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WIE GEHEN SIE MIT ZEITDRUCK UM?

Zeit macht sich nur bemerkbar, wenn etwas passiert. Manchmal passiert zu wenig, dann ist zu viel Zeit da. Meistens passiert aber zu viel.




1 Organisation Nicole Menz: "Ich sitze jeden Tag von 10 bis 13 Uhr an meinem Schreibtisch und erledige Verwaltungskram. Nachmittags bin ich die ganze Zeit unterwegs, beim Steuerberater, im Copy-Shop, beim Einkaufen. Ab 18 Uhr stehe ich in meinem Restaurant und bin auf jeden Fall immer bis 1 Uhr da, oft arbeite ich auch selbst hinter der Theke. Samstags schließe ich mich tagsüber ein, gehe weder ans Telefon noch aus dem Haus. Da mache ich dann alles, was die Woche über liegen geblieben ist und erneuere meinen Mahn-Plan, der schimpfend an der Wand hängt. Sonntags und dienstags habe ich frei.

Ich mag mein hohes Tempo und bin sehr zufrieden, wenn ich schnell bin. Das liegt daran, dass ich alles selbst machen und am liebsten nichts abgeben will.

Außerdem langweile ich mich schnell, ich darf mich nicht zu lange an einer Sache aufhalten. Ich weiß, dass ich deshalb auch viele Sachen zu schnell erledige, nicht lange nachdenke, sondern intuitiv und sofort entscheide. Aber bis jetzt klappt das wunderbar, und es ist einfach meine Art zu leben und zu arbeiten.

Würde mir jemand Zeit schenken, würde ich nichts anderes machen als jetzt auch. Ich würde genauso schnell weitermachen, einfach alles wegarbeiten, das entspannt mich und macht mich glücklich. Aber vielleicht werde ich ja irgendwann auch mal langsamer, später, wenn ich Kinder und eine Beziehung habe." Man verliert die meiste Zeit damit, dass man Zeit gewinnen will. John Steinbeck 2 Effektivität Robert Frödrich: "Zeit ist die Währung der Zukunft, und wenn jemand einen Weg finden würde, Zeit herzustellen, könnte der eine Riesen-Marktlücke abdecken. Ich versuche, meine Zeit so effektiv wie möglich zu organisieren: Meetings halte ich kurz und delegiere sehr viel. Ich schätze die ganze Elektronik sehr, die mich umgibt. Sie dient mir dazu, meine Zeit zu managen. Ich brauche meistens nicht länger als eine Viertelstunde, um morgens meine eMails zu erledigen.

Alles, was nicht unbedingt von mir selbst erledigt werden muss, delegiere ich, nur so kann ich mein hohes Tempo halten.

Ich finde die Geschwindigkeit, mit der wir im Augenblick leben, faszinierend und gut. Dinge, die zu lange dauern, werden sofort teuer. Es ist eben so, dass die Schnellen die Langsamen fressen. Wenn etwa das Brandenburger Tor mit Reklame zugehängt würde, ist doch der der Sieger, dessen Plakat da als erstes hängt, oder?" Es ist nicht wahr, dass man seine Zeit verpassen kann. Für den, der in Wahrheit etwas zu sagen hat, ist es immer Zeit. Waldemar Bonsels 3 Anpassung Anke Zimmermann: "In unserer Branche ändern sich die Dinge in wahnsinnigem Tempo, deshalb müssen wir sehr schnell und flexibel sein. Ich empfinde diesen Zeitdruck aber nicht als Belastung, er spornt mich an. Und solange ich den Überblick über meine Zeit behalte, drehe ich auch nicht durch. Dazu gehört aber, dass sowohl meine Mitarbeiter als auch meine Kunden verlässlich sind: Wenn jemand ständig Termine nicht einhält oder verschiebt, kommt auch meine Zeitorganisation durcheinander.

Ich schlafe durchschnittlich fünf Stunden pro Nacht. Die Zeit, in der ich wach bin, verbringe ich mit meiner Firma, 70 Prozent davon mit Kommunikation. Das geht schon morgens los, wenn ich die ersten Inhouse-News lese und beantworte. Über den Tag verteilt kommuniziere ich über zwei Stunden online. Für externe Mails verwende ich ungefähr eine halbe Stunde.

