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Die Ablasshändler

Greenpeace und der WWF sind die Global Player der Öko-Bewegung. Der eine steigt den Umweltsündern aufs Dach, der andere setzt sich mit ihnen an einen Tisch. Ihren Unterstützern verkaufen beide Organisationen dasselbe: ein reines Gewissen.




Fouad Hamdan drängte es bislang nicht, sich von seiner wilden Jugend zu distanzieren. Über dem Schreibtisch des Kommunikationschefs von Greenpeace Deutschland hängen ein "Easy Rider"-Poster und ein Foto von Che Guevara, seinem großen Idol. Gewaltfrei sei der Mann natürlich nicht gewesen - andere Zeiten, andere Sitten. Hamdan plaudert gern vom kubanischen Revolutionär leitet er über auf den CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer und dessen Kampagne mit den Verbrecherfotos vom Kanzler. "Als ich die Bilder gesehen habe, wusste ich, dass er damit gegen die Wand fährt", freut sich Hamdan. "Polemik und Emotionen allein - ohne Inhalte - reichen eben nicht." Hamdan und seine Truppe, die in Hamburg in einem ökologischen Musterbürohaus an der Elbe sitzen, meinen zu wissen, wie man es richtig macht. Immerhin hat es das einst mittellose Häuflein Öko-Freaks mit seiner Methode zu einem internationalen Umwelt-Konzern gebracht, dessen Aktionen ins kollektive Gedächtnis gebrannt sind: Schlauchboote, die vor einem Walfänger, einer Ölplattform oder einem Plutonium-Frachter auf den Wellen tanzen; Menschen in Overalls, die überlegenen Gegnern trotzen. Ein Kampf zwischen David und Goliath, in dem es um nichts weniger geht als um die Rettung der Welt.

Diese Bilder sind mittlerweile zwar etwas verstaubt, doch Greenpeace zehrt gut von seinem Mythos. 90 Prozent aller Deutschen kennen und schätzen die Organisation. Auch die Gegenseite traut sich nicht, öffentlich etwas Schlechtes über sie zu sagen. So attestierte der Agrarkonzern Monsanto Greenpeace, "einen besseren Job zu machen als wir". Das Unternehmen hat es bis heute nicht geschafft, gegen den Widerstand der Umweltschützer gentechnisch veränderte Lebensmittel auf dem europäischen Markt durchzusetzen.

Die Geburt weist in die Zukunft: Greenpeace wird von Aktivisten gegründet, der WWF von Wissenschaftlern und Geschäftsleuten.

Die Geschichte von Greenpeace beginnt 1969 im kanadischen Vancouver. Eine Gruppe junger Leute beschließt, gegen amerikanische Atombombentests auf der Alaska vorgelagerten Aleuten Insel Amchitka zu protestieren. Die Öko-Aktivisten wollen mit einem Schiff dorthin fahren, um in der Tradition der Quäker durch ihre Anwesenheit Zeugnis abzulegen vom Verbrechen an der Umwelt. Die Gruppe nennt sich "Don't Make A Wave Committee", weil man damals befürchtet, die Zündung der Bombe könnte eine gewaltige Flutwelle auslösen. Am 15. September 1971 stechen zwölf Menschen mit einem altersschwachen Fischkutter in See. Das Geld für die Reise haben sie unter anderem durch ein Benefizkonzert mit Joni Mitchell und James Taylor aufgebracht.An Bord sind auch Journalisten. Zwar kann die Besatzung den Bombentest am 6. November 1971 nicht verhindern, sie löst aber eine Welle öffentlicher Empörung in Kanada und den USA aus. Nach viermonatigem Schweigen verkündet die amerikanische Atomenergie-Kommission den Abbruch der Testserie "aus politischen und anderen Gründen" . Der erste Sieg für die "Regenbogenkämpfer", die sich kurz darauf einen neuen, einprägsamen Namen geben: Greenpeace Foundation.

