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Der Nemax hätte eine Marke werden können. Nun ist er ein Problem. Die ersten Lösungsversuche sind es auch.

Marlboro ist der Traum von Freiheit und Abenteuer, Nivea steht für milde Pflege, und BMW verspricht die Freude am Fahren. Bei aller Unterschiedlichkeit haben die drei Marken eines gemeinsam: einen klaren und dauerhaften Marken-Mehrwert für den Kunden, der sich jederzeit aktualisieren lässt.

Auch der Nemax ist eine Marke. Eine Marke, die das Sammelbecken ist für mehr als 300 meist junge Unternehmen, die den Sprung an die Börse gewagt haben. Eine Marke, die eine neue Ära des Unternehmertums in Deutschland symbolisierte. Eine Marke, die verbunden war mit Begriffen wie New Economy, Biotech und Internet. Eine Marke, die Mut, Flexibilität und Reichtum versprach. Diese Marke stand für ein neues Wirtschaftswunder; nach dem Zusammenbruch des Sozialismus bewies sie einmal mehr: heilige Marktwirtschaft!

Aber auch: heiliger Bimbam!

Denn die Marke Nemax war nicht das Ergebnis strategischer Überlegungen, sondern Zufall pur. Die Marke entstand durch den situativen Erfolg der einzelnen Unternehmen. Jetzt ist sie gefährdet durch ihren Misserfolg.

Der Neue Markt hat es leider nicht geschafft, ein konsistentes Qualitätssiegel zu werden wie "The leading hotels of the world". Ein solches Siegel hätte zwar auch nicht geholfen, die Gesetze des Marktes außer Kraft zu setzen. Aber es hätte bedeutet, dass die Unternehmen des Neuen Marktes transparenten Qualitätsprüfungen unterliegen, die auch klar und einfach kommunizierbar sind. Für den Anleger hätte klar sein müssen: Im Nemax sind nur Unternehmen, die nach seriösen Standards arbeiten. Solche Transparenz schützt nicht vor Kursschwankungen und Verlusten. Aber vor dubiosen Machenschaften.

Das soll nicht sagen, dass der Neue Markt unseriös ist - aber er hat leider den Ruf. Geschaffen von wenigen, die besoffen vom Erfolg glaubten, sie seien die neuen Popstars, die neuen Dauergäste der Boxengasse von Monte Carlo und der Yellow Press. Und genau den daraus resultierenden Ruf gilt es zu korrigieren.

Marlboro, Nivea, BMW: Marken-Qualität gibt Menschen Sicherheit, und Anleger sind auch nur Menschen, die Sicherheit wollen. Wer Sicherheit gibt, trägt Verantwortung - und? Wer fühlt sich verantwortlich für den Neuen Markt? Alle. Ein bisschen. Je nach Opportunität.

Der Marke Nemax fehlt jemand, der diese Marke führt, ein verantwortlicher Absender, der die Interessen des Neuen Marktes wahrnehmen kann und der Ansprechpartner für die Belange des Nemax ist. Zurzeit ist der Nemax Freiwild, das von jedem gejagt werden darf, mit schönen Worten, aber ohne Gewähr. Da treten Beobachter auf, die " hinterher immer Klügeren". Pondsmanager zum Beispiel, die gestern euphorisch die Kurse nach oben trieben, beim "Rien ne va plus" in Deckung gingen und heute selbstverständlich sagen: "Faites vos jeux". Wenn dann noch laut "Euro am Sonntag" die Scheichs den Neuen Markt als neuen Spielplatz entdecken und während des Kamelrennens mal kurz per Handy Order nach Frankfurt geben, kann es ja nur aufwärts gehen. Oder nicht? Oder nicht!

Die Marke Nemax kann vieles gebrauchen, nur keine Besserwissereien und Zocker, die Anlegern den Eindruck vermitteln, dass der Nemax am halbseidenen Faden hängt.

Der Deutsche Investor Relations Kreis hat das erkannt. Er hat sich vor kurzem Gedanken gemacht über die Informationspolitik am Neuen Markt. Das Ergebnis intensiver Diskussion: Die Zeilenzahl bei Ad-hoc-Meldungen sei auf 35 festzuschreiben. 35! Auf diese Zahl muss man erst mal kommen. Und worauf kommen die armen IR-Leute in den Unternehmen, die nur auf neun Zeilen etwas zu sagen haben? Auf den Hund.

Hier eine Ad-hoc-Meldung in zehn Zeilen: Auch ein kleines Unternehmen muss professionell IR machen. Es muss vor allem seriöses Marketing für seine Aktie machen können, um überhaupt wahrgenommen zu werden, sonst geht es ad hoc unter. Aus dem Nemax muss eine Qualitätsmarke gemacht werden. Sie muss das Zeug haben, Mehrwert zu schaffen, als Akteur öffentliche Wirkung zu erzielen und Vertrauen zurückgewinnen. Ja, die Marke Nemax braucht eine Kampagne.

Wer jetzt noch 25 Zeilen hinzufügen möchte, damit es eine empfohlene Ad-hoc-Meldung ist, möge das tun. Helfen wird es ihm nicht.