Der große Preis

Die Lage rund um das Kaspische Meer ist unübersichtlich. Es gibt russische Friedenstruppen, amerikanische Einsatzkräfte und Blauhelme der UNO, es werden Bürgerkriege geführt, Staaten gegründet und Allianzen geschmiedet. Ein vermeintliches Chaos, das durch einen einzigen Begriff einen Sinn bekommt: Öl. "Is there any man, is there any woman, let me see any child here, that does not know that the seed of war in the modern world is industrial and commercial rivalry?" (US-Präsident Woodrow Wilson nach dem Ersten Weltkrieg)




"Is there any man, is there any woman, let me see any child here, that does not know that the seed of war in the modem world is industrial and commercial rivalry?" US-Präsident Woodrow Wilson nach dem Ersten Weltkrieg Die Stimme Henry Kissingers war auffallend unaufgeregt, als der US-Nachrichtensender ONN den ehemaligen US-Außenminister am 11. September, wenige Stunden nach den Anschlägen in New York und Washington, per Telefon interviewte. Anders als die meisten Befragten, die an diesem Tag nichts als Entsetzen und Trauer ausdrückten, forderte Kissinger in gewohnt ruhiger, von schwerem deutschen Akzent durchdrungener Sprache, dass die Vereinigten Staaten sich gegen die Angreifer militärisch verteidigen müssten. Nur wenige Tage dauerte es danach, bis die amerikanische Regierung den Feind, das Böse, ausgemacht hatte: Osama Bin Laden und das Taliban-Regime in Afghanistan. Washington setzte seine Soldaten in Bewegung.

Polit-Pensionär Kissinger ist auch ein Vierteljahrhundert nach seinem offiziellen Rückzug aus Washington ein umtriebiger und viel gefragter Mann. Sein Geld verdient er vorwiegend mit politischer Lobbyarbeit für zahlungskräftige Firmen. Einer seiner Kunden ist der amerikanische Ölkonzern Unocal. Vor sechs Jahren, am 21. Oktober 1995, wohnte Kissinger in New York einer Zeremonie bei, auf der Unocal-Manager mit Saparmurad Niyazov, dem exzentrischen Diktator von Turkmenistan, ein Abkommen unterzeichneten. Vereinbart wurde, dass Unocal zwei Pipelines von den gerade entdeckten enormen Öl- und Gasfeldern in dem zentralasiatischen Land bis zu Pakistans Küste bauen würde - quer durch Afghanistan.

In dem Land tobte damals wie heute ein blutiger Bürgerkrieg, doch die Taliban-Truppen waren auf dem Vormarsch und schienen das Land zu einigen und zu befrieden. Das zumindest glaubte die US-Regierung, deren Verbündete Pakistan und Saudi-Arabien die Taliban maßgeblich unterstützten. Als die Radikal-Islamisten im September 1996 Kabul einnahmen, glaubte die Regierung Bill Clintons, dies bedeute Stabilität am Hindukusch.

Die Chancen für den Bau der Pipelines quer durch einen von den Taliban kontrollierten Korridor von Herat nach Kandahar stiegen. Auf Einladung des Ölkonzerns Unocal reisten im Februar und November 1997 zwei Taliban-Delegationen nach Washington und Houston. Sie führten Gespräche mit US-Regierungsvertretern und Unocal-Chefs, auf Konzernkosten wurden sie in einem Fünf-Sterne-Hotel untergebracht, sie besuchten Supermärkte, den Zoo und die NASA-Zentrale. Erst nach Protesten amerikanischer Feministinnen gegen die Unterdrückung von Frauen in Afghanistan rückte die US-Regierung vom Taliban-Regime und den Pipeline-Plänen ab. Das vorläufige Ende des Öl-Projekts kam im August 1998 mit den amerikanischen Raketen-Angriffen gegen Bin Ladens afghanische Ausbildungslager, als Vergeltung für Bomben-Attentate auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania.

Drei Jahre später führen die Vereinigten Staaten, im Verbund mit einer ebenso großen wie brüchigen Anti-Terror-Koalition, Krieg gegen das Taliban-Regime in Afghanistan. Sinn des Feldzuges, so verlautet aus Washington, sei es. Bin Laden zu fangen und seine Terrorzellen auszuschalten.

