Familie Karls bei den Fuggern noch geschäftlich in der Kreide, und, so das

Kalkül, wenn der Habsburger die Wahl gewänne, könnte Fugger endlich sein Geld zurückbekommen und vielleicht noch die eine oder andere Vergünstigung dazu. Leider favorisierte das Wahlkollegium der sieben deutschen Kurfürsten den französischen Regenten Franz I. Doch überraschend gelang es dem Kandidaten Karl in letzter Minute, die Fürsten für sich einzunehmen. Und wie es sich ergab, erhielt der Kaufmann Jakob wenig später vom neuen Kaiser Karl Zugang zu den spanischen Quecksilber-Minen in Almaden. Was erst Historiker berichten können, ohne geköpft zu werden: 852000 Gulden, zwei Drittel davon aus der Schatulle Jakob Fuggers, hatten den Wahlmännern als Entscheidungshilfe gedient.

Nicht immer ist Geld zur Hand, das wie bei einer Kaiserwahl, einer Olympia-Kandidatur oder der Bewerbung um eine Fußball-WM den Ausschlag geben könnte. Und nur selten verfügen moderne Entscheider über die Chuzpe eines Jakob Fugger, im komplexen Marktgeschehen allein die richtigen Weichen zu stellen. Das ernährt ganze Heerscharen von Beratern und Helfern. So ziemlich alle Mächte zwischen Himmel und Erde, Magie und Wissenschart werden von Managern angerufen, um nur eines nicht zu produzieren: die finale, unumkehrbare Karriere-Killer-Fehlentscheidung. Im Kaufhaus für Entscheidungshilfen gibt e;

nichts, was es nicht gibt. Wem das eine oder andere Schnäppchen ein wenig unseriös vorkommt, der sollte nicht zu kritisch sein: Möglicherweise verdankt er den eigenen Arbeitsplatz der Tatsache, dass sich sein Chef bei der letzten Expansions-Entscheidung gut beraten fühlte und deshalb ausreichend wohl in seiner Haut, um einen mutigen Schritt ins Ungewisse zu wagen.

Dachgeschoss: höhere Mächte

Am 24. Juni 1952 erschien in Hamburg erstmals die " Bild"-Zeitung. Die Startauflage von 455 000 Exemplaren war optimistisch, doch was sollte schon schief gehen? Dem Zufall hatte Axel Springer jedenfalls nichts überlassen. Selbst "den angeblich günstigen Starttermin", so erinnert sich der ehemalige " Bild"-Redaktionsdirektor und "Welt" -Chefredakteur Claus Jacobi, "hatte eine Astrologin ausgerechnet". Doch das nützte nichts: Die Auflage dümpelte bei mageren 200000 verkauften Exemplaren. Bereits

im zweiten Jahr war das Blatt reif für einen Relaunch. Die planetarische Konstellationen war offenbar doch nicht so günstig gewesen. Zumindest auf kurze Sicht. Langfristig erwies sich das

Gründungsdatum doch noch als gutes Omen. Ein halbes Jahrhundert später, am 24. Juni 2002, verkauft Europas größte Tageszeitung vier Millionen Exemplare, die von elf Millionen Menschen gelesen werden. Danke, Sterne!

Man hätte vielleicht auch in Frankfurt mal zum Abendhimmel schauen sollen. "Die Fusion von Deutscher und Dresdner Bank musste scheitern. Bei rückläufigem Merkur funktioniert das

nicht!" - Uwe M. Kraus, Wirtschafts-Astrologe in Bad Camberg, bietet kosmische Entscheidungs-Unterstützung. Allerdings: "Wenn Sie das jetzt ins Lächerliche ziehen, sage ich gar nichts mehr!" Wer es nicht ins Lächerliche zieht, erfährt: Merkur ist der Handels- und Kommunikationsplanet. Wenn der - mehrmals im Jahr - von der Erde aus gesehen scheinbar rückwärts läuft: Finger weg von Investitionen und Fusionen! Kraus, der zu seinen Kunden "Selbstständige wie Großaktionäre" zählt, sagt: "Manager gehen

nur scheinbar rein sachlich vor, in Wirklichkeit sind auch sie stark von Emotionen und vom Unterbewusstsein gesteuert. Und beides wiederum hängt stark von den Planeten ab, angefangen bei der Mondphase." Die Astrologie sei die einzige Entscheidungshilfe, die exakt datumsbezogene Empfehlungen gebe, denn Kraus' Horoskope sind auf den Geburtszeitpunkt des Fragestellers sowie Tag und Stunde der fraglichen Entscheidung zugeschnitten. Kostenpunkt: ein einfaches Grundhoroskop ab 100 Euro plus Mehrwertsteuer, komplexere Anfragen nach Absprache. Gratis hat Kraus folgende Prophezeiung im Angebot: Schröder bleibt Bundeskanzler, und leider bleibt auch "die Wirtschaftslage schwierig". Mindestens bis Ende des Jahrzehnts. Das hat irgendetwas mit Pluto zu tun, was nur Eingeweihte begreifen.

