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Die Riskanten

Sie waren maßgeblich am Gründungs-Boom beteiligt. Dafür wurden sie geliebt. Sie waren nicht immer vorsichtig genug. Dafür wurden sie verspottet. Aber sie haben gelernt. Warum sollte es den Venture Capitalisten anders gehen als allen anderen?




Mit dem Neuen Markt kamen die Gründer. Mit den Gründern kamen die Venture Capitalisten zum Zuge. Oder umgekehrt? Jedenfalls war die Stimmung euphorisch: Endlich passierte etwas im Land.

Sie sind aus dem Stoff, der moderne Helden macht. Die meisten smart, eloquent, intelligent, gebildet, und immer haben sie Geld, das sie verteilen können. Aber das Netteste an ihnen ist, dass sie anderen Menschen helfen, Träume zu verwirklichen. Das ist schön von den Venture Capitalisten, die von sich selbst meist nur als VCs sprechen.

Sie tun Gutes, doch sie sind keine Altruisten. Wenn sie jemandem helfen, tun Venture Capitalisten es aus knallhartem Kalkül. Das ist ihr Job: Sie investieren Kapital, das sie bei Investoren eingesammelt haben, in Unternehmen, und wenn alles gut geht, verkaufen sie die ein paar Jahre später mit einem satten Profit. So weit die vereinfachte Version des VC-Geschäfts.

In der Praxis erfordert das Business eine Menge Expertise und Erfahrung, denn das Geschäft, das sich in der Theorie so einfach anhört, ist riskant: Die Finnen, die das Geld bekommen, sind oft sehr jung. Manche kaum über die Gründungsphase hinaus. Und die üppige Belohnung gibt's nur, wenn es gelingt, die richtigen Kandidaten herauszufiltern, sie zu soliden Firmen aufzubauen und zur rechten Zeit an den richtigen Käufer loszuschlagen.

Das war in Deutschland lange ein mühsames Geschäft, das nur ein paar wenige Spezialisten betrieben. Doch das hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert. Venture Capitalist ist ein Traumberuf geworden für ambitionierte Hochschulabsolventen, Manager und Unternehmensberater, die endlich einmal unternehmerisch tätig sein wollen. Dass das so ist, liegt an dem vollkommen veränderten Umfeld. "Wir hatten ordentlich Rückenwind", sagt Rolf Mathies, ehemaliger Top-Manager und heute Chef des Hamburger Venture Capitalisten Earlybird.

So könnte man es sagen. Das Geschäft mit dem Risikokapital entwickelte sich schlagartig mit der Gründung des Neuen Marktes 1997. Er lieferte, was VCs für erfolgreiche Geschäfte so dringend brauchen: die Möglichkeit zum Exit, zum Ausstieg aus der Firma. (Der Tradesale, der Verkauf von Unternehmen an andere Unternehmen, gilt als vergleichsweise mühsames Geschäft.) Mit dem Neuen Markt kamen die Gründer. Und mit ihnen kamen die Venture Capitalisten zum Zuge. Oder umgekehrt? Jedenfalls war die Stimmung euphorisch: Endlich passierte etwas im Land.

Die Freude darüber wird erst so richtig verständlich, wenn man sich die Mühe macht, ein paar Jahre zurückzudenken. Unisono beklagten damals Politiker, Verbände und Medien die fehlende Unternehmerkultur, die Angestellten-Mentalität der Deutschen, ihre Ideen- und Initiativlosigkeit. Und natürlich die Schwierigkeiten der wenigen Mutigen, Geld aufzutreiben. Die Banken blockten; reiche Privatleute bevorzugten Immobilien und Schiffsbeteiligungen. Bemühungen, bei Konzernen Geld aufzutreiben, endeten gewöhnlich in der Telefonzentrale. Die Nation schlief.

Doch dann kam sie, die Lawine des Geldes und mit ihr der Gründer-Boom. Lange schon hatten die zumeist angelsächsischen VCs den deutschen Markt belauert. Der Neue Markt war für sie wie ein Geschenk. Aber das neue Börsensegment hätte wohl kaum ausgereicht, um aus Schlafland Gründerland zu machen. Es war das Internet mit seinen neuen Technologien, das den Boom brachte. Und es war der Börsengang der Deutschen Telekom, der den Anlegern der Nation endlich klarmachte, was eine Aktie ist. Und dass man mit ihr Geld verdienen kann.