Zu diesem Zeitpunkt existiert der World Wildlife Fund (WWF, 1986 umbenannt in Worldwide Fund for Nature) bereits mehr als zehn Jahre. Die Väter von Greenpeace sind Freaks, die des WWF Honoratioren. Die Organisation wird 1961 von dem Biologen Sir Julian Huxley, Bruder des Schriftstellers Aldous Huxley, dem Künstler und Ornithologen Peter Scott, Sohn des Polarforschers Robert F. Scott, und einigen Geschäftsleuten gegründet. Scott entwirft auch das Logo der Organisation: einen Panda. Ziel des WWF ist es zunächst, Wildtiere, vor allem in Afrika, zu schützen. Die Organisation wird von vornherein als Geldsammelmaschine konzipiert und als steuerbefreite, gemeinnützige Stiftung nach Schweizer Recht registriert. Die Gründer setzen auf finanzkräftige Sponsoren und große Namen. Prinz Bernhard der Niederlande wird erster internationaler WWF-Präsident. Der erste Industrielle, der mitmacht, ist Luc Hoffmann vom Schweizer Chemie-Konzern Hoffmann-LaRoche. Hoffmann bleibt bis 1988 WWF-Vizepräsident, obwohl sein Unternehmen wegen des Exports dioxinhaltigen Giftmülls unter Beschuss unter anderem von Greenpeace gerät.

Die Schlagzeilen gehören ohnehin Greenpeace. Die Regenbogenkrieger weiten nach ihrem ersten Coup die Proteste auf französische Atomtests in der Südsee aus. Später startet man spektakuläre Schlauchboot-Aktionen gegen Walfangschiffe. 1977 werden die ersten Greenpeace-Büros in Europa eröffnet. Man protestiert nun auch gegen das Versenken von Atom- und Chemiemüll im Meer, gegen die Robbenjagd, die Ausbeutung der Antarktis. Aktivisten verstopfen Abflussrohre von Fabriken, klettern auf Schornsteine von Kraftwerken, ketten sich an Atomkraftwerke. Greenpeace sorgt für erhebliche Image-Schäden bei Konzernen wie Hoechst, Shell und Nestle, während sie selbst zur bekanntesten Umweltorganisation aufsteigt.

Es sind die Gegner, die Greenpeace groß machen. Brigitte Behrens, heute Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland, verdankt ihren Job der französischen Regierung. Die Soziologin bewirbt sich 1985 im Hamburger Büro. Damals gibt es dort 17 bezahlte Mitarbeiter und kein Geld für Neueinstellungen. Ein paar Wochen später versenkt der französische Geheimdienst das Greenpeace-Schiff "Rainbow-Warrior" im neuseeländischen Auckland und tötet dabei einen Fotografen. Dieser Anschlag, offenbar von höchster Stelle in Paris angeordnet, beschert Greenpeace weltweit Publicity und Spenden, die schlagartig alle finanziellen Probleme lösen. Brigitte Behrens wird eingestellt.

Heute ist die 49-Jährige eine der mächtigsten Frauen in der Umweltschutzorganisation. Sie verwaltete im vergangenen Jahr einen Etat von rund 72 Millionen Mark, führte 121 Mitarbeiter und war eine wichtige Stimme bei Greenpeace International. Weltweit ist Greenpeace in 41 Ländern aktiv, unterhält 27 Büros, bekommt von 2,5 Millionen Spendern regelmäßig Geld. Etwa tausend Personen sind hauptberuflich angestellt, zigtausend arbeiten ehrenamtlich. Der Öko-Konzern ist wie eine Holding organisiert, mit nationalen Töchtern unterschiedlicher Rechtsform, die von der Amsterdamer Zentrale straff geführt werden. Deutschland ist mit Abstand der reichste Greenpeace-Ableger. Und auch hier gilt: Wer das meiste Geld macht, hat den größten Einfluss.

Greenpeace nutzt die Medien und landet in einer Sackgasse. Der WWF feiert derweil mit leisen Koalitionen kleine Erfolge.

Doch was anfangen mit den Millionen? Wohin den Öko-Tanker steuern? Das Problem von Greenpeace ist der Erfolg. Es gibt kaum noch offenkundige Umweltsauereien, keine Abwasserrohre, die man medienwirksam verstopfen könnte - jedenfalls nicht in wohlhabenden Ländern mit liberaler Öffentlichkeit. Denn nur dort hat die Organisation Chancen, mit ihrer Konfrontationsstrategie durchzudringen: ohne freie Presse kein Greenpeace.

