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Was kommt? Mehr Freiheit

Karen Lukas, 34, ist Schneidermeisterin und arbeitet als freie Modedesignerin. Die gebürtige Bremerin lebt seit 1996 in Hamburg, in einer kleinen Wohnung samt Atelier. Ihr Lieblingsentwurf heißt "the trouserskirtlongtop" und kann auf elf verschiedene Weisen getragen werden.




Ich werde mich in Zukunft nicht mehr darum scheren, was die anderen denken. Ich will noch viel mehr Freiheit in dem, was ich tue. Ich habe schon so oft alles, was ich gelernt habe, über den Haufen geschmissen und werde das sicher immer wieder machen. Vielleicht mit Materialien experimentieren, Leder nur an dünnen Satinbändern aufhängen. Das hält dann nicht lange, kann man aber auch wieder festnähen. Ich arbeite eben nicht wie eine Schneiderin, sondern wie eine Schlampe. Das ist es, was ich unter Design verstehe: auf meine Ideen zu hören und sie konsequent umzusetzen.

Ich mache keine Mode, ich mache Kleider, die frei von Zeit und Saison sind. Die Modebranche finde ich schrecklich. Verkorkst, label-fixiert, da kommen nur Marketingprodukte raus, nichts, was Persönlichkeit ausdrückt. Viele glauben, sie seien einzigartig, wenn sie Hightech-Turnschuhe zum Secondhand-Abendkleid tragen. Als könnten sie sich mit all der Information, die sie über Mode haben, Intelligenz kaufen. Die rennen Unabhängigkeit und Freiheit hinterher und knebeln sich aber gerade dadurch erst recht. Ich entziehe mich dieser Modewelt, kenne kaum jemanden aus der Branche und mache bei dem Image-Zirkus nicht mit. Wer meine Sachen kauft, muss Individualist sein. In jedes meiner Kleidungsstücke ist ein Schicksalsspruch aus einem chinesischen Glückskeks eingenäht. Meine Kunden sollen sich nicht nur anziehen, die sollen sich auch mit sich auseinander setzen. Wenn ich weiß, wer ich bin, muss ich mich nicht dauernd erklären. Ich wünsche mir, eines Tages in eine Straße voller Sonne einzubiegen. In der Straße stehen lauter humorvolle, offene Menschen, und die sehen auch so aus: leicht, echt und unabhängig. Sie staunen übereinander und erzählen sich aus ihrem Leben, ohne etwas zu erklären. Ich hoffe, dass wir auf dem Weg dorthin sind. Und dass die ganzen Kinder da draußen von Eltern gezeugt wurden, die so ähnlich denken. Außerdem will ich, dass die Börse geschlossen wird. Die Leute sollen endlich aufhören, mit Geld zu spielen. Das tut man nämlich nicht.