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"Wir können Herr der Uhren sein."

In seiner Arbeitszeit ist Dirk von Meer Mitglied der Geschäftsleitung der Werbeagentur Springer & Jacoby. In seiner Freizeit hat er zusammen mit einem ehemaligen Praktikanten und dessen Freunden die Spendenlotterie Onium.com gegründet.




brand eins: Herr von Meer, Sie scheinen zu den glücklichen Menschen zu gehören, die Zeit übrig haben.

von Meer: Ich glaube, wir alle haben Zeit übrig. Zeit ist ja nur ein künstliches Konstrukt, das wir uns selbst geschaffen haben, um die Grenzenlosigkeit der Ewigkeit und des Universums besser zu ertragen. Wenn aber die Zeit nur ein Konstrukt ist, können wir sie auch gestalten, können wir Herr der Uhren sein.

brand eins: Schön gesagt, aber wenn Termine drücken und ein Projekt nicht läuft, übernimmt die Uhr die Herrschaft.

von Meer: Das kenne ich natürlich auch, ich schaffe meinen optimalen Zeitplan auch nicht immer. Aber diese Situationen mit Druck und Tempo machen ja auch Spaß. Ich bin überhaupt kein Gegner von Tempo. Man sollte nur wissen, wo die Grenzen liegen, um nicht mit 35 Jahren ausgebrannt zu sein. Mir hilft es, ganz klar meine Prioritäten festzulegen: a) wichtig und dringend, b) wichtig, aber nicht dringend, c) dringend, aber nicht wichtig.

brand eins: Offenbar beherrschen Sie die Kunst des Timings - und haben sich gleich ein neues Projekt aufgebürdet.

von Meer: Onium ist auf mich zugelaufen, es war eine Gelegenheit. Wenn Timing einen Sinn hat, dann den, Zeit für solche Gelegenheiten zu haben.

brand eins: Zugelaufen?

von Meer: Ja, ein Praktikant, mit dem ich sehr gut zusammengearbeitet habe, hat mir von der Idee einer Spendenlotterie im Internet erzählt. Ich habe seine Freunde kennen gelernt, die Chemie hat gestimmt. Dann haben wir beschlossen: Das machen wir zusammen.

brand eins: Und vermutlich so manche Nachtschicht drangehängt.

von Meer: Schon. Aber das kennen wir doch alle: Wenn man von einer Sache überzeugt ist, spielt Zeit keine Rolle. Ich finde Zeit sowieso ein seltsames Phänomen. Als Kind erschien sie mir unendlich lang. Ich konnte mir nie vorstellen, dass die Schulzeit je enden würde. Als Erwachsener hatte ich dann oft das Gefühl, sie saust vorbei. Die Zeit muss folglich von der Wahrnehmung abhängen. Nur Langeweile kann ein Killer sein, sie lässt dein Gehirn schrumpfen. Ich bin gern in Bewegung, da kommen die besonderen Ereignisse meistens von allein.

brand eins: Das Ereignis war in diesem Fall die Chance, auf den Internet-Zug aufzuspringen?

von Meer: Das Internet reizte mich nur begrenzt. Ich hatte einen langsamen Computer, ärgerte mich über lange Ladezeiten und hatte das Gefühl, ich kümmere mich in fünf Jahren noch mal darum. Was mich an der Idee von Claas Morlang, dem Praktikanten, so faszinierte, war der Charity-Gedanke dahinter: ein Spiel, das einfach ist, nichts kostet und gleichzeitig Gutes tut - dafür hatte ich gern Zeit.

brand eins: Das Spiel geht so, dass für die Mitspieler über einen Zufallsgenerator Glückszahlen bestimmt werden und dass jeden Tag Geld verlost wird...