Tagsüber befinde ich mich eigentlich ständig im Gespräch - vor allem mit meinen Mitarbeitern. Ich halte das für das Wichtigste überhaupt: mit meinen Leuten reden, den Spirit und die gute Stimmung halten, die hier herrscht. Denn auch wenn bei uns alles schnell gehen muss, zählt vor allem die Qualität. Die restliche Zeit verbringe ich allein im stillen Kämmerlein, mit Planung und Management.

Würde die Zeit um mich herum anhalten, würde ich vermutlich nicht aufhören zu arbeiten. Aber ich würde es mit mehr Ruhe tun. Ich würde endlich mal Dinge erledigen, zu denen ich sonst nicht komme. Und dann würde ich mehr lesen und vielleicht etwas mehr schlafen. Ich hätte natürlich auch gern mehr Zeit für meine Freunde, aber die leben alle in ähnlichen Situationen und verstehen das alles.

Mein letzter Urlaub? Das war vor vier Jahren, zwei Wochen Hochzeitsreise. Vielleicht klappt's ja dieses Jahr im Herbst mal wieder." Nur dem Anschein nach ist die Zeit ein Fluss. Sie ist eher eine grenzenlose Landschaft, und was sich bewegt, ist das Auge das Betrachters. Thomton Wilder 4 Flexibilität Florian Jürgs: " Einen festen Zeitplan habe ich nicht. Ich muss oft so schnell reagieren, dass mich das behindern würde. Die Versuche, am Montag meine Woche einzuteilen, habe ich langst aufgegeben. Feste Termine sind die Büro-Meetings, die wir immer einhalten, die aber nicht mehr als vier Stunden pro Woche in Anspruch nehmen.

Ich muss viel telefonieren und eMails lesen und verschicken, versuche aber, wenn es irgendwie geht, mit Menschen von Angesicht zu Angesicht zu reden, sowohl mit Mitarbeitern als auch mit Kunden. Deshalb lässt sich meine Zeit nicht organisieren. Solche Gespräche kann man )'a nicht immer einplanen. Ich finde die aber wichtiger als alle eMails oder Telefonate oder Faxe, und verwende einen Großteil meiner Zeit dafür.

Wir haben zu unseren Kunden ein sehr enges, teilweise sogar freundschaftliches Verhältnis. Das ist für uns das beste Marketing: Zeit zu vergeben, um zu reden und Nähe zu schaffen. Um gemeinsam Ideen zu entwickeln und am Ende Qualität zu liefern. Seine Zeit mit anderen zu teilen, statt sie für sich selbst einzuteilen, ist Teil unserer Philosophie. Ich kann deshalb auch nicht zwischen beruflicher und privater Zeit trennen, denn ich bin ja mit den Leuten, mit denen ich arbeite, eng verbunden. Wir verbringen so viel Zeit miteinander, gehen zusammen aus oder sitzen abends einfach noch länger im Büro und reden.

Hätte ich mal ein paar Tage Zeit nur für mich, wüsste ich ganz genau, was ich machen würde: mich auf Bali in eine Strohhütte legen. Mit meiner Freundin dort hinfahren, wo es weder Technik noch Verpflichtungen gibt. Die Masse der hoch entwickelten Technik zwingt uns dazu, immer schneller sein zu müssen, auf jeden Fall den richtigen Zeitpunkt erwischen zu wollen, sonst tut es ein anderer. Das hat eine Eigendynamik gekriegt. Man kann und muss wohl auch mitmachen, aber man muss den Überblick behalten und erkennen, was wichtig ist, für wen und wofür man seine Zeit nutzt. Sonst frisst sie einen auf." Zeit haben heißt wissen, wofür man Zeit haben will und wofür nicht. Emil Oesch 5 Improvisation Jens Reidel: "Ich habe meine Zeit dann gut organisiert, wenn ich das Chaos beherrsche und Platz zum Organisieren habe. Ich muss kolossal beweglich sein, da mein Tagesablauf aus Überraschungen besteht. Es kann sein, dass ich von heute auf morgen verreisen muss oder von einer Sekunde auf die andere Besuch bekomme. Wenn ich meine Terminplanung mache, heißt das off, dass ich Termine verschiebe.

Mindestens 80 Prozent meiner Arbeit besteht darin zu kommunizieren, mit meinen Kollegen und Partnern, mit Beratern, Managern, Aufsichtsräten, Analysten und anderen Fachleuten, von denen ich mir Know-how zusammensammle. Und wenn ich dann handeln muss - es geht bei unserem Geschäft meist um Unternehmenskäufe und Börsengänge - verlasse ich mich auch sehr auf mein Gefühl. Unternehmen sind keine Produkte, sondern komplexe Gebilde, die sich aus Menschen zusammensetzen, und da muss ich einfach spüren, wann der richtige Zeitpunkt für Entscheidungen und Handlungen gekommen ist. Noch ein Grund mehr, warum meine Zeit nicht planbar ist und ich sehr schnell reagieren muss.