Viele Menschen in und um Afghanistan bezweifeln allerdings, dass es den Amerikanern allein um Bin Laden geht. Dass sich die US-Regierung - von Präsident Bush über seinen Vize Dick Cheney bis zur Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice - aus ehemaligen Topleuten der Ölindustrie zusammensetzt und maßgeblich von ihr unterstützt wird, ist bekannt. Nur wenige hundert Kilometer nordwestlich von Afghanistan, auf dem Grund des Kaspischen Meeres, liegen die weltweit größten unerschlossenen Vorräte an Öl und Erdgas, für die schon Hitler die Wehrmacht in den Kaukasus schickte. Sie erscheinen nun als der große Preis im Kampf um Kabul. Wie Vize-Präsident Cheney, damals noch Chef des Ölfirmenzulieferers Halliburton, in einer Rede vor Öl-Industriellen im Jahre 1998 in Washington sagte: "Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der eine Region so schnell strategisch so wichtig geworden ist wie jetzt die kaspische." Aserbaidschan: Baku, das "Sunset Cafe" Im "Sunset Cafe" treffen sich "die Ölmänner". Nicht die harten Jungs von den Bohrinseln, die trinken ihr Bier lieber im "O'Mailley's", wo sie schottische Witze erzählen und Wetten auf den nächsten Hubschrauberabsturz abschließen. Das "Sunset" ist für mittlere Manager mit zu großen Brillen und Khaki-Hosen, die sich nach Feierabend nach einem Stück Texas sehnen. Im "Sunset" servieren dralle blonde Kellnerinnen in engen Jeans T-Bone-Steaks mit French Fries. Sie bemühen sich, Englisch mit amerikanischem Akzent zu sprechen, man kann in Dollars bezahlen. Hier können die Ölmänner für ein paar Stunden vergessen, dass Baku - Boom hin, funkelnde Glitzerneubauten in der Innenstadt her - das bleibt, was man im Englischen ein Shithole nennt.

Auch eine pittoreske Altstadt mit alten Minaretten macht einen Ort nicht schöner, wenn die Luft in den Straßen Tag und Nacht von penetrantem Petroleumgestank durchzogen ist. Der neue Bürgermeister der Stadt hat sich obendrein als korantreuer Sittenwächter herausgestellt: Alle Straßencafes wurden geschlossen, die Polizei verhaftet neuerdings auch Ausländer, die mit Nutten erwischt werden. Die Stimmung unter den Ölmännern ist gedrückt.

Baku, das Öl-Dorado, ist mit dem Kalifornien im Goldrausch verglichen worden, aber es hat noch immer einen mächtigen sowjetischen Kater. Es wimmle von Spionen, Geschäftemachern und Bösewichtern, sagt man. So wie im letzten James-Bond-Film, "The World is not Enough", der in Baku spielt.

"Agenten? Ohne Frage. Auf jeden Ölmann in dieser Stadt kommt mindestens ein Agent, und viele Ölmänner arbeiten selbst für Geheimdienste", raunt Vahid Mustafayev. In seinem makellosen dunklen Anzug mit dick gebundener gelber Krawatte, beides aus Italien, würde der drahtige Mann mit dem kantigen Gesicht selbst einen guten Bond abgeben. Nur Mustafayevs kurz geschorene schwarze Haare, der Stoppelbart und die flackernden Augen sind leicht unenglisch. Eher sehr kaukasisch.

Mit seinen 35 Jahren ist Mustafayev bereits eine Legende in Aserbaidschan. Heute Chef des Azerbaijan News Service (ANS), des einzigen regierungsunabhängigen Fernseh- und Radiosenders im Lande, hat er in den Neunzigern als waghalsiger Fernseh-reporter über alle blutigen Kriege des Kaukasus berichtet, von Berg-Karabach über Abchasien (im Nordwesten von Georgien) und Südossetien (im Südosten von Georgien) nach Tschetschenien, auch für CNN und die ARD. "Bei all den Kriegen ist es immer auch um Öl gegangen", sagt er. "Die Russen wollen die große Pipeline verhindern." Seit dem Ende der UdSSR vor zehn Jahren rangeln internationale Rohstoffkonzerne, Anrainerstaaten und Großmächte um die Ölreserven des Kaspischen Meeres. Allein Aserbaidschan und Kasachstan, so schätzt das US-Energieministerium nach Probebohrungen, sitzen auf Vorkommen von mehr als 110 Milliarden Barrel, dreimal so viel wie die Reserven der USA. Nur in Saudi-Arabien gibt es mit etwa 262 Milliarden Barrel noch mehr Öl.

In westlichen Hauptstädten, die seit der Ölkrise von 1973 ihre Abhängigkeit von arabischen OPEC-Scheichs mindern wollen, hat der vermutlich letzte große Fund am Kaspischen Meer Euphorie ausgelöst. Immerhin importieren allein die USA jeden Tag Rohöl im Wert von 150 Millionen Dollar, ein Drittel davon (etwa 2,6 Millionen Barrel) aus dem Nahen Osten. Während westliche Regierungen reihenweise korrupten kaspischen Potentaten den Hof machen, haben Konzerne fette Verträge abgeschlossen und 30 Milliarden Dollar in neue Förderanlagen investiert.

