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Die Besserwisser

Marc-Oliver Scheele und Uwe Holzvoigt verkaufen etwas, das für jedermann unbegrenzt und gratis verfügbar ist: Informationen aus dem Internet. Gut möglich, dass die beiden demnächst Wissen in Gold verwandeln.




Wissen, so sagt man, ist das Gold der Neuen Wirtschaft - der Rohstoff, aus dem die Imperien der Zukunft sind.

Woraus aber besteht Wissen?

Aus Erfahrung und Informationen. Nicht irgendwelchen Informationen, sondern den relevanten.

Klar.

Wie aber findet man die?

Auch klar: im Internet.

280 Millionen Menschen in aller Welt sind bereits online, mehr als 80 Prozent der Business-Anwender nutzen das Internet, um aktuelle Informationen und Berichte abzurufen. Nach vorsichtigen Schätzungen verbindet das Netz derzeit 80 Millionen Anbieter mit mehr als einer Milliarde Web-Seiten. Damit ist das World Wide Web der größte und zugleich demokratischste Informationspool in der Geschichte der Menschheit: Jeder kann diesem gigantischen Grabbeltisch Informationen entnehmen oder hinzufügen. Und genau damit beginnen die Probleme. Weil sich in den Weiten des Webs fast alles irgendwo finden lässt, finden mittlerweile nur noch die etwas, die sehr viel Zeit oder sehr viel Erfahrung haben. Am besten beides.

Für den Rest gibt es Suchmaschinen. Doch die durchkämmen aus Kapazitätsgründen nur noch maximal ein Viertel des Webs und kehren entweder mit leeren Seiten oder einem Haufen Müll zurück. 70 Prozent der deutschen Führungskräfte (so eine Umfrage des Softwarehauses Sqribe von 1998) sind genervt, weil sie trotz aufwendiger Recherche nicht die Informationen finden, die sie benötigen. Ihren Frust kann jeder nachvollziehen, der nach Informationen etwa über MP3 (Fireball: 29 292 Treffer) oder einem Hintergrundartikel zum neuen Web-Standard XML fahndet (609 Fundstellen bei Alta-vista, davon 90 Prozent unbrauchbar). Selbst wer nur wissen will, in welchem Berliner Kino gerade "Fight Club" läuft, muss sich durch 80 Lycos-Fund-stellen wühlen, darunter eine mit Webcam-Bildem aus Honolulu und einen Hinweis auf eine alte Filmkritik in der " Süddeutschen Zeitung" von "Das letzte Einhorn", die sich als ungültige Adresse entpuppt. "Als Informations-sucher im Internet", klagt der Bremer Online-Journalist Christian Just, "fühlt man sich wie ein Goldsucher, der mühsam einen dreckigen Fluss durchsiebt und am Ende des Tages doch nur vor einem Haufen Schlamm steht." Was würde ein solcher Goldgräber tun? Nun, er könnte zum Beispiel einen erfahrenen Scout dafür bezahlen, dass er ihm die erfolgversprechendsten Flussabschnitte verrät. Marc-Oliver Scheele ist ein solcher Gold-Scout. Der 27-jährige Informatiker aus Gießen fischt im Internet nach Informationen. Ein Service, der sich für alle lohnt, die selbst keine Zeit oder keine Internet-Erfahrung haben. Scheele schürft aber auch für Auftraggeber, die ihr Interesse an einem Thema verschleiern wollen. Denn mit frei herunterladbaren Sniffer-Programmen könnten Konkurrenten ziemlich einfach den Datenverkehr ihrer Mitbewerber "abhören" und herausfinden, für welche Märkte oder Marken die sich gerade interessieren. Indem sie die Suche auslagern, verwischen sie ihre Spuren.

Diese Dienstleistung, das so genannte Information-Broking, ist für Scheele jedoch nur Nebenprodukt. Wichtiger ist eine Erfindung, die ihm und anderen Nutzem die Wühlarbeit abnehmen soll: ein Suchagent namens Search-Broker.

