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Das DDT-Dilemma

DDT ist ein hochwirksames Gift. Deshalb haben es die Industrienationen auf eine weltweite Verbotsliste gesetzt. Das Problem: In Afrika ist DDT ein Lebensretter – das Gift schützt Menschen vor Malaria.




• Mitten im südafrikanischen Busch, rund 500 Kilometer hinter Johannesburg, wird der Asphalt zur Schotterpiste. Staub wirbelt im Rückspiegel hoch und legt sich auf die Landarbeiter und Schulmädchen, die in knielangen Röcken am Wegesrand auf einen Bus warten. Auf dass er sie mitnehme – heute, morgen, irgendwann – nach Hause, in die Schule oder zum Arzt.

Das nächste Krankenhaus ist 50 Kilometer weiter in Ubombo, in der Provinz Kwazulu-Natal. Ubombo ist ein kleiner Ort – in zwei Minuten hat man ihn mit dem Auto durchquert. Esel trotten über die Schotterpiste oder grasen in den mit Müll übersäten Vorgärten der kleinen Holzhütten, die sich an der Durchgangsstraße aneinander reihen. Vor dem Krankenhaus bieten Händler ihre Waren feil: Orangen und Bananen der eine, runzelige Äpfel der andere. „Hier muss man den Kalender 50 Jahre zurückdrehen“, hatte David Beattie bereits am Telefon gesagt. Beattie ist Arzt in Ubombos Bethesda Hospital.

In der Wartehalle des Krankenhauses sitzen nur wenige Menschen auf den verschlissenen Holzbänken. Viele der in Grün, Gelb oder Lila gestrichenen Türen stehen offen und lassen den Blick frei auf leere Betten und dreckige Matratzen: „Wir haben einige Aids-Patienten, ein paar Cholerafälle, ein paar Geburten, ansonsten ist es ruhig“, sägt Beattie.

Vor gut zwei Jahren herrschte im Bethesda Hospital noch der Ausnahmezustand. An manchen Tagen wartetet bis zu 120 Malaria-Kranke stundenlang auf ihre Behandlung, in der Hoffnung auf eins der 36 Betten. Krankenschwestern liefen die lange Warteschlange ab, um jene mit Medizin zu versorgen, die, vom Fieber und Schüttelfrost gezeichnet, kurz vor der Ohnmacht standen. Zitternd legten sich die Kranken auf jeden freien Fleck der Krankenhausgänge. „Wir mussten über die Leute klettern“, erinnert sich Beatties Kollege Andrew Grant. Manch einer lagerte sogar unter den belegten Betten. Es passierte, dass Pfleger bei der Verteilung der Medikamente ohnmächtige Patienten übersahen. „Man gewohnte sich daran, dass die Leute starben“, sagt Grant. Den Ärzten gingen die Medikamente aus. „Wir behandelten wahllos mit Mitteln, die wir gerade besorgen konnten, auch mit solchen, von denen wir wussten, dass sie wahrscheinlich nicht helfen würden. Aber wir hatten keine andere Antwort auf die Katastrophe.“

Heute liegt nur eine Malaria-Patientin auf der Station: eine schwangere Frau im achten Monat. Drei Wochen fehlen noch bis zum Geburtstermin. Die Malaria gefährdet ihr Kind. „Kaiserschnitt“, entscheidet Beattie. Wenig später liegt das 1,4 Kilo leichte Neugeborene im Brutkasten – „mit guten Chancen zu überleben“. Vor zwei Jahren hätten weder Mutter noch Kind Aussicht gehabt, die Malaria zu überstehen. „Wir waren heillos überfordert“, sagt Beattie. 70 Stunden in der Woche und mehr arbeiteten die Ärzte des Bethesda Krankenhauses damals, die meisten von ihnen sieben Tage in der Woche.

Heute hat David Beattie so viel Zeit, dass er sich an manchen Tagen in sein ganz in der Nähe gelegenes Haus zurückziehen kann

und nur im Notfall ins Krankenhaus zurückkommt. Was brachte die Wende? „DDT“, sagt Beattie. DDT ist die Abkürzung für Dichloridphenyltrichlorethan, ein Insektizid zur Bekämpfung der weiblichen Anophelesmücke, die Malaria übertragen kann.

