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Hintergrund: Unified Messaging - Fax, Telefon, Handy und eMails werden eins

Der Pfadfinder. Reiner Wahnsinn: Mails, Faxe, Briefe, Anrufe, Notizen, die wir nie rechtzeitig erhalten. Stille Hoffnung: Mit Unified Messaging rennen nicht mehr wir den Nachrichten hinterher, sondern die Nachrichten uns.




Im Zeitalter der unbegrenzten Erreichbarkeit ist es schwierig, jemanden ans Telefon zu bekommen. Mobil ist der Mensch, statisch die Kommunikation.

So kennen wir das: Faxe, Briefe und E-Mails treffen grundsätzlich dann ein, wenn niemand nach ihnen sieht, Telefone klingeln, sobald man das Büro verlässt. Das Problem ist nicht, dass wir unerreichbar sind - Visitenkarten mit drei unterschiedlichen Telefonnummern sind keine Seltenheit. Es ist nur ein Ding der Unmöglichkeit, allen Nachrichten auf der Spur zu bleiben. Insbesondere, wenn man viel unterwegs ist. Es gibt also schlicht und einfach zu viele Möglichkeiten, uns zu kontaktieren. Jemand muss eine Bresche durch diesen Dschungel schlagen. Eine Aufgabe, die man hervorragend auf das Internet abwälzen kann: Nachrichten aller Kanäle, vereinigt euch!

Mails, Fax, Anrufe - zusammmenführen, was zusammengehört Ein System für das vereinheitlichte Erfassen von Nachrichten (Unified Messaging System = UMS) muss eingehende Nachrichten bündeln und auf verschiedenen Wegen verfügbar machen. Egal, woher sie kommen und wohin sie gehen, das Empfangsgerät spielt keine Rolle mehr: Es kann ein Handy, ein PC, ein Personal Digital Assistant oder ein Telefon sein.

Computerstimmen lesen uns Faxe und E-Mails vor, virtuelle Anrufbeantworter jagen dem Abwesenden Sprachnachrichten weltweit hinterher, Handy-Besitzer checken zwischen zwei Flügen ihr elektronisches Postfach. Unified Messaging Systeme organisieren den gesamten Fluss der Nachrichten.

Viele Medien, ein Postfach: Die Informationsflut wird kanalisiert. Klingt toll, ist aber technisch anspruchsvoll. Schließlich müssen alle Kommunikationsmittel und -techniken auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden. Das geht zwar, ist jedoch noch nicht ausgereift. Das größte Problem ist das Antworten: Woher soll ein Computer wissen, von wem eine Sprachnachricht kommt? Oder: Wie ruft man per Telefon ein Faxgerät zurück? Selbst Kunstpfeifer geraten rasch an ihre Grenzen.

Weil die Anforderungen so unterschiedlich sind, spaltet sich der Markt in zwei Bereiche: Messaging für Firmen und für Einzelkunden. Wo Unternehmen eine möglichst komplikationslose Integration in vorhandene Systeme brauchen, wollen die Einzelkämpfer der neuen Wirtschaft schnelle, einfache Oberflächen, die sich frei gestalten lassen. Beides unter einen Hut zu kriegen ist schwer.

Firmen können mit Unified Messaging ihre laufenden Telekommunikationskosten senken. Faxgeräte werden entrümpelt, weil alle Dokumente erst am PC der Mitarbeiter auflaufen. Und der Papierverbrauch sinkt mittelfristig, weil Schriftstücke grundsätzlich immer und überall elektronisch verfügbar sind.

Die UMS-Software integriert sich meist in vorhandene Installationen. Viele setzen auf dem Microsoft Exchange Server auf und erweitern die E-Mail-Anwendungen Outlook oder Notes um Messaging-Funktionen. Wer keine neue Software zu erlernen braucht, ist schneller vom Sinn des Fortschritts zu überzeugen.

Der größte Vorteil der Technik: Niemand braucht neue Hardware. Die Nachrichten landen allesamt in einer virtuellen Box, das Abfragen geschieht mit vorhandener Technik. Ein Tonwahltelefon und ein Computer mit Internetanschluss befinden sich heute selbst in den entlegensten Gegenden. Nur wer mobil sein will, braucht Geld: Viele Anbieter setzen auf das neue WAP (Wireless Application Protocol), um Internet-Inhalte auf Mobiltelefonen anzeigen zu können. Die ist aber erst in der neuesten Gerätegeneration integriert.

Die Vereinigten Nachrichten gibt es auch gratis - mit Vorbehalt Mit JFax ist seit mehreren Jahren eine kostenpflichtige Lösung zum Bündeln von Nachrichten verfügbar. Aber seit Analysten dem Unified Messaging eine glänzende Zukunft voraussagen, hat der Pionier mächtig Konkurrenz bekommen. Mit 31 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahre 2006 rechnen zum Beispiel die britischen Marktforscher von Ovum. Kein Wunder, dass die Nachzügler mit werbefinanziertem Messaging zum Nulltarif aufzuholen versuchen. In Deutschland ist seit Anfang des Jahres Web.de mit einem kostenlosen Dienst vertreten und lässt die Konkurrenten zittern: "Ein heikler Punkt" sei das, sagt die Pressereferentin von Smartvia. Dort kostet die Nachrichtenbox 9,78 Mark pro Monat, kann dafür aber selbstständig Telefonkonferenzen durchrühren und, dank zugehörigem Postfach mit Scan-Service, sogar echte Briefe elektronisch verfügbar machen. Wie viele Kunden den kostenpflichtigen Dienst nutzen, hält Smartvia bislang geheim.

Noch ist es schwierig, Geld aus den Surfern herauszupressen. Der Anbieter Virtualplus fragte jüngst seine Nutzer, warum sie eigentlich ihre Nachrichtenbox betreiben würden. 74 Prozent der Befragten antworteten: "Weil sie kostenlos oder sehr günstig war." Nur etwa fünf Prozent der Kunden zahlen beim Anbieter Onebox den Premium-Aufschlag, glauben Analysten. Das drückt die Preise und erhöht das Sparpotenzial. Wenn jeder Mitarbeiter ein eigenes Fax samt Anrufbeantworter hat, ohne dass eines der Geräte real existiert, schindet man Eindruck und spart Geld. Einzelkunden haben zudem den Bonus, Leichtgläubige blenden zu können. Eine persönliche Telefonnummer mit Silicon-Valley-Vorwahl ist kein Problem, auch wenn der Besitzer des Anschlusses noch nie die Sonne Kaliforniens gesehen hat. Indische Computerfachleute demonstrieren so gern Professionalität. Die Globalisierung bekommt ihre eigenen Statussymbole.

Wo Marktforscher Potenzial sehen, aber die Kunden noch zögern, wird die Industrie unruhig. Schon auf der Cebit war in diesem Jahr das Unified Messaging ein Kernthema so wie im Vorjahr die Mischung aus Internettechnologie und Handy, genannt WAP.

Die Deutsche Telekom AG will noch in diesem Jahr ein Unified-Messaging-Produkt auf den Markt bringen. Bis zum Markteintritt der Multis haben die Kleinen Zeit, sich ihre Klientel zu sichern. Danach beginnt die Marktbereinigung. Große Netzbetreiber wie AT&T oder die Deutsche Telekom können Messaging unter bereits vorhandenen Telefonnummern anbieten. Bisher teilen die meisten Services den Kunden neue Nummern zu. Doch das mag nicht jeder. Die Visitenkarte ist eh schon mit Nummern und Adressen randvoll gepackt. (BS)