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Eine weltweit verwendbare Rede für alle, denen angesichts von heiligen Kriegen und Kampf für die Freiheit, Rationalisierung und ABM-Maßnahmen oder Sätzen wie:"Wer nicht für uns ist, ist gegen uns" (George Bush) die Worte fehlen. Mit Musikbegleitung.




Leider, leider ist es uns zurzeit nicht möglich, unsere Projekte voranzutreiben, die Gewinne zu steigern, die Konjunktur anzuheizen, unseren Lebensstil zu verteidigen und vor allem wachsam zu sein, weil, wie es heißt, die Werte unserer Zivilisation, die Zukunft und viele Arbeitsplätze davon abhängen. Auch sehen wir uns nicht mehr in der Lage, angesichts der unzähligen Krisen mit Sorge in die Zukunft zu sehen oder gar Angst vor einem persönlichen Abstieg zu haben, zumal uns kein Beispiel bekannt ist, in dem diese Angst irgendwem genutzt hätte. Ganz besonders aber wollen wir nicht dafür sorgen, dass auch spätere Generationen so leben können wie wir, das wäre uns sogar eher unangenehm: Es ist schlimm genug, dass wir so leben müssen.

Leider, leider ist es uns auch nicht möglich, diese Entscheidung zu begründen, da wir dann über diese Gründe diskutieren müssten und so erneut keine Zeit hätten, darüber nachzudenken, was wir wirklich wollen und wie wir das erreichen. Abgesehen davon, sind wir relativ sicher, dass ihr sowieso nicht begreifen würdet, wovon wir reden. Ihr orientiert euch an politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Maßstäben aus dem vorigen Jahrtausend, aber leider, leider nicht dem vorigen Jahrhundert. Euer Denken folgt den schlichtesten Modellen von Ursache und Wirkung, die Mechanik eurer Welt kennt keine größere Katastrophe als einen Flugzeugabsturz, einen Angriff wisst ihr mit nichts anderem zu beantworten als mit einem Krieg. Und ihr findet das auch noch völlig normal. Musik!

"Wheels they turn, gears they grind, buildings collaps in slow motion and trains collide - everything is fine." ("Sweethearts", Camper van Beethoven) Aber leider, leider leben wir nicht mehr im Mittelalter. Bitte versteht uns nicht falsch: Das ist kein Vorwurf, wir wissen, dass ihr tut, was ihr könnt. Aber das, was ihr könnt, ist eben nicht mehr zeitgemäß. Und ihr lernt nicht dazu: Die Situation wird laufend schwieriger, doch ihr reagiert immer gleich, ohne nachzudenken, ohne einen Moment des Innehaltens. Uns erinnert das an Soldaten, die während ihrer Ausbildung ununterbrochen herumgescheucht werden, damit sie bloß nicht zum Nachdenken kommen, weil sie Reflexe lernen sollen, fertig produzierte Antworten, nicht eigene, innovative Lösungen. Oder an psychisch Kranke, die sich zwanghaft mit irgendetwas beschäftigen, mit Wahnsystemen und Detailproblemen, um sich bloß nicht mit den Wurzeln ihrer Krankheit auseinander setzen zu müssen. Ihr wisst selbst in eurem tiefsten Innern, wo ihr nie hinseht, weil ihr dafür keine Zeit habt, dass das niemanden weiterbringt. Aber das macht nichts: Wir werden ab jetzt für euch eine Pause einlegen.

Abgesehen davon, haben wir zu tun, zum Beispiel müssen wir uns bedanken. Bei den Menschen, die uns lieben, obwohl wir sie andauernd vernachlässigen, weil wir glauben, etwas Besseres würden wir schon noch finden. Bei den Bäumen, die uns lieben, obwohl wir unachtsam an ihnen vorbeiflanieren, weil wir glauben, etwas Besseres würden wir schon noch finden. Bei der Welt, die uns liebt, obwohl wir sie behandeln, als würden wir etwas Besseres schon noch finden. Und dann wollen wir einfach mal in Ruhe Luft holen. Musik!

"You come right inside of me, close as you can be, you kiss my blood and my blood kisses me." (" Air", The Incredible String Band) Wie es dann weitergeht, wissen wir auch noch nicht. Alles ist möglich. Wir ersetzen Krieg durch Frieden, Armut durch Reichtum, Gott durch das Universum. Wir sind unrealistisch. Wir haben keine Ahnung, ob das funktioniert, aber wir wissen aus Erfahrung, dass es nichts bringt, realistisch zu sein. Wir greifen zum Telefon, wir bestellen einen Tisch in einem großartigen Restaurant mit Blick in den Himmel, und dann verabreden wir uns mit einem guten Freund, vielleicht mit Gott, der jetzt "das Universum" heißt. Und das Universum sagt: "Heute abend passt mir gut. Aber ich könnte auch gleich." An diesem Abend und in dieser Nacht, am folgenden Tag und in der folgenden Nacht, in der Woche darauf und auch später planen wir nichts, außer wunderbar zu sein. Das Universum wird wunderbar sein, weil es weiterhin das Leben ermöglicht, und wir, weil wir etwas daraus machen. Wir sind entzückend, wir singen gemeinsam Lieder, wir erzählen Geschichten und lehnen jede Veranwortung ab. Wir leben so gut, wie wir können, denn nichts spricht dagegen, Das macht für euch leider, leider keinen Sinn? Macht nichts. Musik!

"If what I'm saying doesn't make any sense, that's because sense can not be made, it's something that must be sensed" ("It's Saturday", King Missile) Nun aber müssen wir leider, leider Schluss machen, denn wir haben gehört, dass das Leben möglicherweise begrenzt ist. Selbstverständlich sind wir uns nicht sicher, aber immerhin sind die Verstorbenen nicht mehr unter uns. So können wir nicht ausschließen, dass sie sich nach ihrem Tod einfach aufgelöst haben. Also fangen wir jetzt lieber gleich an, zu tun, was wir tun wollen, also erst mal nichts und später vielleicht was anderes, bevor uns nachher die Zeit ausgeht.

Ihr könnt uns übrigens weiterhin gern besuchen, aber nur zur Vorbeugung: Versucht nicht, uns was zu verkaufen - wir wollen nichts haben. Versucht nicht, uns zu belehren - wir haben bereits begriffen. Versucht nicht, uns in eine Markenstrategie zu integrieren - nein danke, uns ist schon schlecht. Und wenn ihr euch neben uns setzt und etwas anderes wollt, als absichtlos in die Sonne zu starren, haben wir uns noch immer nicht verstanden. Aber das ist nicht unser Problem. Musik!

"And you keep on looking forward, but tomorrow never comes, the more you wanna change things, the harder it becomes. There's a hundred pressing things to do, the thought just makes you ill, and you're running, you're running, you're runnig to stand still. Wake up. Slow down." ("Hotel Figueroa", Max Eider)