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Auf Granit gebaut

Das Silicon Valley wird nicht im Meer versinken wie einst Atlantis. Aber im Chaos. Und zwar beim nächsten großen Erdbeben. Das wird kommen. Ganz sicher. Alle wissen davon. Alle fürchten es. An der Evakuierung wird bereits gearbeitet. Zum Beispiel nach Folsom. Aufs Festland. Fest heißt hier: Granit.




Das Geschäft mit der Angst läuft blendend. Phil Scott beugt sich über eine tischplattengroße Luftaufnahme von Folsom, wischt über das Flachland, das er an die Flüchtlinge des Silicon Valleys verkauft, und erklärt zufrieden: "Solider Fels. Das ist ein hervorragendes Verkaufsargument für Neuansiedlungen." Für jeden hier gezeigten Hektar hat Phil Scott ein Stichwort und eine Erfolgsmeldung parat: "Intel waren die Ersten, sechs Gebäude stehen bereits, das siebte wird gerade hochgezogen. Platz ist für elf. EDS hat 10000 Quadratmeter, Pandesic 8500 Quadratmeter bebaut. Air Touch beschäftigt 1100 Leute." Phil Scott ist Makler für Firmenimmobilien in Folsom, einer kleinen boomenden Stadt zwei Stunden nordöstlich von San Francisco gelegen. Er starrt versonnen auf das Netz aus neuen vierspurigen Straßen und Industrieparks: "Auf der Hälfte der Karte war vor zehn Jahren nichts als Brachland zu sehen. Ich komme da selbst kaum noch mit!" Dann muss er in seinen neuen Jeep klettern und einem Kunden aus Oakland 2000 Quadratmeter Bürofläche zeigen, die im Sommer bezugsfertig sein sollen.

Der Name Folsom erweckt normalerweise andere Assoziationen als viele Bauarbeiten und wenig Büroleerstand. Vor 150 Jahren trieben sich Goldwäscher an den Ausläufern der Sierra Nevada herum, die transkontinentale Eisenbahn hatte hier ihren Endbahnhof, und das Hochsicherheitsgefängnis, in dem seit der Jahrhundertwende Kaliforniens gefährlichste Kriminelle verwahrt werden, wurde schon von Country-Star Johnny Cash besungen. Wer den angejahrten Knastkoloss für 5500 Gefangene sieht, hat unübersehbar vor Augen, warum bei Phil Scotts Firma SAC Commercial Properties Überstunden gemacht werden: Der Bau ist aus soliden Granitquadern aus heimischer Produktion geschichtet, darunter erstreckt sich der Fels kilometertief. Folsom boomt, weil es nicht auf Sand gebaut ist.

Und wenn in der Bucht von San Francisco das nächste große Erdbeben Teile des digitalen Trubels in Schutt und ganze Firmen in Asche legt, werden in Folsom die Festplatten weiterschnurren, als wäre nichts geschehen. Die Wahrscheinlichkeit für ein großes Beben um Folsom liegt bei weniger als einem Prozent. Für das Gebiet zwischen San Francisco und Silicon Valley dagegen stehen die Chancen für den tektonischen GAU bei 80 bis 100 Prozent in den folgenden 50 Jahren oder 70 Prozent in den folgenden 30 Jahren.

"Viele Gebäude werden einstürzen, San Francisco wird ein Großfeuer erleben wie beim letzten Beben 1906", prophezeit Charles Scawthom, der seit einem guten Vierteljahrhundert Naturkatastrophen studiert. Er zieht als Beispiel gern die Katastrophe im japanischen Kobe von 1995 heran: Ein Beben mit Stärke 6,9 auf der Richter-Skala tötete damals mehr als 6000 Menschen, richtete 100 Milliarden Dollar Schaden an und legte die Küstenregion ein Jahr lang lahm. Scawthoms Unternehmen EQE International mit Sitz in Oakland hat sich auf Risikoanalyse und Nachrüstung von instabilen Gebäuden spezialisiert. Zu seinen Kunden gehören eBusiness-Größen wie Oracle oder Netscape. Scawthoms Leute prüfen Rechenzentren und Fabriken auf Stabilität und Back-up-Pläne. Wenn die Experten vorher kommen, müssen sie hinterher nicht durch die Trümmer kriechen - wie 1994 in Los Angeles oder September 1999 in Taiwan.