"Nur ein Problem gibt es: Das Öl liegt tausende Kilometer von Hochseehäfen entfernt, aus denen es Tanker zu den Märkten der industrialisierten Welt bringen können", erläutert Mustafayev. "Also müssen Pipelines gebaut werden." Und um deren Verlauf gibt es am Kaspischen Meer, im Kaukasus und in Zentralasien, seit fast zehn Jahren Konflikte - und Kriege.

Was im 19. Jahrhundert der englische Dichter Rudyard Kipling romantisch als "The Great Game" verklärte, das geostrategische Ringen zwischen dem Britischen Königreich und dem zaristischen Russland um Einfluss in der Region, ist wieder voll entbrannt. Mit dem Unterschied, dass nun die Amerikaner Gegenspieler der Russen sind. Und dass außerdem dieses Mal die Regionalmächte - der Iran, die Türkei, China und Pakistan - kräftig mitmischen.

Moskau, das sich noch immer als Chef seiner im 19. Jahrhundert eroberten ehemaligen kaukasischen und zentralasiatischen Kolonien fühlt, will die Amerikaner auf Armlänge halten. Russland, nach Saudi-Arabien selbst der zweitgrößte Erdölexporteur der Welt, besteht darauf, dass die Pipelines für das kaspische Öl wie zu Sowjetzeiten über sein Territorium laufen, nördlich des Kaukasus-Gebirges zum Schwarzmeer-Hafen Novorossiysk. Mustafayev meint: "Die Russen hassen die Vorstellung, dass wir hier unten den fetten Jackpot gewinnen und sie nichts davon abkriegen sollen." Die Vereinigten Staaten wollen den kostbaren Rohstoff russischem Zugriff entziehen. Eine südliche Route durch den Iran, seit 20 Jahren Amerikas Erzfeind, kommt für Washington allerdings ebenfalls nicht in Frage. Es will eine Pipeline, die sowohl Russland als auch den Iran umgeht. "Die Amerikaner sagen, sie wollten Russlands Monopol auf Öltransport in der Region brechen und damit die Unabhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepubliken von Moskau stärken", erläutert Mustafayev weiter.

Seit 1998, als alle Pipeline-Pläne für Afghanistan begraben werden mussten, macht Washington deshalb Druck für ein gigantisches Pipeline-Projekt über 1750 Kilometer von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku über das Nachbarland Georgien zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Zuerst hatte diese Idee die türkische Regierung, die befürchtete, Tanker aus dem Schwarzen Meer könnten im engen Bosporus havarieren und Istanbul verseuchen. Bauen soll die Pipeline die Azerbaijan International Operating Company (AIOC), ein internationales Konsortium aus einem Dutzend Ölkonzernen, angeführt von BP Amoco. Anfangs war die AIOC allerdings strikt gegen die Leitung, weil sie zu lang und mit 2,8 Milliarden Dollar zu teuer schien. Zudem würde sie durch politisch sehr unruhige Gebiete verlaufen.

Das ist auch heute noch das Hauptproblem, glaubt Mustafayev: "Russland setzt alles daran, den südlichen Kaukasus zu destabilisieren, also Krisen und Kriege schwelen zu lassen und so Investoren abzuschrecken." Zuerst sei das im Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Enklave Berg-Karabach geschehen, bei dem Anfang der Neunziger Zehntausende getötet wurden und fast eine Million Aserbaidschaner flüchteten. "Die Russen haben die Armenier gegen uns aufgehetzt und unterstützt", glaubt Mustafayev. "Seitdem ist klar, dass es keine Pipeline durch Armenien und Karabach geben wird." Das Gesicht des jungen Mannes verfinstert sich, wenn er an den Tag denkt, an dem sein Bruder, ebenfalls Kameramann, beim Filmen in Karabach ums Leben kam. Zerfetzt von einer Granate. Mustafayev holt ein zerknittertes Foto heraus, es zeigt nichts als unscharfe Grashalme und viel Himmel. "Das war die letzte Kameraaufnahme, nachdem mein Bruder getroffen und zu Boden gefallen war." Eine Weile schweigt Mustafayev. Dann grient er plötzlich und sagt: "Das Problem der Russen ist nur, dass ihre alte Pipeline von Baku nach Novorossijsk auch durch ein Gebiet führt, das nicht gerade friedlich ist - Tschetschenien." Inguschetien: Nazran, das Flüchtlingslager Altievo Beslan Albukarov lebt in einem Schweinestall, mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Töchtern. Wie gut 2000 andere tschetschenische Flüchtlinge, die in den Stallen der ehemaligen Kolchose "MTF Altievo" in Nazran Obdach gefunden haben. "Auf den dritten Winter gehen wir jetzt zu, zum Glück haben wir ein Dach über dem Kopf", sagt Albukarov, der vor seiner Flucht zu Beginn des zweiten Krieges 1999 ein Lebensmittelgeschäft in der Hauptstadt Grozny hatte. Seine Tochter Milona, zehn Jahre alt, die bereits den ersten Krieg von 1994 bis 1996 mit ihrer Mutter in Inguschetien verbrachte, erinnert sich nur noch blass an ihr altes Zuhause. "Alle meine Freunde kommen jetzt aus dem Lager", sagt sie.

