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Frisch erfunden - Hardware, qanz weich

Wearables haben Zukunft – im österreichischen Linz entwickelt die Gruppe "Lösungsmittel" Technik, die in Kleidung integriert wird.




In der Klasse für Industrial Design an der Linzer Universität für Künstlerische und Industrielle Gestaltung schraubten vor mittlerweile gut zwei Jahren fünf Studenten einen damals brandneuen MP3-Player auf, erforschten sein Innenleben und stellten fest, dass das Gerät lediglich aus einer winzigen Platine, einigen ebenso kleine Bauteilen und einem Akku besteht.

Warum, so fragten sie sich, macht die Technik Riesenfortschritte während das Produktdesign zieht nicht mit? Die Bauteile hätten auch ganz bequem in ein Kleidungsstück gepasst. Die Studenten, die heute als Gruppe Lösungmittel arbeiten, waren nicht die Ersten, die sich so etwas dachten.

Am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) prophezeit man schon seit langem, dass tragbare Computer, so genannte Wearables, unseren Alltag erobern werden. Das "Wie" ist dabei allerdings die entscheidende Frage.

Die erste Herausforderung für die jungen Linzer war es, die richtigen Materialien zu finden. Stoffe also, die strapazierfähig und wasserabweisend sind, sich trotzdem färben und mit schützendem Damm-Material verschmelzen lassen. Experimentiert wurde zu Hause, mit Waschmaschine und Backrohr.

Das Resultat: Kevlar und Cordura, beides Nylonfasern, lassen sich gut auf den Schaumkunststoff Polyurethan aufkleben. In diese Hülle wollte man die Elektronik verpacken. Die Variante, diese Kombination in T-Shirts zu integrieren, schien den Designern wenig erfolgversprechend. Ihr Produkt sollte sich mit einem Klettverschluss auf Kleidungsstücke applizieren lassen. Das Klettverschlussgegenstück wird einfach aufgebügelt. Der Prototyp war fertig: ein streichholzschachtelgroßes Radiogerät, das durch Druck auf die Stoffoberfläche gesteuert wird und links seitlich eine einzige Buchse hat, die für die Kopfhörer genauso wie zum Aufladen des Flachakkus verwendet werden kann. Das Ganze wiegt 49 Gramm und heißt Sound2wear.

Diesen Radio-Play er kann man heute um 139 Mark kaufen, ein MP3-Gerät kommt im Sommer auf den Markt. Lösungsmittel hat es in zwei Jahren geschafft, aus einem Prototypen ein Produkt zu machen, das heute tatsächlich in den Regalen liegt. "Es war ein Krimi bis zum letzten Tag", so die einhellige Meinung in der Gruppe. Man ließ sich das Prinzip patentieren und holte sich als Sound2wear Venture Capital an Bord. Insgesamt 2,2 Millionen Mark Entwicklungskosten für Radio- und MP3-Player waren nötig. Die Designer waren selbst an der Entwicklung von Werkzeugen und Maschinenstraßen für die Serienproduktion beteiligt.

Am Produktionsort, einem internationalen Elektronik-Hersteller, stehen neuerdings auch Nähmaschinen im Werk. Die Firma Sound2wear kümmert sich um die Vermarktung, die Gruppe Lösungsmittel hat mittlerweile einen wirtschaftlichen Berater in ihren Kreis mit aufgenommen.

Er kümmert sich um Verträge und hält dem Designerteam den Kopf frei für neue Ideen. Lösungsmittel hat Radios und MP3 in der Kleidung längst hinter sich gelassen. Derzeit denken sie viel über Licht nach, experimentieren mit Leuchtfolien und versuchen, Technik schick und praktisch zu machen.

(Kontakt) Lösungsmittel Produkt- und Industriedesign GmbH, Bürgerstraße 39, 4020 Linz, Österreich, Telefon / Fax: +4370793769, eMail: office@loesungsmittel.at