Notfallpläne schreiben die EQE-Experten viele, doch längst nicht alle Unternehmen beherzigen sie. ,Je länger das letzte Beben zurückliegt, desto sorgloser wird man hier. Viele Manager lesen den Report, handeln aber nicht", meint Scawthom, der nicht genau weiß, wie viele Erdbeben er persönlich miterlebt hat. " Man gewöhnt sich daran. Ich bete nicht jeden Morgen, dass das große Ding heute ausbleiben möge", erklärt der Ingenieur zehn Stockwerke hoch über der Innenstadt von Oakland, einem der am stärksten gefährdeten Orte in der Bucht.

Wer sich auf die kommende Katastrophe unter seinen Füßen verlassen kann, muss darüber nachdenken, was zu tun ist, bevor sie eintritt. Eine Möglichkeit ist, die Firma ins Landesinnere, etwa in Richtung Folsom, zu verlegen. Die älteren Unternehmen der Region haben sich schon seit den Achtzigern nach Alternativen umgesehen. Sun Microsystems, Oracle, Yahoo, eBay, Cisco, Intel, 3Com, Nortel, Apple - sie alle sitzen auf den unberechenbaren Verwerfungen der San Andreas und der Hayward-Spalte, die sich parallel zu den Hauptverkehrsadern durchs Hightech-Tal ziehen.

Intel machte 1984 den Anfang und richtete eine erste Außenstelle in Folsom ein. Wenn später in diesem Jahr das siebte Gebäude eingeweiht wird, hat der Chiphersteller das Gefängnis als größten Arbeitgeber des Landkreises überholt. "Das ist einer der wenigen sicheren Standorte in Kalifornien und der einzige, der nur 30 Flugminuten vom Silicon Valley entfernt ist", preist der örtliche Intel-Manager Douglas Busch das Gelände. Sein Kollege Bill Mueller nennt den Standort "sehr, sehr sicher". Neben Forschung und Entwicklungsarbeit betreibt Intel auf dem Felsfundament ein Rechenzentrum, das den Computerverkehr mit 65 000 Mitarbeitern weltweit überwacht.

Die Nachbarn sind alte Bekannte. Apple hat hier ein Logistikzentrum eingerichtet, um Verkehrs- und Liefer-Albträume wie nach dem letzten Beben 1989 zu vermeiden. Hewlett-Packard sitzt einen Ort weiter, und der drittgrößte Onlinedienst der USA, Earthlink, baut gerade ein 10 000 Quadratmeter großes Call Center. Dienstleister EDS betreibt ein Mega-Rechenzentrum in der Stadt. Alle Firmen kaufen Grund und Boden auf Vorrat in den eilig aus dem Boden gestampften Industriegebieten. Die übergroßen Parzellen liegen in Sichtweite von holzverkleideten Einfamilienhäusern mit Veranda und einem von Erdbergen eingepferchten Pionierfriedhof.

"Seit Intel hierher gezogen ist, finden uns die Leute plötzlich auf der Landkarte. Die haben ihre Hausaufgaben gemacht, bevor sie sich für einen seismisch sicheren Standort entschieden. Nun folgen andere Unternehmen", sagt Bürgermeister Steve Miklos bei einem Caesar Salad in einem der wenigen halbwegs schicken Restaurants im Ort, schräg gegenüber jener Bank, bei der früher Goldgräber ihre Nuggets zu Bargeld machten. Noch regieren Trödelläden und Wells-Fargo-Kitsch die Hauptstraße, aber die ersten Ingenieure mit Palm Pilot und Handy am Gürtel teilen sich bereits den Bürgersteig mit Touristen aus Iowa und Los Angeles. Folsom ist zu einem der Hauptfluchtpunkte für wohlhabende Hightech-Angestellte geworden. Die Gemeinde rechnet damit, dass Technologiefirmen allein dieses Jahr 500 Millionen Dollar in Neu- oder Erweiterungsbauten investieren werden, um dem dicht gedrängten Hexenkessel Silicon Valley zu entkommen.

