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Der TÜV wird taff

Reorganisation. Man hat ein Monopol und Mitarbeiter, die beamtengleich besoldet werden. Einen geschützten Markt. Dann ist auf einmal alles ganz anders. Wie sich der TÜV Rheinland/ Berlin-Brandenburg neu organisierte und dabei neu erfand.




Nichts ist so schlimm, dass es nicht auch sein Gutes hätte. Nehmen wir mal eine Explosion. Für die meisten ist sie schiere Destruktion. Ein Feuerball, ohrenbetäubender Krach, Trümmer und Scherben, die herumliegen. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Das Gute an einer Explosion ist, dass danach alles anders aussieht als zuvor. Das ist gut, wenn die alte Ordnung nichts mehr taugt. Zuweilen tut es auch ein tüchtiger Aufschlag, sagen wir mal: 1,5 Tonnen mit 65 Stundenkilometern ungebremst gegen eine Stahlwand - vorausgesetzt, man verinnerlicht den Nutzen, den so etwas hat.

Dies ist die Geschichte des TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg, die zeigt, wie man aus einem Monopol ein markttaugliches Wissensunternehmen machen kann. Es ist die Geschichte, wie eine staatliche Institution sich verändern kann. Nicht die einzige Geschichte, aber eine, die gut ausgeht. Und eine die lehrt, was Reorganisation und Vertrauen miteinander zu tun haben.

Rainer Strang, Direktor für Kommunikation der Unternehmensgruppe TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg und sein Kollege Kay Werner-Funke sitzen in der ersten Etage des TÜV-Towers in Köln. Von hier aus werden 7000 Mitarbeiter gemanagt. Die Bedingungen, unter denen das geschieht, sind für Laien ein wenig verwirrend. Es ist ein scheinbar friedliches Büro. Es ist Mittag. Das gedehnte "Maaahlzeit" von den Fluren beruhigt selbst nervöse Gemüter. Man fühlt sich sicher. Ein Fehler.

Denn nun beginnen die Wände zu surren, rrrrrr. Kaffeetassen vibrieren, erst leicht, dann ziemlich heftig, und das Rrrrr wächst sich aus, kommt auf uns zu. Es klingt wie eine Herde Elefanten im Dauerlauf. Dann kracht es gewaltig, Tusch. Die Tassen heben gerade vom Tisch ab, Computer und Schreibutensilien gehen ein Stück mit. Die Elefanten müssen explodiert sein. Irrtum ausgeschlossen. Doch noch irritierender ist, dass Strang und Werner-Funke das völlig kalt zu lassen scheint. Sie heben nicht mal die Augenbraue. Erst als sie die Angst in unseren Augen bemerken, sagt Strang beiläufig: "Ach so, da unten machen wir die Crash-tests." ,Ja, ja", fügt Werner-Funke hinzu, "da unten auch." Kurz darauf kracht es wieder. Man kann sich an alles gewöhnen. Nehmen wir mal den freien Markt.

Sicherheit und Vertrauen gehören zusammen. Vertrauen ist der Kleister, der die Wissensgesellschaft zusammenhält.

Zwei Dutzend Etagen höher rumpelt es immer noch ein klein wenig, wenn in der bunkerähnlichen Kelleretage Autos auf ausdrücklichen Wunsch ihrer Produzenten an die Wand gefahren werden. Ganz oben im Kölner TÜV-Turm sitzt Professor Bruno Braun, der Chef. Er ist Vorsitzender der Vorstände der Unternehmensgruppe TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg, der Große Vorsitzende sozusagen. Sein mächtiger Schnauzbart suggeriert rheinische Gemütlichkeit, doch ansonsten ist alles picobello hier in der Chefetage des TÜV-Towers. Hier regiert der Ingenieur, da hat alles seine Ordnung. " Ein Produkt, dem man vertraut, wird sicher ein Geschärt", sagt Bruno Braun. Um dem Produkt vertrauen zu können, muss es sicher sein. Das hieß früher mal: Man musste seine Benutzung überleben.

Der Erfolg des TÜV begann vor 130 Jahren mit einer Menge Explosionen. Die Dampfmaschine war eine "Killer Application", in jeder Hinsicht. Es gab keine Sicherheitsnormen für Dampfdruckkessel. Jeder Ingenieur baute sozusagen auf der Grundlage einer gewissen Sachkenntnis der Materie seinen Kessel. Explodierende Kessel waren für die frühe Gewerkschaftsbewegung ein Synonym für die brutale Ausbeutung der Arbeiter durch die Industriekapitalisten. Sicherheit kostete denen zu viel. Je stärker die Arbeiter-(Info) TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg Der TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg beschäftigt mehr als 7000 Mitarbeiter. Der (vorläufige) Umsatz für das Jahr 2000 beträgt 1,286 Milliarden Mark.