von Meer: ... ja, bisher sind es nur 500 Mark, weil wir das Ganze noch teilweise vorfinanzieren müssen. Aber 500 Mark ohne Spieleinsatz sind ja auch etwas. Zudem gehen 30 Prozent der Bannereinnahmen an Unicef oder den World Wide Fund for Nature (WWF). Mittlerweile sind so schon 6000 Euro zusammengekommen, und täglich spielen Menschen aus 30 verschiedenen Ländern mit.

brand eins: Werbung ist schnell, Internet ist schneller. Hat sich durch dieses Projekt Ihr Zeitgefühl verändert?

von Meer: Zunächst einmal bin ich, als ich diese Internet-Welt betreten habe, natürlich an meine Grenzen gestoßen. Ich hatte einfach keine Ahnung. Aber vom ist nun mal da, wo sich keiner auskennt. Eines war mir bei meiner Entscheidung ganz klar: Der Lernprozess wird Zeit kosten und Disziplin verlangen. Doch wenn man das Gefühl hat, es lohnt sich für einen persönlich, nicht aus wirtschaftlichen Gründen, dann ist das Zeitproblem keins mehr.

brand eins: Was war Ihr persönlicher Gewinn?

von Meer: Ich habe schon einmal die Erfahrung gemacht, wie gut es tut, Gutes zu tun. Das war Vorjahren, als ich noch in München studiert habe. Da habe ich mit meinen Schwestern und einigen Freunden die "Aktion Kartoffelsäcke e.V." gegründet. Das war so eine Idee, die plötzlich da war. Man saß halt vor dem Fernseher und hat die Nachrichten aus Jugoslawien gesehen, zunehmend desinteressiert, weil man es eigentlich nicht mehr hören konnte. Aber abschalten geht auch nicht, das ging uns ja eine Menge an. Dann kam meine Schwester auf die Idee mit den Kartoffelsäcken. Die holten wir vom Gewerbehof, verteilten sie in der Stadt und sagten den Leuten: Schaut doch mal, was ihr abgeben könnt - wir brauchen Lebensmittel, Kleider, Hygieneartikel, wir brauchen alles. Nach drei Tagen haben wir die Säcke, in der Regel gefüllt, wieder abgeholt, Care-Pakete gepackt und sie dann mit selbst organisierten Konvois nach Kroatien und Bosnien gefahren. Und die Aktion ging richtig ab. Wir sind mit 200 bis 300 Säcken gestartet, und die Leute haben das geliebt. Die haben uns angerufen, wollten wissen, was sie noch tun können. An guten Sammeltagen haben wir 250 Tonnen Hilfsgüter zusammenbekommen - das ging über drei Jahre und wurde zum Slogan: "München, eine Stadt sackt ein". Ich bin auch ein paar Mal selbst im Konvoi mitgefahren - das sind Erfahrungen, die wirken nach.

brand eins: Onium schließt an diese Erfahrungen an?

von Meer: Ich habe da so meine eigene Theorie. Für mich gibt es drei Arten von Zeit, mit denen man umgehen muss. Die lange Zeit vom Tag der Geburt bis zum Tag des Todes, die ist kaum spürbar, fließt dahin, und mit ihr gehe ich defensiv um. Es kommt alles von allein, wie bei der Schallplatte entlang der Rille. Dann gibt es die forcierte Zeit. Die muss man offensiv nutzen. Da muss man auch mal das Timing zu seinem Vorteil verändern und Druck erzeugen. Und dann gibt es noch die Finalzeit, die Spanne, in der ein Plan schnell zu Ende gebracht werden muss. Denn Geduld ist nutzlos, wenn der feste Wille fehlt, einen Plan zum Ende, zum Erfolg zu bringen. Ich hatte in fünf Jahren bei Springer & Jacoby viel Spaß an meinem Job -aber das Onium-Projekt war so, als sei auf einmal diese Rille wieder da: Ich kehrte zu etwas zurück, was es schon mal gab.

brand eins: Haben Sie eine solche Gelegenheit gesucht?

