Partner von
Partner von

Die Interims-Frau

Es gibt Experten für das Spezielle und das Allgemeine. Und Katja Kratzer: Sie ist Expertin für das Zwischendurch.




Es gibt Dinge, die sind nicht für die Ewigkeit angelegt. Das soll so sein, das weiß auch jeder. Trotzdem sind alle traurig, wenn die Zeit vorbei ist. Für Katya Kratzer ist das Alltag. Als Interims-Managerin arbeitet die 32-Jährige nie sehr viel länger als ein halbes Jahr für einen Kunden. Manchmal etwas kürzer, manchmal etwas länger. Je nachdem, wann das Projekt erfolgreich beendet ist. Sie findet das gut so, ihre Auftraggeber, wie wir ihren Zeugnissen entnehmen eher nicht. Viele hätten sie gern länger im Haus, locken sie mit festen Positionen. Aber sie will nicht bleiben. Eine feste Anstellung - das hat sie hinter sich. Und noch nie, sagt sie, habe sie sich so gut gefühlt wie jetzt als Selbstständige.

Dabei hatte sie immer gute Jobs, war nach dem Studium an der European Business School drei Jahre als Geschäftsführerin bei einer Software-Firma in Israel, hat als Unternehmensberaterin gearbeitet. Irgendwann hat sie festgestellt, dass "meine Lernkurve flacher wurde". Das war ihr Zeichen zum Absprung. Nun ist sie seit mehr als zwei Jahren Dienstleisterin auf eigene Rechnung und übernimmt unterschiedliche Managementpositionen auf Zeit. Noch keinen Tag hat sie mit Akquise verbracht, ihre Kunden kommen durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Was die sich von ihr wünschen ist sehr unterschiedlich, und sie nimmt sich die Freiheit, Aufträge abzulehnen, für die sie nicht kompetent sei. Kompetent fühlt sie sich vor allem in "Aufbau- oder Krisensituationen". Sie sagt: "Ich bin gut, wenn wirklich viel Druck da ist." Entsprechend sucht sie ihre Einsatzfelder aus. Sie schreibt Business-Pläne für Start-ups, hilft bei der Kapitalsuche und agiert als kaufmännische Geschäftsführung. Für einen großen Kunden aus dem Fernsehgeschäft entwickelte sie eine Strategie für ein Entertainment-Portal, baute auch ein Geschäftsfeld mit auf und stellte auch gleich noch die Mitarbeiter mit ein. Für die Axel Springer Interactive Media übernahm sie die Projektleitung für die Umsetzung eines IT-Projekts und die Erstellung eines Pflichtenhefts inklusive Rechtemanagement.

Das ist jede Menge Verantwortung, und im Gegensatz zu den meisten klassischen Unternehmensberatern bleibt sie so lange in der Firma, bis das Projekt auch in der Praxis tatsächlich funktioniert. "Das ist für mich Teil der Aufgabenstellung - ich wäre sonst auch nicht zufrieden mit mir." Ihre Kunden sollen durch sie besser dastehen, sie selbst hält sich im Hintergrund: "Das entspricht meinem Temperament." Und es entspricht den Kundenwünschen: "Als Interims-Manager darf man den anderen niemals bloßstellen und niemals in die Defensive treiben." Natürlich kann sie all das nicht allein bewältigen. Das sagt sie ihren Auftraggebern auch ganz klar: Für bestimmte Fragestellungen greift sie auf ihr Netzwerk zu. "Das sind alles Leute, die ich schon seit Jahren kenne und mit denen ich schon oft zusammengearbeitet habe." Das muss so sein, denn schließlich will der Kunde sich verlassen können, vertraut ihr wichtige Aufgaben an, die er aus was für Gründen auch immer selbst nicht bewältigen kann. Kann sie mit der Verantwortung leben? Ja, weil ich nur mache, was ich mir zutraue." Auch deshalb arbeitet sie oft genug auf Erfolgsbasis.

katya@kratzer-consulting.de