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ORDNUNG

Das Wort hat seit Kindertagen keinen guten Klang. Hatte immer etwas mit Mahnung zu tun, mit Versäumtem; selten war damit Lob verbunden. Vermutlich deshalb waren so viele begeistert, als uns die Wissenschaft vor Jahren die Chaostheorie bescherte. Und vermutlich deshalb hofften viele der jungen Unternehmensgründer, in ihren Organisationen auf so etwas Spießiges wie Ordnung verzichten zu können.




Das war eine schöne Idee. Die nüchterne Wahrheit aber ist, dass der Freiraum, den sich die Gründer erhoffen, den Rahmen braucht, der Ordnung heißt. Die Frage ist nur: welche?

Die Suche nach Antworten kann Spaß machen, beispielsweise, wenn man sich als Vorlage die Organigramme der Mafia nimmt (S. 90). Was die organisierten Verbrecher zusammenhält, taugt durchaus zum Vergleich mit so mancher Konzernorganisation, auch wenn Drogenhandel und Glücksspiel dort nicht zum Stammgeschäft gehören. Nach den Parallelen zu den Händlern des guten Gewissens wie Greenpeace oder WWF muss man nicht lange suchen (S. 82).

Das Ziel ist bei jeder Organisation gleich: die Komplexität zu reduzieren, die entsteht, wenn verschiedene Menschen zusammenarbeiten. Der Weg führt über Gruppen, Hierarchien und gemeinsame Vereinbarungen. Und über die Einsicht, dass alle Organisation beim Versuch, die Komplexität zu beherrschen, immer mal wieder scheitert (S. 68).

Kein Wunder, dass die fortschrittliche Riege der Organisationsexperten angesichts der langen Geschichte der Organisations-Debakel auf die Selbstorganisation setzt. Ist es nicht eine großartige Idee, dass die Mitarbeiter - auf ein Ziel eingestimmt - ohne höhere Weisung tun, was der Organisation nützt? Bisweilen klappt das, beispielsweise in einem Netzwerk aus selbstständigen Partnern, das Biologik heißt (S. 100). Allerdings darf auch der Preis nicht verschwiegen werden: ein großes Maß an Unsicherheit, höchste Flexibilität aller Beteiligten und die Kraft, auf Größe zu verzichten.

Wer groß werden will oder es schon ist und nach der x-ten Reorganisation zu resignieren droht, dem sei das Interview mit Carolyn Dyer empfohlen (S. 118). Darin geht es zwar nicht um Organisation, aber um Menschen und wie man sie führt. Eine gute Führungskraft kommt eben auch mit nicht ganz perfekten Organisationen klar.

gabriele_fischer@brandeins.de Redaktion brand eins, Schauenburger Straße 21, 20095 Hamburg