Auf den ersten Blick ist Scheeles Agent eine Meta-Suchmaschine wie viele andere. Auf den zweiten entpuppt sich Search-Broker als Gold suchender Sklave, der immer dorthin paddelt, wo im Wissensstrom die dicksten Nuggets zu finden sind. Mehr noch: Er merkt sich, welche Fundstellen sein Auftraggeber besonders lange angeschaut hat (dorthin wird er immer wieder zurückkehren), und welche ihn gar nicht interessiert haben (die wird er in Zukunft links liegen lassen). Eine Art intelligentes Sieb für den Informationsfluss also. Ein selbst lernendes Werkzeug. Und wenn es funktionieren sollte, eine echte Goldgrube.

Alle Antworten stehen im Netz. Man muss sie nur finden.

Denn derzeit verschwenden Großunternehmen wie Versicherungen, Biotech-Firmen, Banken, Verlage oder Systemhäuser, die beständig große Mengen an Informationen und Daten aufspüren und verarbeiten, noch eine Unmenge Geld und Arbeitszeit für Mitarbeiter, die erfolglos im Netz zappeln. Laut einer Sqribe-Umfrage unter Top-managem der 1000 größten europäischen Firmen verzappen Mitarbeiter etwa 600000 Arbeitsstunden pro Jahr und Großunternehmen mit umständlichen Suchvorgängen. Scheele hat das 1996 wahrend seines Praktikums bei Lufthansa Systems in New York beobachtet. Dort fahndeten Software-Entwickler stundenlang mit meditativer Geduld nach Lösungen für ihre IT-Probleme. "Die Antworten standen alle im Netz, waren aber schwer zu lokalisieren. Die Lösung: ein intelligentes Softwaretool. Man musste es nur entwickeln." Alles Weitere erledigte Scheele mit kühler Zielstrebigkeit: 1998 Diplomarbeit zum Thema "Informationssuche im Internet - Entwicklung eines themenorientierten Suchagenten" - der Masterplan für Search-Broker. 1999 Abschluss an der FH Gießen-Friedberg als Jahrgangsbester, Gründung des Mini-Unternehmens MOS-IT (für Marc-Oliver Scheele - Informations-Technologie), Erprobung eines Search-Broker-Prototypen bei zwei Firmen. Mit Erfolg, wie Scheele sagt. Dann: Denkpause. "Mir wurde klar, dass ich allein nicht richtig weiterkam. Also habe ich mir Unterstützung gesucht." Wo findet ein Information-Broker seinen Partner? Natürlich im Internet.

Diese fand der junge Informatiker - wo sonst? - im Internet. Genauer: im Innovation Market, einer Art virtuellem Kontakthof, den die Deutsche Börse und die Kreditanstalt für Wiederaufbau betreiben. Im Gedränge zwischen Innovateuren ohne Geld und Geldgebern auf der Suche nach Ideen präsentierte auch Scheele seine Idee. Uwe Holzvoigt, 33, Diplom-Betriebswirt aus dem bayerischen Woinzach, war gerade zum kaufmännischen Leiter eines Systemtechnikunternehmens aufgestiegen und ziemlich gelangweilt. "Der letzte Kick hat irgendwie gefehlt." Heute ist Holzvoigt glücklich, dass er bei Search-Broker "jede Menge bewegen" kann. Scheele wiederum freut sich, dass sein Partner den Business-Part übernommen hat. Eine Idealpartnerschaft. Wenn die beiden Start-up-Vorstände voneinander schwärmen, klingt es wie das Gezwitscher zweier Jungverliebter, die sich gerade in einem Chatroom kennen gelernt haben. So ähnlich war es ja auch.

Holzvoigt baute das Unternehmen zunächst zu einer AG um. Als Erster erwarb Dr. Bernhard Jopen, Gründer der Telenet GmbH und seit deren Verkauf hauptamtlicher Business Angel, eine knapp zehnprozentige Beteiligung. "In vielen Unternehmen ist der Leidensdruck extrem er hoch", ist Jopen überzeugt, "da gibt es eine echte Marktlücke für Search-Broker." Im Januar 2000 zogen die Suchagenten von Gießen nach Dresden, "wegen der Fördermittel und weil hier einige der besten IT-Firmen vor der Haustür sitzen." Eine Business-Villa am Stadtrand, frisch ausgepackte Büromöbel, der Geruch nach Farbe. Zwei hauptamtliche Information-Broker fahnden nach Fundgruben im Netz, ein blasser Informatikstudent tüftelt an der Programmierung der Software. Vor den Bürofenstern der beiden Vorstände fließt die winterliche Elbe, die gerade mächtig über ihre Ufer tritt und in der Dresdner Innenstadt den Verkehr lahm legt. Eine schöne Metapher fürs Internet: Überfluss führt zum Stau. Dann braucht man neue Wege.