Ich mag dieses hohe Tempo. Wäre ich ein Auto, dann wäre ich wohl ein gut motorisierter Mercedes, der geschwind fahren kann und kontinuierlich läuft. Ein Ferrari zu sein, würde ich nicht durchhalten, kurz auf Hochgeschwindigkeit gehen, um nach ein paar Runden erst mal verschnaufen zu müssen ist nicht mein Stil und führt oft zu Überhitzungen. Es gibt auch keinen objektiven Grund immer schneller werden zu wollen, das ist alles nur eine Reaktion auf die Technik, die uns ihr hohes Tempo aufzwingt.

Ich arbeite durchschnittlich zwölf Stunden am Tag, mehr halte ich für Unsinn. Leute, die mir erzählen, sie würden immer 16 oder 18 Stunden am Stück arbeiten, denen glaube ich nicht.

Die Wochenenden versuche ich frei zu halten. Meine Frau und ich haben gemeinsam sieben Kinder, die brauchen auch etwas von meiner Zeit. Und ich auch von ihrer.

Um langsam zu werden und ein paar Gänge runterzuschalten, lese ich Bücher. Ich habe im Aktenkoffer immer zwei Bücher, die lese ich im Flugzeug, im Hotel oder wenn ich warten muss. Das sind aber Romane, auf keinen Fall Fachbücher. Lesen beruhigt mich, und auch zu Hause gehe ich nie ohne Buch ins Bett." Ein Mensch, dem nicht jeden Tag wenigstens eine Stunde gehört, ist kein Mensch. Martin Buber 6 Verweigerung Willy Ehmann: "Meine Zeit gehört der Musik. Weil ich sie liebe und atme, weil ich damit aufgewachsen bin, weil sie mein Beruf ist. Den Rest meiner Zeit verbringe ich mit meiner Familie. Wir haben zwei kleine Kinder, denen gehört dann zumindest meine Freizeit. Ich lasse es mir auch nicht nehmen, zwei Wochen im Jahr mit ihnen Urlaub zu machen.

Mein Arbeitstag fangt mit einer Stunde Frühstück an. Dann arbeite ich zwölf Stunden. Nach dem Abendessen mache ich zu Hause noch mal zwei Stunden weiter. Höchstens 40 Prozent meiner Termine sind Dinge, die ich allein tue, der Rest sind Meetings. Ich bin gerade dabei, wieder viel mehr im persönlichen Gespräch zu machen. Ich will weg davon, immer nur eMails zu verschicken und zu lesen. Die ganze Technik macht einen irgendwann krank und stumpf. Sie macht nämlich, dass wir alles genau planen können, dass unser Tag nach Minuten abläuft. Das stresst unnötig und nimmt die Kreativität. Außerdem ist es schöner, mit einem Menschen zu reden, als nur in eine Maschine zu tippen. Wir haben diese Maschinen erfunden, sie haben uns überholt, gerade was Geschwindigkeit angeht. Wir müssen zwar lernen, mit ihnen zu leben, aber wir sind nicht ihre Sklaven.

Es sind nicht die Maschinen, die Entscheidungen treffen. Die Menschen müssen es tun, am besten im Kontakt mit anderen. Wenn die sich genug Zeit zum Nachdenken genommen haben, ist das genauso effektiv und schnell wie elektronische Kommunikation. Ich glaube nicht, dass wir noch schneller werden können. Wir sind wie ein Wagen, der maximal 200 fahren kann und schon 190 fährt. Ich lasse mir dieses Tempo nicht mehr aufzwingen. Ich kann mich ja entscheiden: Springe ich auf den rasenden Zug auf oder nicht? Ich habe so vor drei, vier Jahren die Handbremse gezogen.

Es gibt nicht nur den einen richtigen Zeitpunkt, etwas zu erledigen, gute Ideen werden nicht schlechter, nur weil sie später umgesetzt werden. Wer versucht, die rasende Technik einzuholen, muss mit 40 aufhören zu arbeiten und sich erst mal erholen, bis er 60 ist, falls er dann noch lebt." Die Zeit ist eine große Lehrerin. Schade nur, dass sie ihre Schüler umbringt. Curt Goetz