Ortswechsel. Ein Konferenzzentrum in Stockholm, Ende Mai 2001. Die Großen der Politik sind sich einig. Die Umweltminister von 110 Staaten haben die UN-Konvention über das Verbot von zwölf giftigen Chemikalien unterzeichnet und feiern das Ergebnis als Durchbruch. Bundesumweltminister Jürgen Trittin spricht von einem Beispiel für vorausschauende Umweltpolitik, und selbst US-Präsident George W. Bush, sonst eigentlich ein Öko-Ignorant, begrüßt die Regelung. Denn: „Diese Chemikalien respektieren keine Grenzen und können jeden Amerikaner treffen – auch außerhalb der USA.“ 

Auf der Liste der verbotenen schwer abbaubaren organischen Verbindungen (Persistent Organic Pollutants, POP): das Insektizid DDT, das von Forschem im Trinkwasser, in Fischen und nicht zuletzt in Muttermilch nachgewiesen wurde. Obwohl Wissenschaftler noch streiten, ob DDT wesentliche gesundheitliche Schäden bei Menschen verursacht, ist unbestritten, dass das Pestizid eine tödliche Gefahr für Vögel und andere Tierarten ist. Es schädigt ihr Immun- und Fortpflanzungssystem. In den USA wurde eine Orchidee gefunden, die auch 20 Jahre nach ihrer Behandlung mit DDT noch rund 40 Prozent der ursprünglich gespritzten Giftmenge enthielt. Die DDT-Gegner warnen, dass die lange Halbwertszeit des Mittels die Prognose darüber, welche langfristigen Nebenwirkungen es für den Menschen hat, schwer macht. Sk befürchten aber, die Substanz könnte Krebs erregen.

Die, die DDT verbieten, brauchen es nicht mehr

In Südafrika stößt das DDT-Verbot gelinde gesagt auf Unverständnis. „Die Unterstützer der Konvention wollen, dass wir den Tod von Millionen Menschen in den Entwicklungsländern hinnehmen“, sagt Richard Tren, Vorsitzender der südafrikanischen Organisation Africa Fighting Malaria. „Nur um die paranoiden Reichen vor theoretischen Gesundheitsrisiken zu schützen, die bislang noch nicht einmal nachgewiesen wurden.“ Tren vermutet politisches Kalkül: „Die Politiker der Industrienationen wollen vom DDT-Verbot profitieren“, behauptet er. „Sie wollen damit Punkte bei den Umweltschützern in ihren Ländern sammeln – nur ist dort niemand von den negativen Auswirkungen des Verbots betroffen.“

Zwar trieben die Malaria-Überträger vor rund 50 Jahren ihr Unwesen auch noch in den USA, in Südeuropa und sogar in den Niederlanden. Mit Hilfe von DDT gelang es jedoch bereits vor Jahrzehnten, die tödlichen Insekten in diesen Regionen auszurotten. Diese Situation „macht es diesen Ländern sowohl politisch als auch wirtschaftlich leicht, ein DDT-Verbot durchzusetzen“, so Tren. Darüber hinaus helfe die Vereinbarung der europäischen und amerikanischen Wirtschaft, genauer: den dort angesiedelten Produzenten von DDT-AIternativen und den Unternehmen, die die Konkurrenz der Entwicklungsländer fürchten. „Regierungen können heute nur noch schwer Zölle durchsetzen. Stattdessen schieben sie Umweltbedenken vor“, sagt Tren. Für ihn nichts anderes als „ungerechtfertigte Handelsbarrieren“.

Die angegriffenen Industrienationen weisen zur Verteidigung auf die Regelung, nach der Entwicklungsländer DDT übergangsweise weiter benutzen dürfen. In der Zwischenzeit sollen „angemessene und bezahlbare“ Alternativen entwickelt werden. Ein „fauler Kompromiss“, findet der südafrikanische Insektenkundler Keith Hargreaves. Die großen Pharma-Konzerne zeigten bislang nur wenig Interesse, Alternativen zu DDT zu erforschen oder bekannte weiterzuentwickeln: „Kein Wunder, Malaria ist eben eine Arme-Leute-Krankheit. Mit Investitionen in die Erforschung neuer Mittel lässt sich kein Gewinn machen.“