Es war eine Phase, in der alles zu gehen schien: Die Kurse am Neuen Markt stiegen. Bald schon träumten die Ehrgeizigen den Traum vom Unternehmersein und vom Reichtum.

Amerika machte es vor. Das Internetportal Yahoo war an der Technologiebörse Nasdaq plötzlich mit einer Milliarde Mark, wenig später sogar mit einem Vielfachen bewertet. Marc Andreessen, Begründer des Internetbrowsers Netscape und bald darauf Multimillionär, war das Vorbild nicht nur junger Amerikaner, sondern auch vieler Deutscher. eCommerce-Läden wie der Bücherversender Amazon.com und virtuelle Auktionshäuser wie eBay avancierten zu Börsen-Stars und machten auch dem letzten Skeptiker klar: "Irgendwas mit Internet" ist eine Goldgrube für alle Beteiligten - Unternehmer, Anleger, Start-up-Finanziers.

All das war wie Regen in der Steppe. Weil die Dürre so lang war, gab es kaum einen, der sich nicht satt trinken wollte.

Häme kann Spaß machen, hier ist sie fehl am Platz. Ohne Venture Capital hätte es die Aufbruchstimmung nicht gegeben.

Zu viel Übermut tut selten gut. Aber wer wollte schon Spielverderber sein? Nach so viel Sehnsucht? Bei so guten Aussichten? Die VCs sahen ihre Chance und ergriffen sie. Wie sich nun herausstellt, haben sich viele mit ihren Investments vertan: "Sie kauften die falschen Firmen für zu viel Geld", lästert ein Kollege, der anonym bleiben möchte. Man weiß ja nie, ob im eigenen Portfolio nicht auch ein Flop lauert.

Häme kann Spaß machen, hier ist sie fehl am Platz. Denn klar ist: Ohne Venture Capital wären die meisten viel versprechenden Gründungen nicht möglich gewesen. Dass sich manche im Überschwang irrten, liegt daran, dass die Situation für sie genauso neu war wie für die Unternehmer und Anleger. Und nicht nur die Situation war neu: Viele VCs lernten das Geschäft gerade erst selbst. Das an sich hätte schon gereicht für eine brisante Mischung, aber zu allem Überfluss waren auch noch die Technologien und die Geschäftsfelder, die sie finanzierten, neu.

Ob da das Alte noch galt? "Wer konnte schon wissen, ob nicht diese ganz neue Art von Geschäft nicht auch neuen Gesetzen unterliegt?", fragt Alexander Brühl von Atlas Venture. Niemand konnte es.

Ob aus Unerfahrenheit oder vielleicht sogar aus Gier - fest steht, dass viele Firmen Venture Capital bekommen haben, die besser keins gekriegt hätten. Doch der Anlagedruck war groß; die Investoren pumpten immer neue Mittel in den Markt. Es war eine unorthodoxe Zeit, und so wurde in Teilen offenbar auch investiert. Auch in Geschäftsmodelle außerhalb des klassischen VC-Betätigungsfeldes, das klar umrissen ist. "Unser Geschäft ist es, neue und viel versprechende Technologien zu finanzieren", sagt Frank Böhnke von Wellington. "Technologiebasierte Unternehmen", gibt Jan Berlage, Chef der Deutschen Venture Capital Gesellschaft an. Kollege Rudolf Franz von 3i, sagt, VC-Geld gehöre in "innovative Technologie mit Potenzial" investiert.

Das haben manche in der Branche offenbar aus den Augen verloren. Jedenfalls bekamen in den vergangenen zwei bis drei Jahren jede Menge Gründer sehr viel Geld, um Portale und eShops aufzubauen. Doch spätestens seit die Aktienkurse solcher Firmen massiv eingebrochen sind, werden Finanziers und Investoren wieder konservativ. Die schnellen Erfolge aus der Boomphase zählen nur noch wenig. "Unsere Investoren können durchaus zwischen Lucky Exits und solidem Geschäft unterscheiden", sagt Rolf Mathies von Earlybird. Auch Alexander Brühl gibt zu bedenken: "Die Investoren sind an einer Vervielfachung des eingesetzten Kapitals interessiert, daran werden wir gemessen. Nicht daran, ob ein einziger Deal 500 Prozent gebracht hat." Viele Venture Capitalisten werden wohl auf ihren Beteiligungen sitzen bleiben. Da hilft nur: rechtzeitig abschreiben.