Die Medien haben Greenpeace groß gemacht, dafür hat Greenpeace den Medien Futter geliefert. Doch das einst harmonische Verhältnis ist seit der Brent-Spar-Kampagne getrübt. 1995 verhindern die Umweltschützer die von Shell geplante Versenkung der Ölplattform im Atlantik. Kleiner Schönheitsfehler: Als der Sieg schon greifbar ist, veröffentlicht Greenpeace Zahlen über die Giftmenge in der Brent Spar, die sich später als falsch erweisen. Ein harter Schlag für eine Organisation, " deren kollektives Lebensgefühl bis heute gekennzeichnet ist durch einen gewissen heilsaristokratischen Zug, der Gewissheit, unbedingt im Recht zu sein und recht zu handeln und eigentlich von jeder Legitimationspflicht entbunden zu sein", wie es in der jüngst erschienenen Studie "Greenpeace auf dem Wahrnehmungsmarkt" heißt.

Selbst mancher Greenpeacer hält den Triumph über Shell für einen Scheinsieg, wenn auch aus anderen Gründen. Der Erfolg war nur um den Preis einer drastischen Simplifizierung des Problems zu haben. So verschweigt man, dass die Brent Spar zu 50 Prozent Exxon (Esso) gehörte. Vor allem aber wird nicht thematisiert, dass jeder Autofahrer täglich seinen Teil zur Umweltkatastrophe beiträgt. Nur deshalb kann sich in Deutschland eine eigenartige Koalition an die Kampagne anhängen: von den Grünen bis zum damaligen Kanzler Kohl, von der " Bild" bis zu Hunderttausenden Autofahrern, die statt bei Shell bei Aral tanken (oder bei Esso). Brigitte Behrens sieht das natürlich ganz anders: "Der eigentliche Erfolg war, dass mehrere Jahre später bei der OSPAR-Konferenz generell verboten wurde, Plattformen im Nordostatlantik zu versenken." Im Schatten der Regenbogenkämpfer und weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit wächst derweil der WWF zur "ersten internationalen Umweltbewegung moderner Ausprägung", wie es in der "Schriftenreihe zur politischen Ökologie" heißt. Finanziell durch eine Stiftung abgesichert, weitet die Organisation ihre Aktivitäten aus, ohne den Artenschutz zu vernachlässigen. Der WWF verbucht zwischen zwei und drei Millionen Quadratkilometer geschützter Natur auf seinem Konto. In den achtziger Jahren entdeckt der WWF das Thema " nachhaltige Entwicklung", also Umweltschutz nicht gegen, sondern mit den Menschen in der so genannten Dritten Welt, und setzt es auf die internationale Agenda. In den neunziger Jahren kommen Handel und Umwelt sowie der Klimawandel hinzu. Hochrangige Funktionäre aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft sorgen für einen kurzen Draht zu internationalen Organisationen, in denen die Weichen für die Umwelt gestellt werden. Die Strategie: statt Konfrontation Lobbyarbeit und Kooperation mit Wirtschaft und Politik.

So verpflichtete sich die AEG gegenüber dem WWF, innerhalb von zwei Jahren den Energieverbrauch ihrer Geräte um 25 Prozent zu senken. Unilever sagte zu, nur Fisch aus nachhaltigem Fang zu vermarkten. Die Weltbank hat sich die Kriterien des WWF für eine nachhaltige Forstwirtschaft zu Eigen gemacht. In den USA will die Organisation mit einer "Climate Savers Group" eine Bresche in die Anti-Klima-Lobby schlagen; IBM hat ihre Teilnahme bereits zugesagt. Heute ist der WWF mit rund fünf Millionen Förderern und Einnahmen in Höhe von 360 Millionen Dollar im vergangenen Geschäftsjahr die größte unabhängige Umweltschutzorganisation der Welt. In Deutschland hat die Umweltstiftung im vergangenen Jahr mehr als 40 Millionen Mark eingenommen. 20 Prozent seiner Gesamtmittel bezieht der WWF mittlerweile von staatlichen und staatsnahen Einrichtungen, etwa zehn Prozent von Unternehmen und Stiftungen.

Der Schulterschluss mit den Mächtigen bedingt aber eine gewisse Beißhemmung. So deckte der britische " Guardian" auf, dass der WWF gemeinsam mit der Europäischen Kommission eine 1997 abgeschlossene Studie über die Zerstörung von Tropen-(Info) Literatur/Kontakt Christian Krüger, Matthias Müller-Hennig: Greenpeace auf dem Wahrnehmungsmarkt. Lit Verlag, 2000; 250 Seiten; 39,80 Mark.

