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Brainball

Hirnströme steuern ein Spiel – in Schweden entsteht ein Prototyp für die Spiele von morgen.




Vergesst Videogames! Die wahren Abenteuer sind im Kopf. Und in einem Geschicklichkeitsspiel, das mit Hirnströmen gesteuert wird.

Zwei Menschen mit bunten Stirnbändern sitzen einander gegenüber, starren ins Leere, zwischen ihnen ein langer Tisch, in dessen Mitte eine unscheinbare kleine Kugel liegt. Auf einer großen Leinwand hinter dem absurd anmutenden Szenario flackern rote und grüne Diagramme auf. Plötzlich bewegt sich das kleine Kügelchen. Zuerst ganz langsam, wie von Geisterhand, dann aber immer zügiger und zielstrebiger rollt es nach rechts auf den zu, der da Buddha gleich mit halb gesenkten Augenlidern in einem tranceähnlichen Zustand vor sich hin brütet. Jetzt ist die Kugel bei ihm angekommen. Der Buddha erwacht aus seiner Lethargie, reißt die Hände in die Höhe. Er hat gewonnen.

Das Spiel heißt "Brainball", die Kugel auf dem Tisch wird durch die Hirnaktivität der Kontrahenten gelenkt. Das Messen elektromagnetischer Spannung im Gehirn kennt man von EEG-Untersuchungen aus dem Krankenhaus. Neu ist, dass mit den Mikrovolt ausstrahlenden Menschengehirnen Maschinen gesteuert werden können. Wer bei Brainball vorn dabei sein will, muss Alpha-Wellen in einem Frequenzbereich von acht bis zwölf Hertz produzieren. Denn sie versetzen die Kugel am Tisch in Bewegung. Normalerweise entstehen Alpha-Wellen in Phasen der Entspannung. Genau darin liegt die Crux des Spiels, denn nicht der aggressiv Kampflustige gewinnt, sondern derjenige, der mit besonderer Absichtslosigkeit, beinahe Passivität, an die Sache herangeht. Sobald bei einem der Brainball-Spieler auch nur die leiseste Nervosität oder der leichteste Siegeswille aufkommt, entstehen in seinem Hirn Beta-Wellen zwischen 18 und 30 Hertz, und die Kugel geht verloren. Den Elektroden, die unter den Stirnbändern verborgen sind, entgeht nichts. Damit auch die Zuschauer etwas davon haben, werden die Hirnaktivitäten der Kontrahenten in Form von je zwei Kurven - eine für die Alpha-, eine für die Beta-Wellen - auf eine Leinwand projiziert.

Die Idee zu diesem Spiel kommt aus dem schwedischen Interactive Institute, einer Institution, die interdisziplinär zwischen Forschung, Kunst, Design und Wirtschaft agiert. Dabei geht es vor allem darum, innovative Konzepte für neue digitale Produkte und Services zu entwickeln. Brainball ist nur eines von vielen Projekten. "Insgesamt haben wir über 170 verschiedene Projekte laufen", sagt Studio-Manager Ingvar Sjöberg. Während das Institut Prototypen herstellt, kümmert sich sein Kollege Peter Albinson um die Vermarktung. "Brainball ist für Museen und Science-Centers interessant, es kommen aber auch viele Anfragen von Unternehmen." Was derzeit noch abschreckt, ist der Preis von 30000 Euro. Produziert wird nur nach Bestellung. Doch Brainball, davon ist Peter Albinson überzeugt, hat das Zeug zur Serienfertigung.

Heute ist Brainball ein unkonventionelles Spiel, bei dem es ums Andersdenken geht. Doch nichts spricht dagegen, dass die hirngesteuerte Mensch-Maschine-Kommunikation eines Tages auch in anderen Gebieten zum Einsatz kommen könnte. Vielleicht bricht dann die Ära der Gehirnmuskelprotze über uns herein. Und Vorsicht: Wer sich nicht konzentriert, verliert.

(Info) Kontakt The Interactive Institute, Smart Things-Studio, PO. BOX 24081, S-104 50 Stockholm, Telefon: +46 87 83 24 50, eMail: smartinfo@interactiveinstitute.se, http://smart.interactiveinstitute.se/smart/smart_eng/proj ekt_eng.html