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Die Unentschiedenen

Da draußen ist die ganze Welt. So groß, so unüberschaubar. Es gäbe dort so viel zu tun. Zu viel. Da bleiben sie lieber zu Hause. Die Schiffbrüchigen im Meer der Möglichkeiten. Und ertrinken langsam. In der Freiheit.




I. Anika

----- Das Foto zeigt sie mit aneinander gepressten Beinen. So steht sie da, inmitten des Raumes, patzig, die Arme auf dem Bauch verschrankt, in ihrem engen grau-rosa Woll-Mini mit schwarzen Applikationen: Anika. Am Ende ihres rechten Armes hängt die brennende Zigarette wie eine Prothese. Der Rauch bildet ihren braunen Schöpf als schwachblaue Fahne nach. Ihre Aura ist struppig und zerrupft.

Als ich das Foto machte, es war sieben Uhr morgens, sollte sie eine Maßnahme antreten, wie es hieß. Ihr Gesicht sah aus, als wäre ein Kopfkissen eingearbeitet; zerknautscht und gefaltet. Müde, supermüde stand sie da, mucksch wie ein dreijähriges Kind, das man zum Essen hereingerufen hatte, obwohl es spielen wollte. " Unverschämt!", schien sie in ihrem Schweigen zu rufen.

Sie ist ungelogen seit 15 Jahren arbeitslos. Sie hat ein Abo darauf, mit kleinen Unterbrechungen, Praktika und anderen, immer wieder neuen Versuchsanordnungen. Jetzt ist es wieder so weit: Ihr Arbeitsvermittler, mit dem sie ein platonisches Liebesverhältnis pflegt, ihn in erotische Dauerspannung versetzt, eine Art Trance, hat ihr, um seinen Schuldgefühlen zu entgehen, einen neuen Krater gezeigt, in dem sie sich versenken soll. Nur für ein paar Wochen.

Maßnahme - das ist eine zweimonatige Testphase, die etwas zeigen soll. Ob sie noch früh aufstehen könne, konzentriert an einer Sache arbeiten oder sonstwie tauglich sei für die tägliche

Tretmühle. Das wollte man herausfinden. Am besten vor einem Computer.

Neben ihr kannte ich noch weitere Menschen, deren Leben daraus bestand, stets auf dem letzten Stand dessen zu sein, was die Arbeitsämter berufsperspektivisch als zukunftsträchtig und viel versprechend ansahen. So wie in den Siebzigern Arbeitslose zu Sozialarbeitern umgeschult wurden, überschätzte man in den Achtzigern den Mangel an Programmierern, in den Neunzigern an Web-Desigern und neuerdings den Mangel an Selbstständigen, denen das Amt nun zu einer Existenzgründung verhelfen will.

Diesen, meinen vier Freunden, war im Wesentlichen eines eins: dass sie keinen eigenen Willen besaßen oder diesen nicht so weit ausformen konnten, dass daraus ein Leben wurde. Eines, das nach halbwegs eigenen Maßstäben hätte funktionieren können. Anika, Loni, Wolfhardt und Urs waren viel beschäftigte Alleskönner, die aus ihren Hunderten von Talenten keine einzige 35-Stunden-Woche basteln konnten. Oder wollten. Sie waren einfach zu beschäftigt mit dem Verdrängen, dass sie am Leben waren. Eigentlich fehlte ihnen der Glaube an sich selbst. Eine weit verbreitete Angelegenheit mit Riesen-Grauzone und großer, einleuchtender Dunkelziffer.