1997 erfolgt die Fusion des TÜV Rheinland mit dem TÜV Berlin-Brandenburg. Die Unternehmensgruppe gliedert sich in die Geschäftsbereiche Anlagentechnik, Mobilität und Verkehr, Bildung und Consulting, Produktsicherheit und -qualität sowie Neue Geschäftsentwicklungen, zu dem etwa Datensicherheit und Wissenstransfer in Netzwerken gehören. Der TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg hat 80 Auslandsniederlassungen in 41 Landern Schwerpunkt des Auslandsgeschäfts ist der asiatische Raum.

Kontakt www.tuev-berlin de und www.tuev-rheinland.de bewegung aber wurde, desto mehr gerieten die laxen Dampfkesselbetreiber unter Druck.

Um die Berufsehre ging es den Vertretern des Vereins Deutscher Ingenieure, der in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts gegründet worden war. Und die Ingenieure, unentbehrlich für die Industrie, setzten bei ihren Auftraggebern 1877 die Gründung der Dampfkessel-Überwachungsvereine durch. Das waren die unmittelbaren Vorläufer des heutigen TÜV.

Die Überwachungsvereine erstellten nun Normen und Regeln für den Bau und Betrieb, prüften und sicherten, und das führte dazu, dass Dampfkessel sich nicht mehr spontan und unüberhörbar aus dieser Welt schafften. Bald schon erteilte der Staat den TÜV-Stellen quasi amtlichen Status, regelte ihr regionales Monopol. Die Vereine prüften im öffentlichen Interesse und im Auftrag der öffentlichen Hand Produkte aller Art auf ihre Tauglichkeit. Maschinen, Aufzüge, Leitern, Elektrogeräte, Flugzeuge, Schiffe, Industrieanlagen, später Computer und natürlich im Zweijahresrhythmus Autos und unzählige andere Dinge. Wie gesagt: auf einem Monopolmarkt mit Kunden, die nicht immer wollten, aber nicht anders konnten. Diese Struktur wird nach der Wende aufgelöst. Die Regionalmonopole geraten ins Wanken, dringen auf die bislang geschützten Märkte ihrer Bruder-Vereine vor.

Tusch. Die Kaffeetassen wackeln. Niemand guckt.

TÜV-Prüfer waren bei den Kunden als Nörgler vom Dienst bekannt. Geht man zu so jemandem, wenn man nicht muss?

Bruno Braun wird 1993 TÜV-Rheinland-Chef. Die Zielvorgabe ist so schlicht wie unter den damals herrschenden Rahmenbedingungen reichlich unrealistisch: Unter seiner Führung soll die traditionelle Prüforganisation regionaler Prägung, die vornehmlich in staatlichem Auftrag im geschützten Markt tätig ist, zum international operierenden Dienstleister umgebaut werden. Der TÜV, wie er damals war, ist praktisch eine Behörde. Die Kölner Prüfer haben wie andere TÜV-Ingenieure und Fachleute einen hervorragenden Ruf. Doch sie sind bei den Klienten, die jetzt schlagartig zu Kunden werden, nicht gerade gut angesehen.

Deutlicher: "Wir waren da, ganz offen gesagt, in Verschiss geraten", erzählt Strang. TÜV-Prüfer nervten Produzenten mit Sicherheitsvorschriften und Auflagen, ließen ansprechend gestaltete, aber eben ein wenig lebensgefährliche Elektrogeräte nicht auf den Markt gehen und waren bei Millionen Autofahrern sowieso als Nörgler vom Dienst bekannt, die bei jedem noch so hübsch aufpolierten Gebrauchtwagen etwas zu meckern fanden. "Unsere Techniker konnten ihre Ware nicht verkaufen", sagt Braun. Der Ingenieur an der TÜV-Spitze gab die Parole aus: "Denkt als Berater, nicht als Prüfer". Klingt einfach. Doch der TÜV-Prüfer, der zum Sicherheitsberater umorganisiert wurde, war schließlich eine Respektsperson. So eine Rolle, die auch ein wenig mit Allmacht zu tun hat, gibt man nicht so mir nichts, dir nichts auf. Beraten - das klang verdächtig nach verkaufen.