Die drangvolle Enge ist ein Teufelskreis, aus dem bislang nur wenige Unternehmen herausgekommen sind. Wer Experten und Kapital braucht, zieht sein Start-up dort hoch, wo die kritische Masse Geld und Talent sitzt: zwischen San Jose und San Rafael. Selbst horrende Mieten, stundenlange Pendlerstaus und Naturkatastrophen halten Ingenieure und Programmierer bisher nicht davon ab, in die Bay Area zu ziehen. So haben es vor allem Neugründungen schwer, Büros zu finden. Wenn es sein muss, vergeben sie Aktienoptionen an Vermieter, die sie in Lagerhäuser aus der Jahrhundertwende in San Franciscos Hip-Viertel South of Market einziehen lassen. Doch die Holz-und Backstein-Konstruktionen sind oft nicht bebensicher nachgerüstet. Stattdessen haben sie am Eingang kleine Warntafeln mit der Aufschrift: "Dieses Gebäude ist statisch nicht gesichert." "Ein Start-up hat so viel um die Ohren damit, sein Geschäft aufzubauen, da sind Schutzvorkehrungen bei einem Erdbeben der letzte Punkt auf der Prioritätenliste", sagt Scawthoms Kollege Ken Mark. Zudem sind die "Retrofitting" genannten Arbeiten nicht billig. Ein altes Backsteinhaus erdbebenfest zu machen kostet rund 150 bis 300 Dollar pro Quadratmeter. Wer kann sich das leisten? Oder auch nur darüber nachdenken, wenn die Planungseinheiten bei einem Dot.com in Stunden, nicht Jahren gemessen werden? " Wenn es passiert, werden viele bei null anfangen müssen", sagt Scawthom. "Silicon Valley wird allerdings nicht ausgelöscht sein. Aber die Entwicklung wird aufgehalten. Ich denke, es wird eher so sein, als ob jemand für ein halbes Jahr die Uhr angehalten hätte." Nicht nur die Büros der Start-ups in den ungesicherten Lagerhäusern in San Francisco werden bei einem Beben von der Stärke 6,7 auf der Richter-Skala oder höher einfallen wie ein löchriges B2C-Geschäftsmodell. Auch die Büroflachbauten im Silicon Valley sind gefährdet. Aber die so genannten Tilt-ups - graue Schachteln aus zusammengesetzten Betonplatten, Dach drauf, Trennwände und Glasfaserleitungen rein, fertig - sind einfacher und billiger nachzurüsten. Die öffentlichen Baustandards sind allerdings lediglich Minimalanforderungen, keine Garantien. "Wir lernen immer noch vom Beben 1994 in Los Angeles", sagt Ken Mark, der sich Ende vergangenen Jahres zwei Monate in den zerstörten Chipfabriken Taiwans umsah. "Die Leute mögen denken, sie sitzen in einem funkelnagelneuen Bürobau, doch in Wirklichkeit sind die Gebäude der letzte Mist. Die Vorschriften sind dazu da, Leben zu schützen. Ob die Gebäude hinterher noch zu benutzen sind, ist eine andere Sache." Abgesehen von den Gebäudeschäden, würden sich im Falle eines Erdbebens auch die schon bestehenden Infrastruktur-Probleme drastisch verschärfen. Und die sozialen Folgen wären viel schlimmer als Risse in den Wänden. "Was passiert mit den Arbeitskräften? Wo und wie kommen sie unter, wie fahren sie zur Arbeit? Solche Fragen kann auch ein stabil gebauter Firmensitz nicht lösen. Dafür gibt es kein Back-up", sagt EQE-Fachmann Scawthom und holt theatralisch aus, um seiner Schadensprognose mehr Gewicht zu verleihen: " Selbst wenn eine Firma das Beben unbeschadet übersteht, wird sie eine einsame Insel in einem Meer der Zerstörung sein." Bei 7000 Hightech-Firmen mit 1,3 Millionen Angestellten sind das keine guten Aussichten. Kunden von New York bis Nürnberg würden zunächst nur die Lieferschwierigkeiten bemerken. Doch wenn die Börse auf ein Krisenquartal lahm gelegter Internetfirmen reagiert, könnte das Beben weltweite Schockwellen auslösen.