"Spontane Niederlassungen" heißen die notdürftigen Unterkünfte in der Sprache des UNHCR, des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen. Hunderte solcher Lager und ein halbes Dutzend riesiger Zeltstädte gibt es in Inguschetien, Tschetscheniens winziger Nachbarrepublik, in die sich etwa 200 000 tschetschenische Zivilisten vor den brutalen Kämpfen zwischen Separatisten und der russischen Armee geflüchtet haben. Der Konflikt begann vor zehn Jahren, als Tschetschenen-Führer das Land, nach dem Beispiel anderer Sowjetrepubliken, für unabhängig erklärten. Moskau nahm das nicht hin und führte seitdem zwei gnadenlose Feldzüge, die mehr als 100 000 Menschen, die meisten Zivilisten, das Leben gekostet haben sollen.

Anfang des Jahres erklärte der Kreml die abtrünnige Republik offiziell für befriedet und fordert seitdem Flüchtlinge auf, in ihre Heimat zurückzukehren - jedoch ohne Erfolg. "Die Menschen haben Angst. In Tschetschenien herrschen schlimmere Anarchie und Gewalt als je zuvor", sagt der deutsche Leiter einer Hilfsorganisation, die von Nazran aus Nahrung und Medikamente in das zwei Autostunden entfernte zerbombte Grozny bringt.

Der Mann, der ungenannt bleiben will, berichtet von russischen Söldnern, die systematisch tschetschenische Dörfer durchkämmen, männliche Teenager verschleppen und sie brutal foltern. Freigelassen würden sie erst, wenn die Verwandten ein Lösegeld von 1000 Dollar zahlen. "Auf jeder Fahrt nach Grozny packt mich wieder das Grauen. Aber im Westen will niemand von den Verbrechen hier wissen." Erst recht nicht, seit Russlands Präsident Vladimir Putin Washington davon überzeugt hat, dass die tschetschenischen Rebellen nichts als islamische Terroristen seien, die man gemeinsam bekämpfen müsse.

Auf die Frage, um was es in dem Krieg gehe, bekommt man an diesen kalten Herbsttagen in inguschetischen Flüchtlingslagern wenige pathetische Antworten wie " Freiheit" oder "Unabhängigkeit" zu hören. Um Geld gehe es, sagen die meisten. Geld aus Waffenverkäufen, aus Kidnappings und für das Öl. Durch Grozny führt die alte Pipeline aus Baku. "Hätten eben alle gern die Hände drauf, auf der Pipeline", sagt ein Tschetschene, der seit Jahren in Nazran lebt. Und bitter ironisch fügt er hinzu: "Da lohnt es sich doch zu kämpfen." Durch den hohen Norden Tschetscheniens, geschützt von der russischen Armee, wurde inzwischen eine neue Pipeline gebaut, die das gigantische Ölfeld Tengiz in Kasachstan mit einem neuen Terminal in Novorossiysk am Schwarzen Meer verbindet. Rund 2,6 Milliarden Dollar kostete die 1730 Kilometer lange Leitung, durch die 560 000 Barrel pro Tag fließen können. Betrieben wird sie von einem internationalen Ölfirmen-Konsortium, das von den jüngst fusionierten US-Giganten Chevron und Texaco angeführt wird. Mitte Oktober, wenige Tage nach dem Abschluss in Houston, Texas, floss in Novorossiysk das erste Rohöl in einen italienischen Tanker. Dass der US-Konzern nicht auf die Fertigstellung der von Washington favorisierten Ceyhan-Pipeline wartete, sondern sich für einen Transportweg durch Russland entschied, bringt Milliarden Dollar an Zöllen für Moskau und ist ein erster Triumph seiner Außenpolitik.

Aserbaidschan: Baku, das Hauptquartier von BP Amoco Die Villa Petrolea, die Konzernzentrale von BP Amoco in Baku, liegt im Süden der Stadt, nur wenige Autominuten entfernt von Bibiheybet, einer der gespenstischsten Industrieödlandschaften der Erde. Direkt am Ufer rosten hier hunderte Derricks, alte 01-fördertürme, inmitten riesiger Lachen aus schwarz glänzendem, schleimigem Ölschlick und rosa Wasser. Noch immer quälen sich einige Schwengelarme knirschend und rasselnd auf und ab, wie nickende Esel aus Stahl, und saugen Rohöl aus dem Erdreich. So verseucht ist das Gelände, dass auf mehreren Quadratkilometern nicht eine grüne Pflanze wächst, nicht ein trockener Grashalm.