"Man denke nur an all die Angestellten. Ohne Chef und Betriebsanbindung ist doch die Hälfte selbstbewusstseinstechnisch am Ende", maulte Anika und führte die glühende Prothese ein. >

II. Loni

Zum Beispiel Loni: Hatte sie es nach diversen Kursen und Ausbildungen geschafft, dank einer schriftlichen Bewerbung zum Gespräch eingeladen zu werden, hatte man sie in die engere Wahl gezogen, wie man einen Fisch aus dem Wasser zieht, hyperventilierte sie vor lauter Angst, dem Job nicht gewachsen zu sein, nahm tagelang den Telefonhörer nicht ab, verweigerte die Öffnung des Briefkastens und verkroch sich unterm Sofa. Dort erzählte sie, dass sie in dieser Stadt ohnehin nicht bleiben wolle, der Job eh nix für sie sei, dass sie die Branche satt hätte und sie sich überhaupt nach ihrer Heimatstadt sehne, weil: Die Leute hier seien alle so kalt und unpersönlich. Sie erzählte von ihrem neuerlichen Vorhaben, nach Ecuador auszuwandern, wo sie einen Mann kannte, mit dem sie einen Laden aufmachen wollte, in dem T-Shirts bedruckt werden sollten. Kaffeetassen, Radiergummis und Mousepads vielleicht auch.

Und dann, die Illusion hallte nicht einmal nach, überkam sie zwei Stunden später der fast schon dauerhafte Mut, sich noch einmal, am besten barfuß, auf einen anderen Berufsweg zu begeben. Sie beschloss, dass die Arbeit an einem Schalter oder am Empfang doch mehr geeignet für sie sei. Nach der Bewerbung sowie der Vorstellung für eine solche Position und dem Absolvieren eines Kurses zur Auffrischung der Englisch-Kenntnisse fehlten ihr dann aber die Aufstiegsmöglichkeiten. "Die Bezahlung..., die war ja doch mehr als mäßig...", erklärte sie derangiert. "Ich bin zu flüchtig, zu austauschbar, um mich für überhaupt irgendwas zu entscheiden, geschweige denn für ein einzelnes Won", sagte sie, als sei das ganz normal, und setzte den Kopf schief auf ihren Schultern ab, dass der Halsmuskel knarrte.

All die Möglichkeiten, die ihr der heutige Tag eröffnen sollte, wie zum Beispiel Marc treffen, Kontakte machen für das Eröffnungs-Event im neuen Laden von Tim, sich vorstellen in der Barbarossa-Bar, anrufen bei Mühsam und Kino mit Inge wurden zugunsten einer sich frei anfühlenden Unentschlossenheit fallen gelassen. Sie sagte alles ab, um sich sodann ins Bett zu legen und ihren Depressionen Auslauf zu verschaffen. Oder dem, was sie dafür hielt: weniger Trägheit als Angst, etwas falsch zu machen. "Ohne diese Möglichkeit zur Depression fühle ich mich wie eine Horde eingesperrter Pferde." Nur die Depressionen hielten sie wach für sich selbst und ließen sie Kontakt aufnehmen zu ihren Gefühlen, die sich im Gewühl der Stunden potenzierten, zu Stress, Schmerz und seelischen Sollbruchstellen. Sie habe keine Lust mehr, alles und nichts zu sein. Sie sehne sich nach einer Heimat, einem Ort, einer Ich-AG, in der sie nur für sich allein arbeite. Der sie aber nicht angehöre.

Also... es half nichts. Loni, ausgewiesene Modetrend-Mitmacherin, Fashion Fellow, Follower, Addict, wagte sich nach vielen Wochen der Depression, in denen sie komplett im Bett blieb, doch noch einmal, zweimal, dreimal an ihren großen Wunschtraum, Drehbuchautorin zu werden. Sie wollte für das Femsehen Folgen entwickeln, die sich in diverse TV-Serien einpassten, wie fehlende Teile im Puzzle.

Kommissar Rex... da überfiel sie doch die Idee, der Hund könne sich in eine oder mehrere Hundedamen verlieben. Daraus ergäben sich neue Perspektiven für kriminelle Aktivitäten. Schäferhund-Besitzer seien ohnehin fiese Typen, meinte sie regelwidrig. Oder sie arbeitete Kriminalgeschichten für die ARD mit obsessiven pornografischen Darstellungen aus, beschrieb Karteikarten, malte Beziehungsstrukturen, Dreiecke,* Pentagramme, entwickelte in vielen fiebrig durchgearbeiteten Nächten etwaige Charaktere und Handlungsstränge, mit denen sie sich schließlich selbst er- oder zumindest abwürgte.