von Meer: Eher nicht. Das Kartoffelsack-Projekt war wirklich in Vergessenheit geraten. Die Freunde, die damals mitgemacht haben, machen heute alle ihre eigenen Sachen. Der eine ist Anwalt in London, der andere ist in Hongkong, der dritte sitzt fett in einer Bank. Keiner hat mehr diese CharityIdee im Hinterkopf gehabt. Und auf einmal kommt sie auf mich zu. Mir war klar: Verdammt, das hast du ja alles schon mal gemacht.

brand eins: Was sagen Ihre Kollegen bei Springer & Jacoby zu Ihrem Freizeit-Engagement? Sie waren ja gerade eben in die Führungsmannschaft aufgerückt, normalerweise wird da Full-Time- Engagement erwartet.

von Meer: Das Topmanagement fand die Idee gut. Außerdem weiß Springer & Jacoby, dass sie die Freiräume und die Wünsche ihrer Mitarbeiter fördern müssen. Das gehört zu einem Powerhouse, dass dort viele neue Ideen entstehen.

brand eins: Dennoch wird man von Ihnen erwartet haben, dass Sie Ihre Aufgaben erfüllen.

von Meer: Ja sicher, ich hatte aber auch die gleiche Erwartung an mich, und es hat mich auch noch mal zusätzlich motiviert, beides gleichzeitig zu stemmen. Aber ich wurde von den Teams und Partnern hervorragend unterstützt. So hat alles perfekt in den Lebenszeitplan hineingepasst.

brand eins: Zufall?

von Meer: Ich frage mich das auch. Es gibt immer Möglichkeiten, Einladungen zu einem anderen Leben anzunehmen. Wünsche sind Vorboten von Fähigkeiten. Man muss genau hinhören, dann wird alles, was denkbar ist, auch machbar. Die wirklichen Zeitprobleme entstehen erst, wenn man zu viel auf einmal will. Ich habe mich immer bemüht, meine Kräfte zu konzentrieren: effizient zu arbeiten - also die Dinge richtig zu tun. Und effektiv zu sein - also die richtigen Dinge zu tun.

brand eins: Das alles klingt, als würde Onium künftig noch mehr von Ihrer Zeit besetzen.

von Meer: Ja, wir haben noch einiges vor. Wir werden eine mehrdimensionale Charity-Marke mit tollen Partnern aufbauen. Und wir werden auch die Aufgaben bei S & J neu verteilen.

brand eins: Fürchten Sie nicht, dass Onium Sie auffrisst - eben weil darin Ihre Leidenschaft steckt?

von Meer: Nein, keine Gefahr. Genau dann, wenn Herzblut drinsteckt, nimmt man die Zeit nicht mehr als Druck wahr. Außerdem kommt es für mich darauf an, wer ich werde, durch das, was ich tue. Eine Art "unabhängiger Lebensunternehmer" - und das heißt, dann aufzuhören, wenn man ein Ziel erreicht hat, um ein neues zu finden.

Onium.com: weltweit erstes wohltätiges kostenloses Gewinnspiel im Netz. Die Idee: Die durch den Besuch auf der Site generierten Werbeeinnahmen fließen durch das Gewinnspiel zurück an die Spieler und zu 30 Prozent an wohltätige Organisationen. Bis zu drei Spiele pro Tag sind möglich, die tägliche Gewinnsumme liegt bei 250 Euro; die Spenden gehen an Unicef und WWF (World Wide Fund for Nature). Die Gewinnzahlen werden über Börsenindices ermittelt. Die Partner neben Dirk von Meer - Christoph Breidert, Claas Morlang, Nico Schmidt-Offhaus und Stefan Weber - studieren noch an den Universitäten Karlsruhe und Ingolstadt.

Kontakt: Onium - the help company do BMSO New Media GmbH Hebelstraße 15 76133 Karlsruhe Telefon und Fax: 0721/92091825 www.onium.com Dirk von Meer meer@sj.com