Auf ein Neues

Was haben die Green Bay Packers in einem Wirtschaftsmagazin zu suchen? Sicher, American Football ist ein gigantisches Geschäft - aber ausgerechnet die Packers profitieren kaum davon: Sie sind meist knapp bei Kasse. Statt eines amerikanischen Multi-Millionärs haben sie nur die Spargroschen der Bürger von Green Bay hinter sich (S. 94).




Wie das kommt? Genau das gehört in ein Wirtschaftsmagazin. Denn die Geschichte der Green Bay Packers handelt von unorthodoxen Lösungen, vom unbändigen Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen, von großen und kleinen Helden, harten Schlägen. Und von der Chance, die auch in der Krise steckt.

So hat es uns gut gefallen, mit den Packers aus einem Jahr zu gehen, das für viele zu einem Schreckensjahr geworden ist. Entlassungen in der neuen wie in der alten Wirtschaft, dazu Terror, Krieg und immer neue Spekulationen um eine Rezession: Wie wird da erst 2002?

Dieser Stimmung wollten wir eine brand eins-Ausgabe zum Thema Chancen entgegensetzen. Ursprünglich hatten wir sie uns ein wenig euphorisch gedacht, im Laufe der Recherche wurde sie immer bodenständiger. Denn Chancen, so haben wir festgestellt, haben mit Euphorie wenig zu tun. Oft genug steht am Anfang eine Krise, wie beim Möbelbauer Kartell, der fast pleite war, bevor ihm ein neuer Chef eine neue Identität und damit eine Zukunft gab (S. 80). Manchmal eine Niederlage, wie bei den Stammvätern des Smart, die erst lange nach der Trennung von MCC zu ihrer Ursprungs-Vision zurückkehrten (S. 102). Bisweilen auch bittere Not, wie im Fall des IT-Managers Daniel Preuß, der sein eher lockeres Wanderleben aufgab, um mit der Initiative Streetkids Waisenkindern in Tansania zu helfen (S. 138). Und eher selten steckt hinter der Chance nichts weiter als nüchterne Kalkulation, wie beim Computerbauer Dell, den die Krise der anderen nicht schert (S. 70).

Im Umkehrschluss könnte das heißen: Kaum eine Situation ist so aussichtslos, dass sie nicht auch eine Chance birgt. Und bisweilen, so zeigt auch die Geschichte der oft schmerzhaften Wandlung von Hoechst zu Aventis (S. 118), bedarf es eines größeren Leidensdrucks, um die Chance, die sich bietet, auch zu ergreifen.

So gesehen, haben wir alle Chancen für 2002. Wenn wir sie nutzen.