Im Web: www.greenpeace.de; www.wwf.de; www.panda.org wäldern durch multinationale Holzkonzerne drei Jahre lang geheim gehalten hat. Offenbar aus Angst, einige kritisierte Länder wie Malaysia könnten lokale WWF-Büros schließen, wie das Blatt vermutet. Und der WWF Neuseeland ließ sich von Shell großzügig sponsern, während gleichzeitig der WWF Großbritannien vehement gegen Umweltsünden des Konzerns in Nigeria protestierte. Dass das keinen guten Eindruck macht, muss auch Georg Schwede, Geschäftsführer des WWF Deutschland, zugeben: "So etwas darf nicht mehr passieren. Sponsoren müssen bestimmte Mindestkriterien erfüllen." Sein Frankfurter Büro sieht ähnlich aus wie das von Brigitte Behrens, auch vom Habitus her ähneln sich die Öko-Manager: zurückhaltend, ausgewogen argumentierend, wenig charismatisch. Nur hat Schwede weniger Scheu, offen von "Marktsegmentierung", " Fundraising-Strategien" und "Unique Selling Points" zu sprechen. Überhaupt kommen Greenpeace und der WWF mittlerweile gut miteinander aus. Behrens sagt: "Wir informieren uns gegenseitig." Schwede sagt: "Es gibt eine gute Arbeitsteilung." Heißt: Der eine spielt den bösen Cop, der andere den guten. Greenpeace steigt den Managern aufs Dach, der WWF setzt sich mit ihnen an den Tisch.

Die Welt ist zu komplex für Ideologien - das gilt auch für die Öko-Bewegung. Nun regieren bei Greenpeace und dem WWF Realos.

Doch so trennscharf ist die Arbeitsteilung zwischen " Neinsagern" und "Wiesagern" (Schwede) nicht mehr. Auch bei Greenpeace haben seit langem die Realos das Sagen, zu denen Brigitte Behrens ebenso gehört wie der jetzt aus dem Amt geschiedene Chef von Greenpeace International, Thilo Bode. Ihre Devise lautet: Die Industrie schafft Probleme, aber eben auch die Lösungen. So hat Greenpeace gemeinsam mit einer ostdeutschen Firma den ersten Kühlschrank ohne FCKW gebaut, zusammen mit Renault das Zweieinhalb-Liter-Auto entwickelt und eine interessante Studie zu den Folgen der Öko-Steuer bei einem wirtschaftsnahen Institut in Auftrag gegeben. Ein Kurswechsel, der intern heftig umstritten war und den die Öffentlichkeit kaum registriert hat. Das ist wohl auch ganz gut: Ohne ihren Aktionistenmythos wäre die Organisation auf dem Spendenmarkt deutlich weniger erfolgreich. Und auf Spenden ist Greenpeace, die anders als der WWF kein Geld von Regierungen und der Industrie nimmt, dringend angewiesen. Doch dem WWF geht es nicht anders: Was das Schlauchboot für Greenpeace, ist für ihn der Panda. Beide Organisationen setzen auf alte Symbole, weil Probleme von heute wie Klimawandel und Gentechnik sich nicht auf einfache Bilder bringen lassen. > Hinter der Fassade haben sich die einst radikalen Greenpeacer und der einstige Honoratioren-Club WWF längst angenähert. Thilo Bode, der jüngst im feinen Zwirn beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit Managern plauderte, wäre vor zehn Jahren bei Greenpeace " noch nicht glatt runtergegangen", lästert etwa Thomas Schultz-Jagow. Er muss es wissen, er war bis 1996 Atom-Aktionist bei Greenpeace, heute leitet er die Kommunikationsabteilung des WWF International in Gland (Schweiz). Georg Schwede drückt sich diplomatischer aus: "Es gibt auch in der Umweltbewegung eine Tendenz zur Mitte, zur Realpolitik. Wer etwas bewegen will, muss Lösungen anbieten. Das gilt für uns und Greenpeace gleichermaßen." Auch in der Öko-Bewegung haben Ideologien ausgedient, man unterscheidet nur noch zwischen modern und unmodern.