Tage später beschloss sie, ein Studium an der Kunsthochschule zu beginnen. "Freie Malerei. Um noch ein paar schöne Jahre zu haben", sagte sie mit Nachdruck und guckte mich dabei fragend an, als wolle sie an meinem Gesichtsausdruck die Brauchbarkeit ihrer Idee ablesen. "Oder ich mach' ein Praktikum bei der Augsburger Puppenkiste", ergänzte sie schnell, bevor ich etwas sagen konnte. Gratwanderungen durch die dunkelste Nacht. Im monatlichen Turnus.

III. Wolfhardt

Wolfhardt ist ausgewiesener Connaisseur, Weinkenner und beflissentlich kulturell interessiert, wie das unter akademischen Arbeitslosen fast schon üblich ist. Wer sonst hat so viel Zeit und Muße, sich den vielen Romanen, Kinofilmen, Konzerten und Veranstaltungen zu widmen, als diejenigen, deren Köpfe Kosmen der Imagination und rauschende Fantasieflüsse beherbergen?! Virtuelle Multimillionäre der ungenutzten, aber umso besser vorstellbaren Möglichkeiten. Arbeitslose, Säulen unserer Kultur.

Geht es anderen schlicht ums Geldverdienen (und -ausgeben), suchen (Langzeit-)Arbeitslose in erster Linie eine Identität, die ihnen verloren ging. Meist schon in der Kindheit. Als möchte man sich mit dem einen, meist unerreichbaren Job oder Prinzen von Beruf identifizieren können, darin aufgehen, in sich geschlossen bleibend, diesen Beruf ausfüllen und von ihm ausgefüllt werden. Als strebte man eine Deckungsgleichheit an, die seinesgleichen sucht, aber nicht findet. Eine unendliche Geschichte.

Man hat da ein Ideal-Ich in der Reisetasche, das nichts mit der Realität zu tun haben möchte und lieber im Vagen bleibt, um sich alle Möglichkeiten offen zu halten.

Wolfhardt trägt zwei kleine Haarbüschel an den Seiten seines Schädels, die ihn in die nähere Verwandtschart zu einem prominenten Teufelchen rücken, dem Sänger der Elektro-Punkband The Prodigy. Wolfhardts Vergangenheit ist ein versteckter Track auf einer ungebrannten CD. Dafür kennt er sich aus in den Städten dieser Republik, stolziert durch die Einkaufszentren, Museen und Filmotheken des Landes. Er ist ein Freund der russischen Erzähler des 19. Jahrhunderts, und ebenso ausschweifend und detailgetreu berichtet er stundenlang und heißohrig am Telefon von Eindrücken und Assoziationen.

"Ich muss die Dinge nicht besitzen. Es reicht mir, wenn ich sie sehe und an ihnen teilhaben kann." Ein Superstar immaterieller Inbesitznahme. Er abonniert Zeitschriften für Möbelklassiker und architektonisch Aufsehen erregende Häuser, genießt einen guten Tropfen und edle Speisen. Er ist unterwegs in ein Berufsgebiet, das ihn innerhalb eines halben Jahres zum Multimillionär machen soll. Er möchte es zumindest so. Und immer wenn sich Mäuse durch die Decke seiner Wohnungen nagen, wechselt er die Behausung.

Gelegentlich steckt ihm sein Vater etwas zu. Inzwischen kann er das Geld ebenso annehmen wie seine Eltern. Das hat lange gedauert und ist sicherlich auch einer der Gründe, warum sein Berufsbild sich im Sittengemälde der oberen Zehntausend einfindet. Er ist Kenner der zeitgenössischen Musikszene und ein angenehmer Zeitgenosse. Arbeitslosigkeit würde man in seinem knitterfreien olivgrünen Anzug nicht vermuten. Er ist ein "Weltenbürger", so sagt er selbst von sich. Dass seine Freundinnen potenziell sind und man nur den Hauch einer Beziehung zu ihnen ausmachen kann, passt zu seiner Erscheinung. Die Frauen, die er kennt - und es sind derer viele -, gehen mit ihm aus. Und er ist ganz Galan, verbleibt im Angedeuteten.