Straßen, Telefonleitungen und Stromversorgung, schätzen Experten, werden nach einer guten Woche notdürftig repariert sein. Das größte Problem ist die Wasserversorgung mit ihren bis zu hundert Jahre alten Pipelines. Eine Studie der Energieversorgungsbehörde von San Francisco kam diesen Januar zu dem Ergebnis, dass die meisten Wasserleitungen einem schweren Erdbeben nicht gewachsen sind. Bis zu einem Monat würde es dauern, bis die Lecks geflickt wären. "Den Service vollständig wiederherzustellen, um den durchschnittlichen Tagesbedarf zu decken", so die Stadtplaner der SFPUC, " würde sechs Monate oder länger dauern." Ohne Wasser können Chiphersteller dichtmachen, Rechenzentren oder Serverfirmen, die von Kühlaggregaten abhängig sind, also die meisten Internet-Unternehmen, ebenfalls. Ganz zu schweigen von den halb verdursteten Angestellten, die die angeschlagenen Firmen im Eiltempo wieder aufbauen sollen. San Franciscos Bürgermeister Willy Brown machte bei der Vorstellung des Reports dennoch auf Optimismus, unterschlug die düstere 30-Tage-Trockenzeit-Prognose und erklärte, an Nachbesserungen werde gearbeitet: " Unsere Wasserversorgung wird den Ansprüchen der Bewohner gerecht." Kommunalpolitiker zerbrechen sich seit Jahren den Kopf, wie man das Nervenzentrum der digitalen Wirtschaft katastrophensicher machen kann - mit wenig Erfolg. "Nicht einmal die Bay Bridge ist seit dem letzten Beben nachgerüstet worden", schnaubt Scawthom. Das ist jene doppelstöckige Megabrücke, die Oakland mit San Francisco verbindet und die 1989 bei dem Loma-Prieta-Erdbeben dramatisch-fotogen einbrach. Aus nahe liegenden Gründen kommt es nicht in Frage, Firmen zum Wegziehen zu ermutigen. eBusiness-Dienstleister sollen sich besser eine Kerncharakteristik des Internets zunutze machen: seine dezentrale Struktur. Daten- und Rechenkapazitäten kann man auslagern und übers Land verteilen.

Art Tyde beachtet alle Vorsichtsregeln. Er hat das Hauptquartier seiner Firma Linuxcare in ein Gebäude verlegt, das eher einem finsteren Bunker als einem gläsernen Hightech-Loft gleicht. Vor elf Jahren stand Tyde auf der Montgomery Street im Herzen San Franciscos und schaufelte die Rechner seines damaligen Arbeitgebers frei, die das Dach unter sich begraben hatte. Die Backup-Bänder hatte der Eigentümer damals glücklicherweise auf seinem Segelboot deponiert.

"Das passiert mir nicht noch einmal", sagt der 36-jährige Unternehmer bei einem Rundgang durch seinen Keller in der Townsend Street. Mit dem Eifer eines besessenen Sammlers zählt er die vier Meter hohen Notaggregate auf: "Back-up, bis es dir aus den Ohren rauskommt. Sechs Generatoren, drei Dieseltanks mit 40000 Litern, ein paar Kühltürme. Wir haben Rechenzentren in London, San Jose, Hongkong und New York. Büros in San Francisco und Amsterdam. Das Call Center ist in Canberra, das Entwicklungszentrum in Italien." Er hält inne und wartet auf einen bewundernden Blick: "Wir sind wie ein Huhn. Du kannst uns den Kopf abhacken, aber der Körper rennt so lange weiter, bis sie uns einen neuen Kopf annähen." Bis zur Pleite 1989 war 650 Townsend ein Ausstellungszentrum für die Bekleidungsindustrie, das einen ganzen Block einnahm. Es wurde jahrelang nachgerüstet und ist heute eine der sichersten Adressen San Franciscos - das behauptet zumindest sein Gebäude-Manager Ty Shettron. Das Hochhaus steht auf Stahlbetonpfeilern, die sechs Stockwerke tief in den marschigen Boden der Bucht reichen und Schwankungen mit Rollbewegungen auffangen. Mit einer Handvoll Minikraftwerken sowie Kühlaggregaten im Keller und auf dem Dach könnte man das ganze Stadtviertel ein paar Tage mit Strom versorgen. Fünf verschiedene Telekomdienste speisen unabhängig voneinander Glasfaserkabel in den Keller, damit die Verbindung zu den Rechenzentren bestehen bleibt.