So gibt es nicht viel, was die beiden Organisationen wirklich trennt. Greenpeace macht die bessere PR und ist unabhängig vom großen Geld; der WWF hat die besseren Kontakte und kann weltweit, von Madagaskar bis zum Schaalsee, Umweltprojekte vorweisen. Ansonsten sind beide Organisationen international ausgerichtet, auf wenige Kemfelder konzentriert, professionell und hierarchisch strukturiert. Die Basis hat weder bei Greenpeace noch beim WWF etwas zu melden. Schwede sieht darin kein Problem: "Wir werden nicht von unseren Fördermitgliedern gewählt. Aber sie bekennen sich mit ihrer Spende zu unserem Programm." Auch um die Spenden kämpfen beide Öko-Konzerne mit denselben Mitteln: hartnäckige Mailings, Stände in Fußgängerzonen, Drückerkolonnen - man ködert seine Kundschaft nicht viel anders als der Bertelsmann-Buchclub. Und das durchaus erfolgreich: WWF und Greenpeace konnten die Zahl ihrer Förderer auch in Zeiten nachlassenden Umweltbewusstseins steigern.

Die härtesten Kritiker der Öko-Verbände sind die wenigen verbliebenen Umweltschützer alter Schule. Peter Willers, Vorstand der Aktionskonferenz Nordsee hält Greenpeace eine oberflächliche Politik vor, die " wahre Probleme eher ver- als aufdeckt. Das ist der Preis einer Organisation, die groß geworden ist, Geld braucht und geliebt werden will". Greenpeace habe eine " Ablassmentalität" kultiviert. Motto: "Mit eurer Spende an uns könnt ihr euer Gewissen beruhigen, wir werden's schon richten." Ganz falsch liegt Willers nicht. Greenpeace-Geschäftsführerin Behrens: "Wir haben viele Fördermitglieder aus der gehobenen Mittelschicht mit gesichertem Einkommen. Darunter sind etliche, die einerseits ökologisch engagiert sind, andererseits aber zwei oder drei Autos in der Garage stehen haben." Sie selbst fährt Golf (Baujahr 90, mit Katalysator). Die typische WWF-Förderin ist nach Auskunft der Marketing-Abteilung um die 40, wohnt in einer Großstadt, hält ein Haustier und unternimmt gern Fernreisen. Ihr dürfte die Kritik eines Umweltschützers wie Reinhard Behrend von Rettet den Regenwald e. V., der den WWF als "ausgelagerte Umwelt-Abteilung der Industrie bezeichnet", genauso egal sein wie den Profis in Frankfurt und Hamburg.

Viel unangenehmer ist den Strategen bei Greenpeace und dem WWF, dass sie das Thema des Monats verschlafen haben: die BSE-Krise. "Wir können nicht überall dabei sein", sagt Brigitte Behrens knapp. Ihr Kollege Schwede gibt sich nachdenklicher: "Alle Natur- und Umweltverbände gemeinsam haben es in zehn Jahren nicht geschafft, den unbeweglichen Tanker Agrarpolitik nur um ein paar Grad vom Kurs abzubringen. Und dann sorgen 30 infizierte Rinder für eine Revolution." Das klingt fast ein bisschen neidisch. Dann redet Schwede über eine "strategische Neuausrichtung" des WWF. " Wir werden künftig mehr auf Kampagnen setzen, werden aber sicherlich nicht Greenpeace kopieren." Trotzdem könnte es auf dem Spendenmarkt eng werden. Denn Greenpeace hält an ihrem Unique Selling Point fest: der Aktion. "Warum sollten wir unsere Grundprinzipien ändern?", fragt Fouad Hamdan. "Unsere Schlauchboote werden noch lange im Einsatz sein." Unterm Strich ist der Beitrag von Greenpeace und dem WWF zur Rettung der Welt eher bescheiden: Die Menschheit rast weiter mit Höchstgeschwindigkeit auf den Abgrund zu. "Was ist die Alternative?", fragt Schwede. "Ohne den WWF ginge es den Tigern weltweit viel schlechter, der indische Tiger wäre vielleicht schon ausgestorben." Und ohne Greenpeace gäbe es sicherlich keinen FCKW-freien Kühlschrank.