Hier brach Ende des 19. Jahrhunderts der erste Öl-Boom Bakus los, als die Rothschilds und Nobels in die Stadt kamen, famose Profite machten und ihre heute verfallenen grandiosen Villen bauten. Mehr als die Hälfte des Öls auf dem Weltmarkt kam vor hundert Jahren aus Baku. Aber auch die russische Arbeiterbewegung hatte hier ihre Ursprünge, aufgestachelt von einem georgischen Agitator namens Joseph Stalin. Nach der Oktoberrevolution vertrieb die Avantgarde des Proletariats die Ölbarone und verfeinerte deren Methoden, um die Natur restlos zu verseuchen. Auch die Villa Petrolea, in der heute BP Amoco die kaspischen Geschäfte leitet, war vor zehn Jahren noch ein Regierungsgebäude der Kommunisten. " Ja, das ist die Ironie der Geschichte", sagt Steve Lawrence, der joviale Konzernsprecher, während er schmunzelnd auf die vielen kleinen Hämmer und Sicheln blickt, die in der fein verzierten Stuckdecke der Eingangshalle prangen.

Lawrence ahnt die erste Frage. "Um es gleich zu sagen: Ja, die Pipeline scheint jetzt wirtschaftlich zu sein. Wenn es irgend geht, werden wir sie bauen." Schließlich habe BP Amoco, größter Anteilseigner im AlOC-Konsortium für den Bau der Ceyhan-Pipeline, bereits 150 Millionen Dollar allein für die Planung ausgegeben, die jetzt in der Schlussphase sei. Nur die genaue Route stehe noch nicht fest, aber im Sommer 2002 falle die endgültige Entscheidung. Bereits im Juni 2001 versprach Lord John Brown, Präsident von BP Amoco, bei einem Besuch in Baku, insgesamt 15 Milliarden Dollar in kaspisches Öl zu investieren. "Uns ist es also offenbar ernst hier." Es gebe natürlich gewaltigen politischen Druck, räumt Lawrence ein: "Seit Jahren drängt uns die amerikanische Regierung zu dieser Pipeline. Aber jetzt glauben wir, dass wir auch unsere Shareholder zufrieden stellen können, nicht nur US-Außenpolitiker." Das wirtschaftliche Risiko ist immens, die Gewinnspanne gering. Um die knapp drei Milliarden Dollar Baukosten wieder reinzuholen, müssten die Betreiber bei einem Barrelpreis von mindestens 18 Dollar pro Tag etwa eine Million Barrel Öl durch die Leitung pumpen. Eine Nord-Süd-Route durch den Iran oder Afghanistan wäre weitaus kürzer und günstiger, das Rohöl wäre außerdem viel leichter auf den boomenden Märkten Südostasiens zu verkaufen als im gesättigten Europa. "Die Iran-Route wäre natürlich eine attraktive Lösung, aber solange die US-Sanktionen gegen Teheran fortbestehen, können wir nichts machen", sagt Lawrence. "Wir können es uns nicht leisten, Washington zu verärgern." Die Reserven von BP Amocos Ölfeld Shah Deniz vor Baku allein reichen bislang nicht aus, um die Ceyhan-Pipeline auszulasten räumt Lawrence ein. Probebohrungen des vergangenen Jahres waren enttäuschend: Immer wieder stießen die Ingenieure nur auf trockenen Grund.

Es macht die Forscherarbeit nicht leichter, dass sich die fünf kaspischen Anrainerstaaten bis heute nicht geeinigt haben, wie das Meer und die darunter liegenden Schätze untereinander aufgeteilt werden sollen. So zwang im Juli ein iranisches Kanonenboot ein BP-Forschungsschiff, Testbohrungen südlich von Shah Deniz abzubrechen und umzudrehen. "Unsere Leute waren mehr als hundert Seemeilen von der iranischen Küste entfernt. Aber die Iraner waren bewaffnet, da war nichts zu machen", erzählt Lawrence. Das iranische Außenministerium begründete das Eingreifen damit, dass Teheran keine aserbaidschanischen Konzessionen an Ölfirmen anerkenne, solange nicht klar sei, wem was gehöre. "Also arbeiten wir daran, für die Ceyhan-Pipeline Öl von dritter Seite dazuzuholen." Das heißt: aus Kashagan, einem im vergangenen Sommer entdeckten Ölfeld am kasachischen Ufer des Kaspischen Meeres. Unter einem uralten Korallenatoll gelegen, ist Kashagan mit geschätzten 30 Milliarden Barrel vermutlich die zweitgrößte Ölblase der Erde. Die größte, Ghawar in Saudi-Arabien, birgt etwa 80 Millarden Barrel, die Felder der Nordsee noch insgesamt 17 Millarden.