Hargreaves arbeitet in der Malaria-Kontrollstation der südafrikanischen Provinz Kwazulu-Natal. In seinem Labor untersucht er die Wirksamkeit von DDT und Alternativen. Bei 27 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit lagert er in großen Plastikschüsseln Schwärme von Mücken. Mit einem Strohhalm saugt er einige Insekten aus den Behältern und bläst sie in ein Reagenzglas, in dem ein mit DDT imprägniertes Papierchen liegt. Nach einer Stunde dreht er einen Aufsatz auf das Gläschen, öffnet die trennende Klappe und pustet die Mücken in den nicht mit DDT angereicherten Aufsatz. In den nächsten 24 Stunden wird eine Mücke nach der anderen sterben. „Das schafft kein anderes Mittel“, sagt Hargreaves. Er hat in den vergangenen Jahren etliche Alternativen zu DDT getestet – ohne Erfolg. Gleichzeitig, so warnt Hargreaves, würden bislang bewährte DDT-Alternativen wirkungslos, da die Mehrheit der Erreger mittlerweile gegen sie resistent ist. „DDT vollständig zu verbieten wäre tragisch.“ 

In Südafrika hassen sie DDT – aber sie brauchen es

Hargreaves war unter jenen, die sich vor gut zwei Jahren dafür einsetzten, dass Südafrika nach einer DDT-Pause wieder auf das Insektizid zurückgriff. Unter dem politischen Druck von Umweltschützern war Südafrika 1996 nach 50 Jahren DDT-Nutzung auf umweltfreundlichere Alternativen umgestiegen. Die Folge: Innerhalb von vier Jahren stieg die Zahl der Malariafälle von rund 8000 auf etwa 62.000, in der Provinz Kwazulu-Natal erkrankten so viele Leute an Malaria wie zuletzt 1931. Alarmiert lud die südafrikanische Regierung DDT-Gegner ein und verhandelte mit ihnen eine Vereinbarung, die die Nutzung des Mittels unter strikter Kontrolle ermöglichte. Als die Umweltminister der Industrienationen das internationale DDT-Verbot beschlossen, sprühte Südafrika bereits wieder seit einem Jahr. 2001 starben in Südafrika nur noch zehn Menschen an Malaria. „Es ist gegen unser Gewissen, DDT zu einzusetzen. Aber das ist es auch, die Leute an Malaria sterben zu sehen“, verkündete Rejoice Mabudafhasi, Südafrikas Umweltminister. Und auch Gerhard Verdoom, Vorsitzender der südafrikanischen Poison Working Group des Endangered Wildlife Trust (EWT), sagt heute- „Am Anfang waren wir so naiv und dumm. Ich hasse DDT, aber inzwischen realsieren wir, dass es gebraucht wird.“ Hinzu käme, dass man heute im Vergleich zu früher nur noch minimale Mengen versprühe.

Europa und die USA sind nur dank DDT malariafrei

Auf das rechte Maß kam es in der Geschichte von DDT bislang nicht an. Der Schweizer Wissenschaftler Paul Hermann Muller entdeckte die Wirkung der chemischen Verbindung auf Insekten in den dreißiger Jahre durch Zufall. Ihren ersten breiten Einsatz hatte sie im Zweiten Weltkrieg. Nachdem US-Soldaten der sudpazifischen Kriegsflotten zu lausenden an Malaria starben konstruierte die amerikanische Air Force wahre DDT-Bomben Tanks, mit knapp 2850 Litern DDT gefüllt, wurden auf der Unter seite der Flugzeuge befestigt und über pazifischen Kustenregionen vor Ankunft der US-Truppen geleert. 1948 wurde Müller für seine Entdeckung mit dem Nobelpreis geehrt.

Der eigentliche DDT-Feldzug gegen Malana begann allerdings erst nach Kriegsende. Das Ziel: Malana auszurotten, weltweit Unter zentraler Leitung der Weltgesundheitsorganisation wurden die betroffenen Lander im Rahmen der Global Eradication Cam paign weitflachig besprüht. Innerhalb weniger Jahre war Malan. in Nordamerika und Europa besiegt.

