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Wer klagt, verliert

Gegen die Unterlassungsklagen aus der alten Wirtschaft immunisieren sich die E-Commerce-Gründer durch Kooperationen. Daniel Wild, Vorstand der Getmobile AG, über den wirtschaftlichen Wert von Freundschaft.




brand eins: Herr Wild, Intershop gegen Openshop, Jobpilot gegen Worldwidejobs: viele Unternehmen versuchen gerade, durch rechtliche Schritte ihre Konkurrenz zu treffen. Ist das jetzt der neue Ton? Daniel Wild: Das ist uns auch passiert. Die Herzog Telecom stellte uns am 24. Dezember 1999 eine Abmahnung zu, für etwas, was die gesamte Branche macht: Im Videotext, wo wir anfangs auch geworben haben, wirbt keiner mit einem Sternchen. Kunden wissen inzwischen, dass zu einem sehr günstigen Handy auch ein Vertrag gehört.

Offensichtlich ist Ihnen aber nichts passiert. Die Verfahren laufen noch? Ja. Wäre ich irgendein Junge ohne Back-up gewesen, hätte ich schlechte Feiertage verbracht. So aber haben wir den Fehler beseitigt. Ich habe mit meinem Anwalt telefoniert, und am 27. Dezember haben wir Abmahnungen ausgetauscht. Die Herzog Telecom hatte nach unserer Meinung auf ihrer eigenen Homepage ähnliche Fehler gemacht.

Wie schützen Sie sich gegen solche Klagen aus der alten Wirtschaft? Wir verbringen unsere Zeit lieber damit, unseren Vorsprung auszubauen, als Leuten in die Knie zu schießen. Wir verfolgen eine andere Strategie. Es geht heute um Geschwindigkeit. Nicht die Stärksten, sondern die Schnellsten werden überleben. Wenn wir so faul sind, dass wir nicht mehr die Geschwindigkeit vorgeben, haben wir es verdient, überholt zu werden.

Aber wie sichern Sie sich gegen Mitbewerber ab?

Wir errichten Wettbewerbsbarrieren wie andere auch. Nur bestehen die heutzutage aus Kooperationen mit Partnern. So entstehen wichtige, nicht einklagbare Unternehmenswerte. Das ist wie im Märchen vom Hasen und Igel. Wo der Hase aus der alten Welt hinkommt, sitzt bereits der Igel, egal, ob er zu 12Snap, Teltarif, Billiger-Telefonieren oder Yahoo kommt, Getmobile ist da.

Wie kann man bei dieser Marktgeschwindigkeit überhaupt noch Produktqualität einhalten? Wir waren nie näher am Kunden als heute. Ich lese zum Beispiel jeden Morgen unsere E-Mails, richtig böse und richtig gute. Unsere Mädels im Call-Center sind die wichtigsten Mitarbeiter.

Was tun Sie gegen platte Kopien, eine ständige Pest im Internet?

Wir werden natürlich ständig kopiert. Ob sie nun Getahandy.de heißen oder Getmobile.ch. Ich empfinde das als Hommage. Mit den Schweizern versuche ich gerade, Kontakt aufzunehmen. Die anderen, Getahandy.de, habe ich zum Essen eingeladen und ihnen angeboten, bei uns zu arbeiten. Die dachten erst, ich wollte sie veräppeln. Nach einer Nacht Bedenkzeit haben sie zugestimmt, dann schnell fertig studiert und sitzen jetzt bei uns.

Schön und gut, aber was passiert, wenn Sie sich nicht einigen können? Das Ziel der anderen ist schneller Profit. Unser Ziel ist vorerst Umsatz und Kundenakquisition, denn wir wollen irgendwann an die Börse. Also bieten wir Mitbewerbern eben die Abwicklung für bestimmte Bereiche an. Manchmal haben wir Content, den die anderen benötigen. So haben wir zum Beispiel unsere Anbieter-Datenbank für Teltarif geöffnet. Dafür sind wir deren Partner, und nur wir.

Wo endet Ihre Kooperationsbereitschaft?

Die hört dort auf, wo gegenläufige Interessen verfolgt werden. Das größere Problem ist aber, dass in einem inflationären Markt wie dem Internet die Leute oft überhöhte Wertvorstellungen von ihrer Arbeit haben.

Die Zielgruppe ist das Futter für das Wachstum der Internet-Unternehmen. Haben wir gerade A zu wenig Futter oder zu viele Unternehmen? Im Augenblick wachsen die Fresser schneller als die zu Fressenden.

Kontakt: Getmobile ist Marktführer für den Vertrieb von Handys im Internet. www.getmobile.de