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Auf Wiederschauen!

Wieso merken die Altstars der Unterhaltung eigentlich nicht, wenn es Zeit für den Abschied ist, und berauben sich ihrer Würde?




Kennen Sie das: Jemand erzählt einen Witz Und kriegt das Timing nicht hin? Oder Sie haben Besuch, der Wein ist alle, das Gespräch erschöpft, und er geht nicht? Alles hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Die Mitte kann ja schon mal Hänger haben, aber wenn sich das Ende zieht, dann ist die ganze Show, mein Gott, das ganze Leben versaut.

"Only The Good Die Young", hat mal einer gesungen oder anders ausgedrückt: "Wenn's am schönsten ist, soll man gehen." Haltung ist alles. Timing entscheidet. Aber wann ist genug? Und: Wie merkt's der Moderator?

Die meisten der Jungen stecken in der Mitte ihrer TV-Karrieren fest, im Einheitsbrei. Auf jedem Kanal derselbe Haarschnitt, derselbe Anzug, Varianten desselben Schwiegersohns: Jörg Pilawa, nett, Andreas Türck, lustig, Percy Hoven, praktisch, Kai Pflaume, sexy, und Jochen Bendel, blöd. Alles aufgemotzte Wiedehopfe, die sich lediglich in der Höhe ihrer Kurzhaarponys unterscheiden. Kai Pflaume sticht da ja immerhin ein bisschen heraus. Der Moderator von "Nur die Liebe zählt" ist so etwas wie eine menschliche Marke rund um das alte Thema Liebe. Auf seiner Web-Seite " www.kaipflaume.de" geht es zu wie an einer Tankstelle für einsame Herzen. Da kann man Kaffeetassen kaufen, Herz-Sessel, Schlüsselanhänger, Lampen, T-Shirts, Kappen, zwei Love-Bären, die sich umarmen, und zwischen ihnen - da unten -ein Herz. Während sich die Jungmoderatoren im Supermarkt der Sehnsucht sauber nebeneinander im Regal sortieren wie Joghurt - der eine LC-1, der andere mehr Vanille - landen die alten in der Schachtel für Abgelaufenes. Ihr Leben lang haben sie an ihrem Profil gefeilt. Und jetzt bekommen sie nicht mit, dass es Zeit ist, sich selbst aus dem Angebot zu nehmen, und rutschen in immer würdelosere Nischen.

Wie Frank Elstner, der ein Henri Nannen der deutschen Unterhaltung hätte sein können. Seine " Montagsmaler" waren toll. Danach, 1981 nämlich, erfand er die erfolgreichste deutsche Game-show, " Wetten, dass... ?". Bis vor kurzem hielt Elstner die Fragekärtchen bei der Quizshow .Jeopardy", von der er sagte, dass es riesigen Spaß mache, "sich jeden Tag aufs Neue zu beweisen, was man alles nicht weiß" . Dann verulkte er Stars in dem Versteckte-Kamera-Abklatsch "April, April". Elstner hat Großes geleistet, aber ob er merkt, wann mehr weniger ist? Das ist nicht böse, das ist schade.

Sogar Thomas Koschwitz bekommt noch Gelegenheiten, Flops zu produzieren. Nach den Sat-1-Ausrutschern "Hast du Worte", "Hamster TV" und ,Jetzt sind Sie dran" hat er eine Talkshow bei N24. Der Sender kündigte an, von Bahnchef Hartmut Mehdorn wolle Koschwitz wissen, "wann er das letzte Mal in einem überfüllten Pendlerzug um einen Sitzplatz gekämpft hat". Wo die Reise hingeht, lässt Koschi erahnen, wenn er auf die Frage, was ihm peinlich sei, mit einer Antwort kommt, die ein Blatt Papier an Tiefe unterbietet: "Wenn ich mich ertappt fühle." Ach was!

Das macht wütend, denn wir zahlen dafür, dass diese Menschen mit ihrer Minusfantasie viel Geld verdienen, doch irgendwann wird es tragisch: Man wünscht sie einfach nur weg, ihre würdelosen Abgänge sollen sie mitnehmen und bereuen, dass man sie nicht in der guten Erinnerung behalten kann, die sie eigentlich verdient hätten.

Thomas Gottschalk, der das Einfach-so-sein-wie-man-ist im deutschen Fernsehen einführte und somit der Gründervater der Kühlregalmoderatoren ist, bereitet einen Sprung in seiner Karriere vor: den Börsengang. Dem "Spiegel" betet er die passenden Floskeln herunter, "Wetten, dass ... ?" sei eine " Plattform", seine Dolce Media AG ..Medienbroker" und "Softwarefirma für die Entertainment-Branche, ohne Studios und Kameras". Es wäre doch toll, findet Gottschalk und redet von der Erotik des Erfolges, wenn die Dolce Media AG im Aktienregister "irgendwo zwischen Deutsche Bank und DuPont" stehen würde.

Die einen wollen in den Wirtschaftsteil, die anderen stehen im Rosenbeet. Wer zur rechten Zeit aussteigt, der bewahrt nicht nur seine Würde, er wächst weiter, pflanzt sich fort, auch nach dem Abgang. Helmut Schmidt, Heinz Erhardt und Peter Frankenfeld, alle waren sie Großmeister des perfekten Timmgs. Und zur Belohnung blühen in ihrem Namen weltweit Tausende von Rosen. Was kann es Schöneres geben, als eine Rose nach sich benannt zu haben?

Was aber geschieht, wenn die Jungmoderatoren in ihren glänzenden Anzügen so weiter machen? Wird nach Andreas Türck eine Zahnpasta benannt? Kai Pflaume, eine neue Form der Löffelchenstellung, wo beide immer kommen, aber nur ein bisschen? Und Jochen Bendel? Ein Dauerlutscher?

Es musste einfach mal gesagt werden: Wer den Absprung nicht schafft und in der Kiste hocken bleibt, ist peinlich.