Partner von
Partner von

Das erste Mal ... in Deutschland sein

Karim Akbar war 13 Jahre lang Psychologe in verschiedenen Todestrakten in kalifornischen Gefängnissen. Heute lebt er in Hamburg, wo er als psychologischer Unternehmensberater arbeitet. Er erzählt, warum er Deutschland so liebt.




Meine ersten Wochen und Monate verbrachte ich damit, die Deutschen zu beobachten. Die Großstädter hier bewegen sich wie die New Yorker: schnell und beschäftigt, immer in Eile. Aber sie lieben es, sich irgendwo hinzusetzen. Überall sitzen Leute, essen und reden in ihrer wunderbaren rhythmischen Sprache. Dann kann ich ihre Melodie hören: "Haben, möchten, müssen, na ja." Meine ersten Gespräche mit Deutschen drehten sich jedes Mal darum, dass ich Hilfe brauchte. Ich bekam sie immer. Vor allem von den Leuten auf der Straße. Einmal hat mir in der S-Bahn sogar eine Frau geholfen, meine Deutsch-Hausaufgaben zu machen. Dieses Land küsst meine Seele, jeden Tag aufs Neue. Die Deutschen tragen so viel Wärme in sich. Man sieht es ihnen nicht an, denn sie blicken ernst. Aber immer, wenn ich sie gebeten habe, ihr Herz zu öffnen, haben sie es getan.

Wäre ich hier nicht vollkommen glücklich, würde ich gehen. Aber ich fühle mich sehr wohl. Meine Firma wächst, und ich kann jeden Tag so viel über die Deutschen lernen. Sie sind ein sehr nachdenkliches Volk. Sie tun sich so schwer damit, stolz zu sein: auf sich, auf ihr Land, auf das, was sie geschaffen haben. Die Deutschen, die heute leben, haben keinen Grund, sich zu schämen. Die junge Generation sollte mal einen Blick darauf werfen, was dieses Land alles hervorgebracht hat: Literatur, Musik, Kunst, Wissenschaft. Für mich ist es absurd, dass sie sich für immer schuldig fühlen und ihr ganzes Land in den Müll schmeißen, nur wegen Hitler. Rassisten und Nazis gibt es überall auf der Welt. Die Deutschen sollen endlich mit ihrem schlechten Gewissen aufhören. Ich versuche den Deutschen immer wieder klarzumachen, welche Schätze sie in sich tragen. Ich hätte kein Problem damit, mit einem Lächeln auf dem Gesicht und Stolz in der Brust die deutsche Flagge den Hamburger Jungfernstieg rauf und runter zu tragen. Und dabei würde ich rufen: danke! Danke, dass ich hier sein darf, ich bin sehr stolz darauf.