Was die Lage für einige Venture Capitalisten so prekär macht: dass sie viele extrem teuer eingekaufte Beteiligungen in ihren Portfolios haben. In der Hochphase des Booms rissen sich immer mehr Finanziers um die Neugründungen. "Im Ergebnis wurde häufig die Entscheidung über den Preis herbeigeführt: Sprich über die höchste Unternehmensbewertung", sagt Berlage.

Viele werden wohl auf ihren Unternehmen sitzen bleiben. Denn seit der Neue Markt jeden Tag gnadenlos heruntergepunktet wird, ist der schnelle Exit über die Börse in vielen Fällen in weite Ferne gerückt und für manche Portfoliounternehmen vermutlich überhaupt nicht mehr möglich.

Da bleibt nur: rechtzeitig abschreiben. "Das ist ganz normal in unserem Geschäft", sagt Rolf Mathies, der mit dem Investment Alladvantage Schiffbruch erlitten hat. "Es sind eben nicht alle Investments gleich gut." Venture Capital ist und bleibt Risikogeschäft - doch auf die Mischung kommt es an. Für Venture Capitalisten zählt die Rendite über das gesamte Portfolio. Ein paar Luschen kann sich jeder leisten, wenn er auch ein paar Stars darunter hat. Aber die haben eben nicht alle. Hinter vorgehaltener Hand wird von Gesellschaften geraunt, die von ihren 40 Beteiligungen einen großen Teil abschreiben müssen.

Schon machen die ersten Gerüchte die Runde, dass einige Gesellschaften wohl nicht überleben werden, weil ihre Investoren kein Geld mehr für neue Engagements lockermachen. Damit sind auch für die Unternehmer die goldenen Zeiten vorbei. Passe ist die Phase, in der sich für nahezu jede Geschäftsidee, die im entferntesten mit Telefonie oder Internet zu tun hatte, mehrere Geldgeber fanden. Das ist zwar nicht in allen Fällen schade, aber in manchen schon.

Mit der Nervosität der Finanziers nimmt auch ihre Bereitschaft ab, sich auf Wagnisse einzulassen, und das sind junge Unternehmen in jedem Fall. Kein Wunder also, dass erste Stimmen in der Branche laut werden, die sagen, dass sie sich an jungen Firmen gar nicht mehr beteiligen, um das Risiko zu minimieren. Ist die Aufbruchstimmung also schon wieder zu Ende?

Rolf Mathies von Earlybird, einem Venture Capitalisten, der sich ausdrücklich auf die Finanzierung von Seed und Early Stage - also den ganz frühen Gründungsstadien spezialisiert hat - kann solch Gerede nicht gut hören. "Das ist Quatsch - gucken Sie nach Amerika, VCs wie Kleiner Perlons machen von jeher nur die frühen Stadien. Es ist eine Frage des Know-how." Zum Schwarzsehen besteht auch für Alexander Brühl von Atlas kein Anlass. "Es ist unser Geschäft, die guten Unternehmer zu identifizieren, die eine tolle Business-Idee und Technologie haben, und das werden wir auch weiterhin tun. Wir sind ja keine Bank." Außerdem, gibt er zu bedenken, "kostet uns eine Finanzierung in einem späteren Stadium ebenso viel Zeit wie in der ersten Runde. Aber wir steigen zu einer höheren Bewertung ein. Das vermindert unser Risiko also keineswegs". Mit dieser Berufsauffassung steht er nicht allein. Ähnliches ist von den Kollegen der anderen großen VC-Gesellschaften zu hören.