Unmittelbar nach der sensationellen Entdeckung forderte der Kreml von der kasachischen Regierung, russischem Territorium Vorrang für eine neue Pipeline zu geben. Um das schwarze Gold nach Ceyhan zu bringen, müsste das vom amerikanischen Konzern ExxonMobil angeführte Kashagan-Konsortium es ohnehin zunächst über das Kaspische Meer nach Baku bringen. Und dort gehen die Probleme eigentlich erst los. Lawrence holt eine Landkarte des Kaukasus hervor. Ein langer roter Filzstiftstrich zeigt die Route der Pipeline. " Berg-Karabach umgehen wir natürlich. Aber Georgien ist verdammt riskant." Georgien: Tbilissi, der Rustaveli-Platz Eigentlich darf Alex Rondell nach seinem Herzinfarkt vor einem Jahr keinen Rotwein mehr trinken, aber Sonja, fesch forsche Kellnerin im Cafe am Rustaveli-Platz, schiebt seine flache Hand über dem Glas beiseite und gießt nach, aus der dritten Flasche. " Das vertragen Sie schon noch, Herr Professor", sagt sie und lacht. Doch Rondell, ein großer, barocker Bonvivant mit schlohweißem Haar, schiebt das Glas beiseite. Der Historiker und angesehenste politische Beobachter Georgiens, sieht heute sehr ernst aus.

"Früher oder später werden die Russen uns angreifen, und die Amerikaner werden wegschauen." Seit zwei Jahren beschuldigt Moskau die Regierung von Präsident Eduard Schewardnadze in Tbilissi, tschetschenischen Rebellen in den georgischen Bergen Zuflucht zu gewähren. Nun, nach den Anschlägen des 11. Septembers, fordern hochrangige russische Politiker, nach dem Vorbild der USA in Afghanistan endlich militärisch gegen tschetschenische "Terroristen" in Georgien vorzugehen. Bereits zweimal haben russische Flugzeuge georgische Dörfer an der Grenze zu Tschetschenien bombardiert.

"Russland ist unser Feind. Seit wir unabhängig wurden, tut Moskau alles, um unser Land zu destabilisieren und zu zersplittern", sagt Rondell. Er zeigt auf das Hotel-Hochhaus "Iberia", einen Steinwurf vom Rustaveli-Platz entfernt. Einst die beste Adresse der Stadt, flattert heute Wäsche auf Balkonen, die teilweise mit Spanplatten zu Wohnraum ungewandelt worden sind - für die mehr als 1000 georgischen Flüchtlinge aus der abtrünnigen Provinz Abchasien, mit denen das Hotel seit Jahren voll gestopft ist. 1000 von insgesamt etwa 300000, schätzt man. "Russland hat den Bürgerkrieg angezettelt, um seine Soldaten nach Georgien zurückzubringen, als so genannte Friedenstruppe." Rondell spricht das aus, was in Tbilissi jeder glaubt.

Nur eine Rettung gebe es: "Wir brauchen die große Pipeline, damit wir die USA weiter gegen Russland auf unserer Seite haben." Da es der Welt sonst nichts zu bieten habe, müsse Georgien seine geografische Lage verkaufen, als Knotenpunkt einer neuen Seidenstraße sozusagen. "Wir sind Bettler, aber lieber Bettler sein, als wieder unter Moskaus Knute leben." Doch Rondell macht sich Sorgen. Seit Monaten hört er von Freunden im Diplomatischen Corps, dass Washington die Geduld mit Georgien ausgehe; zu schlimm seien das Chaos und die Korruption der Machthaber. "Um Russland in die antiterroristische Koalition zu kriegen, werden die Amerikaner mit Putin einen Deal gemacht haben", glaubt Rondell. "Wer weiß, ob dabei nicht die Ceyhan-Pipeline geopfert wurde." > Abchasien: Suchumi, das Büro des Außenministers An der Wand hinter dem Schreibtisch von Sergei Shamba, dem abchasischen Außenminister, hängt eine nackte Frau. Lebensgroß, mit bemerkenswerten Brüsten, ein gesticktes Aktbild. Sie ist nicht allein. Von den drei anderen Seiten schauen sieben eingerahmte nackte Frauen Herrn Shamba bei der Arbeit zu, allesamt großbusig und in inspirierenden Posen. "Der Künstler ist ein Freund von mir, aus Suchumi, und, na ja, da dachte ich mir, warum auch nicht?", murmelt Shamba etwas verlegen. Gar nicht draufgängerisch, eher bedächtig wirkt der gut gekleidete, leicht ergraute Mann, der mal der angesehenste Archäologe Georgiens war.

Dass viele Staatsgäste an den Bildern Anstoß nehmen könnten, muss der Top-Diplomat nicht befürchten, denn Abchasien wird von keiner Regierung der Erde als Staat anerkannt. Seit sich die landschaftlich paradiesische Schwarzmeerprovinz Georgiens 1993 in einem blutigen Bürgerkrieg vom Rest des Landes abgespalten hat, kommt allenfalls mal ein Vertreter der Vereinten Nationen zu Besuch. Deren knapp über hundert Blauhelmsoldaten überwachen seit sieben Jahren einen wackeligen Waffenstillstand, zusammen mit 1700 selbst ernannten Friedenstruppen aus Russland, der Schutzmacht Abchasiens.

