Partner von
Partner von





Heute ist ein schöner Tag, er wird heut’ Nacht vorbei sein, geht und fangt den Sonnenschein, und bitte steckt euch Geld ein. (Funny van Dannen)

1. Finde heraus, was du wirklich willst. Die deprimierendste Erfahrung unserer Zeit ist wohl, dass alles besser wird, die Technik, die Organisation, sogar die Menschen, sich aber die Lebensverhältnisse nie wirklich grundsätzlich zu ändern scheinen. Wir alle haben einige (einige? hunderte!) Punkte, die wir ändern würden, aber irgendetwas ist uns wichtiger als alles andere. Am Anfang deiner Revolte musst du herausfinden, was das für dich ist. Lass dir nichts von anderen aufschwatzen, alle werden dir gern erzählen, was du wollen sollst: Die Werbung will dir Gefühle, Status und Erfahrung als Produkt verkaufen, die Sozialen wollen dich in ihren Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit-Zirkus aufnehmen, die Konservativen halten ihre großen Werte hoch, die Progressiven propagieren den Fortschritt. Jeder hat eine Idee und zerrt an dir herum. Rette die Wale, kauf dir Aktien, fahr BMW, mach Karriere, gründe eine Familie. Vergiss es! Finde heraus, was du wirklich willst.

2. Lass dir Zeit. Man wird dich hetzen: "Du hast nur ein Leben, nutze den Tag, präsentiere nächste Woche ein Ergebnis." Aber wieso eigentlich? Denke in Ruhe nach, plane sorgfältig, überleg dir deine Gefühle und Vorgehensweisen. Finde dein eigenes Tempo. Lass dir Zeit.

3. Konzentriere dich auf das Wesentliche. Natürlich gibt es viel zu tun, aber was ist dir wichtig? Wieso solltest du dir etwa das Rauchen abgewöhnen, wenn dich das gar nicht stört? Stirbst du halt zehn Jahre früher, aber mit fröhlich gefüllten Lungen. Fängst du erst mal an, wirst du tausend Dinge finden, die du ändern könntest. Aber, um mal im Beispiel zu bleiben: Seit Jahrzehnten versuchen Leute, sich das Rauchen abzugewöhnen - und hat irgendwer den Eindruck, das hätte die Welt wesentlich verbessert? Also: Konzentriere dich auf das Wesentliche.

4. Vergiss deine Feinde. Die Revolten der Vergangenheit waren immer gegen etwas oder jemanden gerichtet. Das war einerseits eine schlechte Gewohnheit aus der Evolution, hatte aber auch seine Gründe in der Begrenztheit der Produktionsmittel: Wer für sich und die Seinen etwas ändern wollte, musste die Mittel dafür jemand anderem abnehmen. Heute ist fast alles wesentlich besser verfügbar, und was es gerade nicht gibt, kann meist ersetzt werden. Es gibt keinen Grund, sich mit anderen zu prügeln. Abgesehen davon: Willst du dein Leben damit verbringen, andauernd über das nachzudenken, was du am wenigsten magst? Vergiss deine Feinde.

5. Suche dir deine Partner sehr sorgfältig aus. Allein kommt niemand weit, außerdem hat man zusammen mit anderen Menschen mehr Spaß. Achte darauf, dich mit Partnern zusammenzutun, die zu dir und deinen Plänen passen. Gib niemandem aus Mitleid eine Chance oder weil es ein alter Freund ist - das gibt nur Ärger. Und sei vorsichtig mit Geld: Wenn du welches brauchst, versuche privat etwas zu bekommen, von gemeinnützigen Stiftungen oder, wenn du ein Geschäft planst, von Investoren. Aber halte dich von Banken fern. Die Bank interessiert sich für nichts außer Geld. Kommt es hart auf hart, wird sie dich eingraben, in Beton, am Ende wird die Sauerstoffzufuhr gekappt. Banken sind das Unglück, du darfst mit ihnen nur im äußersten Notfall paktieren. Auch sonst sei vorsichtig: Suche dir deine Partner sehr sorgfältig aus.

6. Vertraue deinen Partnern. Wenn du mit deinen Partnern zusammenarbeitest, wirst du feststellen, dass sie anders sind als du - und zwar vor allem in Kleinigkeiten: Sie haben andere Gewohnheiten, benutzen Worte anders und setzen andere Prioritäten. Es wird Missverständnisse geben, auch Streit. Vielleicht wirst du glauben, du hast einen Fehler gemacht: Ist der Typ wirklich der Richtige? Das hättest du dir früher überlegen sollen. Hast du vermutlich auch. Im Alltag vergisst man das bloß manchmal. Also vertrau dir, du hast vorher über alles nachgedacht.

Heute ist ein schöner Tag, er wird heut' Nacht vorbei sein, geht und fangt den Sonnenschein, und bitte steckt euch Geld ein.

(Funny van Dannen) Du und deine Partner sind gleichwertig, anders könnt ihr nicht miteinander auskommen. Wenn du also etwas gerade nicht verstehst: Schließe die Augen, fühle, wie es ist, nicht nur nicht alles kontrollieren zu müssen, sondern es auch nicht zu können. Und dann, blind: Vertraue deinen Partnern.

7. Halte dich von den Medien fern. Wenn du etwas Öffentliches tust, eine Band gründen oder eine Firma, ein Selbsthilfeprogramm für arbeitslose Webdesigner oder ein Museum für exotische Fische, werden sich Zeitungen, Radio- und Fernsehsender auf dich stürzen. Denk daran: Sie interessieren sich nicht für dich, sie haben nur Sendezeit oder Seiten zu füllen. Es ist verlockend, schnell bekannt zu werden, aber du kannst ebenso schnell in Vergessenheit geraten. Das liegt daran, dass in allen Medien ein völlig falsches Bild der Welt, auch deiner Welt, gezeigt wird. Die Leute, die dich im TV sehen, werden enttäuscht sein über das, was du und deine Sache wirklich bedeuten: Arbeit, keine Action. Umgekehrt gilt übrigens dasselbe: Guck nicht so viel Fernsehen, lies weniger Zeitungen. Fast alles, was du erfährst, ist auf eine sehr grundlegende Art nicht wahr. Es hat nichts mit dem wirklichen Leben zu tun. Halte dich von den Medien fern.

8. Fang irgendwo an. Es gäbe noch viel mehr zu sagen. Du wirst selbst tausend Ideen haben, Bedenken, Probleme. Und eigene Regeln finden. Nichts wird perfekt sein, alles unsicher und unklar. Aber keine Sorge: Am Anfang scheint alles schwierig, doch mit der Zeit wird es einfacher. Alte Gewohnheiten werden durch neue ersetzt. Mit der Zeit wirst du es völlig normal finden, etwas zu tun, so wie du es heute normal findest, nichts zu tun. Es ist ganz einfach: Fang irgendwo an.