Dass er sich mit seiner letzten Kreation in die Nesseln gesetzt hat, hindert ihn nicht, auch noch ein zweites, drittes und viertes Mal den Weg in die Selbstständigkeit zu suchen, und es tut seinem großmännischem Verhalten keinen Abbruch. Seine Ansprüche Jedenfalls wachsen, wie auch die anderer dieser Job-Chamäleons. Jeder, der einmal 10 bis 50 Jahre durchgearbeitet hat, weiß, wie sich das Leben dadurch relativieren kann. Langzeitarbeitslose aber haben in dieser Hinsicht die prallsten Fehlvorstellungen. Andererseits sind sie die wahren Träumer, die wenigstens im Schlaf alles fordern können.

Vor einiger Zeit machte sich Wolfhardt als Ein-Mann-Gestaltungsbüro und Branding-Experte selbstständig und geriet dabei zwischen die Räder des Kapitalismus. Eine Masseuse nahm seine Dienste für ihren neuen Salon in Anspruch und ließ mit der Zahlung auf sich warten. Sie bot ihm stattdessen ein Essen und drei kostenlose Behandlungen an. Ihre Kollegin ließ sich ebenfalls beraten und zahlte auch mit Massagen. Die Kollegin der Kollegin wollte mit einer Intimbereichs-Massage seine Dienste quittieren. Ein Teufelchenkreis. Wolfhardt entschied sich, das Fach zu >

wechseln, und stellte nach sechs Monaten, in denen er 3000 Mark verdient hatte, seinen Betrieb ein, um eine weitere vom Arbeitsamt gesponserte Maßnahme zur Existenzgründung in Anspruch zu nehmen. Das allerdings löste in ihm eine lang anhaltende Depression und Ratlosigkeit aus. Vielleicht wird er Berater für die Anschaffung von High-End-Stereoanlagen, privater Reiseführer oder betätigt sich als männlicher Escort-Service. Man darf gespannt sein.

IV.Urs

Urs trägt eine hellbraune Cordjeans-Jacke, Halbglatze, Monster-Koteletten und Schuhe in Größe 46. Er erzählt mir, dass er seit neuestem auch arbeitslos ist. Das große Redaktionssterben in den Medienzentren, headlinete er. Eigentlich habe er seine Vergangenheit und wie er sich über und unter Wasser gehalten habe, immer sofort gelöscht. Den abgebrochenen Jura-Studenten, den Musiker in einer Hamburger Band und dann, nebenbei, wie er sich ausdrückte, den Funkfem-Droschkenfahrer. Das habe er immer schnell vergessen. So wie das Tapezieren, hier und da. Nun aber schien ihn alles einzuholen.

Er habe ein neues Job-Mix-Modell ausprobiert, aber es habe nicht funktioniert, diese Mischung aus Gay-Telefonservice, Pizzafahrer und gelegentlichen DJ-Aktivitäten. Ihm fehlten jeden Monat 800 Mark, egal, wie viel er gearbeitet oder verdient habe. "Ich habe anschließend", fuhrwerkte er fort, "mit drei Freunden ein neues Unternehmen gegründet. Eine Event-Agentur mit Partyservice, Künstler-Vermittlung, P.A.-Verleih, Dichterlesungen, Kleinkonzerten, Moderatorvermietung, Escort-Service, gelegentlichen Einsätzen im Handwerkerbereich, Handlesen und Tarot-Kartenlege- oder Ticketabreiß-Service."

"Diesmal klappt's, dachten wir. Jeder macht alles und das Ganze im Rotationsverfahren. Bei uns ging's richtig rund, der Laden brummte. Aber dann kam die Einkommenssteuer, und wir mussten Konkurs anmelden." An einem schönen Sommertag, auf einem Spaziergang, wäre er einfach ins Arbeitsamt gegangen, wo in seiner Zone außer ihm untypischerweise nur eine alte Frau mit einem Hund saß. Als er vor seinem Arbeitsvermittler den Bogen ausfüllte, hätte er etwas bemerkt. Er hatte den Kugelschreiber des Beraters benutzt. "Und weißt du, was da draufstand?", fragte er mich. "Deine Chance: Lotto!" Die sich drehende Glastrommel mit den Zahlenkugeln, sie gibt den innerlich rotierenden Halt. Und die Hoffnung, irgendwann einmal richtig zu sein oder zu liegen. Am besten sechsmal. Mit Zusatzausbildung.

