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Was denkt der bloß?

Rolf E. Breuer, Vorstandssprecher Deutsche Bank

Sogar hier, in meinem Büro, dem höchsten in Frankfurt, da, wo ich normalerweise über den Wolken schwebe, höre ich sie rufen: Breuer, komm raus, Breuer, geh nach Haus.




Habe ich das verdient? Ist das gerecht? Wohl kaum. Ich habe nur das Beste gewollt. Für die Bank und die Shareholder. Ich bin mir immer noch sicher: Meine Deutsche Bank wird der größte Finanzdienstleister der Welt. Wer heute jammert, wird morgen staunen. Ich lasse mich doch nicht vom Sessel schubsen, bloß weil da einer abspringt, der glaubt, er sei ein gleichwertiger Partner.

Alle wissen schließlich, was ich schon unendlich oft gesagt habe: Wo gehobelt wird, fallen Späne, je größer der Hobel, desto dicker der Span. Das Problem ist, dass die Menschen immer so klein denken. Die Dresdner Investmentbanker von Kleinwort Benson in London haben mit Champagner gefeiert, als die Fusion abgeblasen wurde. Dabei ist klar, dass ihre Bank nun wieder als Übernahme-Kandidat gehandelt wird. Und ob das für sie besser endet, wird sich noch zeigen.

Ich weiß auch, warum die Medien begeistert waren, als die Fusion platzte: Weil ich gewagt habe, ganz schlicht die Wahrheit zu sagen. Wer ehrlich ist, hat es eben schwer. Aber was sollen wir, auf dem Weg zur allergrößten Bank mit Kunden, die vor allem Kosten verursachen? Deshalb haben wir die Grenze bei 200 000 Mark gezogen. Damit waren übrigens alle einverstanden, auch die Leute von der Dresdner Bank. Aber die Sparkassen konnten nicht abwarten, uns unseren Erfolg madig zu machen. Gleich mussten sie der ganzen Welt erzählen, dass ihnen unsere frustrierten Kunden die Türen einrennen. Sollen die doch mit denen glücklich werden. Bei unserer Bank 24, die ihre Konten verwaltet hätte, wären sie nicht zu Schaden gekommen.

Den Ärger der Mitarbeiter verstehe ich genauso wenig. Ein Job bei einer Bank ist doch keine Anstellung auf Lebenszeit. Wir können es uns einfach nicht leisten, tausende von Leuten zu beschäftigen, die wir nicht brauchen. Damit werden wir nie die größte Bank des Planeten. Außerdem muss ich auf den Shareholder Value achten. Dass ich mit meiner Einschätzung richtig lag, zeigte sich doch eindeutig, als der Kurs unserer Aktien nach der Ankündigung der Fusion um fast zehn Prozent stieg. Da zeigen sich eben meine Managerqualitäten. Und an dem Rekordüberschuss für 1999: 2,6 Milliarden Mark. Das ist Spitze! Und ich lass mir das nicht kaputtmachen.

Kein Wunder, dass mich mein Aufsichtsrat nicht rausgeschmissen hat. Auch wenn da ganz unten schon an der Tür gerüttelt wurde. Klaus Nieding, der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, meinte, ich habe den Aktionären, den Kunden und Beschäftigten geschadet. Der soll erst mal nachrechnen, dann kann er sich ja wieder melden.

Eine Fusion ist eben kein Kinderspiel. Da braucht niemand zu fragen, wieso die Schlipsträger ganz oben nicht früher geahnt haben, dass da große Probleme auf sie zukommen. Ich bin denen keine Rechenschaft schuldig. Und den Lärm da unten höre ich mir auch nicht mehr an. Ich mache einfach das Fenster zu. Wer braucht schon frische Luft, wenn er über den Wolken sitzt.