Danach verebbte die Euphorie und damit auch das Geld, da der amerikanische Kongress zuvor noch großzugig ausgegeben hatte. Die Zoologin Kachel Carson kritisierte in ihrem 1962 veröffentlichten Buch „Silent Spring“ erstmals die durch DDT verursachten Umweltschäden. Die basierten allerdings nach Einschätzung vieler Experten vor allem darauf, dass Landwirte die Substanz damals maßlos als Pflanzenschutzmittel benutzten.

1972 wurde DDT in den USA verboten. Viele Industrienationen folgten kurze Zeit später. Im Mai 2001 mündete die Angst vor Umwelt- und Gesundheitsschäden in dem weltweiten Verbot der Substanz. Firmen, die das Mittel in den vergangenen Jahren noch produzierten und in Entwicklungsländer verkauften, dürfen DDT heute nicht mehr exportieren. Das Insektizid wird nur noch in Indien und China hergestellt, überwiegend zur eigenen Nutzung. Laut Informationen des „Wall Street Journal“ füllt ein geheimes Netzwerk findiger Broker die Versorgungslücken in den restlichen Teilen der Welt. Sie vermitteln Bestände, die in asiatischen und lateinamerikanischen Ländern lagern, in denen das Pestizid nicht mehr benutzt wird.

Für viele Entwicklungsländer mit einer hohen Zahl von Malariafällen hat das DDT-Verbot trotz Übergangsregelung bereits Folgen. Zum Beispiel in Mosambik: Das Land, eines der ärmsten der Welt, kämpft darum, seine Wirtschaft nach 17 Jahren Bürgerkrieg wiederaufzubauen. Mosambik ist extrem abhängig von Spendengeldem, und Entwicklungshilfe-Organisationen machen starken politischen Druck, um ihre Vorstellung von Umweltschutz durchzusetzen. Sie verweigerten unter anderem die Finanzierung von DDT-Programmen mit der Begründung, man könne keine Hilfsmaßnahmen unterstützen, die in ihrem Heimatland illegal seien. „Wenn die Organisationen wirklich helfen wollen, müssten sie flexibel genug sein, sich bestimmten Bedingungen anzupassen“, kritisiert Richard Tren von Africa Fighting Malaria. „Die Organisation Sida zum Beispiel würde sich niemals weigern, Krankenschwestern in Afrika im Kampf gegen Aids finanziell zu unterstützen, obwohl ihre Arbeitsbedingungen nicht den schwedischen Gesundheits- und Sicherheitsstandards entsprechen.“ 

Im Gesundheitsministerium in Maputo, der Hauptstadt von Mosambiks, beharrt Avertino Barreto, Direktor der Seuchenabteilung, derweil darauf, niemand habe die Entscheidung seines Landes gegen DDT beeinflusst – auch wenn seine Mitarbeiter hinter Barretos Rücken zugeben, dass es in der Vergangenheit politischen Druck gegeben habe. Barreto behauptet dagegen: „Wenn wir Probleme haben, können wir jederzeit zu DDT wechseln.“

Nach Unterlagen aus seinem Gesundheitsministerium gab es in Mosambik im vergangenen Jahr rund drei Millionen Malariafälle – bei einer Bevölkerung von etwa 18 Millionen Menschen. In einigen Regionen sind mehr als 90 Prozent der Kinder unter fünf Jahren infiziert. Malaria ist eine der häufigsten Todesursachen in Mosambik. Für Barreto wiegen andere Probleme schwerer: „DDT lässt die Zahl der Wasserkäfer explodieren“, sagt er. Zudem hinterlasse das Spray weiße Flecken an den Hauswänden, darum würde die Bevölkerung sich gegen die Besprühung wehren. Er setzt auf den Erfolg der Initiativen verschiedener internationaler Hilfsorganisationen, die Moskitonetze an die Bevölkerung verteilen. Dass die Armen ihre Netze verkaufen, wenn sie nichts zu essen haben, lässt er nicht gelten. Er zuckt nur mit den Schultern.