Ganz unverständlich ist das nicht: Im sensiblen Sicherheitsgeschäft kann das nämlich leicht missverstanden werden. Denn wenn jemand Sicherheit nicht mehr verordnet, sondern verkauft, ist er dann nicht auch käuflich? "Auf keinen Fall", antwortet Strang, "das wäre ja völliger Unfug. Der Ton muss sich ändern, nicht die Musik. Unsere Leute klären die Kunden heute eben freundlich auf, dass es wenig bringt, wenn sich die Hinterachse bei 180 Sachen auflöst. Das wird dann in der Regel schon verstanden." Und aus der Qual der TÜV-Überprüfung muss eine Übung für den Verbraucher werden, die dieser auch bewältigen kann. Wem die Zeit fehlt, sein Auto selbst zum TÜV zu bringen, der ruft einfach an. Der Wagen wird dann vom Kunden abgeholt, überprüft und später wieder zurückgebracht.

Zum Kunden zu gehen, nicht nur zu dem, der einen rostigen Kotflügel hat, wurde Maxime. Man zitierte nicht mehr in die Prüfstelle, sondern ging offensiv dorthin, wo die Probleme entstehen, in die Fertigung, und zuvor in die Entwicklung, die Forschung. Statt nachzubessern und vorzuschreiben wollte Braun seinen Kunden in der Industrie von Haus aus etwas bieten, was ihnen im Konkurrenzkampf Marktanteile sichern musste. Der Anfang wurde dort gemacht, wo Sicherheit längst zum wichtigsten Kaufargument geworden ist: in der Automobilindustrie, Bei Ford in Köln sitzt ein Fünf-Mann-Team des TÜV in der Pkw-Entwicklung. Praktisch jeder Automobilhersteller von Rang hat heute die TÜVler im Haus. Das gab den Kölnern neue Wachstumsimpulse. Elektrogeräte- und Computerhersteller, Industrieanlagenbauer und etliche andere Produzenten folgten der Idee, die TÜV-Experten gleich bei der Planungsphase mit ins Werk zu holen. " Damit haben wir extrem gute Erfahrungen gemacht", sagt Holger Hütz, Chef der TÜV-Abteilung Mobilität und Verkehr. Und die Kunden kommen auch gern in den Keller des TÜV-Turms, in die Crashtest-Abteilung, um sich in einem mit Panzerglas geschützten Raum anzusehen, ob sich die gemeinsame Arbeit auch gelohnt hat. Dann knallt es wieder unter der Erde, das Haus bebt, obwohl "hier gar nix passieren kann", schwört Hütz. Fünf Meter entfernt guckt ein Crashtest-Dummy, dem die Unterarme fehlen und dessen Kopf nach hinten gedreht ist, Hütz irgendwie komisch an.

"Unsere bravsten Mitarbeiter", sagt der darauf bloß. Klar, die kriegen alles ab und nie eine Rente. Dass das bei den echten TÜV-Leuten ganz anders ist, hatte der Unternehmensgruppe einst arge Probleme bereitet. Mit bis zu 75 Prozent des letzten Bruttogehalts - unabhängig von der Entwicklung der staatlichen Rente - durften die TUV-Prüfer früher in den Ruhestand gehen. Für ein privates Unternehmen ein unkalkulierbares Risiko. Bei der neuen Regelung, die seit vergangenem Jahr für mehr als 1400 Beschäftigte gilt, wird ein Mix aus Basisversorgung, innerbetrieblicher Vorsorge und eine ergebnisorientierte Zusatzversorgung angewandt, die sich am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bemisst. Diese Regelung teilt die TÜV-Mitarbeiter nicht mehr in zwei Klassen, in jene, die vor der Privatisierung im De-facto-Beamtenstatus ihren Rentenanspruch erwarben, und jene, die seit 1993 in den privaten TÜV eintraten. So etwas klappt aber nur, wenn Jammern und Klagen über die alten Verluste nicht zur Regel werden. Es braucht Motivation: Die sich ändernde Organisation darf nicht alt riechen, nicht alt denken. Sie muss nach wie vor ständig beweisen, dass der Abschied vom Staat nicht dem Tod gleichkommt.