Der Suchagent weiß, wo er suchen soll. Und er lernt aus Erfahrungen.

Die Abkürzung, die Scheele und Holzvoigt ab Herbst 2000 möglichst vielen Kunden zeigen wollen, geht so: Nach ausgiebiger Bedarfsanalyse wird der Suchagent im Datennetz des Kunden implementiert und seinen Bedürfnissen entsprechend konfiguriert, denn eine Biotech-Firma interessieren andere Quellen als eine Versicherung. Durch die Personalisierung verläuft die Suche des Agenten, der auch das "invisible web", also kostenpflichtige Datenbanken durchsucht, automatisch zielgerichteter als das Nebelstochern herkömmlicher Suchmaschinen. Parallel wird die Menge der Quellen über Search-Broker-Rechercheure und die firmeneigene Meta-Dir-Suchmaschine ständig erweitert und aktualisiert. Bei der Präsentation seiner Ergebnisse "merkt" sich der Agent, welche Seiten vom Auftraggeber geöffnet, welche lange betrachtet, welche ignoriert wurden. Entsprechend modifiziert er seine Arbeit. Jede neue Suche profitiert somit von den Erfahrungen früherer Recherchen, die Maschine wird immer "klüger".

Zusätzlicher Clou: Sämtliche gefundenen Dokumente können im internen Datennetz des Kunden gespeichert und in das firmeneigene Know-how-Management integriert werden. Ziel ist ein bedarfsorientiertes, ganzheitliches Informations-Management für Unternehmen, das alle internen wie externen Datenquellen sinnvoll vernetzt und jederzeit nach Bedarf abrufbar hält. Holzvoigt: " Search-Broker-Kunden werden 60 bis 80 Prozent ihrer Recherchezeit einsparen können. Das ist ein echter Kostenfaktor." Dagegen sind die Kosten für das virtuelle Gehirn vergleichsweise bescheiden; Um die 25 000 Euro plus Implementierungspauschale wird das Gesamtpaket kosten. "Wenn nur fünf Suchvorgänge pro Tag gestartet werden", rechnet Holzvoigt vor, "amortisiert sich der virtuelle Agent binnen 18 Monaten." Ab Herbst 2000 soll der virtuelle Agent, von dem bisher nur ein Prototyp existiert, in einem Pilotprojekt getestet werden. Ein ziemlich ehrgeiziger Zeitplan, denn noch fehlen mindestens zwei Java-Programmierer. Scheele: "Von den angeblich 60 000 arbeitslosen Informatikern in Deutschland hat uns das Arbeitsamt nur einen einzigen vermittelt. Und der hat abgesagt." Gesucht werden weitere Information-Broker, mit denen Scheele die Search-Broker-Quellenbasis erweitern kann.

Uwe Holzvoigt kümmert sich derweil um das Wachstum des jungen Technologieunternehmens. Noch in diesem Sommer will er knapp drei Millionen Euro zusätzliches Kapital einsammeln und ein etabliertes Knowledge-Management-Unter-nehmen als Partner gewinnen. "In diesem Segment muss man schnell wachsen", weiß Holzvoigt, "sonst geht man im Grundrauschen des Marktes unter." Möglichst bald will die Search-Broker AG auch Dependancen in Frankreich, Großbritannien, Skandinavien und Benelux eröffnen. "Ab Ende 2000 erste größere Umsätze", steht als Ziel im Business-Expose und als letzter Punkt: " Marktführerschaft in unserem Segment." Bis dahin wird sich das Netz, wenn es mit seiner derzeitigen Geschwindigkeit weiterwächst, bereits auf weit über 100 Millionen Hosts ausgedehnt haben. Noch mehr Informationen also, und damit noch mehr Ratlosigkeit. Braucht es noch mehr Argumente für einen Gold-Scout?__ // Search-Broker AG, Helfenbergerstraße 6, 01277 Dresden Fax: 03 51/43 30 90-9 E-Mail: Info@searchbroker.de www.searchbroker.de Der Innovation Market im Internet findet unter der Adresse www.venture-management-services.de/innovation/ statt.