Ein "Fax vom Himmel" bekomme er zwar nicht, wenn er eine Personalentscheidung treffen müsse, sagt Klaus Beyer. Doch auch der Abteilungsleiter im Kölner Gerling-Konzern steht mit höheren Mächten im Bunde. Dabei ist nichts Esoterisches an dem Mann, der "auch Disziplinarvorgesetzter für zehn Mitarbeiter" sowie zuständig für Dokumentation und Vertragsgestaltung im globalen Rückversicherungsgeschäft ist. Beyer ist praktizierender Christ in der evangelischen Rheinischen Landeskirche. Der Familienvater sucht auch im Manager-Alltag nach "Klarheit und Wahrheit", versucht Lavieren und Um-den-heißen-Brei-Reden gegenüber Kunden und Kollegen zu vermeiden. Sein Ratgeber ist das Neue Testament, das er stets in der Aktentasche trägt und in der Straßenbahn liest. Beyer, als Laie ordinierter Predigthelfer, steigt an Wochenenden schon mal auf die Kanzel. Seine Botschaft: "Religion ist auch etwas für Montagmorgen im Büro!" Die Bibel sei bei Entscheidungen das, "was die Leitplanke auf der Autobahn ist": Sie gebe den Rahmen vor, entbinde aber nicht von der eigenen Verantwortung. Bibelstellen über eitle Lügen und Gottes Zorn darüber lehren Beyer, "die Maske des Perfekten fallen zu lassen, sich angreifbar machen zu können, Schwächen einzuräumen". Hat er keine Angst, dass Kunden und Vorgesetzte das anders sehen? Gott sorge bisweilen für überraschende Reaktionen, sagt Beyer. "Kunden kommen mir geschäftlich plötzlich auf halbem Weg entgegen. So schickt der Himmel doch ab und zu ein Fax."

Zweiter Stock: Vorsprung durch Technik

Sehr viel irdischere Handreichungen gibt es von den Machern der kostenlosen "Competence Site" im Internet. Dieses Geschäftsmodell geht von der Prämisse aus, dass Management-Entscheidungen auf Kompetenz, also möglichst massierter Information zum jeweiligen Gegenstand beruhen sollten. Deshalb verlinkt die Competence Site im Internet Entscheider und Experten, Datenbasen und Meinungsforen, um ein Management-Problem von möglichst vielen Seiten beleuchten zu lassen, bevor es zur Entscheidung kommt. Gesammelt werden Wissens- und Meinungsbeiträge von hunderten Experten auf Gebieten wie Marketing, Personal, IT, eBusiness und Recht.

Marita Rupprecht, Vorstand beim Competence-Betreiber NetSkill AG in Düsseldorf, gibt ein Beispiel: "Ein IT-Leiter fragt sich, welche Software er für das Kundenbeziehungsmanagement einführen soll. Er loggt sich in das IT-Center ein, findet dort Fachartikel, Anbieter, Pressemitteilungen, Schulungen und im Forum die Meinungen anderer Nutzer, mit denen er kommunizieren kann." In einem zweiten - kostenpflichtigen - Unternehmensbereich greift das NetSkill-Team auch selbst in den Entscheidungsprozess ein: Beim so genannten Competence-Chain-Management spinnt NetSkill die Kommunikationsfäden, etwa zwischen Lieferanten, Herstellern und deren Kunden. So lässt sich, laut Rupprecht, Erfahrungsaustausch innerhalb weniger Tage herstellen: "Wir liefern das Know-how der Vernetzung. Und weil Netzwerke nicht von selbst lebendig bleiben, pflegen wir sie auch."

Einen anderen Weg, digitale Technik und den Faktor Mensch zu einem Allround-Werkzeug für Entscheider zu verschmelzen, geht das Dresdner Institut für Entscheidungsanalyse. Genau genommen besteht die klangvolle Institution zurzeit nur aus

Guido Weißhahn, einem 32-jähngen Diplom-Psychologen. Die Entscheidungsanalyse wurde in den fünfziger Jahren in den USA entwickelt und soll Entscheidungen mittels mathematischer Matrizen auf eine möglichst rationale Basis stellen. Auf Weißhahns Website lassen sich einige Werkzeuge herunterladen, die im Prinzip so funktionieren: Auf der einen Achse werden die Alternativen eingetragen, auf der anderen die für die Entscheidung relevanten Argumente. Die erhalten je nach Dringlichkeit noch Gewichtungs-Multiplikatoren, und - zack! - errechnet das Programm die optimale Entscheidung.

Leider steckt in vielen Entscheidungsproblemen eine Unzahl subjektiver Kriterien, die sich nicht logisch gewichten lassen. Da kommt der Psychologe ins Spiel: Auf der Basis einer Matrix-Strukturierung des Problems, das ein Internet-User für 29 Euro an seine " Soforthilfe-Entscheidungsberatung" übermittelt hat, wird Weißhahn aktiv. Etwa, als eine Apothekerin wissen wollte, welche ihrer zwölf Beschäftigten sie zwecks Kostensenkung entlassen solle. Weil die Internet-Analyse allein nicht funktionierte, nahm der Psychologe gegen Extrahonorar vor Ort auch die "weichen" Faktoren unter die Lupe: Welche Mitarbeiter würden freiwillig mehr arbeiten? Welche können nicht miteinander? Wer ist unersetzlich? Am Schluss ergänzten sich mathematische Logik und menschliches Ermessen - zwei Kollegen flogen raus, einer arbeitet seither länger.

Erster Stock: begnadete Berater

Wer das alles noch für viel zu spröde hält, findet anderswo Hilfe, bei der es richtig menschelt. Da wäre zum Beispiel der selbstständige Unternehmensberater Walter Eisele aus Bad Lippspringe. Eisele und seine Frau geben "Zukunfts-Energie für den Mittel stand", und zwar als "ganzheitliches Programm in sechs Modulen". Es dauert bis zu drei Jahren und kostet komplett rund 20000 Euro - Coaching per eMail und Telefon inklusive. Da ist dann aber auch alles drin: Neuausrichtung der Unternehmensstrategie, der Marktforschung, der Kundenkommunikation und Mitarbeitermotivation, Optimierung der Finanzstrukturen. Und Modul 6, bei dem der Mittelständler unter anderem lernt, "sich jeder-