Damit sind russische Truppen nur einen Tagesmarsch von der geplanten Ceyhan-Pipeline entfernt. Und von einer alten kleineren Pipeline, BP Amocos bisheriger Notlösung, zwischen Baku und der georgischen Hafenstadt Poti, 150 Kilometer südlich von Suchumi. Im Süden grenzt Poti an die Provinz Adjara, wo russische Truppen in alten sowjetischen Kasernen stationiert sind. Weswegen Adjaras pro-russischer Präsident ebenfalls seit Jahren keine Anordnungen aus Tbilissi mehr annimmt. Georgien zerfällt.

Der Blick aus Außenminister Shambas Bürofenster reicht über die Trümmer der Innenstadt bis zu den zerbombten Ruinen der Hotels an der einst exklusiven Strandpromenade. Schepprige Ladas, die noch sowjetische Kennzeichen tragen, teilen sich die zerkraterten Straßen mit wenigen, meist alten Menschen und Kühen. Eine Geisterstadt. Nicht einmal mehr 150 000 Einwohner sollen in Abchasien leben. Auf dem Kasernengelände der russischen Friedenstruppen in Suchumi, direkt am Strand, machen Russen Urlaub, fettleibige Frauen in knappen Badeanzügen werden zum Strand von kalaschnikow-bewehrten Soldaten in Kampfuniform eskortiert. Abgesehen von der Acht-Uhr-Ausgehsperre, erinnert vieles an früher: Die Währung ist immer noch der Rubel, die Uhrzeit ist Moskaus, am Eingang der Kaserne zeigt ein großes Mosaik den Genossen Wladimir Üjitsch Lenin, mit hellblauer Krawatte.

"Dass Russland uns Abchasen für seine eigenen Zwecke benutzt, wissen wir", seufzt Außenminister Shamba, der selbst lieber Russisch statt Abchasisch spricht. "Aber genauso missbrauchen die Amerikaner die Georgier für ihre Ziele. Mit der Öl-Pipeline wollen sie doch nur die Russen aus dem Kaukasus verdrängen." In der nach dem 11. September gültigen Sprachregelung fügt er hinzu: "Die georgische Regierung ist ein Hort für internationale Terroristen, besonders Tschetschenen. Gemeinsam wollen sie Abchasien zurückerobern." Auf dem Rückflug in Richtung Tbilissi zieht der Hubschrauber der UN sehr niedrig über das verwüstete Grenzgebiet zwischen Abchasien und Rest-Georgien. Kein Dorf, kein Haus ist zu sehen, das nicht niedergebrannt wurde. Zolt Romvari, ein freundlicher ungarischer UN-Offizier, sagt: "Da unten ist sehr viel Hass. Die Kämpfe können jeden Moment wieder losgehen." Wenige Tage später wird derselbe UN-Hubschrauber auf dem Flug nach Suchumi von georgischen Freischärlern abgeschossen. Besatzung und Passagiere sind sofort tot. In den folgenden Tagen fallen Dutzende Abchasen und Georgier bei Gefechten.

Aserbaidschan: Baku, die Botschaft der USA Der Weg zu US-Botschafter Ros Wilson, Washingtons wichtigstem Diplomaten in diesem Teil der Welt, führt durch eine Metallschranke, die so lange piept, bis man auch den letzten Kugelschreiber aus der Tasche gekramt hat. Woraufhin die Sicherheitsbeamten, seit dem 11. September noch gewissenhafter als sonst, den Kugelschreiber in seine Einzelteile zerlegen - man kann nie wissen.

Auch Botschafter Wilson, ein hochaufgeschossener, schlanker Mann aus Minnesota, hat wohl ein paar mehr Akten als sonst auf seinem Schreibtisch. Er scheint ganz froh zu sein, mal wieder über Öl statt islamische Terroristen reden zu können. Schon die ersten Sätze verraten den geschliffenen Karriere-Diplomaten: "Wir sehen uns nicht in einem großen Spiel mit Russland. Wir haben unsere Interessen, die Russen haben ihre, aber sie müssen nicht unbedingt miteinander kollidieren." Das Gefühl einiger Russen, Amerika wolle sie aus der Region verdrängen, sei grundlos.