"Andere Gebäude werden zu 50 bis 60 Prozent Schaden nehmen, hier gehen Fachleute von maximal 15 Prozent aus", sagt Shettron. Insgesamt 18 Start-ups, die Softwarefirma Macromedia, ein Telekomanbieter und eine Hostingfirma haben sich im Bunker niedergelassen. Im Gegensatz zu anderen Start-ups hat Linuxcare, das mit dem internationalen Kundendienst für das Betriebssystem Linux Geld verdient, ein ausgeklügeltes Notfallprogramm vorbereitet. "Wir können uns einen Ausfall nicht einen Tag leisten. Wenn hier die Stadt brennt, habe ich den Kopf frei, um eine geordnete Übergabe der Geschäfte an die anderen Büros zu machen", sagt Tyde: " Selbst wenn draußen Zombies rumlaufen würden, können wir als Firma überleben." Der neue Klient von Phil Scott in Folsom will es darauf nicht ankommen lassen. Steve Parker sitzt im Management des in Gründung befindlichen Online-Krankenversicherers CareAssured.com. Die Firma hat ihre Zelte in Oakland abgebrochen und ist nun dabei, auf Granit zu bauen. "Hier kommt das Call Center rein, unser Kernstück", sagt Parker, als er seinen riesigen schwarzen Geländewagen vor einem leer stehenden Neubau parkt. Parker ist die Vorhut der Dot.coms. Hohe Preise und hohes Risiko treiben nach den alteingesessenen Technikfirmen nun auch die Internetfirmen von der Bucht ins Hinterland.

Der Geschäftsmann sticht schon optisch aus dem Kleinstadtvolk heraus: kurz geschorene Haare, schwarze Sonnenbrille, schwarzer Rolli, schwarze Hose, schwarze Schuhe, zwei Handys, am Gürtel ein Pager. Auf der anderen Straßenseite joggen junge Mütter an gleichförmigen Einfamilienhäusern vorbei, während Parker seine neue Halle aufschließt. 100 bis 140 Leute will CareAssured diesen Sommer in Folsom einstellen. Intel und andere Firmen haben eine Sogwirkung geschaffen, sodass Stellen problemlos besetzt werden können. " Wenn wir in Oakland geblieben wären, hatte alles ein halbes Jahr länger gedauert, von den Sorgen um einen Notfallplan mal abgesehen. Folsom hat uns viele Steine aus dem Weg geräumt, da kommen andere Gemeinden nicht mit." Nur wohnen - nein danke. Parker wehrt ab - wohnen will er hier nicht. Er quält sich lieber jeden Abend durch den Stau zu seiner Familie nach San Francisco, Erdbebengefahr hin oder her.

"Nicht alle Leute machen den Umzug mit. Bei uns kam nur die Hälfte nach Folsom. Selbst die Risikokapitalgeber wollten nicht, dass wir wegziehen" , weiß Tom Johnson. Vor 14 Jahren verlegte er seine Firma Objective Systems Integrators, die Network-Management für Telekomfirmen anbietet, nach dem Start in Sausalito und einer Zwischenstation nördlich von San Francisco nach Folsom. Der 55-jährige hob früher gewohnheitsmäßig einen kompletten Satz Daten in seinem Haus auf - bis die Bänder ein ganzes Zimmer einnahmen und bei jedem Beben aus den Regalen polterten. Heute ist OSI an der Nasdaq notiert und hat knapp 500 Mitarbeiter, zwei Drittel davon in Folsom. "Wir managen das Glasfasernetz von Sprint", berichtet Johnson. " Da helfen Bänder wenig, das sind alles Echtzeit-Transaktionen. Deswegen sind alle Rechner nicht doppelt, sondern dreifach redundant." Wenn Johnson an Erdbeben denkt, muss er nur schmunzeln, so wie Bürgermeister Steve Miklos. Der föhnfrisierte Politiker kommt aus Los Angeles, das auf ebenso brisantem Boden steht wie San Francisco. "Niemand von meiner Familie wohnt mehr dort, sie sind alle weggezogen, spätestens seit North Ridge. Wir nennen das, was wir woanders gerunden haben, Lebensqualität. Sorgen um die Seismik sind nur ein Teil davon", erzählt Miklos. Er hat noch Platz für 20 000 neue, um Stabilität besorgte Einwohner, bevor sich Folsom mit Hightech saniert hat und langsam zu voll wird. "Ehrlich gesagt: Wenn ich darüber nachdenke, ist mir ein Erdbeben zehnmal lieber als eine richtige Rezession." Allgemeine Informationen über Erdbeben: www.seismo.unr.edu/ Prognose der US Geological Survey zu Erdbeben im Silicon Valley: http://geopubs.wr.usgs.gov/ fact-sheet/fs152-99 Prognose zu Infrastrukturschäden der SFPVC: www.ci.sf.ca.us/puc/reliability/study.htm