Medikamente sind teuer – und oft wirkungslos

Marta Deocreciana hat kein Moskitonetz. Sie liegt mit Malaria im Zentralkrankenhaus von Maputo. Vor Schüttelfrost zitternd, kauert sie auf einer weißen Plastikmatratze, die auf dem Boden liegt. Es gibt kein Bettlaken, kein Kopfkissen, keine Decke. Einzig ein dünnes buntes Tuch bedeckt ihren mageren Oberkörper. „Ich habe Malaria, seitdem ich denken kann“, sagt Marta Deocreciana. In diesem Jahr wurde die 21-Jährige bereits zum zweiten Mal ins Krankenhaus eingeliefert. 10.000 Meticais, das entspricht rund 40 Cent, muss sie am Tag bezahlen, für sie „eine Menge Geld“. Sie hängt am Tropf: 600 Milligramm Quinine, lautete die Anweisung in ihrer Krankenakte. „Eine hohe Dosis“, sagt Pfleger Aurelio Zamba. Aber keine Garantie auf Besserung: „Die Medikamente haben das letzte Mal nicht gewirkt“, sagt Deocreciana: “ Wer weiß, ob sie diesmal helfen.“ 15 Kranke liegen gemeinsam mit Marta in dem rund zehn Quadratmeter großen Zimmer, viele auf dem Boden. Rund die Hälfte hat Malaria, die meisten sind Kinder.

Dabei ist es Ende Juni, Winter in Mosambik – die trockene Jahreszeit. „Im Sommer wird mit den Regenfällen die Zahl der Malaria-Kranken wieder explodieren“, prophezeit Pfleger Zamba.

Dann verwandeln sich weite Teile Mosambiks in eine Schlammlandschaft. Aus Rinnsalen werden reißende Flüsse. Auf den im Winter trocken liegenden Wiesen breiten sich riesige Pfützen aus, die monatelang nicht versickern. Ein idealer Brutplatz für Moskitos. Mittendrin liegen kleine Dörfer. Solche wie Zitundo: 300 Einwohner, keine Elektrizität. ,Ja, es gibt eine Klinik“, sagt eine der Frauen und zeigt auf ein kleines Häuschen. Die Tür ist abgeschlossen. Die Fensterscheiben sind zerbrochen. Ein Poster an der Haustür warnt vor der Malaria-Gefahr. Auch im Nachbarort Salamanga ist die Klinik geschlossen.

In Mosambik kommen in ländlichen Regionen auf drei Millionen Menschen rund zehn Arzte, schätzen Mitarbeiter im Gesundheitsministerium. Es fehle an Ausbildungsplätzen für Ärzte, an Pflegepersonal und an Malaria-Medikamenten, sagen sie.

Zitundo ist rund 70 Kilometer von Maputo und dem nächsten Krankenhaus entfernt. Der Weg über die mit Schlaglöchern übersäte Sandpiste dauert selbst in einem Auto mit Vierradantrieb knapp fünf Stunden. Nur jene, die Geld und Glück haben, schaffen es rechtzeitig ins Zentralkrankenhaus. Die meisten anderen sterben. Wenn Malaria-Patienten nicht sofort mit den richtigen Medikamenten- behandelt werden, kann die Krankheit tödlich enden. Der Parasit blockiert den Blutkreislauf. Schwangere Frauen und Kinder unter fünf Jahren sind am stärksten gefährdet. Junge Menschen, die Malaria überleben, können geistige Schäden davontragen oder in der Entwicklung zurückbleiben.

DDT wirkt, Alternativen sind für arme Länder zu teuer

Mosambik gibt jährlich rund vier Millionen Dollar für die Bekämpfung von Malaria aus. 240.000 Dollar kommen aus dem eigenen Staatshaushalt, der Rest von internationalen Hilfsorganisationen. Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums schätzen, dass das Land 60 Millionen Dollar benötigen würde, um die Malaria wirksam zu bekämpfen. Zum Vergleich: In Südafrika fließen jedes Jahr zwischen 2,7 und 4,5 Millionen Dollar in die Malaria-Prävention. Geld, das komplett aus dem Staatshaushalt kommt. Laut einer Studie der Organisation Africa Fighting Malaria kostet die Besprühung mit DDT die südafrikanische Regierung nur die Hälfte oder gar ein Viertel der Summe, die sie für alternative Mittel ausgeben müsste.

