Was kommt? - Der Osten

S. E. Gergely Pröhle, 36, ist Botschafter der Republik Ungarn in Deutschland. Wegen des geplanten EU-Beitritts des Landes im Jahr 2004 haben manche Bedenken. Unnötig, sagt der Botschafter. Die Ostintegration findet längst statt – und funktioniert.




In Deutschland befürchten viele, dass sich mit der EU-Osterweiterung ein Heer billiger Arbeitskräfte auf den Weg nach Westen machen wird. Zu Unrecht. In Ungarn haben wir mit 5,6 Prozent eine deutlich niedrigere Arbeitslosenquote als in Deutschland. Schon heute ist es schwierig, Arbeitnehmer aus dem wirtschaftlich schlechter entwickelten Osten unseres Landes in die gut ausgelasteten Westgebiete zu locken.

Seit der Wende sind wir mit der Modernisierung unserer Volkswirtschaft weit vorangekommen. Ein Beispiel: In den letzten zehn Jahren hat Ungarn unter anderem durch steuerliche Begünstigungen Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Höhe von rund acht Milliarden Mark angezogen. Umgekehrt gehen bereits heute 40 Prozent unserer Exporte in die Bundesrepublik. Vor allem im Bildungsbereich hat sich viel getan. In der Folge haben einige namhafte deutsche Firmen wie Siemens Forschungseinrichtungen in Ungarn gegründet, die mit unseren Universitäten zusammenarbeiten.

Klar, unsere Wettbewerbsfähigkeit - und vor allem unsere Verwaltung - muss weiter verbessert werden. Unter anderem geht es darum, das in manchen Bereichen existierende Korruptionsproblem in den Griff zu kriegen. Auch daran arbeiten wir. Laut einer Umfrage in deutschen Unternehmen halten nur 19 Prozent der Befragten Bestechlichkeit für ein entscheidendes Thema in Ungarn. Im vergangenen Jahr waren es noch 26 Prozent.

Übrigens gibt es auch bei uns Ängste. So meinen manche Unternehmer, hoch qualifiziertes Personal könnte in den Westen abwandern. Diese Furcht ist meiner Ansicht nach ebenfalls unbegründet. So haben bislang lediglich 400 Ungarn das Greencard-Angebot der Bundesrepublik Deutschland in Anspruch genommen.