Einigkeit besteht allerdings auch darüber, dass die Auswahl der Kandidaten, die ins Portfolio kommen, gründlicher werden wird. Und dass die Bewertungen, die Jungunternehmer für ihre Business-Modelle erhalten, runtergehen werden. Wobei es nicht darum gehe, die Jungunternehmer zu übervorteilen, sagt Rudolf Franz von 3i. "Eine gute Zusammenarbeit klappt nur, wenn man fair miteinander umgeht." Es sei eine Frage der Angemessenheit. "Mit welchem Recht soll eine Idee, die auf ein paar Seiten Papier skizziert wird, zweistellige Millionenbeträge wert sein?", fragt Jan Berlage von der Deutschen Venture Capital Gesellschaft.

Zumindest für eCommerce-Konzepte scheint die Antwort mittlerweile klar. Die meisten werden keine Millionen mehr bekommen, weil sie sich den Vergleich mit der Realität gefallen lassen müssen. "Wieso sollten wir einen eShop mit drei Millionen Mark finanzieren, bis der erste Kunde kommt, wenn der Kaufmann um die Ecke rund zehn Millionen Mark im Jahr Umsatz und ein paar hunderttausend Mark Gewinn macht und viel billiger zu kaufen wäre? Das wäre doch das viel bessere Geschäft", sagt Alexander Brühl von Atlas.

Das Problem für viele Portale und eCommerce-Läden ist, dass sie, bevor sie im operativen Geschäft Umsätze generieren können, eine Marke brauchen - und die aufzubauen ist extrem teuer. "Für solche Modelle sehe ich kaum Zukunft. Hinzu kommt, dass wir im eCommerce nun auch viele Firmen sehen, die bereits eine Marke haben, wie zum Beispiel Quelle, Otto oder Daimler-Was die Lage für einige Venture Capitalisten so prekär macht, ist, dass sie viele extrem teuer eingekaufte Beteiligungen in ihren Portfolios haben: In der Hochphase des Booms rissen sich immer mehr Finanziers um die Neugründungen. Oft genug bekam der VC den Zuschlag, der das Unternehmen am höchsten einschätzte, sprich: die höchste Finanzierung bot.

Chrysler, und die aufgrund ihrer Größe und ihrer Erfahrungen vieles besser können als die Neuen", so Wellingtons Frank Böhnke. Natürlich weiß er, dass es in der virtuellen Welt ebenfalls große Brands gibt, "aber die sind wie Amazon oder Yahoo schon sechs und sieben Jahre alt".

So viel Zeit haben die VCs nicht, um eine Marke aufzubauen. Ihr Engagement liegt je nach Geschäftsmodell "nach wie vor zwischen drei und sieben Jahren", sagt Rudolf Franz von 3i. So lange, ist er überzeugt, braucht man, um ein junges Unternehmen solide aufzubauen. Wobei der Aufbau bei reinen Technologie-Unternehmen tendenziell ohnehin länger dauere als bei anderen. Darauf sind die VCs eingestellt, auch wenn sie sich über einen schnellen, erfolgreichen Exit freuen, stellt Alexander Brühl von Atlas klar, "unsere Fonds laufen zehn Jahre, drei Jahre investieren wir, den Rest der Zeit bauen wir die Unternehmen auf".

Die Branche wird wieder konservativer: Gute alte Grundsätze wie Ertragsaussichten und Nachhaltigkeit sind wieder gefragt.

Sich Zeit zu nehmen lohnt sich, diese Erkenntnis setzt sich in der Branche wieder durch. Die Tendenz, das sagen alle VCs, geht wieder zu längerfristigen Engagements. Wohl nicht nur aus Fragen der Solidität, sondern auch, weil die Börse im Moment kaum Unternehmen zu guten Bewertungen aufnimmt.

Und mit dem Börsengang ist es nicht getan - ihr Ruf, das haben die VCs gelernt, hängt maßgeblich von den Erfolgen ihrer Firmen auch nach dem Börsengang ab. " VCs werden sich zunehmend darüber klar, dass zu einem erfolgreichen Exit von Portfoliounternehmen auch langfristig ein gutes Standing notwendig ist", sagt Jan Berlage.