Es geht um Vertrauen. Das hat bekanntlich einiges mit Sicherheit zu tun. "Vertrauen ist die stärkste Marke des 21. Jahrhunderts", sagt Braun. "Und das müssen wir täglich nach innen leben. Die Marke ist überall. Beim Kunden und beim Mitarbeiter." Und dann tauchte in den neunziger Jahren immer öfter ein Prüfsiegel-Konkurrent auf Geräten auf. Das von der europäischen Gemeinschaft erfundene CE-Zeichen, Communaute Europeenne. Das CE-Zeichen bedeutet, dass der Hersteller nach Belieben eine von vielen Normen erfüllt hat. Das TÜV-Siegel weist das ganze Produkt als betriebssicher aus. So kann ein Mobiltelefon ein CE-Zeichen tragen, weil der Hersteller die - relativ bescheiden angesetzten - Anforderungen der EU-Harmonisierer im Bereich der elektromagnetischen Verträglichkeit erfüllt. Irgendwo im Kleingedruckten der Bedienungsanleitung steht das dann auch. Ob aber das Handy wenig Strom braucht, möglicherweise mit leicht explosiven Akkus ausgestattet ist oder die Antenne sich im Ohr des Benutzers verhakt, ist eine andere Sache.

Sicherheitsprüfungen sind teuer - und sie fordern hohe Materialqualität. Das kommt in Zeiten von Preiskriegen nicht so gut.

Für das CE-Siegel spricht vor allem der Rotstift bei den Produzenten. Komplexe Prüfverfahren kosten Geld. Doch das Prüfen -das darf nicht vergessen werden - erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern immer auch die Qualität. Ein mit mehr Sachverstand entwickeltes Bauteil kostet mehr als eines, das den geringsten Anforderungen entspricht. Sicherheit und Qualität sind siamesische Zwillinge. Das hat aber auch einen Haken, denn: Wo intensiver an der Produktsicherheit und Qualität gearbeitet wird, ist das Endprodukt auch teurer. In Zeiten heftiger Preiskriege und immer kürzerer Produktzyklen, wie sie vor allem für Unterhaltungselektronik und Computer gelten, kann der Hersteller damit seine Marktstellung riskieren. Kein Wunder, dass einige auch dem TÜV näher traten: Könne man nicht ein wenig lockerer mit dem Siegel umgehen? Kann man nicht, sagt Braun bestimmt: "Wenn wir an der Qualität der Prüfverfahren herumdrehen, treffen wir unseren Lebensnerv. Dann wäre alles umsonst gewesen." Nochmals umdenken also, umorganisieren. Dienstleistung ist gut und die Grundlage des Geschäfts. Doch Wissen muss verkauft werden. Wer weiß, was sicher und qualitätsvoll ist, der vermag in Zeiten zunehmenden Info-Wirrwarrs zu punkten - vorausgesetzt, er ist sich bewusst, was er tut. Braun definiert die neuen Unternehmensinhalte: "Wir waren immer ein Wissensunternehmen. Aber wir haben es nicht gesagt. Unser Produkt heißt Know-how." Und das ist mehr als ein paar Häkchen am Prüfformular.

Sicherheitssiegel allein sind nicht genug - der TÜV arbeitet als Wissensmakler für Hersteller, die fremde Märkte erobern.

Wissen nützt nichts, wenn es nicht organisiert wird, wenn es nicht so aufbereitet wird, dass die, die es kaufen wollen, möglichst einfach an das Know-how herankommen. Wissen ist praktisch verwertete Information und Erfahrung. Entkomplizierung komplexer Vorgänge. Sicherheitsrichtlinien und Vorschriften aber sind komplizierte Ingenieursmaterie. Fast jedes Land der Welt hat andere Sicherheitstraditionen und Regeln.

Es gibt also einen globalen Markt. Und zugleich gibt es eine diffuse Menge an Vorschriften, die ein einzelner Hersteller nicht mehr überschauen kann. Allein 1998 exportierten deutsche Produzenten Waren im Wert von knapp 90 Milliarden Mark in den asiatisch-pazifischen Raum. Das bedeutet aber auch, dass in jedem Empfängerland aufwändige Prozeduren für die Produktzulassung gestartet werden müssen. Bürokratien funktionieren immer gleich - langsam, und für die, die mit ihnen zu tun haben, sind sie teuer. Auf globalen Märkten kann das fatale Folgen haben. Auch die Produkte von Kleinunternehmern und Mittelständlern werden von lukrativen Märkten in Übersee angefordert. Die haben dann vielleicht ein nationales Prüflogo, aber die Vorschriften für das Land, mit dem sie das große Geschäft machen könnten, die fehlen. Nicht wenige Exportgeschäfte gehen so verloren - denn Monate wartet heute selbst der begehrlichste Abnehmer nicht mehr auf Ware.