Eine Studie des Gesundheitsministeriums von Mosambik, kommt indes zu dem Schluss: „Neben anderen Krankheiten wie Aids untergräbt sie [Malaria] die wirtschaftliche Entwicklung und stellt eine sehr ernsthafte Herausforderung für den Gesundheitsbereich dar.“ Ein Teufelskreis: Das Land hat zu wenig Geld, um Malaria mit DDT-Alternativen zu bekämpfen, gleichzeitig verhindert Malaria, dass sich Mosambik wirtschaftlich entwickelt. Tatsächlich wagen sich nur wenige ausländische Investoren nach

Mosambik. Mozal, ein Tochter-Unternehmen des britischen Minen- und Metallkonzems Billiton, ist eine der wenigen Ausnahmen. Seit Mai 1998 hat der Konzern 1,4 Milliarden Dollar in den Bau einer Aluminiumhütte investiert, die größte Auslandsinvestition, die jemals in das Land geflossen ist. „Wir haben die Malaria-Gefahr total unterschätzt“, sagt Nigel Maire, Bauleiter des Projekts, heute. Während der zweijährigen Bauzeit der Hütte zählte Mozal unter seinen rund 21000 an dem Projekt beteiligten Mitarbeitern fast 7000 Malariafälle. 13 Angestellte, die Mozal aus dem Ausland nach Mosambik geholt hatte, starben. Heute quartiert Mozal Ausländer in einem Wohnkomplex ein, den die Firma „so gut wie möglich selbst gegen Malaria schützt“. In einer Pufferzone von 1,6 Kilometern um den Komplex herum lässt Mozal jede einzelne Hütte alle drei Monate mit einer DDT-Alternative besprühen. Kosten: 250.000 Dollar. Daneben steckt der Konzern 400.000 Dollar in ein Sprühprogramm des Staates, der in einem Radius von zehn Kilometern rund um die Aluminiumhütte spritzen lässt. Zum Firmenareal gehören zwei Kliniken, in denen sich die Mitarbeiter kostenlos auf Malaria testen lassen können und Medikamente bekommen. Und es gibt einen Hubschrauber, um Kranke nach Johannesburg zu fliegen. Zwei Firmen-Krankenwagen können sie in das nächstgelegene Krankenhaus in Südafrika fahren. „Wir tun, was wir legal dürfen“, sagt Mozal-Manager Maire, „aber DDT würde einiges einfacher machen und viele Menschenleben in Mosambik retten."

Auf der anderen Seite der Grenze im südafrikanischen Ubombo verlebt Doktor David Beattie einen weiteren ruhigen Nachmittag im Bethesda Hospital. Im Warteraum sitzen nur wenige Kranke. Das vor einer Woche geborene Mädchen und seine malariakranke Mutter sind wohlauf. „Nein, es gab keine neuen Fälle mehr“, sagt David Beattie.

Auf einem benachbarten Hügel rund 30 Kilometer entfernt besprühen zwei Mitarbeiter der Malaria-Kontrollstation in Schutzanzügen die acht Häuser eines traditionellen Zulu-Dorfes. Das Gemisch aus 700 Gramm DDT und zehn Litern Wasser lagert in einem Tank, den die beiden wie Taucher auf den Rücken geschnallt haben. Innerhalb weniger Minuten sprühen sie die aus Lehm und Kuhdung bestehenden Wände der runden fensterlosen Hütten von innen und pusten ihr Gemisch unter das überstehende Strohdach. „Da sitzen Moskitos besonders gern“, sagt einer von ihnen. Aus sicherer Entfernung beobachtet Velephi Siyaya, eine der Bewohnerinnen, die beiden Männer. Vor ein paar Jahren seien viele aus ihrem Dorf an Malaria erkrankt, erzählt die 28-Jährige. Seitdem wieder DDT gespritzt wird, weiß sie von keinem Fall. Ja, sagt sie, früher hätten sich die Leute hier noch gegen DDT gewehrt. Es habe Gerüchte gegeben, DDT sei schlecht für die Gesundheit. Außerdem hätten sich viele wegen der weißen Flecken aufgeregt, die an den Wänden zurückbleiben, wenn man sie mit DDT bespritzt. Heute beschwert sich niemand mehr, sagt Velephi Siyaya: “ Wir wissen, dass DDT uns schützt.“ ---