So nimmt die Vorsicht zu. Unternehmen werden es schwerer haben, VCs zum Einstieg zu bewegen. Genauso schwer wird es. eine zweite oder dritte Finanzierungsrunde zu bekommen. "Was man da erlebt, ist in Teilen erschreckend - auch gute Unternehmen mit gutem Management bekommen zum Teil nur noch schwer neues Geld", sagt Rolf Mathies von Earlybird. Auch sein Kollege Franz von 3i prognostiziert, dass sich viele Firmen wohl auf eine so genannte Downround einstellen müssen. Im Klartext heißt das: Die Unternehmen werden niedriger bewertet und erhalten oft auch weniger Geld. Alles in allem ist die Branche konservativer geworden. Alte Grundsätze wie Profitabilität und Ertragsaussichten stehen wieder im Vordergrund.

Alexander Brühl rät Jungunternehmern, schon bei der erster Finanzierungsrunde darauf zu. achten, ob ihr Venture Capitalist bereit und in der Lage ist, auch noch eine zweite zu machen.

Um die sicherzustellen, aber auch, um ihr eigenes Risiko zu minimieren, gehen die Venture Capitalisten nun auch untereinander Kooperationen ein. Das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. "Damals", erinnert sich Brühl, "war die Szene noch nicht so erwachsen, da wollte noch jeder das größte Stück vom Kuchen." Das ist nun anders. Gewinne mag jeder gern für sich selbst haben, Risiko lieber teilen. Wenn der Druck größer wird, dann steigt eben die Solidarität. Ein Verfahren übrigens, das sich auch in den USA längst bewährt hat.

Noch etwas lernen viele VCs gerade: Frank Böhnke von Wellington etwa geht davon aus, dass künftig vor allem die VCs erfolgreich sein werden, die den Mut haben, sich zu spezialisieren. Wellington, sagt er, finanziere im Moment vor allem Unternehmen, die sich mit Kommunikations-Infrastruktur beschäftigen. Eine Strategie, die auch die anderen Großen fahren: Bei Atlas gibt es so genannte Practice-Groups, die sich mit IT und Biotechnologie befassen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Gerade bei den hoch spezialisierten Technologien, die die VCs künftig lieber wieder im Portfolio haben wollen, ist Expertentum unerlässlich. Vor allem auch, wenn es um die Kontakte zur Industrie geht. Denn die werden künftig noch wichtiger als bisher.

Jetzt, wo IPOs nicht mehr das Mittel der Wahl sind, um sich von einem Investment zu trennen, wird der Tradesale, der Verkauf an Unternehmen, wieder wichtiger. Eine Tendenz, die Andreas Biagosch, eCommerce-Experte von McKinsey, ohnehin für die richtige hält: "Viele Unternehmen wären besser bei einem Konzern aufgehoben, wo sie viel mehr Unterstützung erfahren. Der Börsengang war für viele nicht der richtige Weg." So gab und gibt es viel zu lernen - und das in einer schwierigen Zeit. Earlybird Rolf Mathies fürchtet, dass sich die schlechte Stimmung auf den Kapitalmärkten auf die Konjunktur niederschlägt. "Die Kollegen aus unserem Office in Palo Alto sagen uns: Ihr glaubt, die Stimmung bei euch ist schlecht? Es wird noch viel schlimmer, wenn es in den USA eine Rezession gibt." Das Geschäft wird ein bisschen langsamer und solider. Davon profitieren alle: die Unternehmer, die Anleger und die VCs.

Doch Angst ist das Letzte, was die Szene brauchen kann: Zum einen verschreckt es potenzielle Unternehmer, zum anderen die Investoren. Jan Berlage von der DVC sucht deshalb das Positive im aktuellen Niedergang. "Man kann Unternehmen guten Gewissens raten, mehr und kontinuierliche Anstrengungen zu unternehmen, um eine Idee wirklich marktreif zu machen." Auch Frank Böhnke ist die Beruhigung ganz recht, obwohl ihm der Boom "natürlich viel Spaß gemacht hat": " Die Arroganz ist raus aus dem Geschäft. Mittlerweile kann man mit den Unternehmen und Vorstanden wieder ganz normal und vernünftig diskutieren." Schlimmer als allen Konjunktur-Pessimismus fände Ralf Mathies denn auch, wenn alles so bliebe wie bisher: "Das Tempo, das wir in den vergangenen drei Jahren gesehen haben, hätte niemand mehr lange durchgestanden. Nun haben wir endlich Zeit, uns darauf zu konzentrieren, was unser Job ist: solide Unternehmen aufzubauen." Wenn er Recht hat, wird doch noch alles gut.