Oder Zusatzzahl.

ZU I.

Anika, eingangs erwähnt, blickt mit verquollenen Augen einer Zukunft entgegen, die ihrem Arbeitsberater trübe erscheint, durch Klotzglassteine betrachtet. In ihrer eigenen Gegenwart aber, die direkt nach der Beendigung der Maßnahme in Kraft tritt, fühlt sie sich wohl. Sie wird wieder für 325 Euro neben der Arbeitslosenhilfe als Servicekraft in luftigen Sommer-Cafes an der Elbe Geld dazuverdienen, Geschäftsleute und Werber bedienen, Durchreisende, Kurier-Biker sowie Mütter mit Kind. In der ihr verbliebenen Zeit macht sie auf ihrem klappbaren Piano Musik und singt dazu bizarre Texte über Radfahrer und indische Göttinnen oder fährt für monatlich 250 Euro Werbeaufkleber auf ihrem taubenblauen Passat Kombi, Baujahr 88, durch die Stadt spazieren.

Sie wird montags überlegen, ob sie mit Online-Design am PC Visitenkarten und Flyer gestaltet, Bewegungstanz-Workshops anbietet und Kostüme schneidert oder ob sie, einen Tag später, mit ihrer ehemaligen Chefin ein Cafe am Ratzeburger See betreibt und nur im Winter Musik macht. Vor drei Monaten hat Anika ein Mini-Plattenlabel ins Leben gerufen, das die Welt erobern soll. Reiki könnte sie auch machen, einen Klamottenladen eröffnen oder wieder in der Werbeagentur arbeiten, in der sie vor zehn Jahren eine Ausbildung zur Werbemittelgestalterin absolviert hat. Donnerstags rätselt sie, ob sie ihre Schauspielerin-Karriere weiterverfolgen soll oder ob sie wieder als Kindererzieherin arbeitet oder ob sie aufs Land geht und/oder auf Flohmärkten Kleidung und Antiquitäten verkauft. Oder ob sie eine neue Therapie anfängt, Wohnungen renoviert und das Rauchen und das Trinken aufgibt. Vielleicht braucht sie auch nur einen neuen Freund. Oder einen Lover. Oder einen Sponsor. Oder alles zusammen. Dann befällt sie panisch der Gedanke, sie könnte mit massivem Fußpilz, der zu einer Art Plateausohle mutiert, ins Krankenhaus eingeliefert werden. Damit macht man sich keine Freunde.

Man könnte sagen, sie sei sehr durcheinander. Man könnte auch fragen: Identitätsstörung? Oder sie als Unentschiedene einstufen. Was man nicht sagen sollte, wäre, sie sei arbeitsscheu. Vielleicht hat sie nur Angst davor, sich auf eine Rolle festlegen zu müssen, durchschaubar zu sein, verantwortlich. Ohne Geheimnis. Weil: Eigentlich ist sie ein Kind und spielt mit all ihren Möglichkeiten. Eine Vertreterin der Best-of-Generation, die in der Reizüberflutung nicht herausfindet, was gut für sie wäre.

Und so geht sie dann betrübt um 7.50 Uhr in das Gebäude, in dem Ausbilder Job-Profile erstellen und empfehlen, seinen eigenen Interessen zu folgen, sich zu bewerben, sich vorteilhart anzuziehen, Lebensläufe aufzumöbeln und einen guten Eindruck zu machen. Aber das ist das Letzte, was einem wirklich weiterhilft, wenn der Druck in einem zu groß ist, als dass man dabei einer Arbeit regelmäßig nachgehen könnte. Das heißt unter Ausschluss der disparaten Ichs. -----1