Nicht nur die in Sachen Produkthaftung als verschärft geltenden Bedingungen in den USA sind da die Angstgegner der Exporteure. Japan etwa verfügt weltweit über führende Sicherheitsvorschriften - bei einem " Null-Spielraum", wie Rainer Strang weiß. Der Export erweist sich als Zulassungsminenfeld. Die TÜVler entwickelten ein neues Geschäftsfeld: sicher durch das Minenfeld zu kommen. "Wenn wir unser ,Geprüfte Sicherheit'-Siegel für einen Hersteller vergeben, fragen wir automatisch auch all die Vorschriften, Standards und Normen ab, die in den Exportzielländern gefordert sind", erklärt Strang. "Statt vieler Prozeduren ist die Sache dann in einem Aufwasch erledigt." Für den Hersteller bedeutet das: rechtzeitig und nach allen Regeln geprüft auf den Exportmarkt zu kommen. "Wir sind Pfadfinder", nennt das Braun,"und das ist eine Leistung, die immer unerlässlicher wird." Dazu braucht es mehr als einen guten Internetanschluss und ein paar Dolmetscher. In den frühen Siebzigern wagte sich der Kölner TÜV zaghaft ins benachbarte Ausland - nach Luxemburg. In den neunziger Jahren wurde die Internationalisierung zum wichtigsten Unternehmensziel: Mehr als 40 globale Filialen der Kölner bringen heute rund ein Drittel des Gesamtumsatzes, in "zehn Jahren soll das schon die Hälfte sein", sagt Braun, und der gemütliche Schnauzbart zwirbelt sich ganz energisch.

Das Wichtigste sei ja, sagt der TÜV-Chef, "dass die Leute sich sicher fühlen, das gilt für die Hersteller und für die Kunden gleichermaßen." Kaufentscheidend ist das, weiß er, gerade in jenen Feldern, wo sich Verwirrung schon der Materie halber leicht breit macht. Computer sind für die Wissensgesellschaft das, was Dampfmaschinen für die Industriegesellschaft waren: das wichtigste Produktionsmittel. Und sie sind ungefähr so sicher wie die frühen Dampfkessel. Akkus entladen sich schlagartig aus Handys und Notebooks in Richtung Verbraucher, und dann und wann implodiert ein Monitor, während nebenan der Laserdrucker hilft, das Ozonloch zu schließen.

Computer sind die Dampfmaschinen des Wissenszeitalters: allgegenwärtig, aber bisher nur selten kompakt geprüft.

Sicherheit vorm Monitor bedeutet aber mehr, als am Leben zu bleiben: Computerviren, Hacker und grenzenloser Leichtsinn machen das System unsicher. Ist die Software für die Geräte kompatibel? Bietet das Virenschutzprogramm tatsächlich das, was der Hersteller verspricht? Ist die Firewall, die Eindringlinge im Internet von den wertvollen Unternehmensdaten fern halten soll, geprüft dicht? Erfüllt die Netzwerkkarte die landläufigen Standards? All das ist heute keineswegs selbstverständlich. Selbst simple Anschaffungen im IT-Bereich geraten für den Kunden zur Schnitzeljagd nach Normen und Qualitätsstandards. Hunderte von verschiedenen Logos sowie ISO- und DIN-Standards gibt es, für Virenprogramme, Energiesparen, sicheren Datentransfer, Netzteile, Magnetfeld-Verträglichkeit.

Die Hersteller wissen, dass die Kunden nach Klarheit dürsten. Bis jetzt gab es keine Chance für den Verbraucher, auf einen Blick herauszufinden, ob sein Rechner den Risiken gewachsen ist. Ein schlichtes rundes Prüfsiegel des TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg bringt Licht ins Dunkel. Seit Mitte Februar 2001 können Produzenten ihre Geräte so prüfen lassen. Auf einen Blick lässt sich dann erkennen, ob das Ding hält, was die Werbung verspricht. Wer es genau wissen will, für den stehen Websites und WAP-Portale zur Verfügung, die genaue Auskunft über Prüfverfahren und Standards bieten. Vertrauen verträgt Kontrolle.

Das "TÜV Inside"-Siegel soll in die Welt, meinen die Kölner, als Synonym für deutsche Gründlichkeit, Sicherheit und Qualität. Und - mal was Neues: Klarheit.