Nach einigen Phrasen über Demokratie, Frieden und Kooperation, die so sorgsam getrimmt sind wie sein rötlicher Vollbart, wird Wilson deutlicher: "Wir wollen sicherstellen, dass das kaspische Öl an die Märkte kommt." Das sei das Hauptargument für eine Pipeline, die Russland umgeht. Die Aserbaidschaner wüssten außerdem, dass nur die Pipeline nach Ceyhan ein Ticket für wirkliche Unabhängigkeit sei. "Die Aserbaidschaner versuchen natürlich, Amerika und Russland gegeneinander auszuspielen. Aber sie verstehen, dass nur die Vereinigten Staaten der Garant für ihre Unabhängigkeit sind." Wie einen Beschluss verkündet Wilson dann: "Das Öl wird nie durch Russland gehen." Um das Ceyhan-Projekt zu verhindern, sagt Wilson, habe Russland in der Vergangenheit den Südkaukasus, besonders Georgien, destabilisiert. "Allerdings scheint das jetzt nicht mehr das Ziel Moskaus zu sein", fügt er vorsichtig hinzu. Und wiederholt: Mit der Pipeline in die Türkei wolle Washington lediglich sicherstellen, dass das kaspische Öl an die Märkte gelange. Eine Route durch den Iran komme, trotz der Verständigung mit Teheran im Kampf gegen die Taliban, nicht in Frage. "Iran ist wie Russland ein Konkurrent Aserbaidschans, der dann das Kaspische Meer kontrollieren würde. Außerdem unterstützt der Iran Terroristen, also müssen wir seine Möglichkeiten beschneiden, Einkommen zu erzielen." Wilson erinnert an den Kanonenboot-Zwischenfall im Juli. Daraufhin habe Washington Aserbaidschan zwei Patrouillenboote geliefert, für die Küstenwache. Aber ein großes Spiel, ein Kampf ums Öl, Agenten und Spione rund ums Kaspische Meer? Wilson lacht, dünn bis tonlos: "Das gibt es doch nur in Romanen." Usbekistan: Karshi, die Khanabad Airbase Im Morgengrauen des 6. Oktobers, so berichten Zeugen später, landet ein sehr großes schwarzes Flugzeug auf der Khanabad Airbase, einem heruntergekommenen Luftstützpunkt in der weiten Steppe Usbekistans, etwa 150 Kilometer nördlich der afghanischen Grenze. Was sie da mit ohrenbetäubendem Lärm aus dem Schlaf rüttelt, das ahnen die Bewohner der Gegend sofort, ist keine der alten sowjetischen Antonovs, die sonst über ihre Häuser donnern. Tatsächlich ist es eine C131-Transportmaschine der US Air Force, die erste von hunderten, die in den nächsten Tagen und Wochen einfliegen sollen. Die Gerüchte der vorausgegangenen Tage stimmten: Die Amerikaner kommen.

An Bord der Maschinen befinden sich, wie das Pentagon zögernd bekannt gibt, 1000 Elite-Infanteristen der 10th Mountain Division, New York State, sowie Spezialeinheiten aus Fort Knox, Kentucky. Ihre offizielle Mission lautet, humanitäre Einsätze über Afghanistan zu fliegen und überdies abgeschossene US-Piloten zu retten. Weitere Details werden nicht bekannt gegeben, außerdem Schotten schwer bewaffnete Sondereinheiten des usbekischen Innenministeriums die Khanabad Base kilometerweit gegen mögliche terroristische Angreifer ab. Und gegen Neugierige.

Es sind die ersten amerikanischen Truppen mit Kampfauftrag, die auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion ihr Lager aufschlagen, zehn Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges. Warum Moskau, das Zentralasien noch immer als seinen strategischen Hinterhof betrachtet, die Stationierung schluckt, bleibt vielen Diplomaten der Region ein Rätsel. Manche vermuten ein geopolitisches Gegengeschäft zwischen Washington und Moskau, das, grob gesagt, den Russen den Kaukasus und den Amerikanern Zentralasien überlässt.

In den Kommuniques der Verhandlungen nach dem 11. September zwischen Washington, der usbekischen Regierung und Moskau ist weder etwas über Öl noch über Pipelines zu lesen, viel hingegen über den gemeinsamen Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Inzwischen hat das Pentagon bestätigt, dass sich bereits seit Sommer 1999 US-Spezialeinheiten der berüchtigten Green Berets in Usbekistan aufhalten und die usbekische Armee trainieren.

So streng sind die Sicherheitsmaßnahmen und die Geheimnistuerei der amerikanischen Truppen in Khanabad, dass keine Einheimischen auf der Basis angestellt werden. Alle Arbeiten, auch Kochen und Putzen, werden von Militärs verrichtet. Einzig Dolmetscher werden angeheuert, sie dürfen die Basis aber nicht mehr verlassen. Nur ein junger Übersetzer aus Taschkent, der anonym bleiben will, kündigte nach zwei Wochen, weil seine Frau ein Baby bekam. Man ließ ihn erst gehen, nachdem er versicherte, nicht über militärische Vorgänge zu plaudern. Daran hält er sich, fast. " Alles, was ich sagen kann, ist dies: Die Amerikaner richten sich so ein, als ob sie sehr lange bleiben wollten."